Hilfen zum wissenschaftlichen Arbeiten

Um das Verfassen einer wissenschaftlichen Arbeit zu erleichtern, finden Sie hier Informationen und Hilfestellungen für das Erstellen einer erfolgreichen wissenschaftlichen Arbeit.

Weitere hilfreiche Referenzen finden interessierte Besucher*innen unter Forschung und Weiterführende Links.

Literaturrecherche

Literaturverwaltungsprogramme

Es lohnt sich möglichst früh im Studium damit anzufangen, sich eine eigene Literaturdatenbank mit einer entsprechenden Software anzulegen. Dort kann man im Laufe der Semester alles, was man liest, einpflegen. So erhält man einen Überblick über die Texte, mit denen man sich beschäftigt hat. Wenn man Notizen oder Exzerpte zu den Texten ablegt und alles verschlagwortet, kann man später immer wieder darauf zugreifen. Eine gut gepflegte Literaturdatenbank erleichtert das wissenschaftliche Arbeiten ungemein.

Als Software bietet sich Citavi an, das für Studierende kostenlos über die Uni zu beziehen ist, aber auch nur für die Zeit des Studiums kostenlos zu nutzen ist. Eine gute Alternative ist die kostenlose und offene Software Zotero.

Literaturrecherche

Mittlerweile ist ein großer Anteil an wissenschaftlicher Literatur im Internet verfügbar und kann online gelesen und/oder als PDF-Datei heruntergeladen werden. Nach wie vor sollte aber unbedingt auch der gedruckte Bestand der Bibliotheken genutzt werden, denn gerade ältere Texte sind häufig nicht online verfügbar.

Während einführende und grundlegende Texte häufig in Monographien und Sammelbänden zu finden sind, werden aktuelle empirische Befunde und theoretische Debatten oft in Fachzeitschriften (Journals) oder als Forschungsberichte publiziert. Bei der Bearbeitung aktueller Themen ist es daher unumgänglich, auch nach Artikeln aus einschlägigen Fachzeitschriften und nach Forschungsberichten von relevanten Institutionen (Ministerien, Ämtern, Instituten, Stiftungen etc.) zu recherchieren. Auf der Seite der Sektion Stadt- und Regionalsoziologie der Deutschen Gesellschaft für Soziologie findet sich eine Liste mit Fachzeitschriften, nationalen Instituten und Organisationen, sowie internationalen Instituten und Organisationen.

Wenn man anfängt, sich mit einem Thema (z. B. für eine Hausarbeit, Abschlussarbeit, etc.) zu beschäftigen, ist es sinnvoll zunächst Grundlagentexte zu lesen. So erhält man einen Überblick über theoretische Begriffe und Konzepte sowie den aktuellen Forschungsstand. Anhand der zitierten Literatur lassen sich für den Themenbereich wichtige AutorInnen und Veröffentlichungen identifizieren. Sind diese auch für die eigene Fragestellung relevant, sollte hier die Recherche fortgesetzt werden. 

Rechercheseiten und Volltexte

Über die Universitätsbibliothek sind viele Bücher und Zeitschriften als E-Books bzw. elektronische Zeitschriften lizensiert. Um Zugang zu den Volltexten zu erhalten, muss man entweder über das Uni-Netz (WLAN auf dem Campus, educampus) online sein oder von zuhause aus über VPN mit dem Uni-Netz verbunden sein. Bei der Recherche mit KARLA kann nun, je nach Verfügbarkeit, auf Volltexte zugegriffen werden. Auch auf anderen Seiten, wie z.B. SpringerLink oder JSTOR, wird man als Mitglieder der Uni Kassel identifiziert und erhält Zugang zu den lizensierten Texten.

Zur Literaturrecherche eignen sich unter anderem folgende Seiten

  • KARLA: Mit KARLA kann man in der über die Unibibliothek verfügbare Literatur recherchieren. Unter „Artikel & Mehr“ findet man darüber hinaus eine umfangreiche Liste mit allgemein vorhandenen Texten zum eingegebenen Schlagwort. Die Ergebnisse werden vom Meta-Suchdienst EBSCO, der weltweit in zahlreichen Katalogen und Datenbanken zugleich sucht, zur Verfügung gestellt. Teilweise sind auch diese Texte als Volltext verfügbar; ein entsprechender Link wird angezeigt.
  • Google Scholar: Google Scholar durchsucht das Internet nach wissenschaftlichen Veröffentlichungen. Auch hier erhält man recht umfangreiche Suchergebnisse, die jedoch auch Hausarbeiten und Power-Point-Präsentationen enthalten. Hier sollte sorgfältig geprüft werden, ob die Texte auch wissenschaftlichen Standards entsprechen. Zum Teil sind PDFs direkt per Link verfügbar. Ansonsten lässt sich mithilfe von KARLA prüfen, ob der entsprechende Text als Volltext über die Uni verfügbar ist.

