Dr. Ma­rei­ke Böth, M.A.

Wissenschaftliche Assistentin (post-doc) im Fachgebiet Geschichte der Frühen Neuzeit (2013-2021)
Doktorandin im Fachgebiet Geschichte der Frühen Neuzeit (2008-2013)

 

E-Mail

mboeth[at]uni-kassel[dot]de

seit 02/2013Wissenschaftliche Assistentin (post-doc) im Fachgebiet Geschichte der Frühen Neuzeit, Universität Kassel, Prof. Dr. Anne-Charlott Trepp
10/2008-01/2013Doktorandin im Fachgebiet Geschichte der Frühen Neuzeit, Universität Kassel, Abschluss der Promotion mit der Disputation (20.01.2013); Promotionsstipendiatin der Studienstiftung des deutschen Volkes (2009-2010) sowie des Otto-Braun-Fonds, Universität Kassel (2008); 01/2011-12/2013 Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Fachgebiet Geschichte der Frühen Neuzeit, Universität Kassel, Prof. Dr. Renate Dürr
WS 2002 - SS 2008Studium Geschichte/Politikwissenschaft, Universität Kassel; Abschluss 05/2008 Magistra Artium; 2004-2008 Stipendiatin der Studienstiftung des deutschen Volkes; studentische und wissenschaftliche Hilfskraft FB 5, Universität Kassel (2003-2009), u.a. Koordinatorin des Interdisziplinären geisteswissenschaftlichen Forschungsschwerpunktes KURA „Konstruktion von Kulturräumen" (2006-2009); Praktika Historische Kommunikation der Volkswagen AG, Wolfsburg (2006), KZ-Gedenkstätte Mittelbau-Dora, Nordhausen (2005)

 

Mitgliedschaften

  • Erstmitglied der Interdisziplinären Arbeitsgruppe Frauen- und Geschlechterforschung (IAG), Kassel

Ar­beits­schwer­punk­te

  • Geschichte der Subjektivierungsweisen
  • Diskursgeschichte der Aufklärung
  • Geschlechtergeschichte
  • Körper- und Emotionengeschichte
  • Selbstzeugnisse in der Frühen Neuzeit
  • Theorien und Methoden der Geschichtswissenschaften (Subjekt- und Diskurstheorie, Intersektionalität und Geschichtswissenschaften, Historische Praxeologie)

Ha­bi­li­ta­ti­ons­pro­jekt

Glück und Glückseligkeit in der Frühen Neuzeit. Zur kulturellen Semantik eines geschichtlichen Grundbegriffs (1680-1850) (Arbeitstitel)

Kurzbeschreibung folgt in Kürze


Dis­ser­ta­ti­on (ab­ge­schlos­sen: 01/2013)

Erzählweisen des Selbst: Körper-Wissen und Leib-Praktiken in den Briefen Liselottes von der Pfalz (1652-1722)

Mit über 6000 überlieferten Briefen zählt der Nachlass der pfälzischen Kurprinzessin und verheirateten Herzogin von Orléans Elisabeth Charlotte zu den umfangreichsten der Frühen Neuzeit. Die vorliegende Dissertationsschrift widmet sich diesem außergewöhnlichen Briefkorpus aus einer interdisziplinär orientierten subjekt- und erzähltheoretischen Perspektive, denn in ihren Briefen betreibt Elisabeth Charlotte mehr als nur Kontaktpflege mit räumlich entfernten expliziten Adressaten. Vielmehr setzt sie sich intensiv und detailreich sowohl mit sich selbst und ihren Mitmenschen als auch mit dem Wissen ihrer Zeit auseinander. Über diese vielfältigen, im Schreiben ausagierten Relationen gab Elisabeth Charlotte sich als Person immer wieder einen symbolischen Ort im Gesellschaftsgefüge sowie innerhalb diskursiv hergestellter kollektiver Wissens-ordnungen. Den Schlüssel zum Verständnis dieser geschriebenen Selbstpositionierungs-prozesse bildet eine mikrohistorisch orientierte präzise Textanalyse  jener Erzähl-sequenzen, die von Wissenskonzepten über sowie vom praktischen Umgang mit dem Körper berichten, der immer zugleich auch affektiv-spürbar Leib ist. Die untersuchten Korrespondenzen zeugen vom Versuch, ein über alle biographischen Wandlungsprozesse kontinuierliches Selbst zu schreiben. Über weite Strecken hinweg erzählte Elisabeth Charlotte ein auf familiärer und verwandtschaftlicher Zugehörigkeit basierendes ‚genealogisches Selbst‘, indem sie ihr in der Herkunftsfamilie erworbenes Körper-Wissen und ihre gewohnte Leib-Praxis in ihrem neuen Lebensumfeld am französischen Hof aktualisierte. Die Briefe Elisabeth Charlottes lassen sich jedoch nicht allein durch diesen beharrungskräftigen Modus der Selbstvergewisserung beschreiben, vielmehr lassen sie sich auch als Erzählungen des Selbst im Wandel begreifen. Denn Elisabeth Charlotte kombinierte ambivalente Vorstellungen etwa von idealhafter und devianter adeliger Weiblichkeit aus ihren beiden Lebensumfeldern, indem sie mit ihren Bewegungspraktiken einerseits konventionelle Bilder aus ihrer Sozialisation verkörperte andererseits aber auch sich bietende Handlungsspielräume für Grenzgänge nutzte. Im Rekurs auf Körper-Wissen und Leib-Praktiken modifizierte Elisabeth Charlotte alte Positionen, legte sie kreativ aus und reklamierte, beispielsweise innerhalb des Melancholie oder Nationen-Diskurses, neue Positionen für sich. Somit lassen sich ihre Briefe auch als Erzählungen eines hybriden Selbst lesen, das seine nicht immer widerspruchsfrei nebeneinander existierenden Zugehörigkeiten durchaus als Handlungsressource versteht. Subjekte formieren sich folglich auch in der Vormoderne in komplexen dynamischen Positionierungsprozessen, die nur über eine Analyse wissensförmiger Praktiken adäquat erfasst werden können. Die vorliegende Studie leistet damit einen Beitrag zur Subjekttheorie aus genuin vormoderner Perspektive und beleuchtet die in der Historiographie häufig belächelte Schreiberin Liselotte von der Pfalz und ihr vielfach als „derb-natürlich“ (Nickisch) bezeichnetes Briefkorpus noch einmal neu und in vollkommen anderer Weise.

 

Nar­ra­ting the self: Bo­dy, dis­cour­ses and prac­tices in the let­ters of Li­se­lot­te von der Pfalz (1652-1722)

More than 6000 surviving letters make the correspondence of Liselotte von der Pfalz one of the most voluminous corpora in the early modern period. The doctoral thesis reflects this outstanding correspondence from an interdisciplinary analytical perspective focussing on the processes of narration and subject theory. In her letters the Princess Palatine and married Duchess of Orléans Elisabeth Charlotte not only addresses explicit recipients at different locations, but intensively deals with herself, the people around her and the discourses of her time. By negotiating particular relations throughout her writing, Elisabeth Charlotte symbolically locates herself as a person within the social sphere and the discoursive order. To understand these written acts of self-positioning the current study thoroughly analyzes narrative sequences dealing with discourses and practices concerning the body, which can be understood as affectively based at the same time. The analyzed correspondence bears witness to Elisabeth Charlotte’s struggle for writing a continuous self that remains the same over all biographical changes. By actualizing her bodily knowledge and habitual practices in the new cultural environment at the French court, she narrates her ‘genealogical self’ as fundamentally based on her family of origin and kinship affiliation. However, the letters of Elisabeth Charlotte can not solely be described by this persistent mode of self-reassurance. In fact, they can be read as narrations of a self in transformation: for Elisabeth Charlotte integrated ambivalent conceptions of ideal and deviant aristocratic femininity from her cultural environments on the one hand, by embodying conventional images, which can be traced back to her upbringing, and on the other hand by seizing her individual options at the French court for pushing the envelope of dominant gender norms. Referring to her knowledge and personal experience Elisabeth Charlotte modifies and creatively reconfigures her former subject positions and claims new ones, for example within the discourses of melancholy and nation. Therefore her letters can also be read as narrations of a hybrid self, which uses its sometimes ambiguous affiliations as a resource. Even in the premodern era subjects are created through complex dynamic processes of positioning, which can only be analyzed adequately by taking into account the interactions of practices and knowledge. The current study makes a contribution to the subject theory from a genuinely premodern perspective and offers a new approach to the often ridiculed writer Liselotte von der Pfalz and her letters.

