Flä­chen im De­tail


Goe­thes­tern

Der Stadtplatz: Goethestern

Bei dieser Fläche handelt es sich um eine Straßenkreuzung und nicht um einen Kreisel, obwohl sie so aussieht. Nach bewegter Geschichte bestand ihre Gestaltung aus vier tortenförmigen Rasenstücken, die von Buchsbaumhecken umgegeben waren. In der Mitte befand sich ein ebenfalls von Buchs umgebenes Rundbeet, in dem zeitweise ein Oleander stand. Nachdem mit Studierenden ein kleiner Gestaltungswettbewerb veranstaltet und die Entwürfe im Ortsbeirat des Vorderen Westens vorgestellt worden waren, wurden die Entwürfe nach dem einstimmigen positiven Votum des Ortsbeirates vom FG überarbeitet und dann im Herbst 2006 die Pflanzung z. T. mit Anwohnerinnen und Kindern durchgeführt. Das FG musste einen Vertrag unterschreiben, in dem festgehalten war, dass nach drei Jahren bei Nichtgefallen die Pflanzung wieder zu entfernen und der alte Zustand wiederherzustellen war. Davon war dann aber nie die Rede, obwohl am Anfang die Reaktionen nicht nur immer positiv waren. Die einen kritisierten, dass die Rasenflächen, auf denen sie gegrillt hatten, verschwunden waren, die anderen hatten große Befürchtungen, weil die Flächen zwischen den Stauden zunächst mit einer Gesteinsschicht abgedeckt worden waren (in diagonaler Anordnung zwei Flächen mit Basaltsplitt, und zwei mit Feinkies), sodass die Pflanzung anfänglich wie ein einziges Schotterbeet aussah (die heute so umstrittenen Schottergärten gab es damals noch nicht). Doch schon nach dem ersten Jahr war die Reaktion auf die Pflanzung überaus positiv.

In den Anfangsjahren übernahm das FG die Etablierungspflege, um dann den Unterhalt an die Stadt abzugeben. Dennoch beobachtete es kontinuierlich die Entwicklung der Fläche und griff auch immer wieder gezielt ein, wenn z. B. Pflanzen durch Frost oder Trockenheit abstarben. Dann wurden sie aber nicht mehr nachgepflanzt, sondern neue ausprobiert, insbesondere Arten thermophiler Säume, die z. T. auch von selbst kamen. Andere Arten, wie z. B. Kugeldisteln und Bronzefenchel expandierten, wobei letzterer z. T. fast dominant wurde, dann aber wieder durch Fröste reduziert wurde. Immer wieder kam es auch zu baulichen Eingriffen, weil die Gasleitung unter der Fläche undicht war, zuletzt 2020. Es wurde (leider) Rhizom behafteter Oberboden eingebaut, der dann bepflanzt und gejätet wurde. Bislang wurde kein Wurzelunkraut problematisch, sodass ein Vegetationsbestand entstanden ist, der sich nach über 10 Jahren stabilisiert hat und selbst bei großer Dürre nicht gewässert wird. Ebenso unterbleibt eine Düngung. Die Pflanzung wird lediglich im Frühjahr vor der Geophytenblüte zurückgeschnitten. Der Goethestern wird nun wieder einige Jahre benötigen, bis man die verschiedenen Aufgrabungen nicht mehr erkennen kann.


Tem­po­rä­rer Park

Leben in der Baulücke: Temporärer Park (Brache- oder Streifenpark)

Die Planung erfolgte in einem Studienprojekt im WS 2014 / 2015. Sie sah vor, auf der Fläche des künftigen Gebäudes der Naturwissenschaften zwischen Kopfbauten und Leo einen temporären Park anzulegen. Es waren schon spontan Robinien aufgekommen, die in den Entwurf einbezogen wurden. Das in einem kleinen Wettbewerb ermittelte siegreiche Konzept sah vor, den Park mit von Osten nach Westen laufenden Streifen einzusäen, die monochrom angesät werden sollten. Im Sommer 2015 erfolgte die Umsetzung durch eine kleine Gruppe von Studierenden in Kooperation mit der Bauabteilung und Unterstützung des FGs. Der vorhandene, stark mit Gänse- und Beifuß bewachsene Oberboden wurde abgezogen und Kalkschotter aufgetragen. Leider wurde eine Senke vom Baggerfahrer mit Schotter verfüllt, sodass für restliche Teilbereiche nur noch eine sehr dünne oder keine Abdeckung übrigblieb. Das wirkte sich nach der Ansaat insofern aus, als die in den Farben Weiß, Gelb, Blau und Rot angesäten Flächen sehr unterschiedlich aufgingen, was zu einem inhomogenen Vegetationsbild führte, das stärker von den Standortunterschieden geprägt wird als vom Farbkonzept. Das den Park überziehende Streifenkonzept war daher von Anfang an nicht deutlich sichtbar. Vor allem die Arten des roten Streifens breiten sich inzwischen aus, hier insbesondere Esparsette, Wiesenflockenblume, Kartäusernelke und Oregano. Im oberen Bereich am ASL-Gebäude hat sich eine ruderale Hochstaudenflur etabliert, weil hier die Störungen, bedingt durch die Baumaßnahme an den Kopfbauten, zu groß waren. In anderen Partien, etwa an der südexponierten Böschung der großen Treppe, hat sich eine sehr blütenreiche Staudenflur ausgebildet. Hier wurde kein Schotter aufgebracht, was dazu führte, dass sich im Löß zahlreiche Wildbienen angesiedelt haben. Im unteren Bereich, der schon bei Anlage so stark verdichtet war, dass hier eine größere rechtwinklige „Lehmpfütze“ für die Mehlschwalben angelegt wurde, hat sich mittlerweile eine Art Flutrasen ausgebildet, der sich deutlich vom Rest der Fläche unterscheidet. Im unteren Bereich blieb bislang der Gehölzaufwuchs (Robinien, Weiden) auch recht schwach und starb teilweise auch wieder ab. Die die Fläche prägenden Robinien wachsen mehrstämmig oder werden z. T. aufgeastet. Eine von den Studierenden gepflanzte Rosa majalis blüht im Mai üppig und bildet kleine runde Hagebutten aus. Ansonsten steht noch ein großer Schwarzer Holunder am oberen Rand der Fläche.

