Nach­hal­tig­keit, En­er­gie und Um­welt (NEU)

Be­schrei­bung

In diesem Forschungsschwerpunkt werden die umwelt- und gesellschaftsbezogenen Bedingungen und Folgen der Transformation hin zu einer nachhaltigen Gesellschaft untersucht. Die Forschungsarbeiten orientieren sich an konkreten Problemfeldern und Lösungsoptionen unter Berücksichtigung ihrer Realisierungschancen. Im Mittelpunkt steht dabei die Betrachtung von Akteuren oder Akteursgruppen auf mehreren Ebenen: Individuen, Unternehmen und Organisationen, Netzwerke, (Kapital­-) Märkte, der Staat und supranationale Institutionen als Architekten des makro-ökonomischen, institutionell-rechtlichen Rahmens. Das Handeln dieser Akteure und ihre Interaktion werden unter Verwendung geeigneter theoretischer Modelle und vielfältiger Forschungsmethoden analysiert.

Der Schwerpunkt beschäftigt sich mit folgenden Problemfeldern: Ernährung und Landnutzung, Klimaschutz und Klimaanpassung, Ressourcenschutz, Energieversorgung, Umwelt- und Naturschutz/Biodiversität, Sozialstandards und Arbeitsbedingungen. Bei allen angeführten Problemfeldern verschränken sich Fragen der Wirtschaftsweise, der gewählten Technologien, des Konsums und der Lebensstile, der Fairness und des sozialen Ausgleichs sowie der Umwelt eng miteinander. Im Schwerpunkt wird angestrebt, den systemischen Zusammenhängen mit ihren Rückkopplungen und Dynamiken Rechnung zu tragen. Das bedeutet insbesondere auch, unerwünschte Nebeneffekte von Handeln, Verschiebungseffekte sowie langfristige Konsequenzen mit in den Blick zu nehmen.

Der Schwerpunkt kann folgende exemplarisch genannte, zu Lösungsoptionen führende Beiträge zur notwendigen Transformation in den fünf Problemfeldern leisten:

  • Verhaltensökonomisch informierte Instrumentierung. Umweltökonomische Instrumente werden durch Einbeziehung ihres adressatenspezifischen Wirkungskontextes entwickelt. Dabei spielt sowohl die Heterogenität als auch die beschränkte Rationalität dieser Adressaten eine zentrale Rolle. Die darauf abgestimmte Konfiguration und Implementierung der Instrumente rücken dann in den Mittelpunkt der Betrachtung.

  • Strukturen und Instrumente zur Koordination und Steuerung von umweltgerechtem Verhalten. Governancestrukturen ermöglichen oder behindern nachhaltiges Wirtschaften und Verhalten. Geeignet gestaltet, können sie strukturelle Hindernisse beseitigen und Freiraum für nachhaltige Initiativen bieten. Zielführende Verhaltenssteuernde Instrumente sollen Anreize für Verhaltensänderungen setzen und das Verhalten vieler Akteure geeignet koordinieren.

  • Psychologisch fundierte Verhaltensänderung. Zahlreiche nicht-monetäre, also motivationale, soziale oder einfach auch umgebungsbezogene Informationen und Anreize wirken auf individuelles Verhalten und können systematisch zur Veränderung oder aber auch Stabilisierung von Verhalten eingesetzt werden.

  • Finanzielle Anreizstrukturen und –systeme.  „Green Finance“ bedeutet, dass durch grundlegende Veränderungen innerhalb der Finanzströme gezielt solche Investitionen unterstützt werden sollen, die der Umwelt und der Gesellschaft zugutekommen. Ziel ist es, Nachhaltigkeit über den Weg der Finanzmärkte zu fördern. Forschungsbereiche sind hier unter anderem das Anlageverhalten nachhaltiger Investoren, Eigenschaften nachhaltiger Geldanlagen sowie die Auswirkungen von Nachhaltigkeit auf den Kapitalmarkt und damit verbundene Rahmenbedingungen.