  • GESIS: Das Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften (GESIS) bietet verschiedene Angebote zu Forschungsdaten, Erhebungsinstrumenten, Publikationen und weiteren Informationen.

  • JSTOR: Hier lassen sich vor allem ältere (teilweise aus digitalisierten Printausgaben) Artikel aus meist geistes- und sozialwissenschaftlichen Fachzeitschriften finden. Die Datenbank ist auch in KARLA (unter Artikel & mehr) integriert.

  • BASE: Eine Suchmaschine der Universitätsbibliothek Bielefeld, die verschiedene wissenschaftliche Dokumentservern mit zumeist freizugänglichen Texten durchsucht.  Titel aus BASE sind in KARLA (unter Artikel & mehr) integriert.

Weitere Hinweise zu Fachdatenbanken aus dem Bereich Architektur, Stadtplanung und Landschaftsplanung sowie zum richtigen Zitieren in wissenschaftlichen Arbeiten finden sich im Leitfaden zum wissenschaftlichen Arbeiten des Fachbereichs.

Inhalt eines Exposé

In einem Exposé wird die Idee für eine wissenschaftliche Arbeit anhand wichtiger Eckpunkte kurz skizziert. Es sollte formuliert werden bevor mit dem Schreiben der Haus- oder BA/MA-Arbeit begonnen wird. Ein Exposé hilft dabei die eigene Idee zu konkretisieren, ein Vorgehen und roten Faden für Arbeit festzulegen und dient als Grundlage für die Absprache mit den DozentInnen. Daher sollte vor dem Verfassen jeder wissenschaftlichen Arbeit (Hausarbeiten gleichermaßen wie BA/MA-Arbeiten) ein Exposé erstellt werden. Es sollten dabei bereits Kompetenzen im wissenschaftlichen Arbeiten belegt werden und daher ist unbedingt auf eine gute sprachliche Ausarbeitung und korrekte Zitierweise zu achten. Der Umfang sollte bei einer Hausarbeit ca. zwei Seiten, bei BPS-, BA- oder Masterarbeiten drei Seiten betragen. 

Ein Exposé sollte folgendermaßen aufgebaut sein:
1.      Thema
2.      Forschungsstand
3.      Fragestellung & Hypothesen
4.      Vorgehen
5.      Gliederung
6.      Literatur

Zunächst wird das allgemeine Thema der Arbeit dargestellt und unterstrichen warum es relevant ist, sich mit ihm zu beschäftigen. Dann folgen zentrale (möglichst aktuelle) Forschungsergebnisse und möglicherweise noch unbeantwortete Fragen aus dem Bereich. Aus der Relevanz des Themas und möglichen Forschungslücken leitet sich dann die konkrete Fragestellung der Arbeit ab. Sollten sich aus der bereits gesichteten Literatur Hypothesen zur Fragestellung formulieren lassen, können diese auch dargelegt werden. Abschließend wird beschrieben, wie vorgegangen wird, um die Fragestellung zu beantworten. Dabei wird erläutert und begründet welche Literatur verwendet wird und – falls geplant – welche empirischen Daten wie erhoben und ausgewertet werden sollen.

Eine grobe, vorläufige Gliederung (die sich durchaus noch einmal ändern kann) und ein Verzeichnis mit der bereits recherchierten und der im Exposé verwendeten Literatur bilden den Anhang.