Wir mähen die Fläche mittlerweile nur noch sporadisch, weil ihre Tage gezählt sind. Dadurch entwickelt sie sich zwar immer mehr zur Brache aber mit vielen anderen Arten. Dadurch wird immer mehr im Sinne des zweiten Platzes des studentischen Wettbewerbes umgesteuert, der die Entwicklung der Fläche im Sinne einer gestalteten Brache vorsah. Im Juni/Juli brummt sie vor Insekten. Auch Vögel (Distelfinken, Spatzen und Rotschwänze) haben sie schnell erobert. Ebenso die Hundehalter, was Vorsicht beim Betreten ratsam erscheinen lässt. Leider findet sich in ihr auch viel Müll, weil die Leute ihre Picknickabfälle einfach liegen lassen.


Bi­blio­theks-Saum

Von der Bodendecker- / Zaunwindenwüste zur abwechslungsreichen Pflanzung: Bibliothekssaum

Bei dieser Fläche handelte es sich ursprünglich um eine ausgesprochene Problemzone. Sie war überwiegend mit Bodendeckerrosen bepflanzt, die aber nie bodendeckend waren. In der gesamten Fläche hatte sich Zaunwinde etabliert, die die Rosen dicht durchwachsen hatte. Wegen der stachligen Rosen konnte sie aber nicht gejätet werden, was ohnehin nur oberflächlich gelingen konnte. In dieser Situation wurden wir von der Bauabteilung der Universität um Hilfe gebeten. 2008 begann die Neuanlage: Wir entschieden uns dazu, die Fläche 40 cm tief auszukoffern und ein dichtes organisches Vlies, das sorgfältig an die Fassade der Bibliothek angepasst wurde, einzubauen. Die Wurzelballen vorhandener Sträucher wurden ummantelt. Auf das Vlies wurde ein mageres Substrat abschnittsweise mit 0/16 Kalkschotter oder Brechkies mit 20 % Humusanteil eingebaut sowie mit fünf cm Quarzit-Edelsplitt 5/8 abgedeckt. Es wurde auch zur Unterstützung der gepflanzten Zierstauden eine Bewässerungsanlage eingebaut, die jedoch sehr bald ausfiel. Daraufhin wurde die Fläche wie alle unsere Anlagen auf das Prinzip Survival of he Fittest umgestellt, d. h. auch hier nicht gedüngt und nicht mehr gewässert. Mit der Zeit bildeten sich dann einige Dominanzen aus, wie auch hier partiell des Bronzefenchels oder entlang des gesamten Saums von Euphorbia characias ssp. wulfenii in Kombination mit immer wiederkehrendem zweijährigen Isatis tinctoria und Allium nigrum. Eine mit der Staudenmischung Silbersommer bepflanzte Partie ist bis auf weniger Relikte vollständig verschwunden. Spontan aufgetreten sind hingegen z. B. Spornblume oder Akelei.

Die Wolfsmilch blüht ab März wochenlang und versät sich sehr stark, sodass sie alle paar Jahre wie der Bronzefenchel gejätet wird, wenn sie der Wegkante zu nahekommt. Auch Mönchspfeffer oder ein Blasenbaum fühlen sich vor der südexponierten Fassade sehr wohl und haben im Gegensatz zur Euphorbie die starken Minusgrade im Winter 2020/2021 gut überlebt. Beide haben sich ebenfalls schon ausgesät. Die Pflanzung wird einmal im Jahr (Frühjahr) maschinell zurückgeschnitten, wobei die gesonderte Behandlung der Halbsträucher mehr Aufwand bedingt. Bei der Wolfsmilch werden hingegen die abgestorbenen Blütentriebe im Sommer manuell ausgeschnitten. Diese Fläche ist im Vergleich zu einer extensiven Staudenflur deutlich arbeitsintensiver, doch wird sie vom Universitätspersonal wegen ihres wilden und doch geordnet erscheinenden Charakters sehr geschätzt.


Step­pen­hei­de­pflan­zung Pfann­kuch­str.

Lebendige Bodendecke: Pflanzung Pfannkuchstr. 1

Diese Pflanzung erfolgte in einem Vorgarten auf einer Stützmauer 2013. Im von der Straße aus gesehen linken Teil unter einer Blutpflaume und unter Bergkiefern wurde eine „Lebendige Bodendecke“ nach Hansen angelegt, bestehend aus den Grundarten Luzula silvatica und Fragaria moschata. Hinzu kamen Centaurea montana, Aquliegia vulgaris und vor allem Tanacetum corymbosum sowie Melica ciliata. Im Kiesdrainagestreifen an der Fassade wurden wenige Corydalis lutea gepflanzt.