Mo­no­gra­phi­en

  • Erzählweisen des Selbst. Körperpraktiken in den Briefen Liselottes von der Pfalz (1652-1722), (Selbstzeugnisse der Neuzeit 24), Köln, Wien, Weimar 2015, zugl. Diss. phil. Kassel 2013.

Her­aus­ge­ber­schrif­ten

  • Abenteuerliche Überkreuzungen. Vormoderne intersektional, gemeinsam mit Michael Mecklenburg u. Susanne Schul, Göttingen 2017.
  • Raumkonzepte. Disziplinäre Zugänge, hg. v. Ingrid Baumgärtner, Paul-Gerhard Klumbies u. Franziska Sick unter Mitarbeit von Mareike Kohls, Göttingen 2009.

Auf­sät­ze in Fach­zeit­schrif­ten

  • Why all the fuss about practice theory? Zum Verhältnis von Geschlechter- und Praxistheorie aus Sicht einer Historikerin, in: Gender. Zeitschrift für Geschlecht, Kultur und Gesellschaft 2018/1 Themenheft Praxeologien des Körpers, hg. v. Bettina Brockmeyer, Susanne Lettow, Ulrike Manz u. Sabine Schäfer, S. 13-28.
  • 'Ich handele, also bin ich'. Selbstzeugnisse praxeologisch lesen, in: GWU  69 (2018) 5/6, S. 253-270.

Auf­sät­ze in Sam­mel­bän­den

  •  „Die Stufen der Glückseligkeit ersteigen. Glückswissen als Zukunftswissen zwischen Immanenz und Transzendenz bei Adolph Freiherr Knigge (1752–1796), in: Theoretische und fiktionale Glücksonzepte im deutschen Sprachraum (17.-21. Jahhundert), hg. v. Sylvie Le Moël u. Elisabeth Rothmund, Berlin 2019, S. 239-262.
  • Unendlich glücklich. Subjektivierung zwischen Verzeitlichung und Verewigung im Glück(seligkeit)sdiskurs der Aufklärung, in: Der Mensch in Gesellschaft. Zur Vorgeschichte des modernen Subjekts in der Frühen Neuzeit, hg. v. Michael Hohlstein, Rudolf Schlögl u. Isabelle Schürch, Paderborn 2019, S. 233–264.
  • Zum Glück fähig. Intersectional (in)visibilities in Glücksratgebern des ausgehenden 18. Jahrhunderts, in: Verschränkte Ungleichheit. Praktiken der Intersektionalität (ZHF Beihefte) hg. v. Matthias Bähr u. Florian Kühnel, Münster 2018, S. 87-118.
  • Wege zum Glück. Intersektionalität und die kulturelle Semantik des Glücks in  Bernardin de Saint-Pierres-Kolonialroman "Paul et Virginie" (1788) in: Abenteuerliche Überkreuzungen. Vormoderne intersektional, hg. gemeinsam mit  Susanne Schul u. Michael Mecklenburg, Göttingen 2017, S. 281-307.
  • gemeinsam mit Susanne Schul, Abenteuerliche 'Überkreuzungen'. Vormoderne Intersektional, in: Abenteuerliche Überkreuzungen. Vormoderne intersektional, hg. gemeinsam mit  Susanne Schul u. Michael Mecklenburg, Göttingen 2017, S. 9-39.
  • Vom Projektieren und Planen des Glücks. Praxeologien des 'unternehmerischen Selbst‘ im Glücksdiskurs des späten 18. Jh., in: Historische Praxeologie. Dimensionen vergangenen Handelns, hg. v. Lucas Hassis u. Constantin Rieske, Bielefeld 2015, S. 183-197.
  • Bodily practices as an expression of individuality in the letters of Liselotte von der Pfalz (1652-1722) in: Forms of Individuality and Literacy in the Medieval and Early Modern Periods, hg. v. Franz-Josef Arlinghaus, Turnhout 2015, S. 47-90.
  • Verflochtene Positionierungen. Eine intersektionale Analyse frühneuzeitlicher Selbstbildungsprozesse, in: Intersektionalität und Forschungspraxis. Wechselseitige Herausforderungen (Forum Frauen- und Geschlechterforschung 43), hg. v. Mechthild Bereswill, Folkert Degenring und Sabine Stange, Münster 2015, S. 78-95.
  • ... daß mein leib mein seye: Selbstpositionierungsprozesse im Spiegel erzählter Körperpraxis in den Briefen Liselottes von der Pfalz (1652-1722), in: Diskurse - Körper - Artefakte. Historische Praxeologie in der Frühneuzeitforschung, hg. v. Dagmar Freist, (Praktiken der Subjektivierung), Bielefeld 2015, S. 221-242.

Re­zen­sio­nen und klei­ne­re Bei­trä­ge

  • Art. "Liselotte von der Pfalz", in: Verfasserlexikon VL 17 [in Druckvorbereitung].
    Rez. zu: Sabine Schmolinsky, Sich schreiben in der Welt des Mittelalters. Begriffe und Konturen einer mediävistischen Selbstzeugnisforschung (= Selbstzeugnisse des Mittelalters und der beginnenden Neuzeit 4), Bochum 2012, in: L'Homme. Zeitschrift für feministische Geschichtswissenschaft 24,2 (2013), S. 135-139.
  • Rez. zu: Hans Philippi. Die Landgrafschaft Hessen Kassel von 1648-1806,  (Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Hessen 46, Kleine Schriften 8), Marburg 2007, in: Hessisches Jahrbuch für Landesgeschichte, Marburg 2011.
  • Rez. zu: Überleben in Angst. Vier Juden berichten über ihre Zeit im Volkswagenwerk in den Jahren von 1943 bis 1945 (Historische Notate 11), hg. v. Manfred Grieger, Ulrike Gutzmann u. Dirk Schlinkert, Wolfsburg 2005, in: Beiträge zur Geschichte der nationalsozialistischen Verfolgung in Norddeutschland 10 (2007), S. 228-229.
  • Mareike Kohls, Käfer auf amerikanisch, in: autogramm, 9 (2006), S. 14.
  • Mareike Kohls, Philippsburg, in: Wilhelm Dilich. Landtafeln hessischer Ämter zwischen Rhein und Weser 1607-1625, hg. v. Ingrid Baumgärtner, Martina Stercken u. Axel Halle, Kassel 2011, S. 130-137.

In­ter­net­ver­öf­fent­li­chun­gen

Vor­trä­ge

  • Vom Glück zu scheitern? Glücks-Wissen bei Adolph Freiherr Knigge, Tagung Theoretische und fiktionale Glückskonzepte im deutschen Sprachrraum (17.-21. Jh.)/Penser et écrire le bonheur dans l'espace germanophone (XVIIe-XXIe siècles), Université Paris Est-Créteil, 19.05.2016.
  • Von verwechselten Glückseligkeiten. Zum Wandel von Glückskonzeptionen in Leichenpredigten, Frühneuzeit-Kolloquium Eberhard Karls Universität Tübingen, Prof. Dr. Renate Dürr, 23.11.2015.
  • Warum alle Menschen gleich glücklich sein können: (Un)gleichheiten im Glückseligkeitsdiskurs des späten 18. Jahrhunderts, Frühneuzeit-Kolloquium HU Berlin, Prof. Dr. Peter Burschel, 27.05.2015.
  • Vom Planen des Glücks oder von der Zähmung der Fortuna. Gender-Wissen im Glücksdiskurs des späten 18. Jahrhunderts, Vortragsreihe 'Aus der Forschungswerkstatt, Interdisziplinärer ZFF-Schwerpunkt 'Normalität und Ordnung‘, Universität Kassel, 20.01.2015.
  • Glück und Glückseligkeit in der Frühen Neuzeit. Zur kulturellen Semantik eines Geschichtlichen Grundbegriffs, Kolloquium zur Geschichte des Spätmittelalters, Goethe-Universität Frankfurt, Prof. Dr. Bernhard Jussen, PD Dr. Gregor Rohmann, 16.12.2014.
  • Ein Stück vom Glück? Gleichheitsrhetorik und Ungleichheitsverhältnisse in den Glückseligkeitsdiskursen der Spätaufklärung, Vormoderne-Kolloquium Univeristät Bielefeld, 03.07.2014
  • Narrating desires and desiring narration in the letters of Elisabeth Charlotte, Princess of the Palatinate and Duchess of Orléans (1652-1722), Framing Premodern Desires. Between Sexuality, Sinn and Crime. An international colloquium organized by Turku Centre for Medieval and Early Modern Studies, 4-5 April 2014, Turku, Finland; session: Body, Soul and Sin: Narrating, Performing and Negotiating Sexuality in Premodern Ego-Documents
  • Glück als Pflichterfüllung. Zur (praxeologischen) Formierung bürgerlicher Subjektkultur im Glückseligkeitsdiskurs der Spätaufkärung, Doings, Sayings, Writings, Graduiertenkolleg Selbst-Bildungen. Praktiken der Subjektivierung, Carl v. Ossietzky Universität Oldenburg, 17.-18.01.2014
  • Verflochtene Positionierungen. Intersektionalität und Geschichtswissenschaft aus subjekttheoretischer Perspektive; Workshop der Arbeitsgruppe "Intersektionale Mehrebenenanalyse", SFB 923 Bedrohte Ordnungen, Eberhard Karls Universität Tübingen, 11.10.2013
  • Kommentar zum Vortrag Travelling Concepts and Working Identities von Dr. Folkert Degenring (Anglistik, FB 2, Universität Kassel) im Rahmen der Vortragsreihe 'Unterschiede machen - Interdisziplinäre Dialoge zur Geschlechterforschung', Universität Kassel, 15.05.2013
  • Daß die humoren endern, weiß ich nur gar zu woll durch eygene experientz...: Erzählungen vom melancholischen Selbst in den Briefen Liselottes von der Pfalz (1652-1722); Forschungscolloquium zur Geschichte der Frühen Neuzeit (Prof. Dr. Claudia Ulbrich, Prof. Dr. Claudia Jarzebowski, PD Dr. Gabriele Jancke, Dr. Sebastian Kühn), FU Berlin 16.04.2013
  • Reflexionen über Körper und Geschlecht: Liselotte von der Pfalz (1652-1722); Vortrag im Rahmen der Ringvorlesung ‚Geschichte der Geschlechterbildung‘, Zentrum Gender-Studien Universität Paderborn, WS 2012/13, 13.11.2012

