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Kaffeetalk im UNI:Lokal: Digitalisierung von Arbeit – Fluch oder Segen für die berufliche Bildung von Prof. Dr. Michael Goller
Welche Herausforderungen und Chancen ergeben sich für die berufliche Bildung vor dem Hintergrund der anhaltenden Digitalisierungstendenzen in unserer Gesellschaft? Zu diesem Thema hielt Prof. Dr. Michael Goller letzte Woche einen Vortrag im Rahmen der regelmäßig stattfindenden Kaffeetalks der Universität Kassel im UNI:Lokal in der Kasseler Innenstadt.
Auch wenn die Forschung zur Digitalisierung von Arbeit und ihren Auswirkungen auf die berufliche Bildung noch nicht abgeschlossen ist, lassen sich bereits jetzt einige wichtige Punkte ableiten:
- Aufgrund der sich durch die Digitalisierung verändernden Geschäfts- und Arbeitsprozesse kommt es auch zu einer veränderten Arbeitsorganisation in vielen Berufen. Dies kann für die Beschäftigten letztlich zu einem Wegfall von Teiltätigkeiten (bspw. durch Automatisierung) ebenso wie zur Genese neuer Tätigkeiten (bspw. im Rahmen neuartiger Mensch-Maschinen-Interaktion) führen. Auch die „Gefahr“ der Verdrängung bestimmter Berufe existiert, wobei dies historisch gesehen stets ein Nebenprodukt technologischen Wandels darstellte.
- Beschäftigte müssen mentale Modelle der neuen Geschäftsprozesse aufbauen, die sowohl digitale als auch analoge Aspekte berücksichtigen (z. B. Funktionsweise eines Melkroboters in der Landwirtschaft und Verhalten einer Kuh bei Krankheit).
- Domänenübergreifende Kompetenzen wie Medienkompetenz oder Data Literacy scheinen immer wichtiger zu werden. In einer sich durch die Digitalisierung ständig ändernden Welt werden auch die Kompetenz zur ständigen Aktualisierung des eigenen Wissens und der eigenen Fertigkeiten sowie die Fähigkeit, interdisziplinär zu denken und zu arbeiten, noch wichtiger.
- Digitale Technologie ist häufig wenig gegenständlich und erlaubt nur noch bedingt, Arbeitsschritte direkt, also ohne Rückgriff auf Symbole, nachzuvollziehen. Arbeitsplätze verlieren daher möglicherweise konkrete Erfahrungs- und somit relevante Lernpotenziale.
- Digitalisierungstendenzen enthalten Gestaltungsoptionen, die von Akteur:innen der beruflichen Bildung genutzt werden können und sollten. Technikpessimismus ist daher nicht angebracht. Gleichzeitig gilt es zu hinterfragen, wer die Gewinner:innen bzw. Verlierer:innen einer sich wandelnden Welt sind.
Wir bedanken uns bei den Teilnehmer:innen des Kaffeetalks für die Fragen und die Diskussion!
In den Kaffeetalks erläutern Wissenschaftler:innen der Universität Kassel kurz und kompakt in 15–20 Minuten ein Thema aus Ihrer Forschung. Die aktuellen Themen sind für die Allgemeinheit aufbereitet und sollen auch Nichtexpert:innen einen möglichst gut verständlichen Einblick geben. Zum Vortrag werden süße Snacks und Heißgetränke kostenlos gereicht.
Mehr Informationen unter: www.uni-kassel.de/uni/aktuelles-aus-der-universitaet/oeffentliche-veranstaltungen/unilokal.