Im rechten, weniger tiefen Teil wurde eine Mauerkronenbepflanzung mit Arten thermophiler Säume gewählt, vor allem mit Centhrantus ruber, Alyssum saxatile, Aqulegia vulgaris, Centaurea ruthenica, Salvia officininalis 'Major', Buphthalmum salicifolium, Tanacetum corymbosum, Oregano vulgaris usw. Hier ist das Substrat durch Drainagekiese und Bauschutt sehr steinig.

Insgesamt hat sich die Pflanzung sehr schnell etabliert und macht wenig Probleme. Einzig Melica ciliata hat sich in der linken Fläche rasig ausgebreitet, was zwar in der Blüte sehr gut aussieht, jedoch danach, wenn nur die Stengel stehen bleiben, etwas unstrukturiert. Anders ist dies auf der rechten Seite, wo sie zwischen den anderen Stauden steht und mit den vereinzelten blonden Stengeln im Winter einen Kontrast zu den sonstigen braunen Staudenresten bildet. Darauf wurde anfänglich reagiert und die linke Seite im Spätsommer abgemäht. Die Fläche war dann bodendeckend von niedrigen Stauden bestanden, von denen im Winter Luzula einen immergrünen Aspekt bot. Die rechte Seite wurde im Frühjahr gemäht. Mittlerweile sind die Hochschulgärtnerinnen auf eine Mahd im Frühjahr übergegangen.


Säu­me auf dem Cam­pus

Dieser Saum existiert seit den 1990er Jahren und wurde noch von Wolfram Kunick angelegt. Er bestand aus überwiegend heimischen Stauden und war aber Anfang der 2000er Jahren stark verbracht. Seine Hauptblütezeit lag im Mai/Juni. Wir haben dann zunächst verschiedene Präriestauden nachgepflanzt, um die Blütezeit in den Herbst zu verlängern. Doch fielen diese mit der zunehmenden Frühjahrs- und Sommertrockenheit immer mehr aus. Ein starker Eingriff war auch der Neuausbau des Nordcampus, in dessen Zuge das Beet verkleinert und mit einer massiven Granitkante versehen wurde. Seitdem stehen im Beet überlebende Präriestauden (z. B. Helianthus salicifolius), die sich zunehmend mit spontanen Arten anreichern, z. B. Isatis tinctoria und Geranium rotundifolium. Letzteres zeigt trockene, steinige aber nährstoffreiche Böden an und prägt den gesamten Saum. Zusammen mit Isatis ergibt sich ein attraktiver Blühaspekt. In den Saum wurden zudem trockenresistente Gehölze wie Liguster vulgaris 'Golden Drops', Viburnum anagyroides, der sich auf einigen Trockenrasen im Kasseler Umland etabliert, Koelreuteria paniculata und Prunus triloba gepflanzt. Ziel ist die Entwicklung eines attraktiv blühenden und fruchtenden lockeren Gehölzstreifens mit trockenresistenten Stauden in der Krautschicht entlang der Fassade, zu dem noch gut Viburnum lantana oder Fraxinus ornus passen würde.

Auch dieser Saum bestand bereits und wurde mit weiteren Arten angereichert, wie Wildem Phlox, Persicaria polymorpha 'Johanniswolke' und verschiedenen Lamiumarten. Chaerophhyllum bulbosum kommt wild und wird geduldet, könnte aber die ein oder andere Pflanze überwachsen, deswegen wird er ebenso selektiv gezogen wie der Knöterich im Sommer in der Breite eingekürzt, damit er nicht zu stark in den schmalen Weg hängt. Die Pflanzung ist ansonsten völlig unproblematisch. Der Phlox ist auch in größerem Umfang in die Hochstaudenflur am ZUB verwildert.

Nachdem lange Zeit das Pflaster regelmäßig abgeflammt wurde, wird hier seit 2013 der Fugenbewuchs entlang der Gebäudefassaden selektiv gepflegt, d. h. meist einmal im Jahr gemäht und sehr sparsam manche Pflanzen gezogen, um Akeleien, Stockrosen, Ackerglockenblumen, Königskerze usw. zu fördern.

Die Überlebenskünstler: Saum am Sophie Henschel-Haus

Hier wurde eine beginnende Saumbildung durch Ansaat und initiale Pflanzung in einer wassergebundenen Decke gefördert. Das heißt, der Standort ist nicht nur sehr trocken, sondern auch sehr nährstoffarm. Trotz wiederholter Versuche, den Pflanzenbestand zu zerstören, gedeihen Wiesenflockenblume, Euphorbien, Oregano, Habichtskräuter, Spornblume, Kleine Schlüsselblume etc. immer besser. Eine Mahd im Frühjahr reicht als Pflege.

Säume an der Bibliothek auf Seiten der Ahna I und II

Während der Renovierungsarbeiten in der Bibliothek wurde nach Fertigstellung des ersten Bauabschnitts im Herbst 2018 eine Ansaat mit im Umland und auf dem Campus gesammelten Saatgut vorgenommen. Dazu wurden nach dem Abbau der Baustelleneinrichtung auf dem vorhandenen fassadenseitigen Kalkschotterstreifen Müll und insbesondere Glasscherben entfernt, während der Bauphase spontan gekommene Gehölze ausgegraben und der Streifen mit einer neuen dünnen Kalkschotterschicht abgedeckt, um Unebenheiten auszugleichen. Insbesondere Centhrantus ruber hatte die starke Störung überlebt und trieb neu aus. Auch keimten Arten aus der Samenbank. Ansonsten wurde nachgesät und wenige Stauden gepflanzt, wie Iris pallida. An markanten Punkten wurde zudem Achnatherum calamagrostis gepflanzt, das sich sehr gut entwickelte und zusammen mit Verbascum nigrum den Winteraspekt prägt. Von benachbarten Rändern wanderte Centaurea stoebe ein und trotz des kalkigen Substrats kam spontan Salvia glutinosa. Er bildet nicht nur große klare Blätter aus, sondern bietet im Spätsommer zusammen mit Oregano noch Blütenaspekte. Der Bestand wird im Frühjahr einmal gemäht.

