Promotionen
Interessent:innen für eine Promotion können sich mit einem ersten Themenvorschlag, Lebenslauf und Arbeitsproben an Prof. Philipp Oswalt wenden. Geeignete Promotionskandidat:innen werden bei der Entwicklung von innovativen Fragestellungen und der Suche nach Finanzierungsmöglichkeiten unterstützt. Neben der Einzelbetreuung organisiert das Fachgebiet mindestens einmal jährlich ein Promotionskolloquium, bei dem alle Promovend:innen ihren jeweiligen Arbeitsstand vorstellen und dieser – auch mit eingeladenen Gästen – diskutiert wird. Promotionen können in deutscher und englischer Sprache abgelegt werden.
Laufende Promotionen
- Michael Flörchinger: "documenta, Kassel und die „andere Stadt“"
- Ali Saad: "Die versteckte Stadt: Prinzipien räumlicher Hybridität in der Tiefe des Berliner Blocks"
- Ariane Wiegner: "Die Planung der Obsoleszenz"
- Anke Kühnel: "Richard Kaufmann - Architect of Zionism"
- Reinhard-Gabriel Bouley: Paulfriedrich Posenenske (1919-2004) – Nonkonformistische Moderne – Leben und Werk
- Ibrahim Klingeberg-Behr: Denkmale für Todesopfer rechter Gewalt in der BRD nach 1990
Abgeschlossene Promotionen
- Anna-Carina Meywirth: "Anarchitext. Andreas Neumeisters erzähltes Bauen"
- Tatiana Efrussi: "Hannes Meyer - a Sovjet architect"
- Rochus Wiedemer: "Berliner Moscheebauten"
- Dr. Carola Ebert: "Entspannte Moderne: Der westdeutsche Bungalow 1952 - 1969 zwischen kalifornischem Ideal und westdeutscher Nachkriegsgesellschaft"
- Dipl.-Ing. Hans-Hermann Albers: "Corporate Social Responsibility als Element der Stadtentwicklung"
- Dipl.-Des. Samuel Korn: "Die Architektur der Ausstellung. Verortungen der documenta Kassel 1955–2017"
- Alireza Taherifard: "Photo and Video Sharing Social Media and Urban Space in Teheran"
Laufende Promotionen
Die Arbeit gibt einen Überblick zum Leben in Lebensabschnitten (Heimat in Schlesien, Wehrmacht, Neuanfang in Hessen, Berufsweg, Hochschullehrerkarriere, berufsständisches Engagement, Rückzug nach Pottum) und zum Werk durch ein neu aufgestelltes Werkverzeichnis mit Schwerpunktbildung u.a. Verwaltungsbauten, Schulgebäude, Kirchenbauwerke, Bausysteme von Posenenske.
Die Entwicklung der Schwerpunkte wird vor dem Hintergrund architektonischer und städtebaulicher Veränderungen in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts betrachtet. Dabei werden die architektonischen und städtebaulichen Leitbilder der jeweiligen Entwicklungsphasen und regionale bzw. überregionale Einflüsse untersucht und mit einbezogen.
Zudem wird ein Augenmerk auf Posenenskes Studienjahre an der Technischen Hochschule Breslau und Technischen Hochschule Berlin-Charlottenburg im Hinblick auf Architekturentwicklung, zeitlicher Umstände (III. Reich) und mögliche Einflüsse von Hochschullehrern gerichtet.
Die in der Werkzusammenstellung aufgeführten Planungen, Ausführungen und Wettbewerbe werden ergänzt durch thematische Einführungen, Einordnungen und Resumes. Eine Zusammenstellung und Kritik durch von Posenenske verfassten Aufsätze, gehaltenen Vorträge und aufgelegten Bücher bzw. Broschüren schließt sich an.
