Leh­re

Die Klimagerechte Stadt – Forderungen von Klimaschutzinitiativen in der Planungspraxis (Einführungsprojekt Bachelor)
M.Sc. Jan Werneke

Die Ökologie ist in der Stadtplanung seit langem ein relevanter Aspekt, der zunehmend an Bedeutung gewinnt: Bereits 1987 wurde mit der „Bodenschutzklausel“ im Baugesetzbuch verankert, dass „mit Grund und Boden [..] sparsam und schonend umgegangen werden“ soll. Inzwischen gibt es weitere Anreize und Instrumente, die die Innenentwicklung fördern und damit die Außenentwicklung reduzieren sollen. Und doch scheinen Anspruch und Realität seither nicht zusammen gefunden zu haben: Die Fläche, die jährlich versiegelt wird, ist auch heute noch weit von den Zielen entfernt.

Doch inzwischen hat sich etwas geändert: Neben fachlichen Appellen, planerischen Idealen und politischen Zielen gibt es nun auch vermehrt Bottum-up-Bewegungen wie Fridays for Future, die durch ihre starke Präsenz vor Ort und medial zusätzlichen politischen Druck ausüben und nach Transformationen verlangen. Initiativen wie GermanZero erarbeiten konkrete Handlungsansätze und setzen sich auf kommunalebene dafür ein, dass Städte und Gemeinden den politischen Beschluss fassen, bis spätestens 2035 klimaneutral zu werden.

Viele der Forderungen haben einen direkten Bezug zur Stadtplanung: Wie kann es gelingen, ökologische Quartiere zu entwickeln, die Mobilitätswende voranzutreiben und den Flächenverbrauch zu reduzieren?

Im Rahmen dieses Einführungsprojekts wollen wir Forderungen von Klimaschutzinitiativen unter die planerische Lupe nehmen und auf unsere Erkenntnisse aufbauend entsprechende Entwicklungskonzepte für eine klimagerechte Stadt entwickeln.

 

 

Transformation Innenstadt – neue Visionen für das Stadtzentrum Eschwege (Vertical Projekt für Bachelor und Master)
M.Sc. David Leibrich, M.Sc. Jan Werneke

Einzelhandels- und Wirtschaftsverbände, kommunale Entscheidungsträger, Ministerien und wissenschaftliche Institutionen sind sich einig: Unsere Innenstädte müssen multifunktionaler werden, die Vielfalt menschlicher Bedürfnisse in den Zentren abgebildet und Raum für eine Vielzahl unterschiedlichster Nutzung bereitgestellt werden. Digitalisierung und Verschiebung der Umsätze in den Onlinehandel sind bereits seit vielen Jahren eine große Herausforderung für die Innenstädte. Mit Beginn des Corona-Lockdowns vermehrten sich die Diskussionen über den Zustand vieler Innenstädte und die Debatten um die Stärkung der Innenstädte gewann an neuer Relevanz. Während große Einigkeit in der Zielsetzung (Belebung der Innenstadt) besteht, gibt es noch unterschiedliche Ansätze für den Weg dorthin: Einerseits wird nun erneut die alte Debatte über den Einzelhandel als „Motor der Innenstadt” geführt und die Rufe danach werden laut, den Einzelhandel finanziell und konzeptionell zu unterstützen. Andererseits wird auch immer ernsthafter darüber diskutiert, die Situation als Chance für eine größer angelegte Transformation zu nutzen, um das Bild von unseren Innenstädten mittel- bis langfristig zu ändern. Trotz vieler Visionen und ersten Leuchtturmprojekten stellt die Umsetzung im konkreten Fall nach wie vor eine Herausforderung dar und wirft viele Fragen auf. Im Rahmen des Projektes wollen wir uns einen Überblick über aktuelle Projekte verschaffen und anhand einer Fallstudie eigene Ansätze entwickeln: Die Produktive Stadt, Wohnen in der Innenstadt, Sport, Freizeit, Tourismus und Gesundheit werden genauso wie die soziale und kulturelle Nutzung im Rahmen der multifunktionalen Innenstadt betrachtet. Unter der Maßgabe, dass nicht mehr allein der Handel ein vorrangiger Treiber und Anker der Innenstädte sein kann, gilt es neue Nutzungen in der Innenstadt anzusiedeln und die daraus entstehenden Vorteile und Potenziale für Menschen und Räume grafisch aufzuzeigen. Als konkreter Untersuchungsraum dient uns die Stadt Eschwege: Die Kreisstadt an der Grenze zu Thüringen mit ihren ca. 21.000 Einwohnern kann bereits auf eine langjährige erfolgreiche Bilanz in der Städtebauförderung zurückblicken und hat nun auch selbst einen Planungsprozess zur Transformation der Innenstadt initiiert. Unser Projekt knüpft an den bereits laufenden Planungsprozess an, um Einblicke in die Praxis zu bekommen, die Debatte mitzuverfolgen und darauf aufbauend weitergehende Visionen zu entwickeln. Das Projekt erfolgt in enger Zusammenarbeit mit der IHK Kassel-Marburg sowie Experten und unterschiedlichen Kontakten vor Ort. Für eine tiefgehende Analyse des Status Quo sowie der Entwicklungspotenziale wollen wir uns Zeit vor Ort nehmen: Vorgesehen ist eine mehrtägige Exkursion nach Eschwege inklusive Übernachtung.

