Dissertationen

Laufende Dissertationen

Dipl.-Ing. Robert Zollinger:
Etablierung urbaner Saatgutsysteme.
Freiraumplanung zur Etablierung souveräner Saatgutsysteme für den Subsistenzanbau von Gemüse über Rezeption pflanzengenetischer Ressourcen und deren Adaption durch Entwicklungszüchtung

Dr. Friederike Meyer-Roscher: Publikation über Universität Kassel in 2025
Die Darstellung von Landschaft im Science-Fiction-Film

Die Welt im 22. Jahrhundert: Die Erde ist aufgrund von Naturkatastrophen, Epidemien, Kriegen und erschöpften Ressourcen nahezu unbewohnbar geworden. Die Menschen, die es sich leisten konnten zu entkommen, richten sich ihr Leben auf anderen Planeten, Raumstationen oder in vereinzelt übrig gebliebenen Refugien auf der Erde ein. In diesen neu in Besitz genommenen Räumen leben sie in paradiesischen Gärten. Die Mehrheit der Menschen sieht sich jedoch mit bedrohlicher Wildnis, lebensfeindlicher Landschaft oder wilden Kreaturen konfrontiert. Diese und weitere Szenarien findet man in Science-Fiction-Filmen wie Elysium, After Earth, Oblivion oder Interstellar. Darin zeigen Filmemacher mögliche zukünftige Landschaft in ihren Extremen. In der vorliegenden Dissertation werden derartige Darstellungen von Landschaft, Wildnis, Garten und Gewächshaus im Science-Fiction-Film in Bezug auf das Verhältnis zwischen Natur und Gesellschaft näher untersucht. Die Dissertation mit dem Titel „Die Darstellung von Landschaft im Science-Fiction-Film“ umfasst zwei Bände, von denen Band I die Dissertationsschrift und Band II die dazugehörigen Abbildungen und Tabellen enthält. Im zweiten Band findet man zudem ein umfassendes Filmglossar aller im Rahmen dieses Forschungsvorhabens untersuchten 65 SF-Filme, die sich schwerpunktmäßig aus in den USA bzw. westlichen Ländern produzierten Blockbustern ab dem Jahre 2000 zusammensetzen. Filmische Raumkonstruktionen sind kulturelle Konstrukte, vergleichbar beispielsweise mit Landschaftsgemälden. Obwohl der Science-Fiction-Film fiktive, aber dennoch denkbare Möglichkeiten der Wirklichkeit zeigt, enthalten fremde Welten immer auch etwas aus dem alltäglichen menschlichen Erfahrungshorizont. Gerade das Genre der SF geht jenen existenziellen Fragen nach, die unser Dasein jetzt und auch in Zukunft bestimmen werden, und entwirft dazu entsprechende Räume. So reflektieren Filmbilder zeitgenössische Problemstellungen und Mentalitäten wie Ängste, Wünsche und Hoffnungen, erstrebte Ideale sowie Moralvorstellungen. Die erste Hypothese der Dissertation bezieht sich auf diesen kulturhistorischen Zusammenhang: Die Darstellungen von Natur, Garten und Landschaft im Science-Fiction-Film dienen als guter Zeiger dafür, wie der landschaftliche Blick der Rezipienten in der 120-jährigen SF-Filmgeschichte - von Die Reise zum Mond (1902) bis Dune (2021) - in Bezug auf eine theoretisch mögliche Zukunft geprägt wurde, und welche konventionalisierten Motive von Natur, Landschaft und Garten in unserer Gesellschaft vorherrschen. Diese Arbeit überprüft, ob der Science-Fiction-Film durch bestimmte Darstellungen von Landschaft entweder positiv/aufwertend oder negativ/abwertend Trendwenden gesellschaftlicher Wahrnehmung von Landschaft und Natur im Laufe der Filmgeschichte aufgegriffen hat. Darauf aufbauend verfolgt die zentrale Hypothese der Arbeit, ob sich die ursprüngliche Verknüpfung der „Guten“ mit „eutopischen“ Landschaften und die Verknüpfung der „Bösen“ mit „dystopischen“ Landschaften mittlerweile ins Gegenteil verkehrt haben, also konkret ob die „Guten“ in gegenwärtigen Science-Fiction-Filmen häufiger in „dystopischen“ Landschaften und die „Bösen“ zunehmend in „eutopischen“ Landschaften dargestellt werden. Eine dritte Hypothese befasst sich mit der Ästhetik sciencefictionaler Landschaftsdarstellungen: Der SF-Film verfolgt ästhetische Bildstrategien der Romantik, so dass von einer „Sciencefictionalen Neoromantik“ gesprochen werden kann. Methodisch wird zur Überprüfung dieser drei Hypothesen ein Mixed-Methods-Verfahren angewendet, bei dem die quantitative Analyse dominiert. Im Rahmen des Forschungsvorhabens wird induktiv-empirisch ein belastbares Codesystem für die Bewertung von Filmbildern in Bezug auf gängige Motivkonventionen im Science-Fiction-Film entwickelt. Diese Typenbildung umfasst u.a. Morphologien, „Kulturelle Typen“, Atmosphären, „Utopietypen“ und ihr Zusammenspiel mit filmischen Charakteren. Die einzelnen Codes sind kulturhistorisch bzw. naturwissenschaftlich hergeleitet und in Landschaftstheorien eingebettet. Anhand dieser umfangreichen Filmbildbewertungs-Matrix werden insgesamt 4558 Filmbilder analysiert, sogenannte establishing shots, die den jeweiligen Ort der Handlung einführen. Dieses Verfahren lässt sich generell für strukturierte Landschaftsbildbewertung anwenden, so dass die vorliegende Arbeit ein grundlegendes methodisches Instrumentarium für weiterführende Forschungen anbietet. In der Dissertation kann belegt werden, dass der Science-Fiction-Film als „Zeitgeistbarometer“ die Möglichkeit bietet, bestimmte Diskurse anzustoßen und in den Fokus der planerischen Praxis zu rücken. Zu nennen sind in diesem Kontext beispielsweise aktuelle Tendenzen in unserer Gesellschaft wie die Sehnsucht nach unverbrauchter Natur bei gleichzeitiger Angst vor dem Klimawandel und seinen Folgen.


