Dach­ge­mein­schafts­gar­ten

Se­mi­nar

Titel:
Ein Dachgemeinschaftsgarten als konkreter Ort für Emanzipation und alternative Ökologien

Ein kreatives Theorie- und Praxis-Seminar am Rande der Documenta 14

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Veranstaltungsnummer FB06.152

Lehrende:
- Dipl.-Ing. Ella von der Haide (Alias: Isabella Haidle)
- Prof. Dr. Christian Herzig
  (Management in der internationalen Ernährungswirtschaft” am FB 11
    inWitzenhausen)
- Dr. Susanne Schmitt (Gastdozentin)

Anrechnung:
4 SWS- 6 ECP

Bachelor und Master

Modulnummern:

PO15: D-1.3-34; D2.304; D2.043

PO12: D-1.3-30; D-2.3-31; D-2.0-44

Termine:
Einführung: Freitag 21.April 15.30 - 18.30 (in Raum HaFeKA 2107 Gottschalkstr. 26)

Workshop I: Freitag 12. Mai von 12.00 - 18.00
(ab dann im ASL Neubau, Universitätsplatz 9. Raum 3109)

Workshop II: Freitag 30. Juni von 12.00 - 18.00

Workshop III: Samstag 1. Juli von 10.00 - 16.00

Workshop IV: Freitag 21.Juli von 12.00 - 18.00

Plus flexible Termine für die konkrete Mitarbeit im Dachgarten

Raum: 3109,  ASL Neubau, Universitätsplatz 9. (Bis auf den Einführungstermin)

 

Inhalt:
Studierende aus ASL, allen andern Fachbereichen und der Kunsthochschule sind eingeladen, die Entstehung eines urbanen Dachgemeinschaftsgarten im Rahmenprogramm der Documenta 14 theoretisch und kreativ zu begleiten.

Das hier angebotene Seminar wird sich konkret mit dem Potential des Dachgemeinschaftsgartens als ein Element alternativer und utopischer Ernährungsplanung beschäftigen und so im Rahmen von foodoctopia an der Gestaltung einer Vision für nachhaltige Ernährungssysteme und -formen mitwirken. Bezugnehmend auf die queeren und antikolonialen  Ideen des Künstlerischen Leiters der Documenta 14 , Adam Szymczyk, (http://www.documenta14.de/de/public-programs/) wird im Seminar den Fragen nachgegangen, wie queer-feministischen, postkoloniale, multispecies und nichthegemonialen Theorien/ Utopien in Gemeinschaftsgärten räumlich, sozial und metaphorisch umgesetzt und erlebt werden.

 Urbane Gemeinschafts(dach)gärten sind nicht nur eine neue Freiraumkategorie (Rosol 2006) sondern können als Keimzellen oder auch Laboratorien für gesellschaftliche Transformation auf dem Weg zu einem ökologischeren, gerechteren, regionaleren Ernährungssystem verstanden werden (ebenso wie auch kollektive Gastronomieprojekte). Gleichzeitig finden in Urbanen Gemeinschaftsgärten auch auf Ebenen jenseits der Ernährung und Nahrungsmittelproduktion Prozesse statt, die Paradigmenwechsel wachsen lassen oder auch auf anderen gesellschaftlichen Ebenen als gelebte Utopien gedeutet werden können. Mehrere grundlegende und normative binäre Strukturen werden in Gemeinschaftsgärten in Frage gestellt und durcheinander gewirbelt: Natur-Kultur, Stadt-Land, Privat-Öffentlich, Produktion-Reproduktion, Individuum-Gesellschaft, traditionell-zukunftsweisend.

Vorgehen:
Das Seminar wird in 4 Workshops á 5 Stunden abgehalten werden.
Die einzelnen Workshops bestehen jeweils aus einem Theorieteil, in dem vorher gelesene Texte diskutiert werden, und einer kollektiven kreativen Arbeitsphase, in der im Sinne des Forschens durch Kunst, durch multimediale Methoden, Wahrnehmungsübungen, Kurzzeitentwurf, Kreatives Schreiben und Social Eating and Cooking die theoretischen Ansätze kreativ bearbeitet werden.

Die einzelnen Workshops beschäftigen sich mit den Themen:
1. Utopien, Ernährungssysteme in der Literatur und kreatives Schreiben
2. Gastfreundschaft: feministisches und postkoloniales Verhalten in
    Gemeinschaftsgärten und Social Eating and Cooking
3. Queer Ecologies und Multimediale Forschung
4. Multispecies Conviviality und Wahrnehmung andere Lebenswelten
    /Kurzzeitentwurf

 

Der Ort:

Zur d14 entsteht auf einer Dachterrasse und dem hiermit verbundenen Raum 4 des Arbeitskreis Rhythmussuchender Menschen / A.R.M. in der Werner Hilpert Straße 22 ein offener, utopischer Raum für soziales Miteinander und Diskurs über Formen der Ernährung und Lebensmittelproduktion, die eine gerechte und nachhaltige Gesellschaftsordnung unterstützen können - foodoctopia. In einem studentischen Begleitseminar, das vom Fachgebiet „Management in der internationalen Ernährungswirtschaft” des FB 11 Witzenhausen (Prof. Dr. Christian Herzig, Johanna Stöhr) in Kooperation mit Daniel Neugebauer von der documenta angeboten wird, werden mit Hilfe unterschiedlicher Formate auf der Dachterrasse und im Raum 4 Themen wie Regionalität und kleinbäuerliche Landwirtschaft, Ernährungssouveränität, Global Food Democracy sowie nachhaltige Gastronomie diskutiert und bearbeitet. Hierbei soll eine Vision von einem Ernährungssystem und einer Landwirtschaft entwickelt werden, die von Gleichberechtigung und Solidarität leben. 

Um diese Themenfelder der Utopie zu entheben und in einen konkreten Ort zu wandeln, haben die beiden Studentinnen Dounia Biedermann und Lena Jacobi die Idee eines wachsenden Gemeinschaftsgartens mit heimischen Nutzpflanzen und einem Teegarten zum Selbsternten entwickelt, der einen Blick auf bäuerliche Landwirtschaft bietet. Auf der von ihnen erstellten Dachterrasse steht zwischen Hochbeeten und Pflanzsäulen der krisenKONTERKIOSK, ein Angebot ausschließlich ökologisch und regional erzeugter Produkte von Buttermilch bis zum einfachen Käsebrot.

Leistungsnachweis:
Für die vier Termine müssen jeweils ca. 50 Seiten englische Artikel gelesen und schriftliche Fragen beantwortet werden.

Eine vertiefende Recherche zu einem der Themen.

Die künstlerischen Umsetzungen werden auch Eigenarbeit und Zeit zwischen den einzelnen Workshopterminen beanspruchen.

Beteiligung an der Gestaltung des Dachgartens außerhalb des Seminars und an den Veranstaltungen im Kontext des Rahmenprojekts von foodoctopia des FB11 und des krisenKONTERKIOSKs sind erwünscht.

Am Ende des Seminars wird ein/e Tagebuch/Mappe mit den Reflexionen zu den Texten, zur vertiefenden Recherche und der Dokumentation der kreativen Arbeiten abgegeben.

Es besteht die Möglichkeit, den Leistungsnachweis in Form eines kollektiven kreativen Beitrags in dem Dachgartenprojekt zu gestalten.