Dr. Sven Rah­ner

Lack of Skilled Labour and Wrong Fatalism: Development and Perspectives of a New Policy Area 

How can we ensure that we continue to have an adequate number of skilled workers in the future? This is a question that is on everyone’s lips. Demographic developments in Germany, with its dwindling and ageing population, are increasingly impacting on the labor market. Given the context of globalization and the economic trend toward knowledge-based and research-intensive industries and services, current studies are predicting that there will be an acute demand for skilled personnel and highly qualified professionals in many sectors and regions in Germany by 2030 at the latest. 

It is generally accepted that a good availability of qualified personnel is crucial if Germany is to remain innovative and competitive on an international level. There is, however, a lack of political research that systematically contextualizes and analyzes how the various players interact, how limitations constrain institutions, and how tangible political results are obtained within a broader research framework encompassing many different policy areas. This doctoral project addresses this research gap and looks into how the German government has been attempting to guide the mobilization of skilled labor in as targeted a manner as possible since 2005. The analysis is placed within an historical context, looking at the mobilization of skilled labor in Germany from the time of the Second Empire (1871-1918). It includes a comparison between developments in the coordinated market economy of Germany and the liberal market economy of the United States of America. 

Theoretically, the dissertation project builds on the Varieties of Capitalism approach, connecting it with new schools of theory in public policy research. The project centers on analyzing basic legislative processes in education, employment and immigration policy, focusing on factors that, in the German model, have either obstructed or facilitated policies intended to mobilize skilled labor. 

The dissertation will employ qualitative methods such as the detailed evaluation of primary sources, including government papers, draft legislation, parliamentary records, party documents and internal reports. It will also draw on a total of 54 interviews with high-ranking representatives from politics, trade unions, chamber organizations, employers’ associations, trade associations, the Federal Employment Agency, and think tanks. 

One aim of the dissertation is to contribute to the further development of the German model by demonstrating where transformations need to be effected. Other aims are to formulate policy advice for mobilizing skilled labor and to identify successful approaches that could be translated into cross-sectoral problem-solving activities for German policymakers.

 

Das Thema Fachkräftesicherung ist in aller Munde. Aktuelle Studien prognostizieren, dass es im Kontext der Globalisierung und des wirtschaftlichen Wandels zu wissens- und forschungsintensiven Industrien und Dienstleistungen bis spätestens 2030 zu einem erhöhten Bedarf an Fachkräften und Hochqualifizierten in vielen Branchen und Regionen Deutschlands kommen wird. 

In der Wissenschaft ist es weitgehend unstrittig, dass die Verfügbarkeit von qualifizierten Fachkräften ein Schlüsselfaktor für die internationale Wettbewerbsfähigkeit und Innovationskraft Deutschlands darstellt. Dennoch mangelt es an politikwissenschaftlichen Analysen, die das Zusammenspiel der Akteure, die institutionellen Begrenzungszwänge und die materiellen Politikergebnisse in einem größeren politikfeldübergreifenden Forschungskontext systematisch in Beziehung setzen und analysieren. Das Dissertationsvorhaben setzt bei dieser Forschungslücke an und geht der Frage nach, auf welche Weise die Bundesregierung in den vergangenen beiden Legislaturperioden in der Lage war, eine möglichst zielgenaue Fachkräftemobilisierung politisch zu steuern. Hierbei werden historische Entwicklungen und aktuelle Tendenzen mit in die Untersuchung einbezogen. 

In theoretischer Hinsicht knüpft das Dissertationsprojekt am Modell Deutschland-Ansatz an und verbindet ihn mit den Theorieschulen der neueren Staatstätigkeitsforschung. Im Mittelpunkt steht die politikfeldübergreifende Analyse der grundlegenden bildungs-, arbeitsmarkt-, familien- und zuwanderungspolitischen Gesetzgebungsprozesse. Dabei richtet sich der Blick auf die Faktoren, die im Modell Deutschland als hemmende bzw. fördernde Bedingungen auf die Politik zur Fachkräftemobilisierung einwirken. 

Es sollen qualitative Methoden wie die ausführliche Auswertung von Primärquellen zum Einsatz kommen. Hierzu zählen Regierungspapiere, Gesetzesentwürfe, Bundestagsprotokolle, Parteidokumente und interne Papiere. Darüber hinaus fließen insgesamt 54 Experteninterviews mit Vertretern aus Politik, Gewerkschaften, Kammerorganisationen, Arbeitgeber- und Wirtschaftsverbänden, der Bundesagentur für Arbeit sowie von Think Tanks ein. 

Ziel der Arbeit ist es, durch die Darstellung der Transformationsbedarfe einen Beitrag zur Weiterentwicklung des Modell Deutschland-Ansatzes zu leisten. Weiterhin sollen politische Handlungsempfehlungen zur Mobilisierung von Fachkräften formuliert und übertragbare Erfolgsfaktoren für politikfeldübergreifendes Problemlösen in Deutschland ermittelt werden.