Inhalt einer Arbeit

(Gilt gleichermaßen für Hausarbeiten, Studienarbeiten, BA- und MA-Arbeiten)

1. Jede wissenschaftliche Arbeit braucht eine konkrete Fragestellung.
Es reicht nicht ein ungefähres Thema, das bearbeitet werden soll, abzustecken. Jede wissenschaftliche Arbeit hat eine konkrete Fragestellung, die in der Arbeit versucht wird zu beantworten. Die Frage sollte konkret genug sein, um sie im Rahmen der maximal erlaubten Anzahl an Seiten beantworten zu können. Eine Frage zu beantworten heißt nicht „die Wahrheit“ zu finden, sondern mithilfe wissenschaftlicher Literatur und (fremden oder eigenen) empirischen Daten, Belege für Antworten zu finden. Mögliche Widersprüche sollten dabei aufgezeigt und diskutiert werden.

2. Eine Hausarbeit muss eine Eigenleistung beinhalten und nicht nur vorhandenes reproduzieren.
Das reine Wiedergeben vorhandener Informationen und Thesen aus anderen wissenschaftlichen Texten ist keine ausreichende Eigenleistung. Vielmehr ist es erforderlich vorhandene Theorien und Daten im Rahmen einer eigenen Fragestellung miteinander zu verknüpfen. Zum Beispiel könnte eine Theorie anhand eines konkreten Untersuchungsfalls überprüft werden. Auch eine eigene empirische Erhebung zur Beantwortung einer Fragestellung ist eine Eigenleistung.

3. Eine gründliche Literaturrecherche ist für wissenschaftliches Arbeiten unerlässlich!
Wissenschaftliche Erkenntnis baut aufeinander auf. Um zu einer eigenen Fragestellung zu gelangen, sollte daher zunächst Literatur zum interessierenden Thema recherchiert werden. Es empfiehlt sich zunächst einführende und allgemeine Literatur zu einem Thema zu lesen, um sich einen Überblick zu verschaffen. Unterthemen und Forschungsrichtungen können dann im Folgenden vertieft werden. Bei der Recherche sollte auch auf die Aktualität der Quellen geachtet werden.

Ausführlichere Hinweise zur Literaturrecherche finden sich auf dieser Seite der Homepage des FG Stadt- und Regionalsoziologie.

4. Jede Information muss durch einen wissenschaftlichen Text belegt sein! Zeitungsartikel und Internetquellen sind keine wissenschaftlichen Texte.
Behauptungen, die aufgestellt und Informationen, die wiedergegeben werden, müssen durch wissenschaftliche Texte belegt werden. Das gilt natürlich nicht für allgemein anerkannte Tatsachen (die Erde dreht sich um die Sonne). Zeitungsartikel sind keine wissenschaftlichen Quellen, sie sollten nur zur Illustration einer medialen/öffentlichen Diskussion zitiert werden. Ähnliches gilt für Internetseiten. Sie können zitiert werden, um z.B. die Selbstdarstellung eines Unternehmens oder die Pläne eines Stadtbauamts zu verdeutlichen. Eigene Behauptungen und Thesen müssen nicht belegt werden. Sie sollten sich aber aus den präsentierten Informationen ableiten. Um nachzuweisen, dass eine umfangreiche Literaturrecherche durchgeführt wurde, empfiehlt es sich mehrere Quellen zu zitieren.

Hinweise zum richtigen Zitieren und Belegen finden sich im Leitfaden zum wissenschaftlichen Arbeiten

5. Um Plagiate zu vermeiden, muss jede Information, die aus Texten übernommen wurde, als Zitat kenntlich gemacht werden!
Fremde Ideen und Worte müssen von eigenen unterschieden werden. Daher müssen wörtliche Zitate aus fremden Texten, aber auch umformulierte oder sinngemäße Übernahmen, als solche gekennzeichnet und belegt werden. Andernfalls handelt es sich um ein Plagiat. Dies stellt nicht nur schlechte wissenschaftliche Praxis da, sondern wird im Kontext von Haus- und Abschlussarbeiten auch als Täuschungsabsicht gewertet.

6. Es sollten nur für die Beantwortung der Fragestellung relevante Informationen und Argumente präsentiert werden und diese sollten sinnvoll strukturiert sein.
Alle Inhalte der Arbeit sollten der Fragestellung untergeordnet sein, also zu ihrer Beantwortung beitragen. Informationen, die nicht der Beantwortung der Fragestellung dienen, sollten weggelassen werden. Die Arbeit wird außerdem durch logisches Anordnen der verschiedenen Abschnitte sinnvoll strukturiert. Kapiteleinleitungen erklären, warum die folgenden Informationen wichtig sind. Kapitelausleitungen fassen zusammen und leiten zum nächsten Kapitel über. So entsteht ein roter Faden und der/die LeserIn behält den Überblick.

