SoSe 2007 Documenta Effects

SYMPOSION documentaEFFECTS

im Rahmen des Projekts documentaEFFECTS

Konzeption: Philipp Oswalt und Carola Ebert, Fachgebiet Architekturtheorie und Entwerfen an der Universität Kassel, Januar 2007

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Künstlerisch-kulturelle Projekte spielen als neue Form der Stadtentwicklung mit soft tools in den letzten Jahrzehnten eine zunehmende Rolle. Dies gilt gleichermaßen für die Eventisierung der Stadtentwicklung und die zunehmende Rolle von Imagefaktoren, wie für die Einbeziehung von Künstlern in Stadtentwicklungsprojekte wie z.B. für experimentelle räumliche Interventionen in sozial gefährdeten Stadtbezirken. In städtebaulichen Diskursen wird dies gestützt durch die Theorien zur Wissensgesellschaft und die Debatten um Creative City and Creative Class und die damit einhergehende zunehmende Kulturalisierung der Stadtpolitik. Im künstlerischen Kontext hat das Interesse von Künstlern an einer stärkeren gesellschaftlichen Positionierung ihrer Projekte sowie an interventionistischen und partizipatorische Arbeistweisen zu einer Vielzahl neuer Ansätze für Interventionen in den städtischen Raum geführt. Künstlerische und kuratorische Praktiken verfolgen jedoch oft ganz andere Ziele als die genannten neuen Stadtpolitiken.

Die documenta als künstlerisch hochrangiges und zugleich ungewöhnlich publikumswirksames Ereignis ist durch ihr über fünfzigjähriges Bestehen ein hervorragendes Fallbeispiel, um diesen Sachverhalt zu untersuchen. documentaEFFECTS | Was macht die documenta mit der Stadt? betrachtet die Wechselwirkungen zwischen Stadt und Kunst auf zwei Maßstabsebenen: einmal die documenta als städtisches Großereignis und Form eines temporären Urbanismus (analog zu Kulturhauptstadt Europa, Großsportereignissen usw.), und im Hinblick auf einzelne künstlerische Arbeiten der vergangenen documenta- Ausstellungen, die als urbane Intervention konzipiert waren.

Zur Analyse des Wechselverhältnisses zwischen Stadt und Kulturprojekt werden die Erkenntnisse verschiedener Disziplinen einbezogen und mit einander verschränkt. Hierzu gehören Kunstwissenschaften, Soziologie, Architektur- und Stadttheorie, Tourismusforschung sowie die Praxiserfahrung von Künstlern, Kuratoren, Geschäftsführern, Marketingexperten und Kulturpolitikern.

Das Symposion documentaEFFECTS | Was macht die documenta mit der Stadt? ist Teil eines breiter angelegten Forschungsprojekts, das die Auswirkungen der documenta- Ausstellungen auf die Stadt Kassel in verschiedenen Formen untersucht und kommuniziert.

Hierzu gehören:

- die Audio-Stadtführung OFFdocumenta, welche die Ergebnisse einer Recherchen zu documentaEFFECTS im Stadtraum verortet und in Form eines Podcast zugänglich macht

- eine chronologische Synopse als Kleinausstellung

- das Kartierungsprojekt documentaMAPPING, welches die Bewegungen von documenta 12 -Besuchern im Stadtraum dokumentiert. Die Ergebnisse des Symposions sollen anschließend gemeinsam mit den Resultaten von

OFFdocumenta und documentaMAPPING in einer Buchpublikation dokumentiert werden.
verschiedenen Ebenen zu untersuchen:

- auf der Ebene des kuratorischen Umgangs mit der Stadt

- auf der Ebene des künstlerischer Umgangs mit der Stadt

- auf der Ebene der sozioökonomischen Effekte der documenta auf die Stadt

- auf der Ebene von Kultur als Teil von Stadtpolitiken

Dabei fließen sowohl die Hintergrundinformationen der Projekte documentaMAPPING und OFFdocumenta ein, sowie erste Erfahrungen der laufenden documenta 12, deren Anspruch eine enge lokale Rückbindung ist.

Das Symposion findet in der Aula der Kunsthochschule der Universität Kassel statt.

Dirk Baecker, Soziologe / Systemtheoretiker, Universität Witten Herdecke/Berlin > Prof. Dr.Baecker evaluiert für die Deutsche Forschungsgesellschaft DFG die sog. Leuchtturm- Projekte, zu denen auch die documenta gehört.

Beatrice von Bismarck, Kunsthistorikerin, Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig > Als Autorin zahlreicher Text zur Archivierung sowie den Räumen und Organisationen der Kunst verbindet 

Prof. Dr. von Bismarck den Blick auf einzelne Kunstwerke mit kuratorischinstitutionelle Apekten.

Walter Grasskamp, Kunsthistoriker, Akademie der bildenden Künste München > Prof. Dr. Grasskamp ist Autor zahlreicher Publikationen zur Museumsgeschichte und zur Kunst im öffentlichen Raum, u. a. im Rahmen der documenta, sowie zu Kunst und Geld.

Gerd-Michael Hellstern, Wirtschaftwissenschafter, Universität Kassel > Prof. Dr. Hellstern hat über Jahre statistische Untersuchungen zu den Veränderungen der Besucherzahlen und Motive sowie den wirtschaftlichen Auswirkungen auf die Stadt Kassel und die Region durchgeführt.

