Nach­rich­ten aus den Frei­räu­men


Fe­bru­ar 2022

Am 23.02.2022 sah ich den ersten Zitronenfalter am Wildstaudensaum der Ahna-Parkplätze. Es war ein gerade aus dem Winterschlaf erwachtes gelbes Männchen, das zwischen den trockenen Stauden umhergauckelte. Wahrscheinlich, man müsste einmal nachschauen, findet sich in der dichten Hecke am Ahnaufer Kreuzdorn (Rhamnus cathartica), die Futterpflanze seiner Raupen. Dass dort Faulbaum (Rhamnus frangula) vorkommt, die zweite Futterpflanze, ist eher unwahrscheinlich.

Der Kreuzdorn kommt in alten Feldhecken vor und das dürfte auch der Grund sein, weshalb man den Zitronenfalter nicht mehr so viel sieht. Als Zierpflanze ist dieser Strauch mit seinen grünlichen kleinen Blüten völlig unattraktiv. Auch eine Herbstfärbung gibt es nicht und allenfalls die schwarzen Beeren fallen auf. Da er wenig ziert, kommt er in Gärten nahezu nicht vor, vielleicht als Unterholz in Landschaftsparks. Aber auch Feldhecken sind ja immer weniger geworden.

Häufiger findet sich im Kasseler Umland der Faulbaum und zwar auf Standorten, die für ihn gerade nicht typisch sind. Er liebt frische saure Böden, gerne auch im Schatten. Ich kenne aber mehrere Standorte auf sonnigen, wasserarmen und kalkreichen Trockenrasen. Auch der Faulbaum hat unscheinbare Blüten, schwarze Beeren und allenfalls eine gelbliche Herbstfärbung. Seine Blüten werden intensiv von Insekten aufgesucht, die mit kleinen weißen Lentizellen übersäte Rinde ist auch ganz hübsch, sein wichtigster Nutzen war früher aber wohl, dass er zum Herstellen von Schwarzpulver genutzt wurde, daher auch der Name Pulverholz. Im Gegensatz zum Kreuzdorn gibt es von ihm säulenförmige oder schlitzblättrige Zierformen, z. B. 'Fine Line' oder 'Asplenifolia', die aber selten verwendet werden.

Ich bilde mir ein, der Zitronenfalter sei früher weit häufiger gewesen. Er gehörte neben den Blumenzwiebeln und dem Vogelgesang zu den ersten Frühlingsboten im Garten. Und weil er so schön ist, sollte man, wenn man kann, immer mal wieder eine seiner Futtersträucher in Hecken oder in Unterpflanzungen einstreuen.

 

Text: Prof. Dr.-Ing. Stefan Körner


März 2022

Im März beginnt es in unseren Freiräumen zu blühen. Damit meine ich nicht die üblichen Vorfrühlingsblüher wie Schneeglöckchen, Krokusse etc. und auch nicht die Narzissen oder Osterglocken, die am Holländischen Platz zusammen mit der blaublühenden Anemone blanda auf der großen Baumscheibe unter der Sophora stehen (die Sorte February Gold blüht schon, wie der Name sagt, sehr früh), sondern Huflattich als die erste Wildpflanze (Tussilago farfara). Er ist ein Rohbodenbesiedler, der auf unseren Schottersubstraten z. B. im Brachepark oder am ZUB kommt, denn er liebt offene, warme und lockere Böden. Daher findet man ihn auch an Bahndämmen, in Steinbrüchen oder auf Baustellen. Seine natürlichen Standorte sind aber wohl die sehr selten gewordenen Kiesbänke unregulierter Flüsse. In den lockeren Substraten verbreitet er sich mit unterirdischen Ausläufern sehr weit streichend, verschwindet aber schnell wieder, wenn sich die Vegetationsdecke mit anderen Pflanzen schließt und nicht durch Störungen wieder zurückgedrängt wird, also durch Überflutungen oder ersatzweise z. B. durch Baumaschinen. Der Huflattich blüht zuerst und dann, wenn er ‚Pusteblumen‘ ausbildet, kommen die großen graugrünen Blätter.

