Lehre
Am Übergang vom Mittelalter zur Frühen Neuzeit entstehen durch neue Erkenntnisse in Kunst, Wissenschaft und Technik so umfassende Veränderungen der Lebenswelt, dass von einem neuen Menschen- und Weltbild zu sprechen ist: Entwicklungen in der Mobilität führen zur Entdeckung neuer Kontinente; technische Erfindungen bringen den Buchdruck hervor; als neues Berufsfeld entsteht das Bankwesen; die Kirche verliert an Macht und Einfluss und die Reformation hat die Spaltung der christlichen Institution zur Folge – der Glaube wird in seinem Stellenwert zusehends durch Vernunft und Wissen verdrängt. Von Italien aus ausgehend, entsteht so ab dem 14. Jahrhundert eine neue Denk- und Kunstrichtung: die Renaissance. Unter dem aus dem Französischen stammenden Begriff wird die Wiedergeburt der Literatur und Kunst der Antike verstanden. In der bildenden Kunst geht es nun um die Erschaffung von möglichst realitätsnahen Werken und die Zentralperspektive ermöglicht erstmals dreidimensionale Darstellungen; in der Architektur gelten Geometrie und Symmetrie als das entwerferische Ideal und die Gestaltung der Gärten ist von einem Streben nach Harmonie und Ordnung geprägt.
Anhand von exemplarischen Beispielen beschäftigt sich das Seminar mit Kunst, Architektur und Gärten der Renaissance sowie den sie prägenden gesellschaftlichen Rahmenbedingungen; der geographische Fokus liegt hierbei auf Italien.
Das Seminar beginnt am 20. Oktober 2026 und findet 14-täglich statt, von 10:00 bis 13:30 Uhr.
Die Vergabe der Referatsthemen erfolgt in der ersten Sitzung.
Die Anzahl der Teilnehmer:innen ist auf 22 Personen begrenzt. Voraussetzung für die Teilnahme am Seminar ist eine Anmeldung bis zum 16. Oktober 2026, mit Angabe des Studienganges, per E-Mail an: linda.schiel[at]uni-kassel[dot]de
An insgesamt drei Tagen werden wir aktuelle Ausstellungen in Kassel und der Region besuchen. Während der Schwerpunkt dabei auf der Gegenwartskunst liegt, werden wir auch klassische Sammlungspräsentationen miteinbeziehen. Nach Möglichkeit werden wir Künstler*innen, Kurator*innen, Galerist*innen und Ausstellungsarchitekt*innen vor Ort treffen. Das Ziel der Lehrveranstaltung ist ein doppeltes: Einerseits werden wir uns einen Überblick aktueller künstlerischer, architektonischer und kuratorischer Tendenzen erarbeiten und dabei unterschiedliche Institutionen und deren Ausstellungsformate kennenlernen. Andererseits soll es darum gehen, ein Begriffsrepertoire zu entwickeln, um sowohl über Kunst als auch über Ausstellungen zu sprechen. Die Veranstaltung eignet sich daher besonders für Studienanfänger*innen.
Die Termine und die Ausstellungen werden in der Einführungssitzung (19.10. 14–16 Uhr) gemeinsam festgelegt.
Anmeldung mit kurzer Interessensbekundung an felix.vogel[at]uni-kassel[dot]de bis spätestens 1.10.26.
Die Lehrveranstaltung nähert sich dem Thema Architektur und Film auf eine doppelte Weise: Einerseits werden wir unterschiedliche Filme (von Blockbustern über Dokumentarfilme bis zu experimentellen Formaten) dahingehend betrachten, wie sie Architektur darstellen oder welche Räume sie schaffen. Andererseits interessiert uns der Raum, in dem Filme gezeigt werden: Kinos, Galerien, Streaming Interfaces etc.
Als konkreter Ausgangspunkt dient uns dazu das Programm des 43. Kasseler Dokumentarfilm- und Videofest (Dokfest).
Alle Teilnehmer*innen erhalten eine Dauerkarte für das Dokfest.
Termine: 19.10 (10–12) / 20.10 (10–18) / 21.10 (10–18) / 4.12 /10–18)
Anmeldung mit kurzer Interessensbekundung an felix.vogel[at]uni-kassel[dot]de bis spätestens 1.10.26.
Im Juni 2027 eröffnet die 16. Ausgabe der documenta. Anlass, sich intensiver mit ihrer Geschichte und Relevanz zu befassen. Das Seminar gibt einen Überblick über die einzelnen documenta-Ausstellungen seit 1955 und führt in kuratorischen Positionen, institutionellen Strukturen, ausgewählte Werke, Räume sowie in die Auswirkung auf die Stadt ein. In Begehungen vor Ort erschließen wir die Schauplätze der Ausstellung und im Stadtraum verbliebene Werke. Nebenbei zeichnet das Seminar die Entwicklung der Geschichte der Kunst und der Ausstellung innerhalb des politischen Kontexts der Nachkriegszeit nach und bietet damit die ideale Vorbereitung für den kommenden documenta-Sommer.
