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Über das Fach­ge­biet

Blühende Rosen an Weihnachten wie z. B. im Winter 2019 waren noch vor nicht allzu langer Zeit undenkbar, ebenso wenig wie Feigen in Nordhessen oder verwildernder Lavendel auf Trockenrasen im Umland von Kassel. Die einen betrachten derartige Neophythen misstrauisch, die anderen begrüßen die sich mit ihnen ergebenden neuen Möglichkeiten, doch fordert der Klimawandel unstrittig seinen Tribut und damit auch neue Konzepte. Wälder sterben flächig ab und in den ohnehin schon wärmeren und hochversiegelten Städten ist die Situation für die Vegetation noch viel angespannter. Hinzu kommt ein dramatischer Rückgang des Insekten- und Vogelbestandes, der dazu führt, dass die überwiegend ästhetisch geprägte Pflanzenverwendung der letzten Jahrzehnte mit exotischen Zierarten und -sorten, wie z. B. in der Präriegartenbewegung, überdacht werden muss. Dadurch steht die ökologisch orientierte Naturgartenbewegung der 1980er Jahre, die von dieser Form von Pflanzenverwendung verdrängt worden war, erneut zu Debatte.


Die Naturgartenbewegung hat im Grundsatz Gärten und städtische Freiräume als kleine Naturschutzgebiete betrachtet. In ihnen finden aber, wie auch in Landschaftsräumen, Nutzungen statt. Diese sind in den Städten besonders divers, was zu einer baulich geprägten Strukturvielfalt mit hohen Randeffekten und damit hoher Artenvielfalt geführt hat. Diese Vielfalt ist in den Städten mittlerweile viel höher als auf dem für die industrielle Landwirtschaft ausgeräumten und überdüngten Land, sodass immer mehr Arten in die Stadtgebiete einwandern, selbst solch spektakuläre wie Wanderfalke, Uhu, Seeadler und Biber. Jedoch ergibt sich bei den für die Ökosysteme viel wichtigeren Insekten und den von ihnen vor allem bei der Jungenaufzucht abhängigen, früher oft trivialen Vogelarten ein gegenläufiges Bild.


Am Fachgebiet erforschen und testen wir daher verschiedene Ansätze der Pflanzenverwendung in freiraumplanerischen, gartendenkmalpflegerischen und stadtökologischen Kontexten und dies nicht nur mit Zier-, sondern auch mit robusten lokalen Wildpflanzen, die nicht nur bunt blühen, sondern auch als Nahrungsgrundlage für Vögel und Insekten dienen. Wir betrachten die Stadt als vielfältigen Ort von Natur- und Nutzungsmöglichkeiten, dessen Potential noch stärker als bislang entwickelt werden könnte. Denn in der Realität besteht heute die übliche Pflanzenverwendung, neben wenigen ästhetisch anspruchsvollen Anlagen, vor allem aus Baumpflanzungen – hier hat sich seit den 1980er Jahren auch unter Einfluss der Naturgartenbewegung sehr viel getan –, Pflanzung von Sträuchern, die häufig falsch gepflegt werden („Hausmeisterschnitt“) und Rasenanlagen, die zu Dumpingpreisen von Privatfirmen heruntergemäht werden (Mulchmahd) und dann monotone und artenarme Bestände ausbilden.


Wir beschäftigen uns aber auch immer wieder mit der Landschaft (z. B. mit dem Umgang mit Streuobst und Wildobstbeständen) und mit ländlichen Gärten und Freiräumen. Die Grundlage in allen Fällen bilden meist vegetationskundliche Analysen der spontanen, d. h. wilden Vegetation als Indikator der Standortbedingungen und Nutzungen, auf denen aufbauend geplant wird. Dabei werden praktische und theoretische Kenntnisse vermittelt, um zu sozial angepassten und vielfältigen sowie langfristig haltbaren und mit vertretbarem Aufwand pflegbaren, „nachhaltigen“ Konzepten zu kommen. Obwohl wir intensiv über eine naturnahe und nutzungsoffene Pflanzenverwendung nachdenken, werden aber auch „ganz normale“ Pflanzplanungen, wie man sie in der Praxis auch benötigt, gelehrt.


Bei den Projekten handelt es sich zwar oft um Planspiele, häufig aber werden diese auch mit verschiedenen Partnern erprobt und konkret „gebaut“ (z. B. Campus Uni Kassel, Städte Kassel und Solingen, Naturerbezentrum Prora auf Rügen, Dorf Altenhasungen im Umland von Kassel). Das nötige praktische und theoretische Hintergrundwissen wird in Projekten und Seminaren vermittelt, die die Geschichte und die Konzepte der Pflanzenverwendung und Landschaftsgestaltung, von Naturschutz und Freiraumplanung sowie Einblicke in die gängigen Regelwerke, Techniken der Pflanzplanung, Arten- und Sortenkenntnis sowie Pflegepraxen umfassen. Gegenüber Fachhochschulen werden nicht einfach „Rezepte“ gelehrt, sondern es wird versucht, jeden Studierenden beim Finden seines eigenen Weges zu unterstützen, der nach Möglichkeit dabei selbst zu einem „kleinen“ Forscher werden soll. Externe Lehrbeauftragte im Bereich des Managements im Landschaftsbau ergänzen das Angebot.

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