Dieser Überblick ist Voraussetzung um Einflüsse und Impulse durch Personen, Orte, Architektur und gesellschaftlichen Leitbildern auf Posenenske sichtbar werden zu lassen und Erklärungen bzw. Einschätzungen zum Wirken von Posenenske abzugeben bzw. eine evtl. Ausnahmestellung der Bauwerke Posenenskes in der deutschen Nachkriegsarchitektur ausdeuten zu können.
Die Arbeit basiert auf dem umfangreichen Nachlass Posenenskes und Gedächtnisprotokollen des Verfassers über eine jahelange dienstliche Zusammenarbeit und persönlichen Freundschaft.
Im Fokus der Arbeit stehen Denkmale als räumliche Manifestation einer gesellschaftlichen Positionierung. Als konkrete räumliche Objekt sind sie das Resultat von Planungsprozessen, in denen verschiedene rechtliche, politische und ethische Positionen gegeneinander abgewogen wurden und sich, ja nach Machtposition unterschiedlich stark in die Gestalt des Objekts einschreiben konnte. Die Gestalt selbst ist nicht zuletzt abhängig von den Formen und Symboliken, die sich in der Gestaltung von Erinnerungsorten etabliert haben und der Wandlungsfähigkeit solcher Codes. Konkret auf das Forschungsthema bezogen ist besonders relevant, welchen Einfluss marginalisierte Gruppen auf das kollektive Gedächtnis nehmen können, wie sich dies im öffentlichem niederschlagt und ob sich hierfür neue Formsprachen etabliert werden konnten.
Im Rahmen dieser Arbeit werden erstmals alle Denkmale und Erinnerungsorte für seit 1990 durch rechte Gewalt getötet Menschen in Deutschland betrachtet. In einer vielschichtigen Artefaktanalyse werden die ästhetischen, semantischen, städtebaulichen und gesellschaftlichen Ebenen der Objekte erfasst. In einer zweiten Phase werden in vertiefenden Fallstudien die Entstehungsprozesse von einzelnen Denkmalen detailliert betrachtet. Aber auch das zahlenmäßig viel häufigere Nichtvorhandensein von Erinnerungsorten wird thematisiert.
Die Promotion wird durch ein Stipendium der Hans Böckler Stiftung gefördert.
Wer in Kassel lebt, hat fast zwangsläufig auch eine Geschichte mit der documenta. Berührungspunkte mit der weltberühmten Ausstellungsreihe für zeitgenössische Kunst sind für die Menschen in Kassel nahezu unvermeidlich. Anhand qualitativer Interviews fragt das Forschungsvorhaben nach den individuellen Geschichten, die sich mit der documenta verbinden. In der Analyse zeigt sich, dass die documenta städtische Differenzerfahrungen im Sinne einer „anderen Stadt“ provoziert, die die documenta für Kassel nicht zuletzt auch zu einer städtischen Selbsterfahrung machen. Enthusiasten und Verächtern der documenta dient die Ausstellung insofern auch als Reflexionsgenerator über ihr städtisches Selbstverständnis.
