An­saa­ten und Pflan­zun­gen

In der Vergangenheit führte die Idee naturnaher robuster Pflanzungen zur Einrichtung von Sichtungsgärten, in denen Pflanzen auf Beete aufgepflanzt und quasi unter bereinigten Laborbedingungen auf ihre praktische Tauglichkeit geprüft werden (Pflanzensichtung). Das Fachgebiet Landschaftsbau, Landschaftsmanagement und Vegetationsentwicklung verfolgt demgegenüber das Konzept, Pflanzen durch ihre Verwendung in den öffentlich zugänglichen Räumen des Campus der Universität Kassel hinsichtlich ihrer Alltagstauglichkeit zu untersuchen. Weitere Standorte befinden sich im Stadtgebiet, die ebenso leicht erreichbare Demonstrationsflächen für die Lehre bieten.

Dabei werden unterschiedliche Pflanz- und Saatideen verfolgt, je nach Charakter und Funktion des Standortes. Es gibt eine mit Zierstauden angereicherte Stadtbrache am Zentrum für Umweltbewusstes Bauen, angrenzend eine einheimische Steppenheide sowie eine Pflanzung nach dem Vorbild des Lebensbereichs Sonniger Gehölzrand bei Hansen in der Pfannkuchstraße. Eine „urbane Blumenwiese“ auf einem Extremstandort (wassergebundene Decke) als Ansaat an der neuen Mensa, trockenresistente Pflanzungen als Säume entlang von Universitätsgebäuden (Bibliothek und Hafeka Hinterhaus) sowie weitere Ansaaten mit gebietsheimischen Arten an der Bibliothek und auf dem Gelände der Kopfbauten finden sich ebenso wie eine Blumenwiese auf dem Hauptfriedhof Kassel (Grabfeld 25) und schattige, nitrophile Säume mit Staudenansaaten. Ferner wurde an der Hochschule der Künste entlang einer Glasfassade eine Saumpflanzung im frischen Halbschatten mit Dominanz weniger Arten und ein gehwegbegleitender Saum mit trockenresistenten Stauden und aromatischen Kräutern (Wühlmausbefall) angelegt. Dieser Saum wird zunehmend zu einer niedrigen sonnenexponierten Hecke aus Wildarten und gärtnerischen Selektionen von Wildgehölzen entwickelt, um u. a. Hunde fernzuhalten. Der sogenannte Fachwerkgarten in unmittelbarer räumlicher Nachbarschaft des Fachgebiets wurde hingegen an das FG Freiraumplanung abgegeben, das in das Fachwerkhaus zieht. Bei ihm handelt es sich um eine moderne Interpretation des Bauerngartenthemas.

Die älteste und aus Entwürfen von Studierenden hervorgegangene Pflanzung von 2006 befindet sich auf dem Goethestern im Vorderen Westen Kassels. Er erfreut sich in der Bevölkerung großer Beliebtheit. Ebenfalls auf der Basis derartiger Entwürfe entstand im Rahmen eines Studienprojekts im Herbst 2013 ein Demenzgarten im Evangelischen Stiftsheim in der Ahrensbergstr. in Kassel. Hier wurde auf kleinstem Raum ein vielfältiges Angebot an Beetpflanzungen und trockenresistenten Randpflanzungen hergestellt, die gärtnerische Aktivitäten der Patienten/innen ermöglichen sollen.

Da weder gedüngt noch gewässert wird, weil nährstoffarme Extremstandorte die höchste Artenvielfalt und den größten Blütenreichtum bieten, ist die Regenerationsfähigkeit der Pflanzen gegenüber Trockenheit und mechanischen Zerstörungen (Baumaßnahmen an und in den Gebäuden, Tiefbauarbeiten, Vandalismus) wichtig. Ziel der Versuche ist es, Aussagen über die langfristige Entwicklung und Haltbarkeit der Vegetationsbestände zu treffen. Dabei stellt sich zunehmend heraus, dass die gebietseigenen Arten und gärtnerischen Selektionen heimischer Arten am besten für öffentliche Freiräume geeignet sind und auch aufgrund des Insektensterbens und des Rückgangs selbst gewöhnlicher Vogelarten zunehmend Bedeutung für den Privatgarten erhalten. Auch andere Experimente, die mit den Studierenden aus ganz anderen Gründen begonnen wurden, erweisen sich in Zeiten des Klimawandels als relevant. So zeigt die Umerziehung der durch einen beengten Standort und durch vorangegangene misslungene Rückschnitte beeinträchtigten Linden an der Kopfseite der Bibliothek zu Spalierlinden, dass diese selbst in sehr trockenen Jahren große dunkelgrüne Blätter haben und vital bleiben.

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Ansaaten und Pflanzungen

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