Eine andere ‚halbwilde‘ Art ist Euphorbia characias subsp. Wulfenii, Wulfens Wolfsmilch oder Mittelmeerwolfsmilch. Unsere Pflanzen gehen auf einige wenige zurück, die wir aus der ehemaligen Staudengärtnerei Klose bezogen haben und die sich immer weiter ausgesät hat. Im Mittelmeer wächst sie wild in Macchien, auf Brachen und in Gebirgsfluren und wird hier vom Weidevieh verschont, weil sie giftig ist. Aufgrund ihrer Herkunft ist sie nicht ganz frosthart und wurde in der Anfangszeit immer wieder stark reduziert, doch sind mittlerweile die Winter milder geworden. Vielleicht hat es in den letzten 15 Jahren auch eine Selektion hin zu frosthärteren Pflanzen geben. Im Winter 2019/2020 froren aber die Pflanzen stark zurück, regenerierten sich jedoch wieder reichlich aus den Wurzelstöcken und der Samenbank. Die Pflanze blüht von März bis in den Sommer, dann färben sich die Blüten braun und können herausgeschnitten werden. Da es sich um einen wintergrünen Halbstrauch handelt, sieht das blaugrüne Laub auch im Winter gut aus, besonders, wenn Regentropfen an den Blatträndern hängen.

Nach einer Staude (Huflattich) und Mittelmeerwolfsmilch (Halbstrauch) ist derzeit noch die Blüte eines richtigen Strauches oder kleinen Baumes bemerkenswert: Auf der Böschung der Parkplätze an der Färberei steht eine männliche Salweide (Salix caprea), die derzeit intensiv von pollensammelnden Wildbienen aufgesucht wird. Auch für Schmetterlingsraupen sind Salweiden wichtig. Sie sind mit Birken die ersten Gehölze, die wild auf Waldschlägen aufkommen und sich auch auf den Parkplätzen sofort angesät haben. Salix caprea ist mit ihrer graugrünen Rinde und ihren groben, runzeligen Blättern nicht übermäßig attraktiv, die weiblichen Pflanzen – die Art ist zweihäusig, es gibt also männliche und weibliche Exemplare – haben zudem nur schmutzig grüne Kätzchen, die Nektar bieten. Die männlichen Exemplare haben hingegen große gelbe Kätzchen, die sowohl mit Pollen und Nektar aufwarten. Die Art wächst als Pionierpflanze schnell, wird deshalb auch nicht sonderlich alt, bildet dann aber knorrige kleine ein- bis mehrstämmige Bäumchen aus. Man kann sie immer wieder köpfen, am besten nach der Blüte, dann passen sie auch in kleinere Gärten oder Vorgärten und bilden Höhlungen für Vögel und Fledermäuse aus. Man kann sie aber auch alle paar Jahre etwa kniehoch absägen und so verjüngen sowie größenmäßig im Zaum halten. Eine bekannte Sorte heißt Adventsweide, weil ihre Kätzchen schon vor dem Jahreswechsel austreiben und dann den Winter über als silbrige Perlen die Zweige schmücken.

 

Text: Prof. Dr.-Ing. Stefan Körner


April 2022

In den ersten warmen Tagen des März kann man auf einer südexponierten lehmigen Böschung an der großen Treppe im Temporären Park ein besonderes Schauspiel erleben. Wir haben es vor drei Jahren entdeckt, als wir dort standen, um die Entwicklung unserer Einsaaten zu besichtigen. Plötzlich flogen hunderte von Wildbienen um uns herum, die aus ihren Bauten im Boden kamen. Marian Harrer, von dem auch die Bienenfotos stammen, hat sie dieses Jahr bestimmt und ist auf tausende Frühlings-Seidenbienen (Colletes cunicularius) und um die hundert Weiden-Sandbienen (Andrena vaga) gekommen. Diese Arten bilden seiner Aussage nach nur dann so große Kolonien aus, wenn die Bedingungen, die sie benötigen, optimal sind.

Die Fläche wurde auf dem Gelände der zukünftigen Gebäude für die Naturwissenschaften als Teilbereich des Temporären Parks angelegt. Dessen Konzept wurde in einem kleinen Wettbewerb unter Studierenden ermittelt. Platz 1 sah einen so genannten Streifenpark vor, eine nach Farben (blau, rot, weiß und gelb) eingeteilte, streifenförmige Anordnung von monochromen Blühflächen. Platz 2 des Wettbewerbs sah keine Einsaat vor, sondern die Entwicklung einer gestalteten Brache, die die von selbst aufkommende Vegetation vorsichtig pflegt und dadurch auch gestaltet.

