Transformationslabor Fackelteich
Wintersemester 2026
Veranstaltungsnr. | FB06.514
Betreuung | Univ.-Prof. Florian Otto
Wiss. Mitarbeitende | M. Sc.Carlos Calzadilla, M. Sc. Rickmer Niehuus
Das Entwurfsprojekt Fackelteich untersucht die Zukunft eines Areals, das zuletzt als Kleingartenanlage genutzt wurde, dessen Böden jedoch aufgrund einer früheren Nutzung als Deponie stark kontaminiert sind aus einer interdisziplinär kooperativen Perspektive. Gemeinsam mit dem Fachgebiet Architekturtheorie und Entwerfen entsteht ein experimentelles Doppelstudio zur Untersuchung von Szenarien, die sich mit den vielfältigen Herausforderungen des Areals auseinandersetzen.
Das Gebiet liegt prinzipiell innenstadtnah im Überflutungsbereich am Rand der Fuldaaue, ist jedoch durch Infrastrukturen stark eingeschränkt und abgeschnitten. Eine vollständige Bodensanierung erscheint angesichts der hohen Kosten ökonomisch nicht naheliegend. Aufgrund des Biotopcharakters sowie der Lage an einer Ausfallstraße bieten sich besondere Möglichkeiten aber auch starke Einschränkungen für eine künftige städtebauliche und / oder freiräumliche Entwicklung. Das Areal Fackelteich wird nicht allein als Defizitraum verstanden, sondern als Labor für unterschiedliche Formen räumlicher Transformation. Unsicherheiten sind Ausgangspunkt eines ergebnisoffenen Wandels, dessen programmatische Ausrichtung und Eingriffstiefe Gegenstand der entwurflichen Untersuchungen sind.
Ausgangspunkt des Studios sind Konzepte wie Gilles Cléments „Third Landscape“, Low-Resolution Urbanism und Ansätze des Adaptive Reuse. Das Areal wird als gewachsene, vielschichtige Landschaft gelesen, deren zukünftige Entwicklung nicht allein durch Neubau, sondern ebenso durch Pflege, Umdeutung oder bewussten Nicht-Eingriff geprägt werden kann. Besonderes Augenmerk gilt dabei den vorhandenen räumlichen Ressourcen: der Parzellierungsstruktur der ehemaligen Kleingärten und deren Wegenetz, existierende Infrastrukturen wie Wasseranschlüssen sowie vorhandene Gehölzstrukturen und spontanen Vegetationsgemeinschaften. Ebenso werden bestehende informelle Nutzungen als Teil der Realität des Ortes verstanden – Aneignungen durch Spaziergänger:innen oder auch informelle Lager- und Abstellnutzungen werden nicht als Störungen, sondern als Hinweise auf vorhandene Bedürfnisse untersucht.
Ziel ist nicht die Entwicklung eines Masterplans, sondern die vergleichende Untersuchung unterschiedlicher Zukunftsbilder, Planungskulturen und Transformationsprozesse. Die Studierenden der Architektur, Landschaftsarchitektur und des Städtebaus arbeiten in interdisziplinären Gruppen, die unterschiedliche Haltung gegenüber dem Areal vertreten.
Der Austausch zwischen den Gruppen bildet einen wesentlichen Bestandteil des Studios. In regelmäßigen Präsentationen werden die unterschiedlichen Szenarien miteinander verglichen. Dabei stehen nicht nur räumliche Entwürfe, sondern auch grundsätzliche Fragen im Vordergrund: Welche Bereiche des Areals bleiben unberührt und welche werden aktiviert? Welche bestehenden Strukturen werden erhalten oder sollen weichen? Wie viel Material wird entfernt oder auch eingebracht? Welche Zeithorizonte werden angenommen? Und wer übernimmt langfristig Verantwortung für Pflege, Nutzung und Entwicklung?
Das Seminar versteht das Areal damit als Aushandlungsraum zwischen Verwilderung, Experiment und Transformation. Statt einer einzigen Lösung entstehen konkurrierende und zugleich komplementäre Zukunftsbilder, die den Umgang mit kontaminierten urbanen Landschaften neu verhandeln und die Beiträge von Architektur, Landschaftsarchitektur und Städtebau in einen produktiven Dialog setzen.