Der mit Beendigung des zweiten Bauabschnitts freiwerdende Streifen wurde im Frühjahr 2021 ähnlich bearbeitet. Auch hier trieben viele vorhandene Arten wieder aus (vor allem Centhrantus ruber und Campanula rapunculoides) bzw. kamen aus der Samenbank. Es wurde initial gepflanzt, wie z. B. Genista tinctoria, der andernorts auf dem Campus spontan gekommen und dann getopft worden war und vor allem Kahlstellen mit im Umland von Kassel gewonnenem Saatgut angesät.


Kunst­hoch­schu­le Kas­sel

Vom Saum zur partiellen Hecke: Pflanzung an der HBK

Die Böschung am Parkplatz des ‚Hochhauses‘ der HBK war früher mit einer uneinheitlich geschnittenen Ligusterhecke und Spiraea 'Little Princess' bestanden. Die Liguster wurden entfernt und die Lücken mit sonnenliebenden Stauden und Halbsträuchern bepflanzt. Mit der Sanierung der Fassade östlich des Parkplatzes ergab sich die Möglichkeit, Stauden zu pflanzen. Hier kamen vor allem lang blühender Polygonum amplexicaule und Telekia speciosa zum Einsatz, letztere gewonnen im Bergpark, wo sie als Stinzenpflanze weit verbreitet ist. Diese Hauptarten wurden dann noch ergänzt mit Aster salignus für den Herbstaspekt, Symphytum caucasicum und anderen Arten. An der Böschung expandiert vor allem Salvia nemorosa stark in die Pflasterfugen des Parkplatzes und bildet hier einen Saum aus, der von den Fahrzeugen begrenzt wird.

Die Pflanzung bereitet zahlreiche Probleme: An der Fassade wurde bei der Sanierung ein rhizomhaltiger Oberboden eingebaut. Hier wachsen Winde und Brennnessel, die sich jedoch im Rahmen halten. An der Böschung haben nicht nur zeitweilig Wühlmäuse gewütet, was zu Versuchen des Anbaus aromatischer Stauden führte, sondern sie wird auch von Parkenden und Besuchern der HBK gequert und als Hundeklo genutzt. Im Winter ist die Fläche dick mit Laub bedeckt, sodass es sich um einen trockenen aber sehr nährstoffreichen Standort handelt. In den durch die Störung entstandenen Lücken wächst daher z. B. neben Windenknöterich sehr schnell Gänsefuß sehr hoch auf. Daher entwickeln wir derzeit durch Nachpflanzung eine stachelige blütenreiche Hecke aus weitgehend heimischen Arten, teils in Zierformen. Sie soll die Lücken schließen und zu hohen Krautwuchs unterdrücken: Rosa spinossisima 'Stanwell Perpetual', Rosa glauca, Rosa rubiginosa, Crataegus laevigatus 'Alba Plena', Berberis vulgaris und Amelanchier ovalis. In den derzeitigen Lücken der Hecke kommen noch große Kugeldisteln und Iris pallida. Der langsam zurückgehende Gänsefuß wird weitgehend toleriert, wenn er nicht auf den Gehweg hängt, weil er langfristig verschwinden wird und Spatzen aber seine Samen lieben. Bislang ist ein spontaner Acer campestre zu einem kleinen Baum herangezogen worden. Auf einem Beet an einem Transformatorenkasten bei einer alten und alle paar Jahre wieder auf Stock gesetzte Buddeleia davidii 'Nanho Blue' steht ein aus Samen gezogener Blauglockenbaum, der gut zu der modernen Zweckarchitektur des Hochhauses passt.


ZUB

Buntes Mosaik: ZUB

Der brachliegende und durch Arten aus der Zeit von Wolfram Kunick geprägte Außenraum des ZUB wurde vom FG Landschaftsarchitektur und Technik als Experimenttierfläche u. a. für studentische Workshops verwendet und dazu umgestaltet. Die Fläche wurde dann mit einem Landschaftsrasen angesät, was im Laufe der Zeit zu einer sehr unansehnlichen Lolium perenne-Dominanz führte. Da sich in der Nähe unser Folientunnel mit seinen Ausstellflächen befand, tauchten im vernachlässigten Rasen zunehmend Sämlinge thermophiler Säume (z. B. Silene vulgaris, Origanum vulgare, Galium verum,  Centaurea jacea) aber auch Wiesen- und Steppensalbei auf. Wir begannen daher ab 2013 damit, die Fläche im Spätsommer mit der Sense zu mähen und arbeiteten dadurch die genannten Arten heraus, während Lolium langsam verschwand. Immer wieder wurde die Fläche durch verschiedene Baumaßnahmen gestört, was vor allem im östlichen Bereich zu einem stark mosaikhaften und heterogenen Charakter führte. Das Substrat ist zudem in Teilen sehr schotter- und bauschuttdurchsetzt. Dieser Charakter wurde auch dadurch verstärkt, dass wir immer wieder mit dem jeweils gerade vorhandenen Saatgut nachsäten. Flecken mit Natternkopf standen so unmittelbar neben Teilflächen mit Glatthafer und Wiesensalbei. In diesem ältesten Teil stabilisiert sich die Entwicklung in Richtung einer trockenen aber nährstoffreichen Glatthaferwiese mit den üblichen Wiesenblumen.