Der Streifenentwurf wurde zusammen mit den Studierenden 2015 verwirklicht und um eine zentrale Wiesenfläche herum mit ein- und zweijährigen Arten für eine schnelle Blüte sowie Wildstauden in den verschiedenen Blühfarben für eine längerfristige Entwicklung eingesät. Viele dieser Stauden, Arten Thermophiler Säume oder der Steppenheide, finden sich im Kasseler Umland auf Trockenrasen, Wiesen, in alten Steinbrüchen oder Heckensäumen. Sie sind trockenresistent, kommen mit wenig Nährstoffen aus und bieten vielgestaltige Blüten, die sehr attraktiv für allerlei Insekten sind. Bei der Anlage des Parks wurde mit Unterstützung der Baubabteilung die Fläche im flachen Kernbereich und an den Seitenböschungen mit Kalkschotter zur Abmagerung des Substrats abgedeckt sowie eine rechteckige Mulde ausgehoben, in der nach Regenphasen Grundwasser zu Tage tritt. Die Idee war, dass hier die damals auf dem Campus vorkommenden Mehlschwalben Lehm für den Nestbau finden sollten. Die Böschung hingegen, die von den Wildbienen besiedelt wurde, kam später dazu und wurde nicht mehr abgedeckt, ebenso wenig wie westliche Randbereiche beim neuen ASL-Bau, die von den Baumaßnahmen bei der Sanierung der Kopfbauten stark gestört wurden.

Das Konzept der Blühstreifen sah vor, dass sich die Farben im Laufe der Zeit durch die Verwilderung der Pflanzen durchmischen sollten. Die anfängliche monochrome Phase hat allerdings nie wirklich funktioniert, weil von der Baufirma der Schotter unterschiedlich stark aufgetragen worden war, was die Etablierung mancher Arten teilweise erschwerte. Zudem ‚unterbrachen‘ feuchte Stellen die Streifen. Im Laufe der Zeit durchmischten sie sich dann aber tatsächlich, sodass blumenreiche Staudenbestände entstanden, mal mit Blumenwiesen-, mal mit Hochstaudencharakter. Vorhandene Gehölze wie Holunder und Robinien wurden integriert, wenige auch gepflanzt, wie eine Wildrose.

Es entstand eine vielfältige Struktur, die dadurch unterstützt wird, dass wir angelehnt an die ursprünglichen Streifen immer nur partiell im Januar mähen. Dadurch konnten auch die typischen urbanen Hochstauden einwandern, wie Beifuß, dessen Samen von den Spatzen sehr geschätzt werden, sowie Goldrute und Waldreitgras. Der der Park näherte sich dadurch langsam dem Konzept von Platz 2 an, wobei aber immer noch andere Arten vorkommen als bei einer völlig freien Entwicklung. Bei einer entsprechenden Pflege wäre das auch dauerhaft der Fall. Wir nannten den Park dennoch zunehmend auch Brachepark, weil er letztlich eine Brache vor der Bebauung ist. Gerade die Hochstaudenarten sorgen dafür, dass immer Dickichte aus Pflanzenstängel vorhanden sind, die z. B. Zaunkönigen auch im Winter Schutz und Nahrung bieten. Im Sommer sind viele Stieglitze unterwegs, die die Samen der abgeblühten Wildstauden fressen. Sie lieben insbesondere Wegwarte und die verschiedenen Flockenblumen. Da auch Mäuse vorkommen, jagt der Turmfalke tagsüber regelmäßig auf der Fläche. Im Januar 2022 konnten von Niels Stanick und Fabian Hirschauer auch wiederholt nächtliche Rufe einer Schleiereule aufgenommen werden, die ebenfalls auf Mäuse als Hauptbeute hat. Wir haben daraufhin den Dachstuhl der Turbinenhalle kontrolliert, falls sich die Eule dort einquartiert haben sollte, doch keine Spuren von ihr gefunden. Besonders erwähnenswert ist zudem, dass auch Feldhasen – keine Kaninchen! – im Park vorkommen. Sie sind wahrscheinlich entlang der Ahna von Norden her eingewandert. Florian Bellin-Harder und ich beobachten sie ebenfalls seit etwa drei Jahren, und in diesem März sah die Gärtnerin Bettina Hentrich erstmals ein Junges. Das heißt auch für die Hasen ist die Fläche trotz der vielen Spaziergänger mit ihren Hunden so attraktiv, dass sie sich erfolgreich vermehren können.

