Tristan Kallweit

Tristan Kallweit

„Von deutscher Art und Jagd“: Das Weidwesen als Ideologie in Deutschland, 1900-1990

Das Promotionsvorhaben analysiert das deutsche Verständnis von Jagd im 20. Jahrhundert und deren Überschneidung mit nationalistischen (ethnischen) und rassistischen Erzählungen. Besonderer Fokus wird dabei gelegt auf ideologische Kontinuitäten und Transformationen vom späten Kaiserreich über Weimarer Republik und NS-Deutschland bis in die BRD und zur deutschen Wiedervereinigung. Als Quellengrundlage dient das jagdliche Schrifttum, insbesondere Jagdzeitschriften und Jagdbelletristik, aber auch Archivmaterial und filmische Darstellungen (Heimatfilme, jagdliche Reportagen). Dadurch wird eine umfangreiche Auseinandersetzung mit der Sichtweise der Jagenden vorgenommen, um das jagdliche Weltbild bestmöglich vor dem Hintergrund des jeweiligen historischen Kontexts einordnen zu können. Über diese ideengeschichtliche Analyse gilt es, die Betrachtungsweise der Jagenden in Deutschland auf „deutsche“ Wildtiere herauszuarbeiten. Der verfolgte Ansatz betont die Wirkmächtigkeit kultureller Semantiken, welche durch fortwährende, teils „anspruchsvolle“ Rechtfertigungsstrategien in jagdliche Praktiken mehr oder weniger erfolgreich Eingang fanden. Die einzelnen Teilbereiche des Promotionsvorhabens befassen sich z. B. mit dem jagdlichen Geschichts- und Naturbild, der Wilderei, der Anschlussfähigkeit der deutschen Jagdauffassung mit der nationalsozialistischen Weltanschauung, der Erinnerungskultur der Jagenden (v.a. nach dem Verlust deutscher Kolonien und Ostpreußens) und den Geschlechterstereotypen rund um die Jagd.

 

Zur Person:

Tristan Kallweit wurde 1996 in Hagenow geboren. Von 2015 bis 2021 studierte er Geografie sowie Landschaftsökologie und Naturschutz an der Universität Greifswald. Von 2021 bis 2023 folgte ein Studium der Ethnologie an der Universität Hamburg. Seit Dezember 2025 promoviert er im Bereich der Sozial- und Kulturgeschichte.