Die Dissertation handelt vom zeitgenössischen Berliner Block, der urbanen Grundeinheit Berlins. Entstanden während der Industrialisierung, voll entwickelt durch den Hobrecht-Plan, zerbombt während des Zweiten Weltkriegs, neu erfunden während der Nachkriegszeit und bis heute kontinuierlich überformt, war der Berliner Block flexibel genug, um Berlins komplexe Geschichte, seine harschen sozio-politischen Umbrüche und seine oft widersprüchlichen Planungsideologien zu absorbieren. Im Laufe der Zeit entwickelte sich der Berliner Block zu einer offenen und in vielerlei Hinsicht hybriden, urbanen Typologie, die Koexistenz und Pluralität unterschiedlicher Gebäudetypen und Ordnungsvorstellungen, von Programmen, Nutzern, Lebensentwürfen und Geschäftsmodellen in einer verdichteten urbanen Einheit begünstigt. Entscheidend für die räumliche Heterogenität des Berliner Blocks ist seine bemerkenswerte Größe. Sie läßt unterschiedliche Bautypen und Körnungen zu, die auch große Nutzungen wie Produktion und großmaßstäblichen Wohnungsbau aufnehmen können. Sie erzeugt aber auch eine Stadtstruktur, deren Hauptsubstanz sich in der Tiefe des Blocks befindet. Eine quasi versteckte Stadt, in deren Hinterhöfen sich zunächst Produktionsbetriebe und Schulen und später eine Mischung aus Klubs, Ateliers, Kleingewerbe und Werkstätten abseits der Öffentlichkeit ansiedelten. Dies erzeugte eine berlinspezifische Kultur, die mittlerweile zum Motor des aktuellen Wachstums geworden ist. Das Projekt fragt nach den unterschiedlichen, räumlichen Konfigurationsprinzipien des zeitgenössischen Berliner Blocks. Es dokumentiert zunächst den aktuellen Zustand und die Entwicklung tiefer und hybrider Blocktypen empirisch und entwickelt daraus eine Typologie des hybriden Berliner Blocks. In einem weiteren Schritt leitet es daraus eine Systematik charakteristischer Prinzipien räumlicher Hybridität ab und konzeptualisiert diese als Entwurfsprinzipien. Die Arbeit ziel darauf ab, das reiche und bislang unbemerkte Wissen an ungeplanten, jedoch bestehenden und somit bewährten Organisationsmustern räumlicher Hybridität der Theorie und Entwurfspraxis von Architektur und Städtebau zugänglich zu machen. Gleichzeitig soll ein empirisch nachweisbares Bild des existierenden Berliner Blocks und seiner vielfältigen Qualitäten jenseits aktuell vorherrschender Dogmen der räumlichen Einheitlichkeit gezeichnet und so ein Beitrag zu einer pluralistischeren, städtebaulichen Praxis geleistet werden.
Die Dissertation wird seit Januar 2016 an der TU Berlin bearbeitet und wird von Prof. Finn Geipel (Erstgutachter) und Prof. Philipp Oswalt (Zweitgutachter) betreut.
Zeitlichkeitsmodelle im architektonischen Entwurf
Die Dissertationsarbeit untersucht die der Architekturproduktion innewohnenden Zeitlichkeitsmodelle in der klassischen Moderne und Nachkriegsmoderne und fragt nach der Rolle dieser Zeitlichkeitsmodelle im Entwurfsprozess.
Im theoretischen Teil sollen nach einer literatur- und interviewbasierten Diskursanalyse ausgewählte Bauten untersucht und dokumentiert werden. Die Gebäudeanalysen werden beispielhaft für Geschosswohnungsbauten in (West-) Berlin durchgeführt.
Im experimentellen Teil sollen mit Hilfe des Zeitpuls-Konzeptes von Heinz Ronner und der Theorie des scenario-buffered buildings von Stewart Brand die Möglichkeiten, Grenzen und architektonischen Auswirkungen der Berücksichtigung unterschiedlicher Zeitlichkeitsmodelle im Entwurfsprozess erörtert werden.
Ziel der Arbeit ist es, die verschiedenen einem Bauwerk eingeschriebenen Zeitlichkeitsmodelle unterschiedlicher an ihrem Entwurf und Bau beteiligter Akteure herauszuarbeiten und zu analysieren. Hierbei ist die These zu bestätigen, dass diese Modelle teilweise erheblich voneinander divergieren bzw. sogar in Konflikt zueinander stehen.
Schließlich können die Divergenzen Hinweise darauf geben, wie bereits während des Entwurfsprozesses durch Wichtung der Akteursparameter ein bestimmtes und nicht zufälliges Alterungsverhalten von Gebäuden und ein kontrollierter Zeitpunkt ihrer Obsoleszenz erreicht werden kann.
Architect of Zionism
Die Dissertation widmet sich Richard Kauffmann – dem deutsch-jüdischen Architekten, der sein Leben halb in Deutschland und halb im britischen Mandats-Palästina, bzw. in Israel verbracht hat.
