Die Na­tur vor der Haus­tür

Frei­raum­pla­ne­ri­sche Kon­zep­te zur Nut­zung und zum Er­le­ben von Stadt­na­tur


Projekt
Das Projekt richtet sich an Bachelor- und Master-Studierende in ASL, insbesondere an Master-Studierende in den Vertiefungsrichtungen „Landschaftsarchitektur und Freiraumplanung“.

8 SWS, 12 Credits
Modulnummern
siehe Modullisten PO 2012 und PO 2015 im Vorlesungsverzeichnis

Erstes Treffen:
Donnerstag, 18.04.2019, um 14.00 Uhr
(Raum 2107, Gottschalk Str. 26).

Regulärer Projekttermin ist: Dienstag 14.00h - 18.00h.

Am Wochenende 26./27.04.2019 findet ein verpflichtender Intensivworkshop statt.

Lehrende
Dr. Annette Voigt
M. Eng. Daniel Münderlein

Teilnehmer_innen
insgesam max. 20

Beschreibung
Stadtnatur wird einerseits von Seiten der Planung zahlreiche positive Aspekte („ecosystem services“) zugeschrieben, u.a. dass sie eine hohe (Arten-)Vielfalt besitze. Vor allem ermögliche sie einer Vielzahl von Menschen - in Europa leben mehr als 2/3 der Menschen in urbanen Regionen - Naturerfahrungen im Alltag und trage so zur Lebensqualität in den Städten bei. Da Stadtnatur ohne lange Anreise, kostenlos und für jeden gleichermaßen zugänglich ist, gilt sie auch als ein wichtiger Aspekt der Umweltgerechtigkeit. Aktuelle programmatische Veröffentlichungen wie das „Grünbuch Stadtgrün“, das „Weißbuch Stadtgrün“ oder „Ökosystemleistungen in der Stadt“ arbeiten unterschiedliche Werte von Stadtgrün für Mensch und urbane Umwelt heraus und ordnen diese im Zusammenhang mit bundespolitischen Zielsetzungen wie der nachhaltigen Entwicklung ein. Die Idee einer grünen und gesunden Stadt bzw. der Ansatz, städtische Umgebungen mit „Grün“ zu reparieren, reicht dabei weit zurück in die Vergangenheit. Andererseits wird Stadtnatur oft eine geringe Wertschätzung entgegengebracht, da sie als stark anthropogen beeinflusst oder als künstlich betrachtet wird: Sie sei keine echte Natur.

Im Projekt „Natur vor der Haustür“ werden wir uns mit diesem Spannungsfeld der Wahrnehmung und Bewertung von Stadtnatur als Grundlage für den freiraumplanerischen Entwurf theoretisch, durch empirische Untersuchungen und planerisch auseinandersetzen. Das empirische Vorgehen soll auch vor dem Hintergrund der erwähnten programmatischen Zielsetzungen diskutiert werden, um zu prüfen, wie konzeptionell-strategische Ziele mit Hilfe von Datenerhebungen vor Ort zu lokalen und situationsspezifischen Planungsansätzen und Entwurfsideen verdichtet werden können. Wir werden zum einen die Annahme diskutieren, dass Wahrnehmungen und Bewertungen von Naturformen abhängig von individuellen Erfahrungen und kulturellen Weltbildern sind. Was ist (Stadt-)Natur? Welche Perspektiven lassen sich unterscheiden? Zum anderen erarbeiten wir uns empirische Methoden, mit denen man individuelle und soziokulturelle Wahrnehmungs-, Bewertungs und Nutzungsmuster von Stadtnatur identifizieren, offenlegen und abbilden kann, z.B. Photovoice, Go-Along, self-narrative Interviews. Wie werden Stadtnatur und urbane Grünräume von ihren NutzerInnen wahrgenommen, erlebt, genutzt und wertgeschätzt? Unterscheidet sich die Nutzung und Wertschätzung je nachdem, um welchen Typ von Stadtnatur bzw. von urbanem Grünraum es sich handelt? Wie nehmen Menschen in einer an Diversität zunehmenden Gesellschaft Stadtnatur jeweils wahr? Hier werden wir auch untersuchen, wie sich unterschiedliche Bedingungen, wie z.B. unterschiedliche Nutzungsinteressen, aber auch Geschwindigkeiten und Fortbewegungsarten, auf die Wahrnehmung auswirken (z.B. „Cycle-Along“). Gerade die Frage nach den Unterschieden in der Wahrnehmung und Bewertung ist für die Freiraumplanung in Theorie und Praxis von großem Wert, insbesondere in Hinsicht auf die Berücksichtigung und Abwägung vielzähliger, oft konkurrierender Freiraumnutzungsinteressen. Diese theoretische und empirische Auseinandersetzung mit Stadtnatur ist die Grundlage, freiraumplanerische Konzepte zu entwickeln, die einerseits mit der vorhandenen Stadtnatur arbeitet, deren Wahrnehmung fördert und zugleich zum Ausgleich der Interessen beiträgt.

Projektgebiet ist wahlweise der Park Schönfeld (Kassel Wehlheiden) oder das Quellbachtal (Kassel Fasanenhof). Es kann aber auch ein eigenes "Herzensgebiet" für Stadtnaturerfahrung vorgeschlagen werden.

Die Ergebnisse des Projektes werden in Form von Texten und Plangrafiken aufbereitet. Studierende haben nach Abschluss des Projektes ein wissenschaftlich fundiertes Verständnis von planungsrelevanten theoretischen und methodischen Hintergründen zur Erfassung von Wahrnehmung und Bewertung von Stadtnatur/ Freiräumen sowie zu deren Berücksichtigungen in der Planung und Gestaltung.
Bemerkung