Dr. Ka­ro­li­ne Mis

The arrangement of the industrial relations varies between the different nation states and depends on historically shaped experiences, juridical and economic basic conditions and can be described as a specified path dependency for each country. It is a not concluded process and especially the CEE (Central and Eastern Europe) countries are still confronted by a big adaptation pressure of their national working relations.

Similar to other  CEE countries Poland’s industrial relations have been installed in a "topdown" process during the change of the political system in 1989. Because of the lack of representative employers' associations, the fragmentation of Poland´s Trade Unions and finally because of an insufficient installed social dialogue on the national level the industrial relations are in general characterized as weak.

The biggest potential for the Europeanization of national working relations is awarded to the European Works Councils because „the inclusion of CEE sites into EWC's (European Works Councils) offers the potential to strengthen local structures in CEE countries more generally, insofar as exchange of experience and learning processes among EWC members can also contribute to stabilising national representation strategies and practice on a case by case basis."

The PhD-thesis deals with this impact of European Works Councils on the industrial relations of Poland. Therefore following hypotheses are made:

  1. The participation of Polish employee's representatives in functioning EWCs has new effects on their operational, union and national position. In the best case the Polish EWC members get additional scopes of action in the national context.
  2. The more proactively an EWC operates, the higher is the chance of a positive influence on its members.
  3. Positive effects are more likely when a strong tradition of industrial relations does exist in the motherland of the company.

Questions on the impact of EWC membership in post-socialist member states of the European Union have been picked rarely in the literature. However one prominent research summarizes its finding "that there seems to be a clear correlation between pro-active EWC experience and impact on industrial relations and corporate culture in the NMS (New Member States)."

The aim of this dissertation project will be to get to the bottom of this finding and to analyse this clear correlation between EWC membership and industrial relations in Poland.

In ihrer Arbeit geht es um die von der EU induzierten innerstaatlichen Wandlungsprozesse der industriellen Beziehungen in einem post-kommunistischen EU-Mitgliedsstaat. Am Beispiel der Europäischen Betriebsräte (EBR), die aus einer optimistischen Forschungsperspektive als die Motoren von Europäisierungsprozessen gesehen werden, untersucht Karoline Mis ihre Wechselwirkungen mit der nationalen und betrieblichen Ebene in Polen. Dabei lautet die Kernannahme ihrer Analyse, dass die polnischen EBR-Mitglieder von ihrer Partizipation im EBR in einer anderen Form profitieren als beispielsweise ihre westeuropäischen Kollegen. Entgegen der bisherigen Forschungspraxis liegt der Analysefokus folglich auf der na-tional/betrieblichen Ebene und nicht beim eigentlichen EBR, so dass Europäisierungsprozesse anhand eines "most-different case studies"- Forschungsdesigns auf den verschiedenen Ebenen identifiziert werden können. Durch die unterschiedliche Fallauswahl können etwaige "Stammlandeffekte" oder sektorspezifische  Besonderheiten als zusätzliche Einflussgrößen minimiert werden. Ebenfalls wird in der Fallauswahl bewusst auf prominente EBRs aus dem Automobil-, bzw. Metallsektor verzichtet, obwohl gerade diesen "beteiligungsorientierten" EBRs von vielen Forschern das alleinige Europäisierungspotenzial zugesprochen wird. Hier lautet die Hypothese, dass die Anforderungen an einen effektiven EBR niedriger sein könnten und somit auch sein Erfolg mit anderen Parametern bemessen werden müsste als es bisher in der westeuropäisch dominierten Forschungslandschaft der Fall ist, wenn diese Frage auf den Kontext der Arbeitsbeziehungen in Mittel- und Osteuropa übertragen wird. Mit ihrer Arbeit versucht sie das geografische Ungleichgewicht innerhalb der EBR-Forschung aufzubrechen, indem sie einerseits die bisher nicht wahrgenommene polnische Forschungsliteratur rezipiert und andererseits einen rein mittelosteuropäischen EBR in ihre Fallauswahl integriert und somit einen weißen Fleck innerhalb der EBR-Forschung erschließt. Durch die Entwicklung eines eigenen konzeptionellen Europäisierungsmodells versucht ihre Arbeit schließlich auch einen Beitrag zum bisher attestierten konzeptionell-theoretischen Defizit in der EBR-Forschung zu leisten. 

"Transformations- und Europäisierungsprozesse der industriellen Beziehungen Polens am Beispiel von Europäischen Betriebsräten"

 

Die Dissertationsschrift ist 2015 im Nomos Verlag erschienen:
Mis, Karoline (2015): Europäische Betriebsräte in Polen. Ein Weg zur Europäisierung nationaler und betrieblicher Arbeitsbeziehungen, Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft.


Link zur Publikation

Kon­takt

Karoline Mis schreibt seit 2010 an ihrer Dissertation zum Thema: "Transformations- und Europäisierungsprozesse der industriellen Beziehungen Polens am Beispiel von Europäischen Betriebsräten." Zuvor sammelte sie praktische Berufserfahrungen in einer arbeitnehmernahen Unternehmensberatung in Essen sowie bei der Friedrich-Ebert-Stiftung in Warschau. Vor ihrem Master Studium der European Studies an der Viadrina Universität in Frankfurt an der Oder studierte sie Neuere und Neueste Geschichte und Angewandte Kulturwissenschaften an der Universität Karlsruhe.

Pu­bli­ka­tio­nen/ Be­tei­li­gung an For­schungs­pro­jek­ten

  • Kost, Klaus/Lötscher, Lienhard/Weingarten, Jörg (2011): Neue und innovative Ansätze zur Regionalentwicklung durch unternehmerische Wirtschaftsförderung. Reihe: edition der Hans-Böckler-Stiftung, Wirtschaft und Finanzen, Band 261. Düsseldorf.
  • PCG - PROJECT CONSULT GmbH (2010): Sozialer Dialog und arbeitsorientierte Kooperation in den neuen EU-Mitgliedsstaaten. Strukturen der Zusammenarbeit von Arbeitnehmervertretern und Sozialpartnern mit arbeitsorientierten Kooperationsnetz-werken in Mittel- und Südeuropa. Ein Kooperationsprojekt der Friedrich-Ebert-Stiftung Bratislava,  solution4org Budapest und der PCG – Project Consult GmbH in Essen. 
  • Karoline Mis, Nicolas Rode, Jörg Weingarten (PCG); Odile Chagny, Eric Morales, Dominique Sellier (Secafi); Birte Homann, Prof. Dr. Herbert Wulf, Dr. Peter Wilke (Wilke, Maack und Partner): Naval shipbuilding in Europe - Current Developments and Perspectives 2020. Die Studie erscheint im Rahmen des Projekts "Neue Perspektiven für die europäische Marineindustrie: Herausforderungen und Chancen für Beschäftigung und Innovation".
  • Reinhard Röhrig, Karoline Mis, Stefan Wieschebrock unter Mitarbeit von Jörg-Peter Skroblin und Frank Blauschke: Branchenreport Verpackungsindustrie, Branchenanalyse erstellt im Auftrag der IG Metall und der IG BCE. Frankfurt am Main 2010.