Kauffmann war 1920 nach Palästina ausgewandert, um eine Stelle bei der Palestine Land Development Company (PLDC) anzutreten. Seit seiner Umsiedlung nach Palästina erarbeitete rund zweihundert teils umgesetzte, teils im Entwurfsstadium verbliebene Projekte. Er hat maßgeblich die Architektur im britischen Mandatsgebiet in der Zeit vor der Unabhängigkeitserklärung des Staates Israel beeinflusst und geformt. Die deutsch-jüdische Kultur, der Kauffmann entstammt, prägte sein Schaffen in dieser Zeit. Seine Übersiedlung von Deutschland nach Palästina war nicht nur biographischer Transfer, sondern wirkte auch als Motor eines kulturellen Transfers und – in der Folge – einer bemerkenswerten kulturellen Verschmelzung. Richard Kauffmann wird in der Arbeit als im eigentlichen Sinne erster Architekt des Zionismus dargestellt.
Als Person, als Architekt und als Kulturtransporter ist Kauffmann bis heute nicht ausreichend erforscht. Seine Bedeutung als Formgeber für eine ganze Ära in Mandats-Palästina und in Israel ist bisher nur fragmentarisch und oberflächlich analysiert und akademisch aufgearbeitet worden. Vor allem ist Kauffmanns professioneller und kultureller Hintergrund, sind seine spezifisch deutschen Wurzeln, besonders die Auswirkung seinen Studienjahren in München bei Theodor Fischer, kaum beleuchtet worden. Die Art und Weise in der Kauffmann seine europäisch-deutsch-jüdisch geprägten Vorstellungen im neuen Kontext des Mittleren Ostens umgesetzt hat, die daraus resultierende Vielfältigkeit seines Schaffens und die bleibende Wirkung seines herausragenden Werks für Architektur und Gesellschaft im jungen Staat Israel stehen im Zentrum der Dissertation.
Die Arbeit basiert auf Quellen, die zum größten Teil noch nie zuvor gesichtet wurden und die in drei Archiven gefunden wurden: in zwei private Archive in Jerusalem und Potomac (Washington DC), und dem offiziellen Central Zionist Archive (CZA) in Jerusalem. Die Dissertation, die voraussichtlich Ende 2018 vertiggestellt werden wird, wird durch den Ernst Ludwig Ehrlich Studienwerk (ELES) gefördert.
Abgeschlossene Promotionen
Diese interdisziplinäre Dissertation analysiert die Texte des Autors Andreas Neumeister (*1959) aus literaturwissenschaftlicher und architekturtheoretischer Perspektive. Seine so genannten ‚Romane‘ unterlaufen bewusst die Gattungsspezifika und spielen mit eingefahrenen Methoden der Literaturwissenschaft. Dokumentarische Details zu Architekturen verschiedener Städte (u.a. München, Moskau, Los Angeles) werden dekonstruiert, collagenhaft verkettet und kreieren dadurch ungewöhnliche, kritische und experimentelle Blickwinkel auf vermeintlich bekannte oder verschwundene Fassaden.
Neumeisters Texte besitzen keine Handlungsverläufe und einen lediglich schwach konturierten Erzähler, der inmitten der Textbruchstücke häufig in den Hintergrund tritt. Das dadurch streckenweisen kryptische Schreiben verlangt dem Leser viel Aufmerksamkeit und Recherchearbeit ab. Information an Information kreiert ein Netz aus Verweisen (Links), ähnlich einem Hypertext, der permanent aus dem eigentlichen Text heraus auf andere Texte verweist. Möglicherweise existieren aus diesem Grund nur wenige detailliertere Aufsätze zu Andreas Neumeisters Werken, eine Monographie ist bislang noch nicht erschienen. Die Dissertation wird diese Lücke füllen und im ersten Teil die poetischen/popliterarischen Verfahren des Autors untersuchen, kategorisieren und daraus eine ‚ideale Lesestrategie‘ entwickeln.