Aus Anlass der Retrospektive im MUSEUM FÜR MODERNE KUNST (Frankfurt am Main), die wir an mehreren Terminen gemeinsam besuchen werden, widmet sich das Seminar dem Werk Michael Ashers (1943–2012).
Asher gilt als einer der wichtigsten Vertreter der Institutional Critique. Statt neue Objekte zu schaffen, arbeitete er mit den vorgefundenen Bedingungen des Ausstellungsortes selbst: Beispielsweise verschob, entfernte oder verlagerte er Wände, Werke und Fassaden und machte so die ökonomischen, sozialen und institutionellen Strukturen sichtbar, die das Kunstwerk üblicherweise unbemerkt rahmen. Seine ortsspezifischen Eingriffe richteten sich dabei immer wieder auf die (Ausstellungs-)Architektur oder den Stadtraum.
Das Seminar verschafft sich einen Überblick über Ashers Œuvre und verortet es in der Entwicklung der Kunst seit den 1960er Jahren. Zugleich richtet es einen Ausblick auf aktuelle Positionen, für die Asher eine wichtige Referenz darstellt.
Im Rahmen der MMK-Ausstellung werden wir uns zudem mit der Frage auseinandersetzen, wie ein Werk, das grundsätzlich orts- und kontextspezifisch ist, überhaupt ausgestellt werden kann.
Das Seminar befasst sich aus historischer, theoretischer und praktischer Perspektive mit Fragen des Publizierens. Im Zentrum stehen dabei unterschiedliche Aspekte: vom Material, über die Gestaltung bis hin zu Fragen der Distribution. Und auch die Bandbreite der untersuchten Gegenstände schließt u.a. literarische und wissenschaftliche Werke, Künstler*innenbücher, Architekturpublikationen und Zeitschriften mit ein. Ergänzend zu Lektüre und Analyse entwickeln die Teilnehmenden eigene Publikationsprojekte, in denen sich die diskutierten Fragen praktisch erproben lassen.
Das Seminar richtet sich an Studierende des FB06, der Bildenden Kunst, Kunstwissenschaft und Visuellen Kommunikation.
Die Teilnehmer*innenzahl ist begrenzt und nur nach Anmeldung mit kurzem Motivationsschreiben an felix.vogel[at]uni-kassel[dot]de bis 5.10. möglich.
Mit diesem Seminar (Teil I) umkreisen wir den Deutschen Pavillon der Venedig Biennale diesen Jahres, der unter dem Titel RUIN architektonische, soziale und künstlerische Trümmerlandschaften zu einer vielschichtigen Reflexion über unsere Gegenwart und Vergangenheit zusammenbringt. Gemeinsam mit der Kuratorin Kathleen Reinhardt loten die zwei Künstlerinnen Sung Tieu und Henrike Naumann das Verhältnis von persönlicher Erinnerung, gebauter Umwelt, gesellschaftlichen Machtverhältnissen und ihren Ideologien aus, indem sie auf eine Praxis setzen, die forschungsbasierte Recherche, Materialbewusstsein und politische Sensibilität miteinander verbindet. Während das englische Wort »ruin« mithin architektonische und materielle Überreste bezeichnet, verweist das deutsche Wort »Ruin« darüber hinaus auf einen Zustand des Zusammenbruchs – ob ökonomisch, gesellschaftlich oder moralisch.
Was uns in Venedig erwartet, kündigt die Fassade des Pavillons bereits an: Faschistische Repräsentationsästhetik trifft auf sozialistischen Plattenbau. Doch was genau bedeutet das für uns? Und was hat es mit dem Begriff »ruin« auf sich? Welchen Blick erfordert dieser sowohl für die Architektur des Pavillons als auch für die Werke, die uns in dessen Innenraum erwarten? Um diesen Fragen nachzugehen, werden wir uns in drei Gruppen intensiv mit den folgenden Kernthematiken auseinandersetzen: der architektonischen Geschichte des Pavillons; dem Ausstellungskonzept RUIN; sowie den Werken der Künstlerinnen – stets in ihrem Verhältnis zueinander.
Dieses Seminar ist Teil eines Kompaktseminars, das sich in zwei Teile aufsplittet: Teil I »Ruins of Ideologies. Zum Deutschen Pavillon der Venedig Biennale« (mit Exkursion nach Venedig); Teil II »Your ground is my body. Spuren ruinöser Ästhetiken« (ausschließlich in Kassel). Für die Belegung beider Teile werden insgesamt zwei Seminare angerechnet. Teil I und Teil II können jedoch auch einzeln belegt werden.