Es wird daher künftig zu entscheiden sein, ob der Mähzeitpunkt weiterhin im Spätsommer liegt (nach der Oregano-Blüte) oder ob er nach vorne verschoben wird. Dies würde dann den Übergang von einer einmal zu mähenden Saumgesellschaft zu einer zweischürigen Wiese bedeuten und wird sich voraussichtlich danach richten, dass Arbeitsspitzen bei den Mahdgängen entschärft werden. In die Fläche wurden von dem mit der Gestaltung des Nordcampus beauftragten Landschaftsarchitekten leider drei Prunus serrulata 'Kanzan' und ein Acer platanoides 'Faassen's Black' gepflanzt, Gehölze, die das FG niemals verwenden würde. Die Kirschen sind mit ihren kitschigen dicht gefüllten rosa Blüten steril, der Blutahorn wirkt sehr finster. Weitere spontane Gehölze werden momentan geduldet, um irgendwann einmal zu entscheiden, welches zu einem weiteren Baum auswachsen oder als Strauch zyklisch immer wieder auf Stock gesetzt werden soll.

Im westlichen und weitgehend ungestörten Teil der Fläche wurde die Etablierung einer urbanen Hochstaudenflur mit Rainfarn und Goldrute toleriert, die von Schnitthecken aus Rotbuche und Kornelkirsche segmentweise gegliedert wird. Hier haben sich u. a. wilder Phlox und Breitblättrige Platterbse zusätzlich etabliert, die diesem Teil der Fläche einen farbenfrohen und ganz eigenen Charakter geben. Er wird immer im zeitigen Frühjahr, spätesten im Februar gemäht.


Beet am Ho­P­la und Tur­bi­nen­beet

Ehemaliger Rasen mit Bäumen I: Pflanzung Holländischer Platz

Diese Pflanzung in einem ‚halben‘, d. h. auf einer Seite im Boden verschwindenden Hochbeet wurde wie der Bibliothekssaum 2008 angelegt. Dazu wurde Rasen abgeschält, der vorhandene Oberboden gelockert und insbesondere nach Löwenzahnwurzeln durchsucht. Für das Frühjahr wurden dann unter eine neugepflanzte Sophora verschiedene Narzissen (February Gold, Peeping Tom, Dichternarzissen) sowie Anemone blanda  gepflanzt. Diesen folgt dann Allium aflatunense 'Purple Sensation'. Direkt auf den Wurzelballen kam genügsames Geranium macrorrhizum 'Spessart' und in den Baumschatten Anemone tomentosa 'Robustissima'. Dominiert wird die Pflanzung von trockenresistenter Centranthus ruber 'Albus', die sich stark versät hat, im Frühsommer mit der Blüte beginnt und nach einer Pause bis in den Herbst remontiert. Ziergräser wie Calamagrostis 'Karl Foerster' und Stipa gigantea sind mittlerweile – auch hier wird nicht gedüngt und gewässert – fast vollständig ausgefallen, Halbsträucher wie Salvia lavandulifolia auf der Beeteinfassung vergreisen langsam. Bedeckt ist die Fläche mit 5-7 cm Edelquarzit und wird immer wieder durch Tritt oder Graseinwehungen gestört. Spontane Bromus sterilis keimt regelmäßig, fügt sich aber gut ein. Zunehmend breitet sich auch spontan gekommene Coronilla varia aus, die als Leguminose den Standort eutrophieren kann. Bislang passt sie aber gut zur Spornblume. Diese Pflanzung benötigt äußerst wenig Pflege, eine Mahd im Frühjahr vor dem Austreiben der Geophyten reicht. Gegenüber befindet sich an der Fassade des K10 noch ein schmaler Saum vor allem mit Euphorbia characias ssp. Wulfenii und weißen Spornblumen.

 

Ehemaliger Rasen mit Bäumen II: Pflanzung Turbinenbeet

Diese Pflanzung befindet sich in unmittelbarer Nähe zum Bibliothekssaum, hat aber eine ganz eigene Geschichte. In dem mit Granit eingefassten Hochbeet standen ursprünglich auf Rasen drei Gleditsien. Diese wurden von Unbekannten geringelt – Vandalismus gegenüber den Bäumen auf dem Universtätsgelände kommt immer wieder vor. Eine Gleditsie überlebte den Anschlag, die anderen wurden gefällt. Danach wurde 2013 die Rasennarbe entfernt und verschiedene robuste Stauden gepflanzt (z. B. Iris sambucina, diverse Astern, an den Kanten aus alten Mauern stammendes Cerastium tomentosum und Euphorbia cyparissias). Um die Turbine herum wurde Salvia officinalis 'Major' gepflanzt, der zwar frostempfindlich ist, sich nach dem Frühjahr aber immer wieder erholt und ein guter Bodendecker ist. Im Frühjahr blühen Abkömmlinge der Narzissen vom Holländischen Platz. Eine andernorts übrig gebliebene Rosa glauca wurde ebenso gepflanzt wie später noch jener Cotoneaster tomentosus. Nach der Pflanzung wurde das Beet mit Granitsplitt abgedeckt.

Von seiner Eigendynamik her entwickelt sich das Beet sehr gut. Wolfsmilch und Hornkraut wachsen von außen zwischen die anderen Stauden und bedecken den Boden. Ein Schnitt vor dem Austrieb der Geophyten reicht. Euphorbia cyparissias scheint im Schatten und Wurzelbereich der Gleditsie besser zu überstehen als im offenen Streifen an der Bibliothek.