  • Umweltbezogenes Lernen und Innovationen auf individueller, organisationaler, interorganisationaler sowie gesellschaftlicher Ebene.  Märkte, Institutionen und soziale Normen spielen eine wichtige Rolle für umweltbezogene Lerneffekte auf individueller und gesellschaftlicher Ebene. Aufgrund zahlreicher grenzüberschreitender Umweltprobleme und des Prinzips der Staatssouveränität befassen sich zudem viele Forschungsarbeiten mit den Determinanten von freiwilliger Kooperation auf individueller, gesellschaftlicher und staatlicher Ebene.

  • Strategische Umsetzung von Nachhaltigkeitszielen unter Berücksichtigung von nicht intendierten Nebeneffekten. Hierbei wird untersucht, wie auf Unternehmens- und Wertschöpfungskettenebene Nachhaltigkeitsziele formuliert und in die strategische Unternehmensausrichtung integriert werden. Besonderes Augenmerk muss hierbei auf die systemischen Bedingungen und Rückkopplungen von Unternehmenshandeln gelegt werden, um negative Nebeneffekte zu erkennen und zu vermeiden.

Die interdisziplinäre Verknüpfung der verschiedenen Perspektiven auf den Umweltbereich – wie in diesem Schwerpunkt realisiert – kann wertvolle Beiträge zu Bedingungen und Formen der Kooperationen zwischen Akteuren liefern. Dabei umfasst und integriert die Analyse verschiedene Ebenen, insbesondere die des Individuums, der Organisation, des Netzwerks, des makro-ökonomischen und des institutionell-rechtlichen Rahmens. Es werden also die Handlungsweisen von privaten Haushalten (Konsum, Investition), Unternehmen (Produktion, Supply Chain, Verpackung und Vermarktung, Finanzierung und Investition) und staatlichen Organisationen (Regulierung) sowie deren Interaktionen und Umweltbezüge (Ressourcenbeschaffung, Emissionen und Abfall) in den Blick genommen.

Eine wichtige Rolle spielen die verschiedenen Koordinations- und Lenkungsmechanismen für diese Handlungen (Märkte, Institutionen und rechtliche Rahmenbedingungen) sowie soziale Normen und umweltbezogene Lerneffekte auf individueller sowie gesellschaftlicher Ebene. Grenzüberschreitende Umweltprobleme sowie entsprechende Lösungsansätze werden dabei berücksichtigt, unter Einbezug des Klimawandels und der Transformation der Energiesysteme.

Bei der Erforschung der Umwelt- und Nachhaltigkeitsorientierung von im Marktwettbewerb stehenden Unternehmen und Organisationen werden explizit auch Entwicklungs- und Schwellenländer sowie nicht-erwerbswirtschaftliche Akteure adressiert. Neben allgemeinen Fragen – wie zu den Möglichkeiten und Grenzen von Unternehmensverantwortung – werden auch spezielle Problemstellungen wie etwa menschenwürdige Arbeit, Diffusion von Nachhaltigkeitsinnovationen und Entrepreneurship in diesen Geschäftsfeldern bearbeitet.

Für die Analyse, Bewertung und Entwicklung von Strukturen und Instrumenten zur Koordination und Steuerung von umweltgerechtem Verhalten werden insbesondere die vielfältigen Formen jenseits der ordnungsrechtlichen Anordnungen (Command & Control) in den Blick genommen. Ebenso werden regulative Überlegungen mit der Aktivierung von Selbstorganisationspotenzialen verbunden. In einer individuenbezogenen Perspektive schließlich kreuzen sich die genannten Punkte. Haushalte und Individuen sind Marktteilnehmer, sie bewerten die Unternehmen und nehmen den ordnungsrechtlichen Rahmen wahr, lernen und reagieren darauf. Diese Reaktionen sind mit den Märkten und den Unternehmen und teilweise auch mit dem rechtlichen Rahmen rückgekoppelt.

Als methodisches Instrumentarium werden im Schwerpunkt neben konzeptionell-hermeneutischen Ansätzen qualitative wie quantitative Methoden der empirischen Sozial- und Kapitalmarktforschung und datenbasierte Modellierung verwendet. Insgesamt wird idealerweise eine dynamische und systemische Forschungsperspektive eingenommen.