7. Fertige Arbeiten sollen gegengelesen werden!
Auch korrekte Sprache (Rechtschreibung und Zeichensetzung) und angemessene Ausdrucksweise (verständlich und präzise, aber nicht alltagssprachlich) sind Bestandteil des wissenschaftlichen Arbeitens und fließen in die Bewertung von Arbeiten mit ein. Oft sieht man vor lauter Text die eigenen Fehler und Unzulänglichkeiten nicht mehr. Deswegen ist es wichtig, die fertige Arbeit von einer anderen Person gegenlesen zu lassen. Diese sollte neben der sprachlichen Korrektheit auch die inhaltliche Verständlichkeit prüfen. Selbst durch nur flüchtiges Gegenlesen kann eine Mehrzahl zumindest der Tipp- und Rechtschreibfehler gefunden werden.

8. Nicht verzagen! Auch das Schreiben wissenschaftlicher Arbeiten lässt sich üben.
Wie sieht eine gute Fragestellung für eine Hausarbeit aus? Wann ist meine Literaturrecherche abgeschlossen? Wie drücke ich mich angemessen aus? All das sind Fragen, die sich nur abstrakt beantworten lassen. Es lässt sich aber üben und mit der Erfahrung kommt auch ein Gefühl für gute Fragestellungen und Literaturrecherchen. Wichtig ist dabei auch das Feedback und die Kritik von DozentInnen und KommilitonInnen.

Quantitative Arbeiten

1. Bestimmung einer konkreten Fragestellung

Soll im Rahmen einer wissenschaftlichen Arbeit quantitativ geforscht werden, sollte eine Fragestellung gefunden werden, die auch im Rahmen der Arbeit empirisch beantwortet werden kann. Grundsätzlich gilt: Je allgemeiner die Fragestellung, desto höher der Arbeitsaufwand sowohl bei der Recherche als auch beim Schreiben. Das kann leicht dazu führen, dass die Arbeit ausufert und im Rahmen von vorgegebener Zeit und Seitenzahl nicht zu bewältigen ist.

Ziel der Arbeit ist es, die ihr zu Grunde liegende Fragestellung zu bearbeiten. Das bedeutet nicht eine allgemeine „Wahrheit“ zu finden, sondern mithilfe von Theorie und empirischer Untersuchung Belege für Argumente und Antworten zu finden. Widersprüche und Probleme sollen während des Prozesses der Antwortfindung aufgezeigt und diskutiert werden.

Beispiel für eine Fragestellung: Welcher Zusammenhang besteht zwischen der Kriminalitätsbelastung von Stadtteilen und dem Anteil der dort lebenden Personen ohne deutsche Staatsbürgerschaft („Ausländern“)?

 

2. Forschungsstand

Zunächst gilt es durch eine gründliche und umfassende Literaturrecherche zu ermitteln, was andere ForscherInnen bereits zur Fragestellung und eng verbundenen Themen herausgefunden haben. Dabei können bzw. sollen auch sich widersprechende Erkenntnisse dargestellt werden. Die Zusammenfassung des Forschungsstandes dient dazu, die eigene Fragestellung zu präzisieren, das Forschungsdesiderat abzuleiten und im Laufe der Arbeit eigene Erkenntnisse besser einordnen zu können. Zum Beispiel könnten die eigenen Ergebnisse bisheriger Forschung widersprechen (Das kann eine ganze Reihe von Gründen haben: Der Zusammenhang hat sich über die Zeit geändert, ForscherInnen haben Fehler gemacht, es wurden unterschiedliche Methoden verwendet, etc.). In diesem Abschnitt soll allerdings nur ermittelt werden, was schon gemacht wurde. Erst in der Analyse und im Fazit werden die Ergebnisse eingeordnet.

Beispielsatz aus einem Forschungsstand: Friedrichs (1985) zeigt, dass der Anteil an Personen ohne deutsche Staatsbürgerschaft (Ausländeranteil) in Städten und Stadtteilen keinen Zusammenhang mit der Kriminalitätsrate aufweist.

 

Der Forschungsstand soll einen Überblick über die bisherige Forschung zum Thema geben, entsprechend ist es in der Regel wichtig, mehr als nur eine/n Autor/in heranzuziehen.