  • ... dass mein leib mein seye: Selbstbildungsprozesse im Spiegel erzählter Körperpraktiken am Beispiel der Briefe Liselottes von der Pfalz (1652-1722); Konferenz : Praktiken der Selbst-Bildung im Spannungsfeld von ständischer Ordnung und gesellschaftlicher Dynamik, Graduiertenkolleg Selbst-Bildungen. Praktiken der Subjektivierung, Carl v. Ossietzky Universität Oldenburg, 16.-19.02.2012
  • Erzählungen von 'gesunden' Geschlechtern - Körperpraxis und Geschlecht in den Briefen Liselottes von der Pfalz (1652-1722); Tagung "Ver-Körperungen. Geschlecht und Körper - Diskurse und Praktiken in der Geschichte", Universität Graz Oktober 2011
  • Körper-Wissen und leibliche Praxis als Erzählweise des Selbst: Medikale Praktiken am Beispiel der Blatternerkrankungen in den Briefen Liselottes von der Pfalz (1652-1722); Kolloquium des Graduiertenkollegs Dynamiken von Raum und Geschlecht, Georg-August-Universität Göttingen, Universität Kassel, 11.07.2011
  • Alles fleisch hatt sich verkehret." Erzählungen von Sodom und Gomorrha in den Briefen Liselottes von der Pfalz (1652-1722); Vormoderne-Kolloquium, Universität Kassel, 16.07.2010
  • Schreiben über Körper und Geschlecht als subjektive Verarbeitung von Ungleichheit(en) am Beispiel der Briefe Liselottes von der Pfalz (1652-1722); Vortragsreihe der IAG Frauen- und Geschlechterforschung, Universität Kassel, 28.05.2010
  • Medikale Kulturen im Austausch. Die Briefe Liselottes von der Pfalz (1652-1722) als Medien von Wissenstransfer und Identitätsbildungsprozessen; Vormoderne-Kolloquium, Universität Basel, 28.04.2010
  • Selbstverortung(en) im Spannungsfeld zwischen. Nation–Geschlecht–Stand: Gesundheitspraktiken in den Briefen Liselottes von der Pfalz (1652-1722); Tagung: Das ‘ich’ zwischen Selbst- und Fremdreferenz. Individualität in Moderne und Vormoderne. The ‚I’ beetween self-reference and hetero-reference. Individuality in the modern and pre-modern, Universität Bielefeld, 30.05.2009
  • Lebenswelten-Körperwelten: Natur, Medizin und Diätetik in den Briefen Liselottes von der Pfalz (1652-1722); Doktorandenforum der Sudienstiftung des Deutschen Volkes, Bonn, 19.04.2009
  • Frauenkörper in Bewegung – Gender-spezifische Gesundheitspraktiken in den Briefen Liselottes von der Pfalz (1652-1722); Kolloquium des Instituts für Geschichte der Medizin der Robert-Bosch-Stiftung, Stuttgart 11.12.2008

SS 2020 (On­line-Lehr­ver­an­stal­tun­gen)                                              

Zwischen Ausschluss und Ermächtigung. Dialektik(en) der Aufklärung
MA B1 Geschichte schreiben | L3 Mo 8

Das aus dem Naturrecht abgeleitete Postulat einer gleichen Würde aller Menschen zählt zu den bahnbrechendsten Ideen im Zeitalter der Aufklärung (ca. 1680-1800). Als Forderung nach politischer Gleichheit aller fand es 1789 schließlich Eingang in die ‚Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte‘. Doch mit den hier adressierten ‚hommes‘ waren keineswegs ‚alle‘ Menschen gemeint: nicht-besitzende weiße Männer, alle weißen Frauen und People of color ohne Ansehen von Klasse und Geschlecht gehören zu jenen gesellschaftlichen Gruppen, die nicht in den Genuss der neu kodifizierten Rechte kommen sollten. Aufklärung zeigt sich hier in ihrer ganzen Ambivalenz: zwischen pathetischer Gleichheitsrhetorik und real bestehenden Ungleichheitsverhältnissen, zwischen Philanthropie und Sexismus bzw. Rassismus. Doch wäre es eine Verkürzung der Geschichte der Aufklärung wurde man sie ohne Verweis auf die ganz unterschiedlich positionierten kritischen Stimmen im zeitgenössischen Diskurs erzählen, auf die wir im Seminar den Blick richten wollen: von für die Rechte des dritten Standes argumentierenden Klerikern wie dem Abbé de Sièyès, über Frauenrechtlerinnen wie Olympe de Gouges oder Mary Wollstonecraft, sklavereikritische Intellektuelle wie den Marquis de Condorcet und für die Rechte befreiter Schwarzer in den Kolonien eintretender Aktivisten wie Vincent Ogé und Julien Raimond bis hin zu den Revolutionsführern Doutty Boukman und Toussaint Louverture. In biographischen Miniaturen widmen wir uns jenen Personen, die sich ermächtigten, die vielleicht unvermeidlichen, sicherlich aber nicht hinnehmbaren Dialektiken ihrer Zeit aktiv zu kritisieren. Als Endprodukt soll dabei ein aus den einzelnen biographischen Artikeln zusammengesetztes Geschichtsmagazin entstehen.
 

Tatsächlich Liebe!? Zum Verhältnis von Liebe und Ökonomie um 1800
MA B1 Geschichte schreiben | L3 Mo 8

Das späte 18. Jahrhundert gilt in der Forschung zur europäischen Geschichte gemeinhin als Phase der grundlegenden Transformation der familiären Nahbeziehungen. Im Rahmen historisch-anthropologischer Forschungen der 1980er und 90er Jahre ist unter anderem von der ‚Entdeckung‘ der Kindheit als eigenständiger Lebensphase, der ‚Erfindung‘ der Mutterliebe oder der Eheschließung aus Liebe die Rede gewesen. Insbesondere die Liebesheirat war in bürgerlichen Kreisen um 1800 nachgewiesener Weise zum zentralen affektiven Code avanciert, mit dem sich Bürgerlichkeit wirkungsvoll nach innen und außen ausweisen ließ. Doch wie passt die damit einhergehende und viel gepriesene emotionale Selbstbestimmung zu den nach wie vor und in „Zeiten des (frühen) Kapitalismus“ (Illouz) bestehenden ökonomischen Erwägungen, die die Partnerwahl auch im Bürgertum begleiteten? Gibt es – wie oft in Quellen wie auch in der Forschungsliteratur postuliert – einen Gegensatz von Liebe und Vernunft? Und wie werden diese beiden ‚Gefühle‘ überhaupt erzeugt? Diesen theoretischen Fragen der neueren Emotionengeschichte bzw. der interdisziplinären affect studies nähern wir uns in den ersten, wöchentlich stattfindenden Seminarsitzungen (16.4.-28.5.) an. Sie bilden den Ausgangspunkt für die in Kleingruppen erfolgende Lektüre und Analyse von ausgewählten Tagebüchern und Briefkorpora aus dem Bürgertum um 1800. An den beiden Blockterminen am Fr 26.6. und Fr. 3.7. werden vorab eingereichte und in Moodle allen zugänglich gemachte Textentwürfe zu Einleitung, Quellenkritik, Forschungsstand und Interpretation vorgestellt und gemeinsam diskutiert, so dass sie mit pragmatischen Vorarbeiten in die Phase der Niederschrift ihrer Prüfungsleistungen für MA oder L3 starte

