Neue Ausgangspunkte setzen

Koloniale Kontinuitäten in der Bauwirtschaft verstehen

Das vom Zentralen Lehrfonds finanzierte Projekt untersucht anhand der Konzipierung eines Grundlagenseminars koloniale Kontinuitäten in der Bauwirtschaft. Über die Themen Ästhetik und Form, Ressourcen, Materialität und Arbeitsverhältnisse werden die kritische Reflexion und die Verflechtung von Raumplanung mit kolonialen Systemen durch die Analyse post- und dekolonialer Theorien und Praktiken vermittelt. In der Bauwirtschaftslehre in Deutschland werden postkoloniale Perspektiven, migrantische Erfahrungsräume und koloniale Verhältnisse in der Planungs- und Bauwelt bislang nur randständig thematisiert. Wir sehen die Notwendigkeit, Lehrangebote zu entwickeln, die Konzepte und Zusammenhänge vermitteln, um dekoloniale Perspektiven in die Raumlehre einzubringen. Dekolonialität verstehen wir als eine Praxis des Umlernens und der kritischen Auseinandersetzung mit einer extraktivistischen, wachstums- und profitorientierten Bauwirtschaft. Ein Moment, um neue Ausgangspunkte zu setzen, die eine sozial- und umweltgerechte Planung ermöglichen sollen. Das Lehrprojekt basiert auf Paulo Freires Konzept der educação popular und fördert kritisches Denken sowie Handlungsfähigkeit durch erfahrungsbasiertes und kollektives Lernen. Dieser Kurs knüpft an eine Tradition kritischer Pädagogik an der Universität an und übersetzt diese Methoden in die Raumlehre. Lehrende werden zu Lernenden und Studierende werden zu Lehrenden und produzieren Wissen gemeinsam. Ausgangspunkt ist die sozialpolitische Realität der Studierenden; dieses situierte Wissen wird an die heutigen strukturellen kolonialen Prozesse in der Bauwirtschaft geknüpft.

 

Neue Ausgangspunkte setzen – Koloniale Kontinuitäten in der Bauwirtschaft verstehen

Dauer: 2026

Gefördert durch: Zentraler Lehrfonds der Universität Kassel

Projektteam: Prof. Dr. Gabu Heindl und WM Ana Bisbiscus