 

Kommunikation in der Planung: Wutbürger, Mitmachfalle, Transformationspotenzial...
Dr.-Ing. Ursula Stein

Das beste Konzept und der schönste Entwurf nützen nichts, wenn der Inhalt nicht ankommt, die Lösung nicht alle Potenziale ausschöpft oder das Vorhaben nur Widerstand erzeugt. Kommunikative Planung heißt: die richtigen Leute im richtigen Moment ernsthaft einbeziehen, damit gute Konzepte auch gemeinsame Lösungen sind und die bestmögliche Unterstützung bekommen. Welches Planungsverständnis steckt dahinter? Wie bringen Planungsfachleute sowohl Fachkenntnis als auch Kommunikationsfähigkeit in die Planung ein? In welcher Situation sind welche Haltungen und welche Methoden gefragt? Was treibt wen zur Weißglut? Welches Transformationspotenzial steckt in kooperativen Verfahren?

Im Seminar für S, L und A (Wahlpflichtmodul oder Studienleistung) wird dies anhand von Fallbeispielen, theoretischen Grundlagen und typischen Beteiligungsformaten erörtert. Es bietet Gelegenheit, wichtige Methoden und Formate kennenzulernen und Kommunikati­onsprozesse zu Planungsaufgaben zu entwerfen - Interesse am Arbeiten mit Texten und am Aus­probieren von Techniken ist wichtig. Achtung: keine Rhetorikschulung! Maximal 25 Teilnehmende.

Das Seminar findet teils online (12./19.4., 3./17.5., 7./12./28.6.), teils kompakt (9. und 10.5. ganztags) statt.

Prüfungsform: Entwurf und Ausarbeitung eines Beteiligungsprozesses

Literatur zum Start: Selle, Klaus (2010): Gemeinschaftswerk? Teilhabe der Bürgerinnen und Bürger an der Stadtentwicklung. Begriffe, Entwicklungen, Wirklichkeiten, Folgerungen. http://publications.rwth-aachen.de/record/96033/files/8_pt_materialien26-1.pdf

Termine: Dienstag, 8:00 – 9:30 Uhr (sechsmal online oder nach Absprache präsent), am 9. und 10.5.2022 ganztags (Kompaktwoche)

Nähere Informationen: stein@steinschultz.de / Tel. 069 - 95 52 41 62 (Aushänge zum Seminar am FG Stadt- und Regionalplanung, Gottschalkstr. 22)

 

Integrierte Stadtentwicklung und Fachplanungen: Fokus Gewerbe
Prof. Dr.-Ing. Frank Roost

Lerninhalte:

  • Im Mittelpunkt des Seminars stehen die Umwälzungen im gewerblichen Bereich, die veränderten Ansprüche an Gewerbegebiete und die damit verbundenen planerischen Ansätze im Kontext der Integrierten Stadtentwicklungsplanung
  • Im Zuge des Strukturwandels und des Wachstums der Großstadtregionen erhöhen sich die Nachfrage ebenso wie die Qualitätsansprüche bezüglich der Gewerbestandorte. Zugleich wird aber auch das Ziel einer Verringerung des Flächenverbrauchs im Sinne einer nachhaltigen Stadtentwicklung verfolgt, so dass sich v.a. in den Städten die Flächenkonkurrenz erhöht. Als planerischer Lösungsansatz wird eine Nachverdichtung angestrebt, doch diese ist gerade bei gewerblichen Nutzungen mit Konflikten um Immissionen, Verkehrsbelastungen etc. verbunden. Um dennoch eine Umsetzung dieses Ansatzes zu ermöglichen, werden als Kernfragen behandelt:
  • Wie verändern sich die Ansprüche an Gewerbestandorte im Zuge der Digitalisierung (Industrie 4.0, neue Mobilität und Logistik, Onlinehandel) und was bedeutet das für das Nutzungsprofil von verschiedenen Typen von Gewerbegebieten?
  • Wie kann die Effizienz der Flächennutzung und die stadträumliche Qualität in bestehenden Gewerbestandorten erhöht werden und welche Formen von Nachverdichtung bzw. Nutzungsmischung sind hierfür sinnvoll?
  • Und wie können angesichts der heterogenen Ansprüche der Betroffenen die Planungsprozesse im Zuge der Integrierten Stadtentwicklungsplanung organisiert werden?

