Meldung
„Sondervermögen“ ist das Unwort des Jahres 2025
Die Jury kritisiert diesen Gebrauch, weil durch ihn Tatsachen verschleiert werden und wegen seiner manipulativen Wirkung. Dadurch werden demokratische Debatten über die Notwendigkeit der Schuldenaufnahme unterminiert: Verständlichkeit und Aufrichtigkeit werden hinsichtlich der aufgenommenen Schulden vermieden. Wo politische Kommunikation alle Bürger:innen betrifft, ist das sprachkritische Einmahnen von Klarheit und Angemessenheit in der Sprache diskursethisch geboten.
Außerdem kritisieren wir als Unwort auf Platz 2 im Jahr 2025:
Zustrombegrenzungsgesetz: Zustrombegrenzungsgesetz ist ein Ausdruck, der Zuwanderung mit der Wassermetapher als ‚Herbeiströmen in großen Mengen‘ darstellt und Zuwanderung dadurch negativ, d. h. als Bedrohung konnotiert. Bezeichnungen aus dem Bereich der Wassermetaphorik, die sich auf Migration beziehen, sind bereits seit den 1950er Jahren in Gebrauch (z. B. Flüchtlingsstrom, Asylantenstrom, Flüchtlingsflut, Asylantenwelle, Flutwelle, Asyltsunami etc.). Menschen, die sich auf der Flucht befinden, verschwinden hinter der Bezeichnung eines massenhaften materiellen physikalischen Prozesses („zuströmen“) und werden damit als große Menge und Gefahr vorgestellt und zugleich entmenschlicht. Das individuelle Schicksal von Migrierenden wird ausgeblendet. In der kritisierten Wortbildung wird diese Diskriminierung zudem in Form eines Gesetzes institutionalisiert.
Auch in diesem Jahr greift die Jury wieder auf die 2013 eingeführte Kategorie des persönlichen Unworts der Gäste zurück.
Das persönliche Unwort unseres diesjährigen Gastes Ronen Steinke:
Umsiedlung: Mit dem Ausdruck Umsiedlung warben israelische wie auch amerikanische Politiker 2025 die Bevölkerung des umkämpften Gazastreifens dauerhaft in ein anderes Land zu schicken. Was klingt wie eine Wohltat, verschleiert ein Verbrechen. Eine „Umsiedlung“ unter vorgehaltener Waffe nennt man im Völkerrecht gemeinhin eine Vertreibung. Und wenn man Zivilistinnen und Zivilisten vor die Wahl stellt, entweder beschossen und bombardiert zu werden oder „freiwillig“ das zu tun, was man ihnen „anbietet“, dann ist das kein Angebot, sondern Zwang. Auch einige deutsche Medien übernahmen diese beschönigende Sprechweise.
Unwortstatistik 2025
Für das Jahr 2025 erhielt die Jury insgesamt 2631 Einsendungen. Es wurden 553 Ausdrücke vorgeschlagen, von denen ca. 70 den Unwort-Kriterien der Jury entsprachen. Unter den häufigsten Einsendungen (mindestens 10 Einsendungen) – nicht alle von ihnen entsprechen strikt den Kriterien – waren u.a.: Babyboomer (16), Brandmauer (22), Deal (215), Drecksarbeit (91), Friedensangst (582), hocheffizienterVerbrenner (22), kriegstüchtig (42), Ladeerlebnis (154), Sondervermögen (79), Stadtbild (141), tatsächlich (20), Technologieoffenheit (36), umstritten (427), Zustrombegrenzungsgesetz (17).
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