Prä­si­di­um der Uni­versität Kas­sel

Ebenfalls 2014 wurde die westorientierte und von Gebäuden und Platanen beschattete Fläche hinter dem Seitengebäude des Präsidiums, für die der ursprüngliche Entwurf der Landschaftsarchitektin eine Rasenansaat, durchsetzt mit Heckensegmenten, vorsah, allernativ mit einer Staudenpflanzung konzipiert. Teile davon wurden mit Kalkschotter mit Feinanteil abgedeckt. Neben einer Teilfläche mit ursprünglich nur weiß blühenden Stauden gibt es einen von Vinca major und einer männlichen Form von gleichfalls groß blühenden Fragaria moschata dominierten Heckensaum sowie eine größere und frische, nicht abgedeckte Teilfläche mit Telekia speciosa, Carex pendula, Symphytum caucasicum, Euphorbia palustris, Aster salignus, in trockenen Bereichen Melica ciliata. Diese Arten samen sich stark aus oder bilden Wurzelausläufer, könne sich hier aber austoben und dennoch blüht im Frühjahr z. B. auch Primula elatior, die später überwachsen, aber nicht verdrängt wird. Spontan gekommene Schmetterlingsflieder wurden geduldet und im Frühjahr immer wieder mit heruntergeschnitten. Zweimal wurden auch die Böschungsgehölze in Richtung Mensa auf Stock gesetzt, um eine Blickverbindung zum tiefer gelegenen Campus herzustellen, gleichzeitig die Brombeeren zurückzudrängen, um dadurch mehr Räumlichkeit zu schaffen. Ob die Hochschulgärtnerinnen, auf die die Pflege 2020 übergegangen ist, dies weiter aufrechterhalten wird, wird sich noch zeigen.

Leider wurde auch hier rhizomhaltiger Oberboden eingebaut, sodass insbesondere In Teilbereichen die Quecke nicht zu vertreiben ist. Von den Heckenrändern dringen immer wieder Brombeeren vor.


An­saa­ten in So­lin­gen

Straßenräume in Solingen

2012 wurden erstmals am Pipersberg am Rand von Solingen Ansaaten mit heimischem Saatgut durchgeführt. Auf fremde Stauden wurde verzichtet, weil sich in unmittelbarer Nachbarschaft ein Grünzug mit Anschluss an die Landschaft befindet. Später wurde noch im Stadtzentrum eine Straßenkreuzung mit salztoleranten Stauden angelegt. Die Ansaat hat sich sehr rasch gut entwickelt, einige lokale Arten wie Besenginster traten in ihr spontan auf und werden mit abgemäht. Entgegen aller anderen Projekte waren hier keine Studierenden miteingebunden. Die Pflege wurde von Beginn an von den Technischen Betrieben Solingen übernommen.


Frie­dens­kir­che Kas­sel

Die Coronapflanzung: Vorplatz Friedenskirche

Zwei Beete auf dem Vorplatz der Kirche im Vorderen Westen, die von einigen einigermaßen runden Kugelbuchsen und Rasen bestanden waren, sollten artenreicher und bunter gestaltet werden. Der Rasen war wohl Ergebnis einer ‚Blumenwiesenansaat‘, die dann aber regelmäßig gemäht wurde, sodass nur Beinwell, Wegwarte und Rasen überlebt hatte. Wir schälten im Frühjahr 2020 den Rasen ab, lockerten den Oberboden und bepflanzten ihn mit Studierenden aus dem Modul „Vertiefung Pflanzenverwendung“  sparsam mit Stauden aus unseren Vorräten, denn die Abfuhr von Oberboden und seine letztendliche Deponierung betrachten wir als nicht nachhaltig. Nach der Pflanzung wurden die Stauden mit 5-7 cm Kalkschotter mit Nullanteil abgedeckt. Auf den Schotter wurde dann noch eine Ansaat mit den Hauptarten Kalifornischer Goldmohn, Klatschmohn, Ackerrittersporn sowie ausdauerndem Lein vorgenommen. 2020 waren die Flächen von den annuellen Arten geprägt. 2021 übernahm dann von Linum perenne, über dem die Blütenköpfe von violettem Kugellauch schweben, nachdem die Osterglocken geblüht haben. Ab dem dritten Jahr werden die Stauden voll etabliert sein. Dies beginnt mit kurzlebigen Stauden, wie Akelei und Spornblume, die nur mit wenigen Exemplaren initial gepflanzt wurden, aber auch die Färberkamille macht sich bemerkbar, die in Kassel dauerhafter ist. Derartige Arten mit hoher Samenproduktion sollen schnell die Flächen dominieren, bis sie dann von den älter werdenden Stauden abgelöst und nur noch in den durch Trockenheit oder andere Vorfälle verursachten Lücken im Bestand wieder keinem können.

Im ‚Rücken‘ der Pflanzung wurde zudem in Verlängerung einer Sandsteinmauer eine Weißdornhecke aus Sämlingen angelegt, die künftig in Höhe der Maueroberkante geschnitten werden und als niedriges formales Element die auf der angrenzenden Elfbuchenstr. parkenden Autos zwar nicht kaschieren aber doch optisch einbinden soll. Gleichzeitig hat die Hecke den praktischen Sinn das Abkürzen über die Fläche auf dem Weg zur Straßenbahn zu verhindern und die Zuordnung des Vorhofs zur Kirche deutlich zu machen; daher die Wahl des kostengünstigen, trockenheitsverträglichen, dornigen sowie schnittverträglichen Weißdorns. Die möglichst eigendynamische und dadurch ‚lebendige‘ Entwicklung der krautigen Vegetation wird so mit schlichten formalen Elementen (Kugel, Heckenband) kontrastiert, die auf Dauerhaftigkeit angelegt sind. Die Pflanzung und Ansaat entwickelt sich sehr gut und ist schon mehrmals in der HNA als Hoffnungszeichen in der Coronakrise erwähnt worden.


