WS 2024/25 Fusion: Baukultur Kassel/ Nordhessen (2)
Baukultur Kassel
Wie steht es um die Baukultur in Kassel und Nordhessen? Welche Projekte wurden in den letzten Jahren realisiert, und was ist geplant? Was ist die Qualität davon, und woran gibt es Kritik und warum? Und wo fehlt es an Initiativen?
Jeder Abend der Ringvorlesung widmete sich einem konkreten Projekt(paar) bzw. Thema. Er ließ die Akteure zu Wort kommen, kommentierte diese kritisch und lud zur gemeinsamen Diskussion ein.
Moderiert und konzipiert von Philipp Oswalt
Im Jahr 2009 wurde im Rahmen eines Wettbewerbsverfahrens ein Entwurf für die Entwicklung des Nordcampus der Universität Kassel ausgewählt und in Folge umgesetzt. Dieser sah für den Freiraum nicht zuletzt großflächige Versiegelungen vor, die über die Jahre auch umgesetzt wurde. Doch zunehmend stößt dies auf Kritik bei Nutzer:innen, die inzwischen begonnen haben, mittels temporärer Interventionen ihr Umfeld umzugestalten. Wie haben sich die Leitbilder der Freiraumplanung mit dem Klimawandel geändert? Und was ist die Zukunft für diesen Freiraum?
Moderiert von Uwe Altrock
Einer jüngere Generation entdeckt das Land neu und entwickelt eine neue (Bau)kultur auf dem Lande – so auch in Nordhessen. Naturerlebnis und günstige Immobilien bieten Chance für neue Praktiken. Dazu zählt der 3000 Quadratmener große Kunstraum Los Angeles in Günsterrode und Selbstbauprojekte von Absolventen unseres Fachbereichs.
Geplant ist ein interaktiver Diskussionsabend als Themen-Café. Ziel ist es, gemeinsam einen Maßnahmenkatalog für Leerstandsaktivierung zu diskutieren.
Mit Kurzinputs von:
- Violetta Bock, Geschäftsführerin DMB Mieterbund Nordhessen e.V.
- Gianluca Ehrhardt, Student, ASL, Uni Kassel
- Thekla Ernst, Studentin ASL, Uni Kassel
- Kilian Ferle, Untere Wasser- und Bodenschutzbehörde der Stadt Kassel
- Christoph Haller, Leiter der Planungsabteilung beim Zweckverband Raum Kassel
- Gabu Heindl, Professorin und Leiterin FG Architektur Stadt Ökonomie, ASL, Uni Kassel
- Lukas Kiepe, Amt Bauverwaltung, Wohnen und Vergabemanagement, koordiniert das Kasseler Bündnis für bezahlbares Wohnen
- Jochen Wulfhorst, Leiter der Themenwerkstatt "Biodiversitaet, Ernahrung und Landwirtschaft" im Klimaschutzrat der Stadt Kassel
Konzipiert vom Fachgebiet ARCHITEKTUR STADT ÖKONOMIE von Prof. Gabu Heindl und Gästen
Zu den wichtigsten städtischen Baumaßnahmen der letzten Zeit gehören die Sanierung, Modernisierung, Erneuerung und Erweiterung von Schulgebäuden. Werden Bestandsbauten erhalten oder durch Neubauten ersetzt? Welche Chancen für Kosten- und Zeitersparnis und Planung bieten heutige Modulbauweise? Welche pädagogische Konzeptionen werden heute verfolgt.
Im Fokus des Abends stehen die Offene Schule Waldau von C.F. Møller Architekten und dieGesamtschule Nord Holland (Hegelsbergschule) von Atelier 30.
Kann man heute noch auf der Grünen Wiese bauen? Wenn ja, wie? Und was spricht dagegen? Im Fokus steht das Europan-Projekt „Sex in the City“ am Wolfsanger Nord von Paul Schägner mit Carolin Renno und Kim Finster, Düsseldorf. Aber auch die Neubauviertel Vellmar Nord und Baunatal Nord sollen angesprochen werden.
