R:33 | WiSe 2025/26

Wir erleben eine Zeit, in der Zukunft für viele Menschen kein Fortschrittsversprechen mehr darstellt, sondern Unsicherheit, Überforderung oder Bedrohung bedeutet. Zukunft wird zunehmend als etwas betrachtet, das entweder technokratisch „verwaltet“ oder ideologisch „verkauft“ wird – anstatt als gemeinsamer Möglichkeitsraum, den wir aktiv gestalten können. Gerade für die planenden Berufe hat dies tiefgreifende Folgen: Wenn Zukunft gesellschaftlich verengt wird, schrumpft der Raum, in dem wir unsere gestalterische, gesellschaftliche und kulturelle Kraft entfalten können.

Mit „Zurück in die Zukünfte“ setzen wir dieser Entwicklung bewusst etwas entgegen. Wir möchten mit Studierenden, Lehrenden und der Öffentlichkeit darüber ins Gespräch kommen, welche Zukünfte die planenden Berufe selbst haben – und welche Rolle wir aktiv übernehmen können, um neue Handlungsräume und gesellschaftliche Relevanz zurückzugewinnen.

Der Rundgang 2025 soll ein Ort sein, an dem Zukunft nicht als etwas erscheint, das uns widerfährt oder von außen normiert wird, sondern als etwas, das wir gemeinsam denken, gestalten und herstellen können. Diese Haltung knüpft unmittelbar an die Kernkompetenzen unserer Profession an: das Denken in Szenarien, das Arbeiten mit Unsicherheit, das Entwerfen alternativer Möglichkeiten, das Erzählen von Zukunftsbildern.

Bild: Robin Höning

Organisiert wurde der Rundgang R:33 von den Fachgebieten Stadtmanagement (Gast-Prof. Lisa Nieße), Sustainable Cities and Communities (Gast-Prof. Dr. Mary Dellenbaugh-Losse und Gast-Prof. Robin Höning) sowie Integrierte Verkehrsplanung / Mobilitätsentwicklung (Vertr.-Prof. Dr. Florin Krummheuer)

Impressionen

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Auswahl von Projekten

Morgen fährt mich JohnnyCab! Wie Robotaxen unsere Städte und Regionen verändern werden und warum wir das gestalten sollten

Fachgebiet Integrierte Verkehrsplanung und Mobilitätsentwicklung

Autonome Fahrzeuge und Robotaxen stehen kurz vor dem Markteintritt und könnten Mobilität, Raumstruktur und Alltagsleben ähnlich tiefgreifend verändern wie einst das private Auto oder die Eisenbahn. Das Studienprojekt widmet sich den möglichen Auswirkungen dieser technologischen Entwicklung auf Städte und Regionen – und der Frage, wie wir diesen Wandel aktiv und verantwortungsvoll gestalten können. Autonome Fahrzeuge versprechen zunächst Chancen: Sie könnten Mobilität günstiger, zugänglicher und inklusiver machen, die Abhängigkeit vom eigenen Auto senken und die Erreichbarkeit ländlicher Räume verbessern. Parkflächen könnten überflüssig werden, Fahrzeuge und Infrastrukturen effizienter genutzt, wenn „Mobility-as-a-Service“-Konzepte Realität werden. Gleichzeitig sind Risiken absehbar: Sinkender Raumwiderstand und induzierter Verkehr könnten zu längeren Wegen, höherem Ressourcenverbrauch und einer neuen Welle der Zersiedlung führen. Wenn der Fuß- und Radverkehr zurückgedrängt wird, drohen auch ökologische Rückschritte. Straßenräume, Bebauung und Nutzungen könnten sich wieder stärker am Autoverkehr orientieren.


Klimagrün für den Kasseler Vorderen Westen

Fachgebiet Landschaftsbau, Landschaftsmanagement und Vegetationsentwicklung

Die Anpassung bestehender Stadtstrukturen an den Klimawandel hat aktuell hohe Priorität, weil es bei steigenden Sommertemperaturen und Trockenheit immer schwieriger wird, Vegetation zu etablieren, die dann wirklich Bestand hat und zur Minderung der Klimafolgen beitragen kann. Im Vorderen Westen, dem am dichtesten besiedelten Stadtteil Kassels, ist das Eigeninteresse aus dem Stadtteil an einer Anpassung so groß, dass konkrete Vorschläge und Lösungen für Maßnahmen in verschiedenen Freiräumen (Entsiegelungen, Begrünungen etc.) konzipiert werden sollen. Eine Umsetzung ist geplant.