Mit dem Bau der Naturwissenschaften wird der Park leider verschwinden. Doch konnten wir dann über Jahre verschiedenen und durchaus seltenen Arten Lebensräume bieten und gleichzeitig durch die Kräuterfluren die Fläche auch ästhetisch aufwerten. Manche nutzen die Vegetation auch: Eine alte Türkin sammelt hier regelmäßig Blumensträuße und Bünde wilden Schnittlauchs, die sie dann verkauft. Die Blüten der Robinie dienen einer Russin als Rohstoff für einen Sirup. Ideal wäre es aus unserer Sicht, wenn vor dem Bau der Naturwissenschaften der verwendete Kalkschotter abgetragen und zwischenzeitlich auf einem großen Haufen oder einer Art Pyramide zwischengelagert werden könnte. Im Schotter sind die Samen der vielen Wildkräuter enthalten, die dann wieder auskeimen würden und ein temporäres ‚Hügelbiotop‘ entstehen ließen. Später könnte er dann, wenn der neue Grünzug an der Ahna entsteht, dort eingebaut werden, um dauerhaft wiesenartige Bestände mit vielen verschiedenen Wildblumen zu etablieren. In Kombination mit dem dichten Heckenbewuchs an der Ahna, in dem sehr viele Vögel vorkommen, und diversen Einzelbäumen könnte wieder ein lebendiger Raum entstehen. Vielleicht findet sich dann auch ein Platz für eine sonnige lehmige Böschung für die Wildbienen.

 

Text: Prof. Dr.-Ing. Stefan Körner


Mai 2022/1

Ilona Németh von der Universität Bratislava (Slowakei) kam auf das Fachgebiet zu und bat um fachliche Unterstützung für das Projekt „Floating Gardens“ auf der Fulda während der documenta 15. Die schwimmenden Gärten sind bereits installiert. Angesichts des Klimawandels soll ein Garten stärker auch in Zukunft noch ess- und nutzbare Pflanzen zeigen, der andere überlebensfähige Vegetation im Siedlungsgebiet. Im Hinblick auf diese Vorhaben waren wir zum einen mit Knowhow unterstützend tätig (Hinweise zu Arten, Erstellen einer Pflanzenliste etc.) und zum anderen hat Dr. Florian Bellin-Harder auf Spaziergängen mit der Künstlerin über den Campus am Holländischen Platz nach Spenderflächen für den zweiten Garten gesucht. Sie wurden auf den temporären Parkplätzen an einem vom Fachgebiet an der Ahna eingesäten Saum mit herkömmlichen und mediterranen Ruderalarten fündig. Da wir über keine entsprechende technische Ausrüstung verfügen, wurden, nachdem die Bauabteilung ihr Einverständnis gegeben hatte, durch Thomas Engelberg und das Landschaftsbau-Unternehmen Most von dort nicht nur Pflanzen übertragen, sondern auch Boden ausgehoben, der Samen der gewünschten zukunftsfähigen Vegetation enthält.

Die Spenderfläche wurde anschießend abgesperrt. Da sich in diesem Bereich zahlreiche Wildbienen aufhalten, die derzeit kartiert werden, ist damit zu rechnen, dass sie die Kahlstellen und Erdhaufen schnell besiedeln werden. Das weitere Vorgehen wird daher noch zu besprechen sein. Grundsätzlich ist derzeit geplant, nach der documenta Boden und Pflanzen wieder an Ort und Stelle auf dem Campus zurückzubringen.

Auch während des documenta-Verlaufs wird das Fachgebiet unterstützend tätig sein.