Vor­platz Stu­die­ren­den­haus

Urban Gardening: Vorplatz Studierendenhaus

Für den Vorplatz der sanierten Kopfbauten mit Sitz des ASTAs wurde ebenfalls im Modul „Vertiefung Pflanzenverwendung“ in enger Kooperation mit dem ASTA sowie der Bauabteilung ab 2018 ein Entwurf ausgearbeitet. Dieser sieht die Ansiedelung des bislang am Leo liegenden Campusgartens vor, der unter einem lichten Hain von im Frühjahr 2021 gepflanzten Robinien weiter betrieben werden soll. Zudem soll ein Biergarten am Science Park entstehen. An der Rampe zwischen Kopfbauten und Science Park wurde gleich zu Beginn 2018 eine Mahdgutübertragung vorgenommen. Das Material stammte von einer alten, aus den 1980er Jahren stammenden Fläche am Schlüsseldepot, die im Sommer von Karthäusernelke und Wiesensalbei geprägt ist. Diese Fläche entwickelt sich äußerst artenreich, derzeit keimen aber ganz andere Arten.


Bo­ta­ni­scher Gar­ten Kas­sel

Wildbienenrefugium: Stampflehmmauer im Alten Botanischen Garten

2018 erfolgte im Rahmen des Moduls „Vertiefung Pflanzenverwendung“ der Bau einer Stampflehmmauer und zwei stirn- und rückseitige Ansaaten. Die Studierenden wollten damit ein Beispiel verwirklichen, wie man Wildbienen im Hausgarten ansiedeln kann. Für die Saaten wurden zwei unterschiedliche Materialien und Ansaatmischungen verwendet. Mittlerweile entwickeln sich nach dem Anuellen- und Biennenstadium die länger lebenden Stauden, jedoch sind die Flächen im Frühjahr 2021 leider stark beschädigt worden. Auch die Lehmmauer neigt sich, wobei eine Entscheidung über das weitere Vorgehen noch aussteht. Sollte sie umfallen, könnte dies den Wildbienen egal sein, es entstünde ein mit den Abdecksteinen durchsetzter Lehmhaufen, der von den Wildkräutern erobert würde und der hervorragend für die Anlage ihrer Nester geeignet wäre.


Ja­cob-Grimm-Schu­le Kas­sel

Lehrstücke: Ansaaten an der Jacob-Grimm-Schule in Kassel

2020 begann eine Kooperation mit einer Biologie-Lehrerin der JGS. Die Oberstufen-Schüler*innen sollten nicht nur Gelegenheit bekommen, ihren Schulhof mitzugestaltens, sondern es sollte auch ein Beobachtungs- und Lernort geschaffen werden, an dem ökologische Vorgänge über die Jahre von den nachfolgenden Generationen beobachtet und verstanden werden sollten. Beteiligt waren auch Studierende des Master-Vertiefungsmoduls Pflanzenverwendung, die den Schüler*innen den Aufbau und die Mischung der Arten erklären sollten. Um Unterschiede von Wachstum und Entwicklung sichtbar zu machen wurden zwei verschiedene Mischungen (eine von Studierenden, eine von den Schüler*innen) auf den zwei unterschiedlich belichteten Seiten eines straßennahen Gebäudes auf Kalkschotter ausgebracht. Der vorhandene Rasen wurde gemeinsam abgeschält und ca. 5 cm stark mit dem Schotter bedeckt. Zu den vermittelten Inhalten zählte auch das Wissen, dass die Dauerhaftigkeit des Bestandes von der Dauerhaftigkeit der beteiligten Arten abhängt, d. h. neben Ein- und Zweijährigen (Goldmohn, Klatschmohn, Kornblume, Saatlein, Orlaya, Natternkopf) für den spektakuläreren Start wurden vor allem auch Stauden ausgebracht. Zusätzlich wurde vorübergehend eine zwar abgeschälte, sonst aber unbehandelte kleinere Referenzfläche eingerichtet.

Die Vegetationsentwicklung wird inzwischen regelmäßig von Schüler*innen und von Seiten des Fachgebiets dokumentiert.


Spa­lier-Lin­den Uni Kas­sel

Auf dem alten Mensavorplatz standen ca. 17 in den 1980er Jahren gepflanzte Linden. Sie sollten sich eigentlich, abgesehen von einem Lichtraumprofil, weitestgehend „frei“ entwickeln, wurden aber zu dicht an die Fassade gepflanzt. Es handelte sich letztlich um einen vermeidbaren Planungsfehler. Damit sie nicht zu groß wurden, wurden sie Anfang der 2000er Jahre gekappt und dann wieder vergessen. Es bildeten sich durch Neuaustriebe Quirle, sodass die Bäume nicht gerade „schön“ aussahen. Zugleich aber boten sie eine mögliche Problemlösung an, nämlich sie zu sogenannten Schneitelbäumen oder Kopflinden zu formen.