Wann und Wo?
Donnerstag, 22.10.2026; 10–11.30 Uhr, Kassel
03.–06.11.26, Venedig
Dienstag, 24.11.2026; 10–13.30 Uhr, Kassel (Raum wird noch bekannt gegeben)
Die Teilnahme ist auf insgesamt 15 Personen begrenzt. Zudem ist ein finanzieller Eigenanteil zu tragen und die An- und Abreise sowie die Unterkunft selbst zu buchen.
Anmelden können sie sich bis zum 15.10.2026 unter Angabe ihres Studiengangs und einer kurzen Interessenbekundung via E-Mail an: claire.zimmermann[at]uni-kassel[dot]de
RUIN – so lautet der Titel der diesjährigen Ausstellung im Deutschen Pavillon der Venedig Biennale. Architektonische, soziale und künstlerische Trümmerlandschaften treffen hier aufeinander und öffnen einen vielschichtigen Blick auf unsere Gegenwart und Vergangenheit, womit folgende Frage im Raum steht: Wie hängen persönliche Erinnerung, gebaute Umwelt, gesellschaftliche Machtverhältnisse zusammen – und welche Ideologien stecken dahinter?
Doch wie lässt sich all das überhaupt vermitteln? Schon allein der englische Titel ist mehrdeutig: Während ruin im Englischen einerseits »Ruine« bedeutet und vor allem architektonische und materielle Überreste meint, schwingt in »Ruin« andererseits noch ein weiterer Moment mit, nämlich der des Zusammenbruchs – ob ökonomisch, gesellschaftlich oder moralisch. Genau bei dieser Mehrdeutigkeit setzen wir an. Wir schauen nicht nur auf die aktuelle Ausstellung RUIN, sondern werfen auch einen Blick zurück: auf frühere Ausgaben des Pavillons, aber auch der documenta – und fragen, wie dort das Begriffspaar Ruin/Ruine bereits verhandelt wurde (ein Thema, das aktuell übrigens auch auf der Manifesta aufblitzt). Denn diese Konnotationen holen unweigerlich das ins Bild, was sonst hinter den Kulissen bleibt: den gesellschaftlichen Gesamtkontext der Werke, ihre historische Tiefe und die damit verbundenen Ideologien.
Wir erarbeiten uns im Seminar also ein Verständnis dafür, dass das, was wir als »wahr« oder »richtig« empfinden, tief in unserem körperlichen, sozialen und politischen Dasein verwurzelt ist – und sich nie losgelöst, rein objektiv anhand eines Kunstwerks (oder eines Ausstellungskonzepts) betrachten lässt. Wir lernen, im Kontext zu sehen.
Während also in Venedig die Plattenbau-Fassade des Deutschen Pavillons mit der Erwartung spielt, dass hier DDR-Ästhetik und faschistische Baugeschichte aufeinanderprallen, vermittelt sich hinter dieser ideologischen Fassade auch die persönliche Geschichte der Künstlerin Sung Tieu, die als Tochter einer sogenannten »Gastarbeiterin« in genau einem solchen Plattenbau aufgewachsen ist – inmitten von Alltagsrassismen, Disziplinierungsversuchen und dem existenziellen Kampf um Arbeit, ums Überleben.
Dieses Seminar ist Teil eines Kompaktseminars, das sich in zwei Teile aufsplittet: Teil I »Ruins of Ideologies. Zum Deutschen Pavillon der Venedig Biennale« (mit Exkursion nach Venedig); Teil II »Your ground is my body. Spuren ruinöser Ästhetiken« (ausschließlich in Kassel). Für die Belegung beider Teile werden insgesamt zwei Seminare angerechnet. Teil I und Teil II können jedoch auch einzeln belegt werden.
Wann
Dienstag, 27.10.26 von 10 bis 13.30 Uhr
Dienstag, 10.11.26 von 10 bis 13.30 Uhr
Dienstag, 24.11.26 von 10 bis 13.30 Uhr
Dienstag, 08.12.26 von 10 bis 13.30 Uhr
Dienstag, 12.01.27 von 10 bis 13.30 Uhr
Dienstag, 26.01.27 von 10 bis 13.30 Uhr
Wo
ZUB, Raum 1160 (Gottschalkstr. 28a)
Zudem werden wir gemeinsam die Ausstellung »about: documenta« in der Neuen Galerie besuchen.
Die Teilnahme ist auf insgesamt 15 Personen begrenzt. Anmelden können sie sich bis zum 15.10.2026 unter Angabe ihres Studiengangs via E-Mail an: claire.zimmermann[at]uni-kassel[dot]de.