Grundschule Berndorf

Fachgebiet Entwerfen und Nachhaltiges Bauen

Die Mitte der 1990er Jahre fertiggestellte Wilke Wurstfabrik in Berndorf steht seit der Insolvenz im Jahr 2019 leer. Das Gebäude wurde in den letzten Jahren von Altlasten befreit und lässt kaum noch die ehemalige Nutzung erahnen. Die Gemeinde möchte den „Schandfleck“ der skandalbehafteten Wurstfabrik loswerden und zurückbauen. Gleichzeitig gibt es den Gemeindebeschluss der Gemeinde Twistetal, eine neue dreizügige Grundschule im Ortsteil Berndorf zu bauen. Die Integration der Grundschule in die Fabrik stellt dabei ein Szenario dar, das kritisch gesehen wird. Mit dem Projekt soll ein Imagewandel vollzogen werden. Die solide Bausubstanz bietet dazu beste Grundbedingungen und ist im Sinne der Ressourcenschonung und CO2-Einsparung durch Re-Use der Bausubstanz sinnvoll. Die NHW Nassauische Heimstätte Wohnstadt wird das Projekt begleiten. 

 


Zwischen Sicherheit und Verdrängung: Sozialverträgliche Umgestaltung von Angsträumen im Bahnhofsviertel Frankfurt

Fachgebiet Sustainable Cities and Communities

In diesem Projekt entwickeln Studierende sozialverträgliche Entwürfe für Angsträume im Frankfurter Bahnhofsviertel. Ziel ist es, Nutzungskonflikte zu reduzieren und die subjektive Sicherheit – insbesondere von Frauen* und Mädchen* – zu erhöhen, ohne obdachlose oder suchterkrankte Menschen zu verdrängen.


Was denn für ‘ne Brechstange, Verena?

Fachgebiet Sustainable Cities and Communities

Rechtliche Rahmenbedingungen und politische Entscheidungen sind integraler Bestandteil jeder Stadtentwicklung. Welche Rolle spielen Baurecht, Satzungen, Normen, Bebauungspläne oder Verwaltungspraxis in der Stadtentwicklung? Und was würde passieren, wenn wir die Regeln selbst schreiben dürften? Die neue Bundesbauministerin fordert im Mai 2025 einen, wie sie selbst sagt, „Bau-Turbo mit der Brechstange“. Das Baurecht soll beschleunigt, vereinfacht und aufgebrochen werden. Für uns ist das Anlass, nachzufragen: Sind das nun gute oder schlechte Nachrichten für zukünftige Städte im Sinne der UN-Nachhaltigkeitsziele? Was tun Gesetze und Verwaltungsinstrumente mit Stadt? Was bedeuten solche politischen Eingriffe für die Planungspraxis? Und könnten wir den Spieß nicht umdrehen? Wir wollen verstehen, wie sich politische Interessen, Machtverhältnisse und gesellschaftliche Werte in Paragraphen einschreiben. Gemeinsam mit Studierenden der Rechtswissenschaften steigen wir ein in die Welt des Planungsrechts: ins Baugesetzbuch, in kommunale Stellplatzsatzungen, Gestaltungsvorschriften oder scheinbar unscheinbare Verwaltungserlasse. Jede:r Studierende wählt dabei ein Gesetz, eine Vorschrift oder ein Paragraphensystem, das sie* oder ihn* besonders beschäftigt – und streicht es, schreibt es um oder erfindet ein neues. Dieser neue „Gesetzestext“ wird nicht nur theoretisch gedacht, sondern spekulativ und visuell umgesetzt: Wie verändert sich der Stadtraum, wenn diese Regel Realität wird? In einem interdisziplinären Austausch zwischen den Rechtswissenschaften und der Städteplanung entwerfen und diskutieren wir fiktive städtebauliche Szenarien.