 


 

WS 2019/20

The king's/queen's two bodies: Körpergeschichte(n) vormoderner Herrschaft schreiben
Fr 8-12, 14tg. | AB 10 R 0225 
MA Geschichte & Öffentlichtkeit Mo B1 | MA Europ.Geschichte Mo 5| L3 Mo 8

Im Juli 2019 wird die Kanzlerin der Bundesrepublik, Angela Merkel, wiederholt von Zitteranfällen geplagt. Diese ereignen sich nicht etwa in häuslicher Umgebung sondern bei den sogenannten militärischen Ehren, einem wesentlichen Bestandteil des Protokolls bei Staatsempfängen – also vor den Augen der Weltöffentlichkeit. In der Folge entbrennt in gedruckten und digitalen Medien eine bemerkenswerte Diskussion: Ist die für alle sichtbare, körperlich-psychische ‚Schwäche‘ Merkels Privatsache, oder schulde die Regierungschefin „uns”, dem Souverän der Bundesrepublik, wie zu lesen war, gar ein „Attest über ihren Gesundheitszustand”? Die Debatte verweist im Kern auf die frühneuzeitliche Lehre von den zwei Körpern des Königs, die der Mediävist Ernst Kantorowicz 1957 als Charakteristikum – wohlgemerkt – vormoderner Herrschaft herausgestellt hatte. Demnach repräsentiere der sichtbare, Krankheiten unterworfene Körper (body natural) eines Herrschers bzw. einer Herrscherin, zugleich den Körper des Staates (body politic) und dessen vitale oder eben weniger vitale Kräfte.
Im Seminar werden wir uns mit diesem Konzept sowie mit seinen Weiterentwicklungen näher beschäftigen, um es für die Analyse aus- bzw. selbstgewählter Beispiele frühneuzeitlicher Herrscher*innen produktiv zu machen. Ins Blickfeld rücken dabei aus heutiger Perspektive skurrile Körpergeschichten: bspw. von der Schamkapsel Heinrichs VIII. und der Weigerung seiner Tochter Elisabeth I. sich zu vermählen, über die wenig glanzvolle Zahngesundheit Ludwigs XIV. und das Arbeitspensum der hochschwangeren Kaiserin Maria Theresia bis hin zu Marie Antoinettes angeblicher sexueller Degeneration oder dem Tod der preußischen Königin Luise am „gebrochenem Herzen”. Was allen diesen Geschichten gemeinsam ist, ist ihre zeitgenössisch wie auch in der Rezeption eminent politische Bedeutung, die im Zentrum unserer Analysen stehen soll und das Thema auch für den Geschichtsunterricht relevant macht. Die Ergebnisse sollen dabei in Form eines Artikels für ein populäres Geschichtsmagazin bzw. eine Didaktik-Zeitschrift (PL) aufbereitet werden. Dazu werden im Laufe des Semesters Konzepte sowie Textentwürfe in der Gruppe konstruktiv diskutiert (SL). Abschließend werfen wir einen Blick auf die Frage, inwiefern die zwei-Körper-Lehre konstitutiv auch für die demokratischen Gemeinwesen der Moderne und der Postmoderne ist und greifen dabei den Ausgangspunkt noch einmal auf.
 

Die Epoche der Aufklärung im Schulbuch und im Geschichtsunterricht
Fr 8-12, 14tg.| AB 10 R 0225
L2 Mo 6 (Historisches Lernen/ FNZ), L2 alt Mo 4 (Historisches Lernen/FNZ) | L3 Mo 6 (Historisches Lernen/FNZ)

Die Epoche der Aufklärung (ca. 1680-1800) gilt gemeinhin als entscheidende Phase europäischer Geschichte auf dem Weg in die Moderne. Rationalisierung des Denkens, Sammlung und Popularisierung des bekannten zeitgenössischen Wissens, Bildungs- und Emanzipationsstreben, Religionstoleranz, politische Demokratisierung und Kodifizierung der Menschen- und Bürgerrechte, sind nur einige der Ideen und Entwicklungen, die in dieser Zeit ihren Ausgang nahmen. Als unabgeschlossenes Projekt wird Aufklärung auch in aktuellen gesellschaftspolitischen Debatten auf- und angerufen und scheint heute von besonderer Bedeutung für die Selbstvergewisserung westlicher Gesellschaften, die sich zunehmend auch mit den Schattenseiten der Aufklärung, wie sie im gesteigerten Rassismus und Sexismus der Zeit zu sehen sind, auseinandersetzen (müssen).
Vor diesem Hintergrund erscheint es besonders spannend zu fragen, wie die Epoche der Aufklärung im schulischen Kontext, in Lehrbüchern und sonstigen Lehr- und Lernmaterialien, repräsentiert wird. Im Seminar widmen wir uns der Analyse aus- und selbstgewählter aktueller Schulbücher (Publikationsdatum: 2010-2019) und identifizieren repräsentierte Themenfelder sowie Leerstellen. In einem zweiten Schritt erarbeiten sie in Gruppen den aktuellen Forschungsstand zu den jeweiligen Themenfeldern und werden so in die Lage versetzt die dargestellten Inhalte bzw. Bewertungen sowie die ausgewählten Materialien kritisch zu evaluieren sowie eigene Ideen für die Gestaltung von Lernmaterialien zu entwickeln, die sie dem Plenum präsentieren (SL).

 


 

WS 2017/18

Biographisch forschen und schreiben
MA B1 Geschichte schreiben, L3 Mo 8, Studienprogramm der IAG FG
Blockseminar

Lange waren biographische Zugänge aus der Mode, galten personalisierende Perspektiven auf Geschichte doch als Bastion des längst überwundenen Historismus. Seit den 80er Jahren haben biographische Forschungszugänge und das Genre der historischen Biographie selbst allerdings eine erstaunliche Renaissance erfahren. Zunehmend galten dabei auch Frauen sowie generell Personen aus unteren Schichten als ‚biographiewürdig‘, wodurch das Spektrum biographischer Zugänge wesentlich erweitert wurde. Unzweifelhaft: Die Biographie hat Konjunktur, nicht nur auf dem populären Buchmarkt, in Geschichtsmagazinen und Fernsehdokumentationen, sondern auch in der akademischen Geschichtswissenschaft selbst.
Die wechselvolle Geschichte der Biographie ist der Ausgangspunkt von dem aus wir uns im Seminar mit aktuellen theoretischen Ansätzen der interdisziplinären Biographieforschung beschäftigen wollen. Wir fragen, wie kollektive Geschichte und der biographische Blick auf das einzelne Individuum theoretisch konzipiert und sprachlich ansprechend vermittelt werden können. Auf dem Programm stehen dabei die Evaluation historischer Biographien und ihrer konzeptionellen Zugänge sowie das kreative eigene biographische Schreiben anhand selbstgewählter Beispiele. Die historischen Personen sollten dabei nach Möglichkeit der Epoche der Frühen Neuzeit (ca. 1500-1800) entstammen; nach Absprache mit der Seminarleiterin sind auch Beispiele darüber hinaus möglich.
Für die Teilnahme erforderlich ist die Bereitschaft, im Seminar auch Schreibversuche zu machen bzw. eigene und andere Textentwürfe in konstruktiver Atmosphäre zu diskutieren. Diesem Vorgehen liegt die Überzeugung zu Grunde, dass Texte nie von Beginn an perfekt sind und es sich daher lohnt den Schreibprozess selbst zum Thema zu machen.