Der zweite Teil widmet sich der inhaltlichen Analyse des ‚Romans‘ Könnte Köln sein (2008), in welchem laut Untertitel „Städte“ und „Baustellen“ literarisch verarbeitet werden. Bekannte und weniger bekannte Bauplätze und (Macht-) Architekturen verschiedener Städte stellt der Text durch die Brille des Erzählers zur Disposition und offenbart teilweise skurrile politische Details und Hintergründe zur Entstehungsgeschichte der Bauwerke. Die thematisierten Gebäude oder geographischen Räume erfahren eine kreative Einbettung in den möglicherweise vergessenen, verdrängten oder verschwiegenen Kontext und werden als wichtige Produkte gesellschaftlichen Handelns aufgewertet. Nahezu alle Fakten sind nachprüfbar und spielen unter dem Deckmantel des Romans mit der Grenze von Realität und Fiktion. Die inhaltliche Mischung der verschiedenen Textgenres und die zahlreichen poetischen Verfahren lassen sämtliche literaturwissenschaftliche Analysemethoden und -werkzeuge scheitern, sodass die Textanalysen der Dissertation neue methodische Zugänge wie die Architekturtheorie ausprobieren.
Auf den ersten Blick lässt sich bei Neumeisters Arbeitsweise kein Muster erkennen, jede Annäherung an eine Stadt oder ein Bauwerk erfolgt individuell. Ob sich am Ende aller Analysen eine Strategie herausfiltern lässt, soll im Ergebniskapitel dargestellt werden.
Zur Tätigkeit des Architekten und ehemaligen Bauhausdirektors Hannes Meyer in der Sowjetunion 1930 – 1936. Promotion an der Universität Kassel, Erstprüfer Prof. Philipp Oswalt, Beginn 2014
Gefördert mit einem Stipendium des Ernst Ludwig Ehrlich Studienwerk (ELES)
In Deutschlnad sind Moscheebauten seit Ende der 1990er Jahre Gegenstand unterschiedlicher, zumeist lokaler Konflikte und gesellschaftlicher Debatten. Die Forschung zur Architektur der deutschen Moscheebauten gestaltet sich dagegen noch immer übersichtlich.
Das Forschungsprojekt ist die erste wissenschaftliche Arbeit zum westdeutschen Bungalow. Ausgangspunkt der Arbeit sind die internationalen Referenzen des westdeutschen Bungalows – begrifflich die globale Bungalowhistorie vom indischen Bungalow des 18. Jahrhunderts bis zum American Bungalow der Jahrhundertwende, und architektonisch die zeitgenössische Wohnhausmoderne, besonders die kalifornischen Case Study Houses und das Werk Richard Neutras. Zusätzlich wird einleitend die Entwicklung des Einfamilienhauses und die politische Signifikanz der Architekturmoderne in Deutschland bis 1945 sowie der historische Kontext nach 1945 beleuchtet.
Im Zentrum der Arbeit steht die Analyse von Begrifflichkeit und Architektur des westdeutschen Bungalows sowie seiner Konnotationen. So erforscht die Arbeit erstmals die von Ungleichzeitigkeiten und wiederholten Bedeutungsverschiebungen geprägte Entwicklung des Begriffs Bungalow im Deutschen: vom Fachausdruck für koloniales Bauen über einen in der Fachwelt abgelehnten Modebegriff bis zum kanonisierten Terminus der Architekturmoderne. Ebenso werden die architektonischen Charakteristika des Bautyps analysiert und kategorisiert, der durch seine Modernität innerhalb der globalen Bungalowhistorie weitgehend allein steht. Die definierende Assoziation mit der Architekturmoderne sowie mit Merkmalen wie großen Verglasungen und einem prominent abgesetzten, flachen Dach ist ein (west-)deutsches Spezifikum, das – überlagert von der Internationalität von Begriff und Referenzen – in der Binnenwahrnehmung als solches nicht ersichtlich ist.