3. Theorie

Quantitative wissenschaftliche Arbeiten verfahren (fast) immer deduktiv. Das heißt, der Forschende beginnt mit theoriebasierten Annahmen und überprüft diese bzw. versucht sie zu widerlegen. Daher ist der nächste Schritt einer quantitativen Arbeit, für die Fragestellung relevante theoretische Werke zu recherchieren und in der Arbeit so zusammenzufassen, dass sie der Fragestellung einen Rahmen geben. Dafür könnte man für die Beispielfragestellung z.B. den Sozialökologischer Ansatz der Kriminalsoziologie (Chicago School) heranziehen.

 

Im Fall von nicht-deduktiven (deskriptiven) quantitativen Arbeiten liegt der Fokus auf dem Forschungsstand und der Einordnung der eigenen Arbeit in diesen.

4. Grundbegriffe

Im Rahmen des Theorieteils ist es notwendig verwendete Fachbegriffe klar zu definieren. Gerade wenn Begriffe umgangssprachlich verwendet oder in der Wissenschaft debattiert werden, können mit demselben Begriff unterschiedliche Sachverhalte gemeint sein. Eine kurze Definition an dieser Stelle spart den Lesern viel Verwirrung und hilft den Autoren das Forschungsobjekt klarer zu sehen.

 

Beispieldefinition: In dieser Arbeit werden unter Kriminalität im deutschen Rechtssystem als strafbar erachtete deviante Verhaltensweisen verstanden (vgl. Härter 2013).

4. Hypothesen

Auf Grundlage der Theorien und des Forschungsstandes formt der oder die Forschende anschließend Hypothesen. Diese stellen einfache Annahmen zu Aspekten der Fragestellung dar und sind hypothetische Antworten auf die Forschungsfrage. Sie sollten so formuliert sein, dass sie entweder verworfen oder beibehalten werden können. Sollte eine Hypothese mehrere Aspekte enthalten, ist es sinnvoll Unterhypothesen zu formulieren, die jeweils für sich überprüft werden können.

 

Beispielhypothese: In Quartieren mit einem überdurchschnittlichen Anteil an sozial benachteiligten Menschengibt es eine überdurchschnittliche Kriminalitätsbelastung.

 

Sollte sich herausstellen, dass es keinen Unterschied zwischen Quartieren mit überdurchschnittlichen Anteilen an…. hinsichtlich… gibt oder dass sogar das Gegenteil zutrifft, müsste die Hypothese verworfen werden und ist damit falsifiziert. Nur wenn man einen deutlichen, der Hypothese entsprechenden Zusammenhang sieht, kann sie beibehalten werden.

5. Datenbasis

Zu klären und zu begründen ist, welche Daten aus welcher Quelle analysiert werden. Im einfachsten Fall wird ein bereits bestehender Datensatz (anderer ForscherInnen) genutzt (z.B. das Sozio-ökonomische Panel oder der World Value Survey). Diese Datensätze sind oft im Internet frei, bzw. nach Anmeldung verfügbar oder können bei den Forschungseinrichtungen angefragt werden. Für den Fall, dass selber Daten erhoben wurden, muss erläutert werden, nach welchen Verfahren die Daten erhoben wurden, welche Probleme auftraten, inwieweit die Daten möglicherweise unzuverlässig (z.B. unterschiedliche Definitionen von Migrationshintergrund in verschiedenen Städten) sind und wie mit dem Problem umgegangen wird. Daten müssen generell kurz charakterisiert werden: Größe der Stichprobe, Verteilung von Merkmalen etc. 

 

Beispiel Datenbasis: In dieser Hausarbeit werden vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) bereitgestellte Daten des Sozio-ökonomischen Panels (SOEP) verwendet.

6. Methoden

Im Methodenteil wird erklärt, welche Variablen verwendet werden, wie sie skaliert sind, wie sie mit den verwendeten Begriffen übereinstimmen und welche Auswertungsverfahren angewandt werden. Dabei ist es sinnvoll zunächst zu erläutern, welche Variablen in der Analyse verwendet werden sollen: abhängige Variablen (die Variablen, die laut Hypothese beeinflusst werden, im Beispiel also Kriminalität), unabhängige Variablen (Variablen, die entsprechend der Hypothese die abhängige Variable beeinflussen, im Beispiel die Staatsbürgerschaft) und Kontrollvariablen (Variablen, die einen Einfluss haben und deshalb im Modell berücksichtigt werden müssen, aber sonst für die Hypothesen irrelevant sind, z.B. das Geschlecht). Hier ist es wichtig zu erwähnen, wie die Variablen skaliert sind und wie sie berechnet wurden (für den Fall, dass Indizes verwendet, Extremfälle ausgeschlossen oder die Variablen anderweitig transformiert worden sind).