 

Tagebuchschreiben: Bürgerliche Selbsttechnologien um 1800
MA A1: Kulturelle Diskurse und Praktiken, L3 Mo 8
Mo 16-18 Uhr 

Die produktive Selbstzeugnisforschung der letzten Jahrzehnte hat gezeigt, dass die Selbst- und Weltverhältnisse von Individuen keineswegs überzeitlich stabil sind, sondern Dynamiken unterliegen, die sich parallel zu gesamtgesellschaftlichen Wandlungsprozessen entfalten. Vor diesem Hintergrund widmet sich das Seminar der historisch spezifischen Subjektkultur der bürgerlichen Gesellschaft um 1800.
Im ersten Teil des Seminars beschäftigen wir uns mit theoretischen Ansätzen unter anderem mit dem titelgebenden Begriff der „Selbsttechnologien“ in den Arbeiten Michel Foucaults. Mit neueren Ansätzen aus der Praxeologie versuchen wir jene Handlungsweisen, in denen sich ein Subjekt passgenau für die Anforderungen der Gesellschaft selbst formt bzw. geformt wird als Praktiken zu verstehen, die stets körperbezogen und mit Hilfe von Artefakten ausgeübt werden.
Auf Basis der erarbeiteten Theorie-Kenntnis wollen uns im zweiten Teil des Seminars der Analyse bekannter bürgerlicher Tagebücher widmen. U.a. beschäftigen wir uns dabei mit dem englischen Marinesekretär Samuel Pepys (1663-1703), dem Schweizer Tagelöhner Ulrich Bräker (1735–1798) und dem Hamburger Juristen Ferdinand Beneke (1774-1848). Darüber hinaus werden im Seminar auch Gelegenheit haben an unediertem handschriftlichem Material zu arbeiten.

 


 

SS 2017

Optimismus! Eine Begriffsgeschichte der Aufklärung
Mo 14-16 Uhr, Systembau 3, R 0304 | BA HF Mo 6, L3 Mo 8

Zu den wesentlichen Charakteristika der Epoche der Aufklärung gehört ohne Zweifel ihr Zeitverständnis, entwickelt sich gegen Ende des 17. Jahrhunderts doch eine neue Sicht auf die Geschichte, besonders aber auf die Zukunft, die Europa im 18. Jahrhundert und damit die aufkommende westliche Moderne prägen wird. Bezeichnet wird diese zuversichtliche Grundhaltung gegenüber der Welt, den Menschen und deren Entwicklungs- und Verbesserungsfähigkeit mit dem Begriff ‚Optimismus‘. Ausgehend von der fundamentalen Bedeutung des Optimismus in aktuellen Diskursen, v.a. in der populären Psychologie (Einführungssitzung) begeben wir uns im Seminar auf die Spur der historischen Wurzeln des positiven Denkens. Dabei werden wir uns mit den philosophischen und theologischen Grundlagen optimistischer Welt- und Selbstsichten (u.a. Leibniz, Spener, Pope) beschäftigen und die Herausforderungen in den Blick nehmen, mit denen der optimistische Denkstil vor allem im Kontext des Erdbebens von Lissabon (1755), einer der größten Naturkatastrophen des 18. Jahrhunderts, konfrontiert war (v.a. in den Schriften Voltaires). Dabei treten auch die Ungleichzeitigkeiten von alten und neuen Modellen zur Erklärung von Leidenserfahrungen zu Tage. Daneben beschäftigen wir uns auch mit den Ausformungen einer optimistischen Welt- und Selbstbeziehung in Selbstzeugnissen des 18. Jahrhunderts.

Geschichte der Sexualitäten in der Frühen Neuzeit
MA Mo 2, L3 Mo 8

Blockseminar/Termine
Vorbesprechung 28.4.2017, 8-10 Uhr, CC, R 1118, Seminarraum 5Theorieblock, 4-stündig, 19.05.2017, 8:30-12 Uhr, CC, R 1118, Seminarraum 5
Methodenblock, 4-stündig, 09.06.2017, 8:30-12 Uhr, CC, R 1118, KW 3, R 2207
Posterpräsentation, 01.07.2017, 8:30-16 Uhr, AB 2, R 0408

Geschlechter-und Körpergeschichtliche Forschungen der letzten Jahrzehnte haben gezeigt: Sexualität, oft genug verstanden als überzeitliches menschliches Grundbedürfnis, hat eine Geschichte, die auf je historisch spezifische gesellschaftliche Vorstellungen, Normen und Werthaltungen verweist. Wie über die vermeintlich ‚private‘ Sexualität gedacht (und wie sie gelebt wird) ist in hohem Maße abhängig von gesellschaftlichen Vorstellungen über die Geschlechter und deren Beziehungen, über Gottgefälligkeit, Reproduktivität sowie die ‚gute‘ soziale und politische Ordnung. Um diese Historizität des Sexuellen soll es im Seminar gehen. Bewusst ist der Schlüsselbegriff ‚Sexualität‘ dabei in den Plural gesetzt: Denn im Seminar wollen wir uns nicht ausschließlich mit hegemonialen Konzepten von Sexualität beschäftigen, etwa indem wir die reformatorische Aufwertung von Sexualität in der Ehe als Grundmodell bürgerlicher Geschlechterverhältnisse thematisieren oder uns der politischen Kampagne gegen die ‚verderbte‘ Sexualität des Adels vor der Französischen Revolution zuwenden. Daneben werden wir die Vielfalt sexueller Orientierungen und Praktiken in der Frühen Neuzeit in den Blick nehmen und dabei den Begriff ‚Sexualität‘ selbst problematisieren. Dabei geraten homosoziale (Frauen- und Männerfreundschaften des 18. Jh.s), spirituelle (Brautmystik), autosexuelle (Onanie-Diskurs) und transgender-Lebensweisen (cross-dressing) ebenso in den Fokus wie der gesellschaftliche Umgang mit Intersexualität in der Frühen Neuzeit. Als Studienleistung sollen in diesem Seminar wissenschaftliche Poster erstellt werden, die sich anhand freiwählbarer Themen/Quellenkorpora (Hinweise dazu in der Vorbesprechung) mit den Möglichkeiten visueller Ergebnissicherung beschäftigen. In einer der beiden 4-stündigen Blocksitzungen werden die hierfür nötigen methodisch-praktischen Grundlagen der Postergestaltung vermittelt. An einem Wochenendtermin werden die auf diesem Weg erstellten Poster ausgestellt, dem Plenum präsentiert und gemeinsam diskutiert.

 


Der Weg ist das Ziel? Reisebeschreibungen in Mittelalter und Früher Neuzeit
team-teaching-Seminar mit Susanne Schul, Ältere Deutsche Literaturwissenschaft, FB02

Die Gesellschaften des europäischen Mittelalters und der Frühen Neuzeit gelten gemeinhin als undynamisch – das Leben der Menschen und die Räume, in denen sie sich bewegten, erscheinen statisch. Die kultur- und literaturhistorische Reiseforschung der letzten 30 Jahre hingegen hat die Bedeutung von räumlicher Mobilität für die Konstruktion kollektiver und individueller Selbst- und Fremdbilder in diesen Epochen deutlich herausgearbeitet. Im Seminar werden wir den Spuren dieser Forschungen folgen und anhand ausgewählter mittelalterlicher und frühneuzeitlicher Reisebeschreibungen fragen, in welchem Verhältnis raumbezogene Identitätsbildungsprozesse zu anderen Kategorien wie etwa Stand und Geschlecht stehen. Das Spektrum der diskutierten Texte umfasst dabei sowohl Berichte über Reisen in den europäischen als auch in den außereuropäischen Raum sowie fiktionale und non-fiktionale Texte. Bei der Analyse der Reisebeschreibungen sollen methodische Ansätze und Fragestellungen aus der Literatur- und Geschichtswissenschaft miteinander kombiniert werden.

Anmerkung: Das Seminar ist für jeweils 15 Studierende der Germanistik und der Geschichte geöffnet.

 


 

WS 2016/17

Kulturgeschichte der Französischen Revolution (TuK)
L2, L3, BA HF + NP Mo 1, StPr IAG FG Mo 1/2
Di 10-12, Arnold-Bode 10 - Raum 1102 

Startschuss zu einer Gesellschaftsordnung der Gleichheit, Wiege universaler Menschenrechte, Meilenstein auf dem Weg zu einer säkularen Weltdeutung: mit solchen und ähnlichen Assoziationen ist die ‚Französische Revolution‘, jene Kette von Ereignissen in Frankreich nach 1789, im kulturellen Gedächtnis westlicher Gesellschaften verbunden. Im Seminar wollen wir diesen Zuschreibungen aus der Perspektive geschlechter- und religionsgeschichtlicher Forschungsansätze nachspüren. Anhand zeitgenössischen Quellenmaterials und unter Hinzuziehung (internationaler) Forschungsliteratur beleuchten wir zum einen die Relevanz von sozialen Geschlechterverhältnissen und diskursiven Vorstellungen über die Geschlechter in der Revolutionszeit; zum anderen wollen wir die Ausformungen der revolutionären Dechristianisierungsbestrebungen sowie ihre Reichweite in den Blick nehmen.