 

"Fachkräftemangel und falscher Fatalismus: Entwicklung und Perspektiven eines neuen Politikfeldes"

Sven Rahner ist als Leiter der Geschäftsstelle "Nationale Weiterbildungsstrategie" im Bundesministerium für Arbeit und Soziales tätig.

Kon­takt

For­schungs­schwer­punk­te

  • Zukunft der Arbeit
  • Digitalisierung von Arbeit und Wirtschaft
  • Fachkräftesicherung
  • Weiterbildungspolitik im internationalen Vergleich
  • Vergleichende Politische Ökonomie
  • Wohlfahrtsstaatsforschung

 

Ver­öf­fent­li­chun­gen

Monografien

Aufsätze in Zeitschriften und Büchern (Auswahl)

  • Rahner, Sven (2018): Fachkräftepolitik im digitalen Wandel: Gestaltungschance statt falscher Fatalismus, in: Mehr als Algorithmen. Digitalisierung in Gesellschaft und Arbeit, in: TUP (Theorie und Praxis der Sozialen Arbeit), Sonderband 2018, S. 96-103.
  • Rahner, Sven (2016): Hand in Hand mit Roboterkollege Schorsch. Die Arbeitswelt von morgen, in: Müller - Die lila Logistik AG (Hrsg.): Vordenken, S. 49-62.
  • Rahner, Sven (2016): Don't stop thinking about tomorrow, in: Berliner Republik 3/2016 (zusammen mit Steffen Jenner und Kai Doering).
  • Rahner, Sven (2015): Neue Wege arbeitspolitischer Solidarität in Deutschland und Europa, in: Aus Politik und Zeitgeschichte, Beilage zur Wochenzeitung Das Parlament, B 4-5 Arbeiten in Europa, S. 49-54.
  • Rahner, Sven (2014): Amartya Sens Ansatz der Verwirklichungschancen: Kompass für gutes Regieren?, in: Friedrich-Ebert-Stiftung (Hrsg.): Was macht ein gutes Leben aus? Der Capability Approach im Fortschrittsforum, Bonn/Berlin, S. 20-28.
  • Rahner, Sven (2013): Der Betrieb als Fortschrittslabor, in: Berliner Republik, 02/2013 (zusammen mit Anis Ben-Rhouma und Simon Vaut).
  • Rahner, Sven (2012): Time matters: Für eine Politik aus der Lebensverlaufsperspektive, in: Neue Gesellschaft/Frankfurter Hefte, 9/2012, S. 43-45 (zusammen mit Martin Bujard).
  • Rahner, Sven (2012): Zeit neu denken: Plädoyer für eine Lebensverlaufspolitik, in: www.fortschrittsforum.de, 18. Juli 2012 und www.freitag.de, 1. August 2012 (zusammen mit Martin Bujard).
  • Rahner, Sven (2012): Lebenslauforientierte Bildungs-, Arbeitsmarkt- und Familienpolitik als Grundlage für sozialen und wirtschaftlichen Fortschritt, in: WISO Diskurs: Wohlstand, Wachstum, Investitionen, S. 47-60 (zusammen mit Martin Bujard).
  • Rahner, Sven (2011): Fachkräftebedarf und Zuwanderung: Geschichte und Perspektiven, in: Aus Politik und Zeitgeschichte, Beilage zur Wochenzeitung Das Parlament, B 43, S. 29-35.

Expertisen und Politikberatung

  • Rahner, Sven (2014): Zukunftsaufgabe Weiterbildung: Stand der Debatte und internationale Anknüpfungspunkte zur Entwicklung einer Arbeitsversicherung. Expertise im Auftrag der Friedrich-Ebert-Stiftung, Bonn/Berlin (32 Seiten).
  • Rahner, Sven (2012): Arbeitsförderung im Lebensverlauf: Grundlagen, Gute Praxis, Handlungsfelder. Expertise, Deutscher Bundestag, Berlin (28 Seiten).
  • Rahner, Sven (2012): Wandel von Arbeit und Demografie gestalten: Potenziale für Qualifizierung, Beschäftigung und Entfaltung. Expertise, Deutscher Bundestag, Berlin (43 Seiten).