Die deutsche Innenstädte stehen vor einem massiven Strukturwandel, der längst begonnen hat. In den Fußgängerzonen fallen die großen Kaufhäuser leer. Doch was soll aus diesen – teils denkmalgeschützten – Bauten und diesen Standorten werden? Welche Funktionen können diese Lücken füllen, von welchen Akteuren werden diese getragen? In der Königsstraße stehen schon das RuRuHaus und Sinn Leffers(ehemals Bilka) leer, weitere Kaufhäuser werden folgen.
Beim Brüder Grimmplatz trifft die Wilhelmshöher Alle auf das Stadtzentrum Kassels. Dieser zentrale Eingang zur Innenstadt ist geprägt vom Hotel Hessenland (Architekt Arnold Bode) und dem Freiraum des Brüder-Grimm-Platzes – beides denkmalgeschützte Gestaltungen der Nachkriegsära. Warum und wie werden diese überformt? Welche Kritik gibt es, was sind die Qualitäten der Neuplanungen (Sprengwerk Architekten Kassel und Club L94 Landschaftsarchitekten Köln)?
Um- und Weiterbauen im Bestand ist das Gebot der Stunde. Die Möglichkeiten und Herausforderung zeigen zwei unterschiedliche Beispiele auf: Zum einen die Projekte von StudioAndree Weißert für die ambitionierte Designfirma TECTA mit ihren Bauten von Alison und Peter Smithson in Lauenförde. Zum anderen die öffentliche Hand als Auftraggeber mit knappem Budget, dargestellt an einem großen Nachkriegsverwaltungsbau, dem K-Flügel des Rathaus der Stadt Kassel.
Kassel wurde nach dem Zweiten Weltkrieg zu einer autogerechten Stadt umgebaut. Schon früh kam hierauf Kritik an, die bis heute anhält. Schrittweise Umgestaltungen folgten. Ging es zunächst um die Rückgewinnung des Stadtraums, spielt heute die Forderung nach einer Verkehrswende im Sinne des Klimaschutzes zunehmend eine wichtige Rolle. Doch das Thema polarisiert – der Raum der Straße ist umkämpft zwischen Auto- und Fahrradfahren, Fußgängern, zwischen Mobilitätsfunktion und Aufenthaltswert. Exemplarisch dafür ist die Kontroverse im Ortsteil Kirchditmold.
Mit Georg Förster (Leiter Straßenverkehrsamt, Stadt Kassel), Robert Bischer (Planungsgemeinschaft Landschaft + Freiraum), Elisabeth König (Ortvorsteherin Kirchditmold), Michael Volpert (LK Argus Verkehrpslaner), Samson Kirschning/ Britta Wagemann (Raamwerk), Stephan Grunewald (Einwohner Kirchditmold)
In Rothenditmold auf dem historischen und unter Denkmalschutz stehendem Fabrikareal des ehemaligen Eisenbahnherstellers Henschel, soll in den kommenden Jahren ein neues Stadtquartier entstehen. Der Investor Sector Seven hat dafür einen zweistufigen, eingeladenen Wettbewerb durchgeführt, dessen Ergebnisse im Spätherbst 2024 vorliegen. Darauf aufbauend soll ein Masterplan enstehen und ein Bebaungsplan erstellt werden.
Im ehemaligen Polizeipräsidium am Königstor befand sich von 1933 – 1938 die Gestapo-Zentrale für den Regierungsbezirk Kassel. Es ist der einzige erhalten gebliebene Standort der Gestapostelle in Kassel, deren bis zu 250 Mitarbeitern in den Jahren 1933- 1945 über eine Millionen Einwohner überwachten und über 10.000 verfolgten, von denen tausende ermordet wurden. Vergleichbare historische Standorte sind andernorts längst Lern- und Gedenkort – etwa in Halle, Stuttgart oder Köln. Doch Kassel tut sich schwer. Das Anbringen einer Gedenktafel stieß noch Ende der 1980er Jahr auf jahrlangen Widerstand. Das Land Hessen erwägt, das Gebäude zu veräußern. Seit Sommer 2023 kritisiert eine Initiative die geplante Privatisierung und fordert einen öffentlichen Gedenk- und Lernort.