Die Protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus (Lektürekurs inkl. Quellenübung)
MA Mo 2, L3 Mo 8, Bürgeruniversität
Mi 16-18 Uhr, Kurt-Wolters 3 - Raum 1120

Max Webers Protestantische Ethik (1905) gehört zu den Klassikern der historisch-verstehenden Soziologie. Das Gesicht der modernen Welt – rational-bürokratisch organisiert, Mehrwerte erwirtschaftend und Wohlstand sichernd – erklärt Weber aus der religiösen Entwicklung Europas seit der Reformationszeit. In der spezifischen Frömmigkeit protestantischer Gruppierungen – bei Weber allen voran den Calvinisten und Puritanern – sieht er den Schlüssel zum Verständnis der historischen Entwicklung Europas. Im Seminar werden wir uns sowohl der Lektüre der Weberschen Schrift selbst widmen, als auch die von Weber angeführten Quellen (v.a. Erbauungsliteratur und Selbstzeugnisse) hinzuziehen. Darüber hinaus werden wir uns ausgewählten Kritikpunkten sowie den Leerstellen der Weber-These (etwa der Entgegensetzung von Emotionalität und Rationalität, der Relevanz des lutherisch-pietistischen Protestantismus sowie der Nicht-Berücksichtigung der jüdischen Religion) zuwenden.

Das Seminar basiert auf der folgenden Studienausgabe, die in den zugehörigen Semesterapparat eingestellt wird, jedoch auch zur Anschaffung empfohlen werden kann: Max Weber, Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus. Vollständige Ausgabe, hg. u. eingeleitet v. Dirk Kaesler, 4. Aufl., München 2013. 

 


 

SS 2016

Utopia: Zur Geschichte alternativer Gesellschafts- und Zukunftsentwürfe (gemeinsam mit Prof. Dr. Anne-Charlott Trepp)
Di 14-16, Moritzstr. 25-31, Systembau 3, R 0307 | BA HF Mo 5, BA NF Mo 3, L2 Mo 7, L3 Mo 5, MA Mo 2 (Mentoring) 

Als Historiker_innen sind wir es gewohnt, die jeweiligen ‚Gegenwarten‘ vergangener Gesellschaften in den Blick nehmen. Im Seminar wollen wir Geschichte aus einer anderen Perspektive betrachten, indem wir historische Gesellschaften aus ihren Vorstellungen auf die Zukunft heraus thematisieren und verstehen wollen. Denn aus den Utopien, die eine Gesellschaft sowohl innerweltlich als auch auf ein Jenseits bezogen entwirft, lassen sich zentrale Aussagen über ihr Wesen und ihre Handlungshorizonte gewinnen. Vor diesem Hintergrund werden wir uns im Seminar mit klassischen utopischen Texten der Frühen Neuzeit, wie etwa Thomas Morus ‚Utopia‘ (1516) oder Francis Bacons ‚Nova Atlantis‘ (1627), beschäftigen. Darüber hinaus stehen religiöse Utopien (Chiliasmus/Millenarismus, Quintomonarchismus) auf dem Programm, in denen gerade aus den apokalyptischen Visionen des Weltendes innovatives Potential zur Gestaltung der zukünftigen weltlichen Ordnung bereits im Hier und Jetzt resultiert.

 

„Sorge dich nicht, lebe!“ Emotionskonstruktionen in historischer und aktueller Ratgeberliteratur (Interdisziplinäres Seminar Soziologie/ Geschichte gemeinsam mit Yvonne Albrecht, Makrosoziologie)
L3 Mo 8, BA HF Mo 6 | Di 12-14, AB 10, R 0104

Emotionen galten und gelten bisweilen immer noch als authentischer Gefühlsausdruck einer Person, der aus ihrer vermeintlich ‚wahren‘ psychischen Innerlichkeit entspringt. Nirgendwo sonst wird der soziale Konstruktionscharakter von Gefühlen und ihres performativen Ausdrucks jedoch sichtbarer als in Ratgeberschriften, die in vielfältiger Weise Normen des richtigen Fühlens, sogenannte emotives (W. Reddy), etablieren. Dieser Zusammenhang gilt nicht nur für heutige Ratgeberliteratur, wie etwa den bekannten Klassiker „Sorge dich nicht, lebe“ von Dale Carnegie, sondern auch im historischen Blick auf vergangene Gesellschaften. Im interdisziplinären Dialog zwischen Soziologie und Geschichtswissenschaft wollen wir im Seminar den Normen des angemessenen Fühlens auf die Spur kommen, in dem wir nach einer Beschäftigung mit theoretischen Konzeptionen im zweiten Teil des Semesters gemeinsam nach Emotionskonstruktionen in aktueller Ratgeberliteratur des 21. Jahrhunderts sowie ähnlichen Genres seit dem späten 18. Jahrhundert fragen. Diesem Vorgehen liegt die These zu Grunde, dass an der Schwelle zur Moderne gewisse Modi der Selbstoptimierung als einer Optimierung des Fühlens vorgedacht werden, die unsere heutigen Diskurse noch immer prägen.

 


 

WS 2015/16

Die Epoche der Aufklärung (TuK)
Di 10-12, AB 10, 1309 | Mo 1 L2/L3, BA HF/NF

„Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit“, schrieb Kant 1784 in der Berlinischen Monatsschrift und brachte damit den Anspruch einer Epoche auf den Punkt, die sich von einer durchweg optimistischen Sicht auf die Welt getragen zugleich deren Optimierung verschrieben hatte. Doch die Ideale der Aufklärung, wie Bildungsfortschritt und Vervollkommnung des Selbst, die an den Einzelnen wie an die gesamte Menschheit adressiert waren, sind nicht nur im positiven Sinne Grundlegung der Moderne des 19. und 20. Jahrhunderts. Im Zuge der Transformationsprozesse des 18. Jahrhunderts entstand eine neue Weltordnung, die – entgegen ihrer Rhetorik – gerade nicht allen ihren Mitgliedern gleiche Partizipationsmöglichkeiten an Bildung, Wohlstand und Glück gewährte. Eine äußerst ungleiche Geschlechterordnung, aufkommende Rassismustheorien und eurozentrisch-koloniales Denken markieren die andere Seite der Epoche der Aufklärung. Im Seminar wollen wir versuchen, die Aufklärung von ihren Ambivalenzen her zu denken und somit zu einem vertieften Verständnis des 18. Jahrhunderts gelangen.

Einführung in Theorie und Geschichte des Subjekts (inkl. Quellenübung)
Mo 16-18, NP 9 0402
BA HF Mo 6, L3 Mo 8, MA Mo 3

Individuum und Gesellschaft, Struktur und Handeln, Habitus und Feld, Identitätskonstruktionen und Subjektpositionierung – alle diese Theorievokabeln sind Schlüsselkonzepte des sozial- und kulturwissenschaftlichen Diskussion und werden in den letzten Jahrzehnten auch in der Geschichtswissenschaft für die Untersuchungen vergangener Gesellschaften produktiv gemacht. Das Seminar führt in einer ersten Annäherung in diese grundlegenden Konzepte ein, die allesamt Antworten auf die Frage nach dem Verhältnis der und des Einzelnen zur Gesellschaft anbieten. Für den Besuch des Seminars sind keinerlei Vorkenntnisse erforderlich, jedoch die Bereitschaft sich auf die Lektüre theoretischer Texte einzulassen. In den Seminarsitzungen sollen die theoretischen Perspektiven grob zusammengefasst und anschließend auf ihre Praktikabilität befragt werden, indem wir systematisch Quellenbeispiele (Schwerpunkt Geschichte der Frühen Neuzeit) hinzuziehen bzw. uns mit geschichtswissenschaftlicher Forschungsliteratur beschäftigen, die mit den genannten theoretischen Ansätzen arbeitet. Hier besteht auch die Möglichkeit für fortgeschrittene Studierende eigene Vorschläge einzubringen – beispielsweise schon bekannte Quellen im Seminar aus subjekttheoretischer Perspektive zu diskutieren, aber auch neue Felder zu erschließen.