 

Dr. Flavia Alice Mameli: Onlinepublikation über Universität Kassel im Oktober 2022
Aneignung gestalten? Paradoxien der Freiraumplanung
Eine Analyse der Planungsdebatte um den Park am Gleisdreieck Berlin

Wem gehört die Stadt? Wer darf sie gestalten? Was macht eine gelungene Kooperation zwischen zivil-gesellschaftlichen und planerischen Raumproduktionen aus? Die selbstbestimmte Gestaltung von urbanen Freiräumen wird in der Landschaftsarchitektur, Design- und Planungstheorie unter dem Begriff der Aneignung diskutiert. Die vorliegende Arbeit widmet sich dem paradoxen Verhältnis der planenden und gestaltenden Professionen gegenüber Aneignungspraktiken: Eine beteiligungswillige Zivilgesellschaft produktiv und kreativ in Gestaltungs- und Planungsprozesse zu integrieren, scheint – trotz einer Vielfalt an möglichen Verfahren – schwierig zu bleiben. Ein theoretischer Erörterungsteil setzt sich zunächst mit dem Aneignungsbegriff im Kontext relationaler Raumtheorien auseinander und ordnet sie als emanzipative Raumpraktiken innerhalb der kollektiven Produktion von (Frei-)Räumen in der Stadt ein. Im Rahmen einer qualitativen, vom „Werkzeugkasten“ der Diskursanalyse inspirierten Fallstudie wird daraufhin die Debatte um die Planung und Gestaltung des Gleisdreieck-Parks in Berlin ab dem Jahr 2005 analysiert. Anhand der Interpretation eines detaillierten Quellenkorpus aus Textfragmenten, Bild- und Kartenmaterial sowie Interviews mit beteiligten Akteur*innen diskutiert die Arbeit die kreativen und demokratischen Potenziale einer aneignungsfreundlichen Gestaltungskultur.


 

Dr. Gisela Kangler:Publikation - transcript Bielefeld im Oktober 2018
Der Diskurs um Wildnis. Von mythischen Wäldern, malerischen Orten und dynamischer Natur.
Eine Analyse des aktuellen Diskurses um die Naturschutzidee 'Wildnis' mit Cassirers Raumtheorie.