Hierfür gibt es alte Vorbilder, denn Kopfbaumschnitt ist eine alte landwirtschaftliche Technik, die mindestens seit der Antike dazu diente, Laubfutter und -streu oder Weidenruten zum Flechten durch das Abschlagen der Äste zu gewinnen. Da dies regelmäßig wiederholt wurde, bildeten sich „am Holz“ Verdickungen aus, die besonders viele „schlafende Augen“, d. h. Adventivknospen enthielten. Daher wurden bei den Mensalinden von uns zusammen mit Studierenden ab 2009 die Starkäste bis zu einer bestimmten Länge eingekürzt. Die nun notwendige Pflege, nämlich das Zurückschneiden der sich zahlreich entwickelnden Jungtriebe, musste ab diesem Zeitpunkt regelmäßig wiederholt werden, sei es nach einem, zwei, drei oder sieben Jahren. Da die Feuerwehr Bewegungsraum benötigte, wurden die Linden schließlich in eine Spalierform weiterentwickelt, welche sich nach der Wegeführung richtet, sodass weder Probleme mit dem Fassadenabstand noch mit der Durchfahrt zu erwarten waren (jährlichen Schnitt vorausgesetzt). Anfänglich mussten mühsam gerüstbildende Triebe in die richtige Richtung gezogen werden, wenn nicht schon ein Ast vorhanden war. Gleichzeitig wurden die Linden so in der Höhe begrenzt. Auf diese Art und Weise bildeten sich im Laufe der nächsten Sommer grüne Wände aus.

Die Arbeit hat sich gelohnt. Linden sind so regenerationsfähig, dass sie auch diesen starken Eingriff überstanden und die teilweise großen Schnittstellen überwachsen haben. In den Astquirlen der nach der Neugestaltung des Platzes letzten drei verbliebenen Linden nisten häufig Vögel, meist allerdings weniger anspruchsvolle Arten wie Amseln oder Ringeltauben.


In­sel Main­au

Staudengarten Insel Mainau

2010 erfolgte in Kooperation mit der Gesellschaft der Staudenfreunde die Pflanzung des neuen Staudengartens auf der Insel Mainau mit über 3000 qm Beetfläche. Der räumliche Entwurf (Wegeführung und -anbindung, Plätze unterschiedlicher Ordnung, Beeteinteilung, Heckenführung) stammt von Stefan Körner, die Bepflanzung wurde von der damaligen FG-Gärtnerin Nina Busse in Abstimmung mit Stefan Körner konzipiert. Großer Wert wurde auf das räumliche Konzept gelegt, was die Bepflanzung schon vorhandener Beete ausschloss. Die Unterhaltung der Anlage sieht eine intensive gärtnerische Pflege vor, die nicht zu den Grundsätzen und Interessen des FGs passte. Das Projekt wurde daher nicht weiterverfolgt.


An­saa­ten Haupt­fried­hof Kas­sel

Zwischen 2009 und 2010 wurden auf dem Hauptfriedhof Kassel verschiedene nitrophile Säume sowie unter Birken und in lichten Baumbereichen Blumenwiesen z. T. kombiniert mit in Kassel bewährten Gartenpflanzen (z. B. Centaurea montana) angesät. Gerade die wenig produktiven Flächen unter Birken sind bis heute erhalten. Die Blumenwiese im lichten Baumbestand entwickelte sich hingegen aufgrund der Nährstoffmobilisierung durch den Bodenumbruch sehr mastig, was durch kippende Pflanzen gerade nach Regen auch schnell unordentlich wirkte, sodass die Friedhofsgärtner die Wiese immer mehr auf kleine Inseln reduzierten. Gestalterisch war dies leider sehr unbefriedigend.


Goe­the-Bou­le­vard

In Abstimmung mit dem Ortsbeirat Vorderer Westen und dem Gartenamt wurde zusammen mit Greenpeace 2019 die bestehenden, mit einer niedrigen Einfassung versehenen Baumscheiben angesät. Die Anwohnerschaft wollte sich vor allem beim Gießen der Flächen in der Etablierungsphase engagieren, da die Baumscheiben von den darauf stehenden Linden sehr stark durchwurzelt sind. Die Samen keimten im Frühjahr 2020 befriedigend aus, jedoch wurde leider das Wässern unterlassen. Daher wurden im selben Jahr noch weitere Arten ausgesät, nämlich Leguminosen (Wundklee, Hornklee und Esparsette). Insbesondere die Esparsette entwickelte sich sehr gut, wobei das Frühjahr 2021 auch verhältnismäßig feucht war. Mitunter sind Margeriten, Wegwarte und andere Arten zu sehen, sodass davon auszugehen ist, dass sich die Baumscheiben langsam entwickeln werden.


Wohn­heim Hol­län­di­scher Platz

Pflanzung am Wohnheim Holländischer Platz

Diese Pflanzung erfolgte auf den Wunsch des Studentenwerks. Die mit Maschendrahtzaun abgehängten Laubengänge wurden 2015 in weiten Abständen mit verschiedenen Wild-Clematis bepflanzt, davor wurde ein schmaler nach Westen gerichteter und lange im Gebäudeschatten liegender Saum mit diversen, vorwiegend weiß blühenden Stauden angelegt. (u. a. Cimicifuga, weiße Bergflockenblume aber auch große Schlüsselblume) und die Fläche mit Basaltschotter abgedeckt. Die Pflanzung entwickelte sich sehr gut und ist mit sehr beschränkter Pflege (Schnitt der abgestorbenen Pflanzenteile im Frühjahr) weitgehend stabil. Die Clematis starben hingegen bald nach der Pflanzung bis auf eine Clematis montana ab. Nachforschungen ergaben, dass sie unter der Schotterschicht abgeschnitten wurden, was daher zunächst nicht auffiel. Die letzte verbliebene Clematis bedeckt lockerwüchsig eine größere Fläche des Gitters.