05.05.2026 | Aktuelles | Forschung

27. Industrie-Förderkreistreffen am Fachgebiet Gießereitechnik: Fokus auf Künstliche Intelligenz und Digitalisierung in der Gießereitechnik

Am 05. Mai 2026 trat der Industrie-Förderkreis „Innovativer Gussleichtbau“ zum 27. Treffen des Fachgebiets Gießereitechnik in der Metakushalle in Baunatal zusammen. Im Zentrum der Veranstaltung standen zukunftsweisende Entwicklungen in der datengetriebenen Prozessoptimierung sowie der Start eines neuen Gemeinschaftsforschungsprojekts zur Etablierung einer Künstlichen Intelligenz im Druckguss.

Nach der einleitenden Begrüßung durch Prof. Dr.-Ing. Martin Fehlbier wurde den anwesenden Industrievertretern das Ergebnis zur Wahl des künftigen Gemeinschaftsforschungsprojekts des Förderkreises vorgestellt. Mit über 60 Prozent der Stimmen fiel die Entscheidung auf das Vorhaben „Entwicklung IFK-Plattform für KI im Guss“. Tameem Kisieh M.Sc. erläuterte im Rahmen der Projektvorstellung, dass das Ziel die durchgehende Digitalisierung der institutseigenen Bühler 1400 t Druckgießzelle ist. Durch die systematische Verknüpfung von Maschinen-, Werkzeug- und Peripheriedaten soll eine belastbare und schussbezogene Datenbasis aufgebaut werden, welche die fundamentale Voraussetzung für künftige KI-Assistenzsysteme darstellt.

Die hohe Relevanz einer strukturierten Datenarchitektur betonte auch Dr. Martin Juhrisch, CEO der Symate GmbH, in seinem Gastvortrag. Er stellte heraus, dass heterogene Datenquellen nach wie vor eine zentrale Herausforderung beim Aufbau performanter KI-Systeme in der Gießereiindustrie bilden. Den Bogen zur prozesstechnischen Praxis der Formentlüftung spannte Christian Enke, CEO der InterGuss GmbH. Er verdeutlichte, dass fundierte prozesstechnische Entscheidungen – analog zur Nutzung von Künstlicher Intelligenz – maßgeblich davon abhängen, die richtigen Messwerte zum korrekten Zeitpunkt an der richtigen Stelle zu erfassen.

Neben den Ansätzen zur Digitalisierung wurden aktuelle technologische Forschungsprojekte diskutiert. Prof. Dr. Wolfgang Leisenberg präsentierte die Ergebnisse des Projekts „InForm“. Durch den Einsatz eines Signalflussmodells zur Echtzeit-Simulation der Temperaturverläufe konnte die Zykluszeit im Druckguss unter vollständigem Verzicht auf Wassersprühen stark gesenkt werden. Darüber hinaus wurden dem Förderkreis neue Projektanträge vorgestellt: Nahom Berhane skizzierte Untersuchungen zur energieeffizienten Trocknung anorganisch gebundener 3D-gedruckter Sandformen. Prafull Chandra präsentierte ein geplantes Vorhaben zur bruchmechanischen Charakterisierung der Graphit-Randschicht-Entartung bei Vermiculargraphitguss. Abschließend referierte Niklas Schwenke über die technologischen und wirtschaftlichen Potenziale des Magnesium-Thixomoldings für großformatige Strukturbauteile im Automobilsektor.

Die Veranstaltung bot zudem den Rahmen für personelle Ankündigungen am Zentrum für Gussleichtbau und Konstruktion. Prof. Fehlbier würdigte die erfolgreich abgeschlossene Promotion von Dr. Stefan Gneiger im Bereich brandbeständiger Magnesiumlegierungen. Zudem gratulierte er Paul Becker zu seinen Auszeichnungen bei der Euroguss 2026 sowie auf der S2P-Konferenz. Zur Verstärkung des Lehrstuhls wurde Frederic Sonne als neuer wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Forschungsgruppe „Dauerformguss“ begrüßt.