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22.12.2025 | Forschung | Institut für Berufsbildung

Berufswahlmotivation in der Pflege: Projektvorstellung auf dem ZfE-Forum im BIBB

Im Rahmen des Forums der Zeitschrift für Erziehungswissenschaft (ZfE), das am 12. Dezember 2025 im Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) in Bonn stattfand, stellte Roman Höhl das Projekt „Berufswahlmotivation angehender Pflegefachpersonen“ vor.

Das Forum widmete sich zentralen Fragen der beruflichen Orientierung im Erwachsenenalter und den vielfältigen Übergängen im Erwerbsverlauf. Diskutiert wurden aktuelle empirische Befunde zu beruflichen Entscheidungen im Erwachsenenalter, den Auswirkungen struktureller Veränderungen der Arbeitswelt sowie Bildungs- und Berufsverläufen in Engpass- und Mangelberufen. Dabei wurde deutlich, wie eng individuelle Motiveinstitutionelle Rahmenbedingungen und gesellschaftliche Entwicklungen bei der Gestaltung von Berufsbiografien zusammenspielen.

Im Zentrum des vorgestellten Projektes steht die Frage, aus welchen Motiven sich angehende Pflegefachpersonen für ihren Beruf entscheiden und ob bzw. wie sich diese Beweggründe im Zuge der Einführung der generalistischen Pflegeausbildung verändert haben. Grundlage der Analysen bilden zwei Interviewreihen, die jeweils vor und nach der Einführung der Generalistik mit Auszubildenden im ersten Ausbildungsjahr durchgeführt wurden.

Die Ergebnisse zeigen, dass die Generalistik als überwiegend positiv bewertet wird. Besonders hervorgehoben wird die neugewonnene Polyvalenz des Ausbildungsgangs, der vielfältige berufliche Optionen eröffnet und eine höhere Flexibilität auf dem Arbeitsmarkt ermöglicht. Kritisch sehen viele Befragte jedoch unter anderem, dass die generalistische Ausbildung nur begrenzte Vertiefungsmöglichkeiten im Bereich der Kinderkrankenpflege bietet.

Das BIBB ordnete die Befunde wie folgt ein:

Auch im Bereich der Pflege zeigt sich ein komplexes Zusammenspiel zwischen persönlichen Motiven und strukturellen Rahmenbedingungen. Viele Auszubildende entscheiden sich aufgrund positiver Erfahrungen, eines ausgeprägten Interesses an zwischenmenschlicher Arbeit oder des Wunsches, Verantwortung zu übernehmen, für einen Beruf in diesem Bereich. Gleichzeitig können jedoch Belastungs- und Anforderungswahrnehmungen dazu führen, dass der Beruf trotz hoher gesellschaftlicher Relevanz weniger attraktiv erscheint.

Diese Einschätzung fasst die zentralen Ergebnisse der Studie präzise zusammen und unterstreicht die Bedeutung einer differenzierten Betrachtung von Berufsentscheidungen in systemrelevanten Berufsfeldern.

Im nächsten Schritt stehen vertiefende Auswertungen der Daten an. Auf dieser Grundlage wird derzeit die Publikation der Befunde vorbereitet. Das Projekt leistet damit einen wichtigen Beitrag zum Verständnis beruflicher Entscheidungsprozesse in der Pflege und zur Diskussion um die Attraktivität von Ausbildungsberufen in Zeiten tiefgreifender Veränderungen der Arbeitswelt.