Welchen Stellenwert kann ›Wildnis‹ in einer modernen Gesellschaft einnehmen? Die
kontroversen Debatten, die aktuell in Mitteleuropa geführt werden, zeigen die Virulenz dieser Frage. Eine besondere Rolle spielt dabei die Akzeptanz der administrativen Ausweisung von Wildnisgebieten durch die Bevölkerung.

Gisela Kangler liefert einen neuen Ansatz, um bestehende Missverständnisse und Konflikte in Bezug auf die Naturschutzidee ›Wildnis‹ einordnen und verstehen zu können. Analysiert werden drei grundlegend unterschiedliche Auffassungen: ›unbekannte Wildnis‹, ›bestimmte Wildnis‹ und ›Ökosystem-Wildnis‹. Dabei ermöglicht es die wiederentdeckte progressive Kulturphilosophie Ernst Cassirers, die gesellschaftliche Pluralität in ihrer Mannigfaltigkeit in den Blick zu nehmen.


 

Dr. Anne Haß:Onlinepublikation über Universität Kassel im Mai 2017
Die lebende Metropole – Der Beitrag des amerikanischen Transzendentalismus und der vegetationsökologischen Monoklimaxtheorie zur Entdeckung der Stadtkultur durch die Soziologen der Chicagoer Schule.

Die vorliegende Dissertation erarbeitet einen methodischen Ansatz, der es Planern und Soziologen ermöglicht, den impliziten politischen Gehalt gesellschaftswissenschaftlicher Gegenstände und Theorien zu benennen und differenziert zu diskutieren. Das besondere Interesse ist es dabei, eine Beurteilung auch solcher Ansätze zu ermöglichen, die wie der humanökologische Ansatz der Chicagoer Schule aus der Übertragung einer naturwissenschaftlichen Theorie in die Sphäre der Gesellschaft hervorgegangen sind.
Die Basis für den konstruktivistischen Ansatz bilden wissenschaftstheoretische Erkenntnisse, die im Anschluss an Kuhns Untersuchungen zur paradigmatischen Bedingtheit wissenschaftlicher Gegenstände und Theorien gewonnen wurden. Gemäß der sich an Kuhn anschließenden Diskussion wird davon ausgegangen, dass die Gegenstände aller Wissenschaften nur auf der Basis bestimmter mentaler Vor-Urteilsstrukturen empirisch real werden können. Diese an die Wirklichkeit herangetragenen Vor-Urteilsstrukturen werden als kulturell bedingte, komplexe Ideen bzw. als kulturelle Deutungsmuster aufgefasst und mit politischen Philosophien identifiziert. Ausgehend von drei verschiedenen Individualitäts- und Systemauffassungen, die im christlich-abendländischen Denken entstanden sind, rekonstruiert die Arbeit drei grundlegende politische Philosophien und verdichtet sie zu in der Moderne konkurrierenden Weltanschauungen. Die idealtypische Rekonstruktion der liberalen Weltanschauung, der Weltanschauung der demokratischen Aufklärung und der konservativen Weltanschauung verdeutlicht dabei nicht nur die wesentlichen Unterschiede zwischen den Weltanschauungen, sie zeigt gleichzeitig, dass die Bindung einer politischen Philosophie an eine bestimmte Individualitäts- und Systemauffassung aus Gründen der logischen Konsistenz nur eine bestimmte inhaltliche Definition von Ideen wie der Vernunft, der Natur, der Geschichte usw. zulassen kann.
Die Konfrontation des nach dem Vorbild der vegetationsökologischen Monoklimaxtheorie konstruierten humanökologischen Ansatzes mit den idealtypisch rekonstruierten Weltanschauungen zeigt, dass die Gemeinschaft der Metropole nur vor dem Hintergrund einer durch den amerikanischen Transzendentalismus geprägten, konservativen Weltanschauung empirisch real werden konnte. Welche Konsequenzen durch die Verankerung des humanökologischen Ansatzes in dieser Weltanschauung und durch die Verpflichtung wissenschaftlicher Theorien zur logischen Konsistenz hinsichtlich der politischen Stoßrichtung folgen, wird offengelegt.