Empirische Grundlage der Arbeit sind 64 beispielhafte Bungalowprojekte mit über 250 Gebäuden – individuell entworfene Bungalows, Fertighäuser, Bungalowgruppen und -siedlungen –, vom Quelle-Fertighaus bis zum bekanntesten westdeutschen Bungalow, Sep Rufs ‚Kanzlerbungalow’ in Bonn. Alle Projekte wurden 1952 - 1969 in der Bundesrepublik fertiggestellt und publiziert. Zu ihnen gehören Bauten international renommierter Architekten (wie Neutras Haus Rang oder Wassili Luckhardts Wohnhaus) ebenso wie Häuser unbekannter Architekten. Das Gros der Beispiele stammt von Architekten, deren Werk die westdeutsche Nachkriegsarchitektur prägte; z. B. Kurt Ackermann, Max Bächer, Kammerer und Belz, Friedrich Wilhelm Kraemer, Bernhard M. Pfau, Sep Ruf, Joachim und Margot Schürmann oder Paul Schneider-Esleben. Die Beispiele werden im Katalogteil der Arbeit, einem ‚Werkverzeichnis des westdeutschen Bungalows’, vorgestellt und klassifiziert.
Die Forschungsergebnisse zum medialen Bild des westdeutschen Bungalows, seiner Typologie des Wohnens mit der Natur, seinem Status als Objekt der Architekturmoderne und der impliziten Suggestion einer Mittelschichtsgesellschaft werden im Hauptteil anhand der Diskussion und Interpretation von zwölf Projekten expliziert. Im Gegensatz zu seiner medial konstruierten Ikonografie als moderner Pavillontypus, die auch seine architekturhistorische Rezeption dominiert, zeigt sich der westdeutsche Bungalow als komplexes Wohnhaus von entspannter Modernität, welches das kalifornische Ideal vor dem Hintergrund einer an der Mittelschicht orientierten Nachkriegsgesellschaft für die Bundesrepublik adaptiert.
Siehe auch http://www.bungalowforschung.de/
Promotion an der Universität Kassel, Erstprüfer Prof. Philipp Oswalt, Zweitprüferin: Prof. Karin Wilhelm.
Die Dissertation ist erschienen im August 2016.
Promotion an der Technischen Universität Graz. Erstprüfer: Prof. Jean Marie Corneille Meuwissen, TU Graz;Zweitprüfer: Prof. Philipp Oswalt, Uni Kassel.
Hierzu erschien die Buchveröffentlichung: Hans-Hermann Albers: „Corporate Urban Responsibility: Die gesellschaftliche Verantwortung von Unternehmen in der Stadtentwicklung“ Campus Frankfurt Main/ New York, 2011.
Die Dissertation untersucht die fortwährend veränderte Verortung der documenta im Stadtraum Kassels als zentrales formbildendes Prinzip der Ausstellungsreihe. Trotz der intensiven Beforschung der documenta in den Ausstellungsstudien ist die gebaute Umwelt bislang kaum als Material der Rahmung des Ausstellungsereignisses und als Träger von Formbildungsprinzipien untersucht worden. Die Arbeit schließt diese Forschungslücke und leistet einen Beitrag zur kunstwissenschaftlichen, ausstellungsbezogenen sowie architektur- und städtebaulichen Forschung, indem sie zeigt, wie spezifische räumliche Verortungen von Kunst die Potenziale des baulichen Bestands für die Vermittlung von Kunst produktiv machen.
Ausgehend von einer ausstellungsgeschichtlichen Perspektive analysiert die Arbeit die Verortungen der documenta zwischen 1955 und 2017 und vergleicht die Ausstellungen hinsichtlich ihrer Formbildung. Im Fokus steht eine Form von Gestaltung, die nicht entwurflich entwickelt wird, sondern aus der kuratorischen Praxis der Montage bestehender räumlicher Artefakte hervorgeht. Diese Ausstellungsformen entstehen im as found und resultieren aus komplexen Abstimmungsprozessen zwischen kuratorischen, räumlichen und gesellschaftlichen Konstellationen. Die Form der documenta konstituiert sich dabei wesentlich durch die kuratorische Auswahl und Reartikulation existierender Räume, wodurch das Ausgestellte durch Elemente der gebauten Umwelt konditioniert wird.