 

Der nächste Schritt ist es zu erklären, welche Analyseverfahren durchgeführt werden sollen. Dies wären zum Beispiel diverse deskriptive Methoden (z.B. Häufigkeitsauszählungen, Kreuztabellen, Graphen, ANOVAs) oder Regressions- und Korrelationsanalysen. Hier sollten die Analyseverfahren grob erklärt (z.B. Vergleich von zwei Verteilungen – wann liegt ein deutlicher Unterschied vor?), potentielle Besonderheiten und Probleme erläutert, sowie eigene Kriterien (z.B. Was wird als eine niedrige, mittlere oder hohe Korrelation betrachtet? (Es gibt Forschungsstandards, diese können sich aber unterscheiden, von daher ist es wichtig die verwendeten Kriterien zu erläutern.)) erklärt und begründet werden.

7. Analyse

Im Analyseteil einer Arbeit werden die in den Hypothesen genannten Zusammenhänge untersucht. Mittels deskriptiven oder induktiven Methoden wird analysiert, ob die Hypothesen zutreffen oder verworfen werden müssen. Die Diskussion der Ergebnisse und ihrer Interpretation ist sinnvollerweise Gegenstand des Analyseteils, kann aber auch separat dargestellt werden.

 

Wenn dabei unerwartete Ergebnisse auftreten (auch bei der Untersuchung von Kontrollvariablen, solange es den Rahmen nicht sprengt), die nicht den Erwartungen aus Forschungsstand oder Theorie entsprechen, sollen hierfür plausible Erklärungen und mögliche Fehlerquellen erörtert werden. Dabei kann es sinnvoll sein, auf Literatur zuzugreifen (z.B. warum hat die verstärkte Präsenz von Personen mit weiblichem Geschlecht laut den Daten einen verstärkenden Effekt auf Kriminalität). Weiterhin kann es zielführend sein, die Methodik noch einmal kritisch zu betrachten. 

Zum Abschluss längerer quantitativer Analysen ist es sinnvoll, die wichtigsten Ergebnisse kurz zusammenzufassen, so dass der Leser einen Überblick erhält.

 

Beispielanalyse: Tabelle 3 zeigt einen leichten aber signifikanten Zusammenhang zwischen der Kriminalitätsrate im Quartier und dem Merkmal Staatsbürgerschaft. Entsprechend kann die Hypothese, dass nicht-Deutsche eher in Quartieren mit höherer Kriminalität leben, nicht falsifiziert werden. Es ist davon auszugehen, dass dieser Zusammenhang durch den von Friedrichs und Triemer (2009) erforschten Zusammenhang, dass Ausländer vor allem in Stadtteilen mit generell sozioökonomisch benachteiligten Bewohnern leben, begründet ist. In Stadtteilen mit hoher Armut kommt es zu erhöhter Kriminalität, während sich für Ausländer keine oder negative Effekte feststellen lassen (Friedrichs 1985).

8. Fazit

Im Fazit werden die Ergebnisse noch einmal kurz zusammengefasst, um die Fragestellung zu beantworten und sie in den Forschungskontext einzuordnen. Hier sollte ebenfalls erwähnt werden, was bei der Arbeit besser gemacht werden könnte (z.B. Grenzen der Methode, Grenzen der verwendeten Daten, theoretische Defizite u.a.), wie das Thema weiterentwickeln werden kann und welche weiteren Forschungsfragen sich an die Ergebnisse anschließen.

9. Keine Panik

Sollte sich im Ergebnis zeigen, dass sich die Hypothesen nicht bestätigen oder die Fragestellung so nicht klar zu beantworten ist, ist das kein Problem, solange die Schritte in der Arbeit gut begründet und sorgfältig ausgearbeitet worden sind. Tolle Ergebnisse sind nicht Teil der Bewertungskriterien.