 

Text: Dr.-Ing. Florian Bellin-Harder, Prof. Dr.-Ing. Stefan Körner

Mai 2022/2

Wenn ein Garten zu einem Naturgarten umgewandelt werden oder wenn die öffentliche Grünflächenpflege extensiviert werden soll, dann ist oft einer der ersten Schritte, dass der Rasen weniger gemäht wird, in der Hoffnung, dass sich in kürzester Zeit eine bunt blühende Blumenwiese einstellen möge. Doch diese Hoffnung wird häufig enttäuscht, weil die Konkurrenzfähigkeit der oft ausläufertreibenden Gräser so groß ist, dass der herauswachsende Rasenfilz die Etablierung von blühenden Wiesenstauden nicht zu lässt. Da blühende Wiesen auch in der Landschaft sehr selten geworden sind, gibt es auch keine Gebiete, aus denen heraus attraktive Wildstauden einwandern könnten, sodass man in der Regel nachhelfen muss. Das heißt, dass man entweder die Grasnarbe abziehen und eine Wiese mit möglichst regionalem Saatgut ansäen oder dass man den vorhandenen Rasen sehr kurz mähen und vertikutieren muss, um dann säen zu können.

Für wiesen- und saumartige Ansaaten spricht, dass man hierbei trockenresistente Kräuter verwenden kann; Oregano, Flockenblumen, Wiesen- und Steppensalbei, Habichtskräuter usw. Rasen ist hingegen angesichts des Klimawandels als grüne Bodenbedeckung eine denkbar schlechte Wahl, denn er stirbt bei Trockenheit schnell ab und wird braun, während Ansaaten aus den erwähnten Kräutern und anderen selbst bei großer Trockenheit blühen. Zwar kann er sich bei Regen auch wieder aus seinen Wurzelrhizomen regenerieren, doch mitunter entstehen in ihm Lücken, die Platz für Anderes lassen. Eine solche Situation war an der Stirnseite des Studierendenwerkes in Richtung Moritzstr. gegeben. Es handelt sich um eine Restfläche zwischen Fassade und Müllhäuschen, auf die, wie so häufig, zur schnellen und billigen Begrünung Gebrauchsrasen gesät worden war. Dieser wurde von den Hochschulgärtnerinnen allenfalls einmal im Jahr gemäht, meist im Herbst oder mit Ausgang des Winters. Die entstehende Vegetation verbrachte dadurch zusehends, d. h. es wanderten z. B. Beifuß (rechte Bildecke) und andere Ruderalarten ein. Das sah zwar nicht immer ästhetisch überzeugend aus, hatte aber für die Fauna Vorteile, weil sich Blüten und Samen als Nahrung anboten. Mitunter konnte man auf dieser kleinen Fläche vier bis fünf Vogelarten gleichzeitig auf der Nahrungssuche beobachten. Das benachbarte Heckengestrüpp u. a. aus Brombeeren und Wildrosen an der Grenze zu einer Autowerkstatt tat ein Übriges. Zur Anreicherung der Vegetation brachte ich dann in die durch Trockenheit entstandenen Rasenlücken zusätzlich übriggebliebenes Saatgut von robusten Arten aus. Man kann auf dem Foto z. B. rosa Futter-Esparsette im Vordergrund erkennen, verblühten grüngelben Färberwaid, etwas Klatschmohn und vor allem prächtig blühenden Steppensalbei, der mit Trockenheit sehr gut klarkommt. Auf Flächen, die das Kasseler Gartenamt vor Jahren mit Blühstreifen angelegt hatte, verwildert er zunehmend, wie in einem Seitenstreifen in der Holländischen Straße oder auf dem Mittelstreifen des Autobahnzubringers am Auestadion. Der Aufwand dieser Art des Säens war nicht groß, man benötigt dann aber etwas Geduld, und dafür lässt sich meines Erachtens das Ergebnis sehen, vor allem dann, wenn die Alternative ein schäbiger Rasen ist. Wollte man die Vegetation in dieser Form stabilisieren, dann sollte man nach der Blüte des Salbeis mähen und das Mahdgut abtransportieren, also die Fläche wie eine wirkliche Wiese behandeln. Salbei und Esparsette werden dann in jedem Fall im Herbst noch einmal nachblühen, andere Arten wie Flockenblumen täten das auch.

 

Text: Prof. Dr.-Ing. Stefan Körner