Harald Kimpel, Kunstwissenschaftler, Kulturamt Stadt Kassel > Als Verfasser einschlägiger Standardwerke zu den Kunstwerken und der Geschichte der documenta hat Dr. Kimpel die Entwicklung der documenta-Ausstellungen über Jahre vor Ort begleitet und analysiert.

Miwon Kwon, Architekturhistorikerin, University of California Los Angeles > Die Diskussion von Kunst im Stadtraum und ‚site-specific art’ hat Dr. Kwon durch ihre Veröffentlichungen zur verschiedenen Künstlern und vor allem ihr Buch One Place After Another: Site-Specific Art and Locational Identity (2002) wesentlich beeinflusst.

Sharon Zukin, Soziologin, City University New York > Als Autorin von Büchern wie The Culture of Cities (1995) oder Loft Cities (1989) ist Prof. Dr. Zukin hat grundlegende Thesen im internationalen Diskurs zur Stadtkultur und dem Verhältnis von Kultur und Stadtentwicklung formuliert.

Regina Bittner, Kulturwissenschaftlerin, Bauhaus Dessau

Roger Buergel, Kurator der Documenta 12

Kaspar König, Direktor Museum Ludwig Köln

Bernd Leifeld, Gesch.ftsführer documenta GmbH

Oliver Marchart, Philosoph/Politiktheoretiker, Universität Luzern

Klaus Ronneberger, Soziologe, Frankfurt

Knut Seidel, Gesch.ftsführer KasselTourist GmbH

Andreas Siekmann, Künstler, Berlin

Heinz Bude, Soziologe, Universität Kassel

Kai Uwe Hermken, Kunsthistoriker, Universität Kassel

Philipp Oswalt, Architekturtheoretiker, Universität Kassel

Andreas Ruby, Architekturkritiker, Berlin

Mit Kurzeinleitungen eröffnet das Fachgebiet Architekturtheorie anhand seiner Rechercheergebnisse die einzelnen Themenblocks.

documentaEFFECTS KunstraumStadtraum

Das Verhältnis von Ausstellungsraum zu Stadtraum war ein konstituierendes Element für die Gründung der documenta im stark kriegszerstörten Kassel. Die verschiedenen räumlichen Konzepte der wechselnden Kuratoren haben jeweils anderes Interaktionsverhältnis zum städtischen Raum entworfen.

10:00–10:10 Uhr Einleitung documentaEFFECTS KunstraumStadtraum

10:10–10:55 Uhr Vortrag Harald Kimpel

11:00–11:55 Uhr Vortrag Beatrice von Bismarck

12:00–12:55 Uhr Diskussion mit Roger Buergel, Kaspar König

Moderation: Philipp Oswalt

13.00–14:30 Uhr Mittagspause

documentaEFFECTS Außenkunst

Mit ihrer Intervention in die vorgefundenen Stadtstrukturen und die Konzeption der Akteurskonfigurationen entwerfen die Künstler jeweils eine spezifische Idee städtischen Handelns.

14:30–14:40 Einleitung documentaEFFECTS Außenkunst

14:40–15:40 Uhr Filmvorführung von Kurzdokumentarfilmen zu ausgewählten Außenkunstarbeiten vergangener documenta-Ausstellungen, z. B. zu Joseph Beuys’ 7.000 Eichen, Thomas Hirschhorns Bataille-Monument u.a.

16:00–16:55 Uhr Vortrag Miwon Kwon (in englischer Sprache)

17:00–17:55 Uhr Vortrag Walter Grasskamp

18:00–19:00 Uhr Diskussion (in englischer Sprache) mit Harald Kimpel, Oliver Marchart, Andreas Siekmann

Moderation: Kai Uwe Hermken

documentaEFFECTS vor Ort

Die vom System Kunst nicht beabsichtigen (und zum Teil konfliktreichen) Nebenfolgen des kulturellen Großereignisses stellen einen zunehmend wichtigen Faktor da: Ob als Wirtschafts- und Imagefaktor, als touristischer Motor oder Kristallisationspunkt für parasitäre Aktivitäten.

10:00- 10:10 Einführung documentaEFFECTS vor Ort

10:10 - 10:55 Uhr Vortrag Dirk Baecker

11:00-11:55 Uhr Vortrag Gerd-Michael Hellstern

12:00-12:55 Uhr Diskussion mit Bernd Leifeld, Knut Seidel, Klaus Ronneberger

Moderation: Heinz Bude

13.00–14:30 Uhr Mittagspause

documentaEFFECTS OFFdocumenta LivePod

14:30–15:30 Uhr Stadtspaziergang OFFdocumenta mit Philipp Oswalt, Carola Ebert und Kilian Enders

documentaEFFECTS on the city Kultur spielt für Stadtentwicklung heute eine zunehmend strategische Rolle. Wie beeinflussen Kulturprojekte Stadtentwicklung, und wie beeinflusst die Stadtpolitik die Kulturproduktion?

16:00-16:55 Uhr Vortrag Sharon Zukin (in englischer Sprache)

17:00-19:00 Uhr Abschlussdiskussion mit den Referenten sowie Regina Bittner, Klaus Ronneberger, N.N. (Politik Kultur / Stadtentwicklung Kassel) (in englischer Sprache)

Moderation: Andreas Ruby