 


 

SS 2015

Geschichte(n) des Todes. Sterben und Trauern in der Frühen Neuzeit
Mo 12-14, CC, R 1124 | BA HF Mo 5, L3 Mo 5, BA NF Mo 3, L2 Mo 6

„Gestorben wird noch immer“ lautet ein bekanntes Stichwort, das die Vorstellung eines universellen und überzeitlich existenten Todes impliziert. Spätestens seit Philippe Ariès monumentaler ‚Geschichte des Todes‘ (frz. Original 1978) hat die historische Forschung in ihren verschiedenen Facetten (Historische Anthropologie und Mentalitätengeschichte, Historische Literaturwissenschaften und Ethnologie) jedoch unter Beweis gestellt, dass der Tod im Gegenteil historisch- und kulturspezifisch äußerst wandelbar ist. Gesellschaften imaginieren die Grenze zwischen Leben und Tod auf ihre je spezifische Art und Weise, schreiben ihr unterschiedliche Bedeutungen zu und begleiten den Tod mit verschiedenen Praktiken und Ritualen. Damit stellen sie Muster bereit, die es den Einzelnen erlauben, Sterben und Trauern ebenso spezifisch zu erleben und zu fühlen.Die einzelnen Seminarsitzungen eröffnen ein Panorama verschiedener Geschichten des Todes mit dem Schwerpunkt auf der Epoche der Frühen Neuzeit (ca. 1500-1800): von der Kunst des ‚guten‘ Sterbens (ars moriendi) und von Totentänzen im ausgehenden Spätmittelalter, über das Selige Sterben und die fromme Vorbereitung auf das ewige Leben im Himmel bzw. Paradies im 16. und 17. Jahrhundert, bis hin zu tabuisierten Formen des Sterbens und Umgehens mit dem Tod (Selbstmord, frühneuzeitliche Palliativmedizin). Abgerundet werden unsere gemeinsamen Überlegungen und Diskussionen mit einem Blick auf die Revolution der Todesvorstellungen in unserer Zeit mit dem Aufkommen des Hirntodkonzepts.
 

Das Streben nach Glück. Glückskonzeptionen in Mittelalter und Früher Neuzeit
gemeinsam mit Dr. Susanne Schul, FB 02, Ältere Literaturwissenschaft
Di | MA Mo 3, L3 Mo 8

Jede uns bekannte Gesellschaft hat ihre eigenen, höchst spezifischen Vorstellungen vom Glück, d.h. vom Einfluss schicksalhafter Wendungen und dem jeweilig für erstrebenswert befundenem ‚guten‘ Leben. „Das Streben nach Glück“ beinhaltet als paradoxes Handlungsmuster zum einen eine in die Zukunft gerichtete Dimension in der „das Glück winkt“ und zum anderen ist aber auch der Weg das Ziel, um zum Glück zu gelangen. Das dynamische Vermögen, unglückliche Umstände glückhaft zu bewältigen, also „Glück im Unglück“ zu finden, gehört ebenso zu den typisierten Verhaltensformen, die wiederholt die Glücks-Narrative prägen, wie die Frage, ob man sein Glück „erwerben“ kann.Als Ordnungsvorstellungen halten Glückskonzeptionen die Gesellschaft zusammen, indem sie definieren, was der und die Einzelne entsprechend ihrer Position wollen und hoffen kann. Glückskonzeptionen werden in einer Vielzahl unterschiedlicher narrativer Texte diskutiert – von philosophischen und theologischen Abhandlungen, über diverse literarische Repräsentationen bis hin zu Selbstzeugnissen. Alle diese Texte eröffnen ein Experimentierfeld, in dem bestimmte Wege zum Glück vorgedacht und innerhalb der diskursiven Grenzen des Sagbaren artikuliert werden.
Nach einer begrifflichen Einführung werden wir uns im interdisziplinären Seminar zwischen Literatur- und Geschichtswissenschaft diesen Texten zuwenden und untersuchen, wie Glück definiert wird, welche Wege zur Erlangung des Glücks die Texte vorzeichnen, gegen welche Widerstände Glück erreicht werden soll bzw. muss und wie die Glücksdiskurse gesellschaftliche Ordnung stiften. Die Bandbreite der untersuchten Texte reicht von hochmittelalterlichen Aventiuren, über spätmittelalterliche und frühneuzeitliche Romane bis hin zu moraltheologischen Glücksratgebern und Selbstzeugnissen des 18. Jahrhunderts. Dabei werden wir auch diachrone Perspektiven einbinden und einen Blick auf die aktuell boomende Ratgeberliteratur zum Glück werfen.

 


 

WS 2014/15

TuK: Bürgertum und bürgerliche Lebenswelten in der Frühen Neuzeit
Di 14-16 Uhr, Dia 12, R 1304 | Mo 1 BA HF, BA NF, L2, L3

Das Bürgertum wird gemeinhin als entscheidende soziale Formation im Übergang von der Ständegesellschaft des Alten Reichs zur Moderne des 19. und 20. Jahrhunderts betrachtet. Im Seminar wollen wir diese gesellschaftlichen Wandlungsprozesse aus einer Mikroperspektive beleuchten: in dem wir der Frage nachgehen, was es überhaupt hieß 'bürgerlich‘ zu sein und was es für den und die einzelne bedeutete, ihre Zugehörigkeit zum Bürgertum alltäglich unter Beweis stellen zu müssen. Anhand von Selbstzeugnissen bürgerlicher Akteur_innen (z.B. Tagebücher, Autobiographien, Briefe) sowie der zahlreich publizierten Wissens- und Ratgeberliteratur führt das Seminar in das Arbeiten mit historischen Quellen und geschichtwissenschaftlicher Forschungsliteratur ein. Mit Hilfe verschiedener kulturwissenschaftlicher Forschungsansätze etwa der Wissens-, Religions- , Körper- und Geschlechtergeschichte, aber auch politik- und wirtschaftsgeschichtlicher Ansätze sollen die historischen Quellen aus verschiedenen Perspektiven gelesen und befragt werden.

Historisches Propädeutikum
Mo 14-16 Uhr, NP 6, R 0210 | Mo 1 BA HF, BA NF, L2, L3

 


 

SS 2014

Einführung in die historische Diskursanalyse (inkl. Quellenübung)
Mo 14-16, Block: 29.-30.06., MA Mo 1 (Lektürekurs), L3 Mo 8


Diskurs ist einer der schillernsten Begriffe der interdisziplinären kulturwissenschaftlichen Forschung, dabei ist seine Verwendung in akademischen Diskussionen oft vage und unbestimmt. Vor diesem Hintergrund verfolgt das Seminar das Ziel, einen ersten Überblick über Ansätze der historischen Diskursanalyse zu vermitteln. In Form von gemeinsamen Textlektüren und –diskussionen werden wir uns im ersten Teil anhand von Schlüsseltexten der Diskurstheorie Definitionen des Gegenstands annähern sowie Fragestellungen und Perspektiven der Diskursforschung herausarbeiten. Im Zentrum steht dann die Rezeption diskursanalytischer Theorieangebote in den Geschichtswissenschaften, die vornehmlich um die Frage nach der Konzeptualisierung diskursiven Wandels kreist. Dabei sollen auch mögliche Erweiterungen der klassischen Diskursanalyse durch Kombination mit praxeologischen Methoden in den Blick geraten.
Im zweiten Teil des Seminars (Blocktermin) steht die empirische Umsetzung diskursanalytischer Frageperspektiven auf dem Programm: in Form von Buchvorstellungen diskursanalytischer Studien sowie von exemplarischen Quellenlektüren ausgewählter Diskursaussagen, vornehmlich aus der Epoche der Frühen Neuzeit, sollen theoretische Überlegungen und historisch-empirische Beobachtungen zusammengeführt werden.

 


 

WS 2013/14

TuK-Seminar: Der Dreißigjährige Krieg (1618-1648)
Mi 10-12, AB 10 R 1102, Mo 1, BA HF, NF, L3, L3

Am Beispiel des Dreißigjährigen Krieges – eines im kollektiven Gedächtnis noch heute besonders präsenten Teils der frühneuzeitlichen Geschichte – führt das Seminar in Quellen, Methoden und Forschungsansätze der Geschichte der Frühen Neuzeit ein. Der mehrdimensionale politische Konflikt um die Vorherrschaft in Europa und die wahre Religion soll dabei nicht nur in seiner ereignis- und diplomatiegeschichtlichen Dimension erfasst, sondern insbesondere vor einem kultur- und alltagsgeschichtlich orientiertem Hintergrund thematisiert werden. Im Zentrum des Seminars stehen deswegen mit medialen Repräsentationen, historiographischen Quellen und Selbstzeugnissen Texte, in denen Menschen ihre Wahrnehmungen und Erfahrungen des Kriegsgeschehens verarbeiten.