Vorträge (Auswahl)

  • Rahner, Sven (2018): Nationale Weiterbildungsstrategie. Für eine neue Weiterbildungskultur im digitalen Wandel, IAB-Colloquium zur Arbeitsmarkt- und Berufsforschung, Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung, Nürnberg, 13.12.2018.
  • Rahner, Sven (2018): Session "Das persönliche Erwerbstätigenkonto" (ausgerichtet vom Institute of Labor Economics, IZA), LABOR.A 2018, Plattform "Arbeit der Zukunft", Berlin, 13.09.2018.
  • Rahner, Sven (2014): Der Beitrag der Beschäftigungsversicherung zur Etabilierung einer neuen Weiterbildungskultur, Wissenschaftliches Kolloquium, Hochschule der Bundesagentur für Arbeit, Schwerin, 19.11.2014.
  • Rahner, Sven (2014): Buchpräsentation "Architekten der Arbeit: Positionen, Entwürfe, Kontroversen", Genial Dagegen, kuratiert von Robert Misik, Bruno Kreisky Forum für internationalen Dialog, Wien, 02.06.2014.
  • Rahner, Sven (2014): Buchpremiere "Architekten der Arbeit: Positionen, Entwürfe, Kontroversen", KörberForum, moderiert von Uwe Jean Heuser, DIE ZEIT, Körber Stiftung, Hamburg, 19.05.2014.
  • Rahner, Sven (2013): Amartya Sens Befähigungsansatz: Grundzüge, Kernkategorien und Anwendungsperspektiven, Gesprächskreis Befähigungsansatz, Friedrich-Ebert-Stiftung, Berlin, 20.02.2013.
  • Rahner, Sven (2011): Lebenslauforientierte Bildungs-, Arbeitsmarkt- und Familienpolitik als Grundlage für sozialen und wirtschaftlichen Fortschritt, Kongress der Friedrich-Ebert-Stiftung „Perspektiven für wirtschaftlichen und sozialen Fortschritt“, Berlin, 30.11.2011 (zusammen mit Martin Bujard).
  • Rahner, Sven (2011): Thematisierungs- und Gestaltungsmacht von Gewerkschaften bei der Mobilisierung von Fachkräften, Workshop „Strukturwandel der Arbeit – Strukturwandel der Organisationen“ der Hans-Böckler-Stiftung an der Universität Kassel, 18.06.2011.
  • Rahner, Sven (2011): Fachkräftemangel: Mythos oder Drama?, Netzwerk Wissenschaft und Gewerkschaften, DGB-Bundesvorstand, Berlin, 28.02.2011.

Le­bens­lauf

Lebenslauf

Seit 2018

Leiter Geschäftsstelle "Nationale Weiterbildungsstrategie" im Bundesministerium für Arbeit und Soziales

2014-2017

Referent für "Grundsatzfragen der Arbeitspolitik und Arbeitskräftesicherung" im Bundesministerium für Arbeit und Soziales in Berlin

2017

Referent für "Grundsatzfragen der Gesellschafts- und Sozialpolitik, Zukunft der sozialen Sicherungssysteme" im Bundesministerium für Arbeit und Soziales in Berlin

2017

Doktor der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften (Dr. rer.pol.) am Fachbereich Gesellschaftswissenschaften der Universität Kassel, Dissertation: „Fachkräftemangel und falscher Fatalismus. Entwicklung und Perspektiven eines neuen Politikfeldes"

2010-2014

Leiter Text und Redaktion bei der Digramm Media GmbH, Berlin

2006-2009

Wissenschaftlicher Mitarbeiter und Büroleiter im Deutschen Bundestag

2002-2004

Studentischer Mitarbeiter am Institut für Politische Wissenschaften an der Universität Heidelberg

2000-2006

Freier Mitarbeiter der Forschungsgruppe Wahlen e.V., Mannheim

1999-2005

Studium der Politikwissenschaft, Germanistik, Psychologie und Pädagogik an den Universitäten Heidelberg und Toronto (Abschluss Staatsexamen)

 

Tätigkeit in Wissenschaftlichen Beiräten, Expertengremien und Forschungsgruppen

Dezember 2016

Explorativer Workshop, "The Politics of Work and Welfare in the Platform Economy" (Leitung: Prof. Peter A. Hall, Harvard Faculty of Arts & Sciences; Prof. Kathleen Thelen, Massachusetts Institute of Technology), Harvard University, Radcliffe Institute For Advanced Study, Cambridge, USA

2015

Mitglied im Foresight-Lab „Auswirkungen der Digitalisierung auf den Arbeitsmarkt 2030“ der Bertelsmann Stiftung und Stiftung Neue Verantwortung

2014-2016

Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats des Think Tanks Das Progressive Zentrum e.V.

2013-2014

Mitglied der gemeinsamen Forschungsgruppe „Zukunft des Sozialstaats“ der Bonner Akademie für Forschung und Lehre praktischer Politik (BAPP) und dem Think Tank Progressives Zentrum e.V.

2012-2013

Mitglied des Fortschrittforums zur Begleitung der Arbeit der Enquete-Kommission "Wachstum, Wohlstand, Lebensqualität" des Deutschen Bundestages

 

Stipendien und Auszeichnungen

2010-2013

Friedrich-Ebert-Stiftung, Graduiertenförderung

2012

Friedrich-Ebert-Stiftung, Forschungsaufenthalt USA

2002

Land Baden-Württemberg, Studienaufenthalt an der University of Toronto