E-STUDIO

Haus des Regens

Ein öffentlicher Ort für Wasser, Schatten und Begegnung


Wasser wird in unseren Städten zunehmend zu einer widersprüchlichen Ressource. Während längere Trockenperioden Straßen und Plätze aufheizen, können Starkregenereignisse die bestehende Infrastruktur innerhalb kurzer Zeit überlasten. Regen fällt auf Dächer und versiegelte Flächen, wird gesammelt, abgeleitet und verschwindet meist ebenso schnell wieder aus der öffentlichen Wahrnehmung. Das Projekt „Haus des Regens“ nimmt diesen Widerspruch zum Ausgangspunkt und fragt, wie Wasser wieder Teil des sichtbaren und gemeinschaftlichen Lebens der Stadt werden kann. Nicht allein als technische Ressource, sondern als räumliches Medium, das kühlt, Schatten ermöglicht, Atmosphäre erzeugt und Menschen zusammenbringt.

Die Kasseler Innenstadt bildet dafür das Untersuchungsfeld. Versiegelte und im Sommer stark aufgeheizte Flächen treffen hier auf eine Stadt, deren öffentlicher Raum vielfach von Bewegung, Verkehr und Konsum geprägt ist. Gleichzeitig gibt es Plätze, Zwischenräume, Dachlandschaften und wenig genutzte Situationen, deren Möglichkeiten bislang kaum ausgeschöpft werden. Die Suche nach einem geeigneten Ort wird deshalb selbst zum Teil des Entwurfs. Gesucht wird eine Situation, in der das Wasser der Stadt nicht einfach verschwindet, sondern aufgefangen, zurückgehalten und sichtbar werden kann. Aus Regen und Trockenheit, Schatten und Verdunstung kann dabei zugleich ein neuer Ort entstehen: ein Raum zum Sitzen, Warten, Treffen, Beobachten und gemeinsamen Nutzen.

Entworfen wird eine öffentliche Infrastruktur für Wasser und Begegnung, deren räumliche Form zunächst offenbleibt und sich aus dem jeweiligen Ort entwickelt. Sie kann vorhandene Flächen ergänzen, überlagern oder verändern und Wasser sammeln, speichern, versickern oder wieder an seine Umgebung abgeben. Entscheidend ist dabei nicht die technische Anlage für sich, sondern die Architektur, die aus diesen Vorgängen hervorgeht. Wasserführung, Vegetation, Verschattung und Aufenthalt werden zu Teilen eines gemeinsamen räumlichen Systems. Das „Haus des Regens“ versteht Infrastruktur damit nicht als etwas Verborgenes, sondern als bewohnbaren Teil der Stadt: einen Ort, der auf Hitze und Regen reagiert, den Wasserkreislauf erfahrbar macht und zugleich neue Möglichkeiten für Öffentlichkeit, Austausch und Begegnung schafft.