Historisches Propädeutikum (zu TuK Der Dreißigjährige Krieg 1618-1648)
Mo 14-16, NP 4 R 1213, Mo 1, BA HF, NF, L3, L3

Interdisziplinäre Lehre
06.11.2013 "Doing Gender. Zur Anwendung eines Konzepts in den Geschichts- und Literaturwissenschaften" gemeinsam mit Dr. Susanne Schul, Ältere Deutsche Literaturwissenschaft, FB 2, Universität Kassel
im Rahmen der Einführenden Ringvorlesung "Ansätze der Geschlechterforschung. Eine interdisziplinäre Einführung"für Studierende des Studienprogramms der IAG Frauen- und Geschlechterforschung

SS 2013

Die Grand Tour Wilhelms VII. von Hessen-Kassel (Projektseminar mit Exkursion ins Staatsarchiv Marburg)

Sa., 27.4., 10-14, R. 1207, NP 1 Vorbesprechung/Einführung
Mo., 13.5. ganztägige Exkursuion nach Marburg
Sa. u. So. (29./30.6.), 9-17 Block, R. 1207, NP 1

Während der Frühen Neuzeit (1500-1800) wurde in der Erziehung von Adelssöhnen eines immer wichtiger: Erfahrungen an ausländischen Höfen zu sammeln. Wichtigstes Instrument hierfür war die frühneuzeitliche Grand Tour, die die sogenannten Kavaliere an die tonangebenden Höfe in Frankreich, Italien und England führte. 1670 brach auch der 19-jährige Wilhelm VII., Landgraf von Hessen-Kassel, zu einer Grand Tour auf, während der er in Paris an einem Fieber starb. Im Staatsarchiv Marburg haben sich verschiedene Quellen erhalten, die diese Reise und insbesondere Wilhelms Krankheit und Tod dokumentieren und von der historischen Forschung noch weitgehend unbearbeitet sind. Nach einer allgemeinen Einführung zur Geschichte der frühneuzeitlichen Grand Tour werden wir uns im Seminar mit diesen Quellen beschäftigen. Während einer Exkursion ins Staatsarchiv Marburg, die zugleich eine grundlegende Einführung in die Archivarbeit darstellt, werden wir Gelegenheit haben, an den frühneuzeitlichen Originaldokumenten zu arbeiten, die Materialität historischer Quellen zu erfahren und erste Transkriptionsübungen vorzunehmen. Die Transkriptions- und Erschließungsarbeit soll dann in der Blockveranstaltung an Digitalisaten vertieft werden.

 


 

WS 2012/13

Historisches Propädeutikum
(zum TuK Gewalt und Gewalterfahrungen in der Frühen Neuzeit)
Di 12-14, AB 10, 1309
Affekte und Passiones: Emotionalität in der Frühen Neuzeit
Di 10-12, AB 2, 0402
Die Auseinandersetzung mit Emotionen wie Furcht, Liebe, Zorn, Hass oder Scham hat Konjunktur – so lässt sich mit Blick auf aktuelle Debatten und Forschungen über disziplinären Grenzen hinweg feststellen. Auch in den Geschichtswissenschaften setzt sich mehr und mehr die Auffassung durch, dass Emotionen sowohl Geschichte ‚machen’ als auch ihrerseits eine Geschichte haben.
Im Seminar wollen wir grundlegenden Modellen und Vorstellungen von Emotionalität in der Frühen Neuzeit (ca. 1500-1800) nachspüren und anhand ausgewählter Aspekte nach den jeweiligen historischen bzw. kulturspezifischen Bedeutungen und Ausdrucksformen von Emotionen fragen. Entlang zentraler Forschungsarbeiten der Frühneuzeitforschung werden wir uns etwa mit der Rolle von Emotionen in politischen Theorien und dem praktischen Politikprozess beschäftigen sowie den persönlichen Umgang mit Emotionen in Selbstzeugnissen analysieren. Dabei werden wir danach fragen, wie Emotionen geschlechts- und altersbezogen sowie schichtspezifisch codiert und normiert werden.
Interdisziplinäre Lehre

29.11.2012 "Doing Gender. Zur Anwendung eines Konzepts in den Geschichts- und Literaturwissenschaften" gemeinsam mit Susanne Schul, Ältere Deutsche Literaturwissenschaft, FB 2, Universität Kassel
im Rahmen der Einführenden Ringvorlesung "Ansätze der Geschlechterforschung. Eine interdisziplinäre Einführung"für Studierende des Studienprogramms der IAG Frauen- und Geschlechterforschung

 


 

SS 2012

Krankheit und Gesundheit in der Frühen Neuzeit

Zu allen historischen Zeiten und in verschiedenen Kulturräumen ist Krankheit bzw. Gesundheit für den einzelnen Menschen wie für die gesamte Gesellschaft existentiell. Doch trotz dieser universalen Grundbedeutung ist sowohl die Wahrnehmung von als auch der Umgang mit Krankheit und Gesundheit hochgradig kulturell verschieden. Im Seminar beschäftigen wir uns mit den zentralen Vorstellungen vom Funktionieren des Körpers in der europäischen Frühneuzeit (ca. 1500-1800). Dabei werden wir zeitgenössische Wissenskonzepte über die Entstehung von Krankheit (Humoralpathologie), die angemessene (ärztliche und heilkundliche) Behandlung sowie über die gesunde Lebensführung (Diätetik) kennenlernen. Im zweiten Teil des Seminars setzen wir uns anhand von frühneuzeitlichen Selbstzeugnissen mit den Wahrnehmungen und Erfahrungen von kranken und gesunden Menschen auseinander. Die diskursiven Deutungs- und Sinnstiftungsprozesse im Angesicht von Krankheit und Gesundheit sowie die konkreten Praktiken des Umgang mit dem gesunden bzw. kranken Körper in den Selbstzeugnissen sollen dabei in Bezug zu zentralen beziehungs- und gesellschaftsstrukturierenden Faktoren wie Alter, Geschlecht, Stand, Religion und Nation etc. gesetzt und somit im Hinblick auf ihre kulturspezifische Verortung interpretiert werden.

 


 

WS 2011/12

Interdisziplinäre Lehre

Dezember 2011 "Doing Gender. Zur Anwendung eines Konzepts in den Geschichts- und Literaturwissenschaften" gemeinsam mit Susanne Schul, Ältere Deutsche Literaturwissenschaft, FB 2, Universität Kassel
im Rahmen der Einführenden Ringvorlesung "Ansätze der Geschlechterforschung. Eine interdisziplinäre Einführung"für Studierende des Studienprogramms der IAG Frauen- und Geschlechterforschung
 

Der Weg ist das Ziel? Reisebeschreibungen in Mittelalter und Früher Neuzeit
team-teaching-Seminar mit Susanne Schul, Ältere Deutsche Literaturwissenschaft, FB02

Die Gesellschaften des europäischen Mittelalters und der Frühen Neuzeit gelten gemeinhin als undynamisch – das Leben der Menschen und die Räume, in denen sie sich bewegten, erscheinen statisch. Die kultur- und literaturhistorische Reiseforschung der letzten 30 Jahre hingegen hat die Bedeutung von räumlicher Mobilität für die Konstruktion kollektiver und individueller Selbst- und Fremdbilder in diesen Epochen deutlich herausgearbeitet. Im Seminar werden wir den Spuren dieser Forschungen folgen und anhand ausgewählter mittelalterlicher und frühneuzeitlicher Reisebeschreibungen fragen, in welchem Verhältnis raumbezogene Identitätsbildungsprozesse zu anderen Kategorien wie etwa Stand und Geschlecht stehen. Das Spektrum der diskutierten Texte umfasst dabei sowohl Berichte über Reisen in den europäischen als auch in den außereuropäischen Raum sowie fiktionale und non-fiktionale Texte. Bei der Analyse der Reisebeschreibungen sollen methodische Ansätze und Fragestellungen aus der Literatur- und Geschichtswissenschaft miteinander kombiniert werden.

Anmerkung: Das Seminar ist für jeweils 15 Studierende der Germanistik und der Geschichte geöffnet.

 


 

SS 2011

Einführung in die Geschlechtergeschichte (Schwerpunkt Frühe Neuzeit)

Die Frauen- und Geschlechtergeschichte blickt nunmehr auf eine über 40 Jahre währende Forschungstradition zurück. Mehr und mehr hat sie in den letzten Jahren den Status einer Bindestrich- oder Teilgeschichte abgelegt und die Bedeutung von ‚Geschlecht‘ als Kategorie für die Erforschung historischer Gesellschaften und deren Funktionieren hervorgehoben.
Im Seminar wollen wir diesen Entwicklungen innerhalb der Geschlechtergeschichte nachgehen und Konzepte zum Verständnis der Kategorie ‚Geschlecht‘ aus anderen Disziplinen kennenlernen. Im zweiten Teil des Seminars soll die Fruchtbarkeit dieser Ansätze für die Analyse frühneuzeitlicher Quellen erprobt werden. Im Vordergrund der gemeinsamen Diskussion sollen daneben auch Fragen der gesellschaftlichen Relevanz sowie der Umsetzung von geschlechtergeschichtlichen Thematiken im schulischen Unterricht stehen.

Einstiegslektüre: Claudia Opitz-Belakhal, Geschlechtergeschichte, Frankfurt am Main 2010