Die Untersuchung versteht die Umdeutung des baulichen Bestands und dessen Verknüpfung mit dedizierten Ausstellungsräumen als sukzessiv entstehende eigenständige Ausstellungstypologie, die jenseits der Vorstellung des reinen White Cubes vielfältige vorgefundene Bedingungen einbezieht. Die Verortungen der documenta sind nicht nur ein durchgehendes Gestaltungselement, sondern zugleich exemplarisch für eine allgemeine Tendenz der Ausstellungsgeschichte: Periodische Kunstausstellungen erweitern den Kanon etablierter Ausstellungsräume, indem sie sich zunehmend als Einschreibungen in heterogene, vorgefundene Orte manifestieren. Methodisch basiert die Arbeit auf einer Artefaktanalyse räumlicher Situationen, die die eingeschriebenen Ideen, Geschichten und gesellschaftlichen Realitäten der jeweiligen Kontexte sichtbar macht.
Assemblage: The Architecture of the Exhibition.
Spatial Situations of documenta Kassel, 1955–2017
This dissertation examines the continuously shifting spatial situations of documenta within the urban fabric of Kassel as a central formative principle of the exhibition series. Despite the extensive scholarship on documenta within exhibition studies, the built environment has so far received little attention as a framing material of the exhibition event and as a carrier of principles of form generation. Addressing this research gap, the study contributes to art-historical, exhibition-related, as well as architectural and urban studies by demonstrating how specific spatial situations of art productively activate the potential of the existing built fabric for the mediation of art.
From an exhibition-historical perspective, the dissertation analyzes the spatial situations of documenta between 1955 and 2017 and compares the exhibitions with regard to their modes of form generation. The focus lies on a mode of design that is not developed through architectural drafting but emerges from the curatorial practice of assembling existing spatial artefacts. These exhibition forms arise as found and result from complex processes of coordination between curatorial, spatial, and societal constellations. The form of documenta is thus constituted to a significant degree through the curatorial selection and re-articulation of existing spaces, whereby the exhibited works are conditioned by elements of the built environment.
The study understands the reinterpretation of the existing building stock and its interconnection with dedicated exhibition spaces as a gradually emerging, independent exhibition typology that goes beyond the notion of the pure white cube by incorporating a wide range of pre-existing conditions. The spatial situations of documenta are not only a continuous design element but are also exemplary of a broader tendency in exhibition history: periodic art exhibitions expand the canon of established exhibition spaces by increasingly manifesting themselves as inscriptions into heterogeneous, pre-existing sites. Methodologically, the dissertation is based on an artefact analysis of spatial situations, which renders visible the ideas, histories, and social realities embedded in the respective contexts.
Social media plays an important role particularly in the societies with socio-political repressions and restrictions. Among the most popular social networks, the significance of Image-based platforms is due to the visuality that facilitates close connections with spatial experiences and activities. Using image-based social media has apparently brought new habits and patterns of behavior into the urban culture and influenced the use and experience of the urban space. The intent of this research is to investigate, by conducting in-depth interviews, field observations, and analysis of media contents, how the use of photo and video sharing media (in particular, Instagram) has been changing the urban experience and activities in the city of Tehran. This research attempts to answer the following questions; how does using these media help people compensate for the limitations and deficiencies faced in the urban space? What are the activities that people cannot do openly because of social restrictions, but they can bypass by the help of Instagram? What are the new habits that are brought into the urban culture by using these media? How does Instagramming help express and shape individual and social identities in the urban context? How has Instagramming affected people’s urban activities and experiences (e.g., social interactions, events and movements, social awareness, love, business, and acts of protest)? How is photo and video sharing changing the public and private concepts and spatial boundaries? How has the organization of urban knowledge changed by using these media?