Lernziele:

  • Vertiefte Auseinandersetzung mit sektoralen Planungen, insbesondere soziale und technische Infrastrukturen, Wohnen, Handel, Bürostandorte, Gewerbe, Verkehr und Mobilität
  • Methoden der Formulierung sektoraler Fachbeiträge zur Stadtentwicklung
  • Abgleich unterschiedlicher Nutzungsanforderungen und deren Integration in formelle und informelle integrale Planungen

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Räumliche Planung I/2 Teilmodul

Prof. Dr.-Ing. Frank Roost

Ziel der Lehrveranstaltung ist es, die Studierenden in die Zugänge, Maßstäbe und Gegenstände der räumlichen Planung einzuführen und dabei grundlegendes Wissen zu den verschiedenen Ebenen und Stufen der räumlichen Planung zu vermitteln. Hierzu gehört auch ein generelles Verständnis der Aufgaben der Stadt- und Regionalplanung,  Kenntnisse der Grundlagen und Methoden zur Analyse von Räumen sowie Wissen über die wesentlichen Zugänge der räumlichen Planung im Spektrum zwischen Strategie, Konzept und Entwurf.                     

Im Rahmen der Vorlesung wird die Praxis der räumlichen Planung beleuchtet, insbesondere die Rolle und das Zusammenwirken von formalen und informellen Instrumenten. Dabei werden u.a. behandelt

  • Die Funktionen und Nutzungen des Raumes
  • Die Ebenen der räumlichen Planung
  • Karten, ihre Aussagen und Darstellungsformen
  • Analyse-Techniken
  • Die Stufen der räumlichen Planung im Anschluss an die Analyse

Die Veranstaltung ist der zweite Teil des Moduls D-1.2-02 (6 credits, 4 SWS), das in zwei Teilen in zwei aufeinanderfolgenden Semestern durchgeführt wird: Im Wintersemester wird Räumliche Planung Ia angeboten (3 credits, 2 SWS), im Sommersemester Räumliche Planung Ib (3 credits, 2 SWS).

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Stadterneuerung und Bauleitplanung: Teilmodul Bauleitplanung
Dipl.-Ing. Alexander Inden, Prof. Dr.-Ing. Frank Roost

Die Vorlesung vermittelt die rechtlichen Grundlagen und die planerische Herangehensweise der formalen Bauleitplanung. Den Studierenden wird vermittelt aus welchen Gründen Flächennutzungspläne und Bebauungspläne aufgestellt werden, wann bzw. in welchen Fällen sie rechtlich notwendig sind und welche Festsetzungen dabei mindestens erforderlich bzw. maximal möglich sind. Hierzu werden Kenntnisse über die Vorschriften für Verfahren und Beteiligungsprozesse (BauGB) und die möglichen Regelungen und Nutzungseinschränkungen (BauNVO) vermittelt sowie deren rechstverbindliche Darstellung (PlanZVO) eingeübt.

Hinweis: Die o.g. Informationen beziehen sich nur auf das 3-Credit-Teilmodul "Bauleitplanung" im Rahmen des 6-Credit-Moduls C-1.2-33 (Stadterneuerung und Bauleitplanung). Es gibt noch ein weiteres 3-Credit-Teilmodul "Stadterneuerung" im Rahmen des Moduls C-1.2-33, das aber von anderen Lehrenden (Prof. Uwe Altrock, Dr. Arvid Krüger) angeboten wird. Bitte beachten Sie, dass Sie beide Teilmodule belegen müssen.

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Themenvorschläge für Masterarbeiten

Weiterentwicklung von Gewerbegebieten aus den 1970er Jahren durch Nachverdichtung - eine Studie im Kontext des ExWoSt-Projektes Kassel-Waldau

Aneignungsprozesse von suburbanen Gewerbegebieten als Alltagsorte: Untersuchung der stadträumlichen und baukulturellen Eigenschaften von Handwerksbetrieben und Einzelhandelseinrichtungen im Kasseler Umland

Stadträumliche Integration von Logistikstandorten - Das Gewerbegebiet Langes Feld

Zentrumsentwicklung in Niedenstein - Umbau und Neukonzeption eines seit den 1980er Jahren entstandenen Gewerbe- und Handelsstandortes in einer nordhessischen Kleinstadt

Bei Interesse bitte per E-Mail einen Sprechstundentermin vereinbaren