Dis­ser­ta­ti­ons­pro­jekt von Ja­na Wal­ter MPA

 

Funktionale Politisierung als informelle Institution in der Ministerialbürokratie: Die soziale Funktion kollektiver Informalität

Wann immer sich die Dichotomie zwischen Verwaltung und Politik aufzulösen scheint, müssen Fragen einer Politisierung der Verwaltung beantwortet werden. Das wissenschaftliche Interesse konzentriert sich bislang entweder auf diejenigen Politisierungsformen, die in Zusammenhang mit der Personalrekrutierung stehen oder auf funktionale Politisierung, sofern sie das Ausmaß beschreibt, in dem Spitzenbürokrat*innen politische Erwägungen ohne die explizite Weisung ihrer politischen Führung in ihre Entscheidungen einfließen lassen. Die Beleuchtung funktionaler Politisierung außerhalb von Führungspositionen erscheint insbesondere vor dem Hintergrund interessant, dass die Inkorporation politischer Sensitivität innerhalb der Ministerialbürokratie als etwas beschrieben wird, das die gesamte Organisation durchdringt, während es zugleich unmöglich erscheint, sich dem zu entziehen. Bei der Internalisierung politischer Denkweisen und politischer Responsivität scheint es sich sogar um grundlegende Arbeitsanforderungen zu handeln, die für jede Position innerhalb der Ministerialverwaltung eine Relevanz besitzen.

Der Unsichtbarkeit institutionalisierter Aktivitäten und Strukturen verdankt funktionale Politisierung ihre Erscheinung als informelle Institution. Als wissenschaftlich konsentiert gilt, dass in Prozessen der Informalisierung programmhafte Entscheidungen durch vermutete Umweltreaktionen in außergewöhnliche „politische“ Entscheidungen umschlagen können. Erkenntnisgewinne sind etwa die Indifferenz der individuellen Prioritäten und Führungsstile politischer Akteure gegenüber der streng formalisierten bürokratischen Organisation, die Macht der Informalität hinsichtlich der Steigerung von Flexibilität und Kooperationsbereitschaft, aber auch das Risiko für Reputation, Beförderung und das seelische Wohlbefinden rechtmäßig handeln wollender Beamt*innen im Falle einer Remonstration. Unbeantwortet bleibt, wie funktionale Politisierung, verstanden als informelle Institution, von Ministerialbürokrat*innen außerhalb von Führungspositionen wahrgenommen wird.

Mithilfe eines explorativen qualitativen Forschungsdesigns soll ein holistisches Bild funktionaler Politisierung im Bereich des „lower-ranking civil service“ entstehen. Während institutionstheoretische Erklärungsansätze den Rahmen der Untersuchung bilden, soll die Durchführung einer Interviewstudie im Zentrum des empirischen Teils der Dissertation stehen.

Kon­takt

Wenn Sie an dem Dissertationsprojekt interessiert sind oder Anmerkungen haben, wenden Sie sich bitte an: Jana.Walter[at]student.uni-kassel.de

Pro­ject

Betreuerin:

Prof. Dr. Sylvia Veit

Zeitraum:

September 2019 bis Mai 2022