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13.04.2026 | Institut für Wirtschaftsrecht

Faire Mieten: Kasseler Modell koppelt Mieterhöhungen an Energieeinsparung

Wie lassen sich Klimaschutz im Gebäudesektor und bezahlbare Mieten besser vereinbaren? Ein neuer Reformvorschlag von Dr. Leo Reutter von der Universität Kassel sieht vor, dass sich Mietzahlungen nach energetischen Modernisierungen künftig stärker an den tatsächlich erzielten Energieeinsparungen orientieren. So sollen Mieterinnen und Mieter nicht länger für unwirtschaftliche Sanierungen zahlen.

Dr. Leo Reutter / Bild: Reutter.

Bisher richtet sich die sogenannte Modernisierungsumlage nach den Investitionskosten – unabhängig davon, ob die Maßnahmen Energie einsparen. Das kann dazu führen, dass Mieten einmalig stark steigen, während wirtschaftlich sinnvolle Modernisierungen oft ausbleiben.

Da mehr als die Hälfte der Deutschen zur Miete wohnt, hängt der Erfolg energetischer Modernisierungen maßgeblich davon ab, wie Vermieterinnen und Vermieter investieren. „Die aktuellen Regeln belasten Mieterinnen und Mieter kurzfristig übermäßig und verhindern oft wirtschaftlich sinnvolle Modernisierungen“, sagt Dr. Leo Reutter, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Fachgebiet Bürgerliches Recht, Gesellschafts- und Wettbewerbsrecht der Universität Kassel. „Mit der neuen Regel könnten alle von fairen Kosten und planbaren Investitionen profitieren.“

Der Reformvorschlag nutzt Energiebedarfsausweise. Sie zeigen, wie viel Energie ein Gebäude im Standardbetrieb verbraucht, ohne das individuelle Heizverhalten der Bewohnerinnen und Bewohner zu berücksichtigen. Nach einer Modernisierung wird der neue Energiebedarf ermittelt und dient als Grundlage für die Nebenkostenabrechnung.

Sinken die Kosten für den Energiebedarf, geben Mieterinnen und Mieter einen Teil der Einsparungen über die Nebenkosten an die Vermieterinnen und Vermieter weiter. Steigen sie infolge unwirtschaftlicher Maßnahmen, müssen Letztere die Differenz tragen. Der tatsächliche Energieverbrauch wird weiterhin wie gewohnt abgerechnet.

„Wer über den energetischen Zustand eines Hauses entscheidet, sollte auch die wirtschaftlichen Folgen tragen“, betont Reutter. „So bleibt für Mieterinnen und Mieter klar, wofür sie zahlen.“ Das Modell soll Mietanpassungen über die Zeit verteilen, hohe Einmalzahlungen verhindern und Vermieterinnen und Vermietern Planungssicherheit geben. Gleichzeitig soll es sinnvolle Modernisierungen gezielt fördern und Klimaziele im Gebäudesektor unterstützen. 

„Nur wenn Wirtschaftlichkeit und Klimaschutz zusammen gedacht werden, lassen sich faire Mieten und wirksame Emissionsreduktionen erreichen“, betont Reutter.

Link zur Veröffentlichung: Policy Paper, Gesetzesentwurf


Kontakt:
Dr. Leo Reutter
Universität Kassel
Fachgebiet Bürgerliches Recht, Gesellschaft- und Wettbewerbsrecht
Telefon 0561 804-2463
E-Mail: leo.reutter@uni-kassel.de


Was heißt das zusammengefasst?

  • Mieterhöhungen nach energetischen Sanierungen sollen sich künftig an den tatsächlichen Energieeinsparungen orientieren – nicht mehr nur an den Investitionskosten.
  • Das Modell sorgt für faire Mieten, mehr Planungssicherheit und gezielte Klimaschutzmaßnahmen im Gebäudesektor.

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