C05: Mus­ter und Be­stim­mungs­grün­de von Er­näh­rung und Er­näh­rungs­si­cher­heit im pe­ri-ur­ba­nen Raum von Ban­ga­lo­re

Trotz des rapiden Wirtschaftswachstums in Indien nehmen Unter- und Mangelernährung nur langsam ab, gleichzeitig nehmen Übergewicht und Herz-Kreislauferkrankungen zu. Das vorgesehene Projekt wird die Nahrungssicherheit entlang des Land-Stadt-Gradienten von Bangalore untersuchen. Weltweit spüren Hunderte von Millionen Haushalte sowohl den Druck als auch die Möglichkeiten, die vom Städtewachtum ausgehen. Wie sich diese Kräfte auf ihre Ernährungsituation auswirken ist ein wichtiges aber bisher wenig beleuchtetes Forschungsthema. Das andauernde und rapide Wachstum Bangalores verlagert den Land-Stadt-Gradienten stets weiter nach außen. Die Folge ist ein sehr dynamisches Umfeld, in der die Herausforderungen und Anreize, mit dem sich die Haushalte konfrontiert sehen, einem steten Wandel unterzogen sind. Der Land-Stadt-Gradienten um Bangalore bietet daher ein einmaliges Umfeld für Forschung über Anpassungsprozessen in Haushalten die rapiden Änderungen ausgesetzt sind, und ihre Folgen für Ernährungsqualität und Ernährungssicherheit.

Aufbauend auf die Erfahrungen und Ergebnisse, die wir in Phase I des Projektes erzielt haben, werden wir drei Hauptziele in Phase II verfolgen. Erstens werden die komplexen Wechselbeziehungen zwischen Ernährung (Kalorien aber auch andere Nährstoffe wie Eiweiß, Vitamin A, Eisen und Zink), sozioökonomischen Faktoren, anthropometrischen Ergebnissen sowie Gesundheitsdaten weiter untersuchen. Dabei werden wir unseren Fokus auf den Ernährungsstatus von Kindern und von Frauen im gebährfähigen Alter beibehalten. Da erste Auswertungen der in Phase I gesammelten Daten darauf hindeuten, dass viele Haushalte im Untersuchungsraum eine relativ hochwertige und abwechselungsreiche Ernährung haben, werden wir unseren Fokus in Phase II auch auf Überernährung und Nährstoffmangel ausweiten. Zweitens werden wir untersuchen wie die Entscheidungen eines Haushalts über die Produktion und Verwendung von Agrarerzeugnissen den Ernährungszustand seiner Mitglieder beeinflussen. Drittens werden wir Tests durchführen um Blutzucker, Bluthochdruck, Hemoglobin und Cholesterin zu messen. Um der Tatsache Rechnung zu tragen, dass die meisten Haushalte im Land-Stadt-Gradienten von Bangalore sowohl langwirtschaftliches als auch nicht-landwirtschaftliches Einkommen erzielen, werden wir in Phase II verstärkt mit allgemeineren Haushaltsmodelle, die die Allokation von Zeit und Arbeit abbilden,  arbeiten. Drittens werden wir in Phase II weiterhin mit anderen Projekten kooperieren, zum Beispiel um die Faktoren zu untersuchen, die die Adoption von Bewässerungstechnologien beeinflussen (mit B02), oder um Interaktionen zwischen landwirtschaftliche Praktiken einerseits und Bestäuberpopulationen andererseits zu analysieren (mit B01).

In Verfolgung der drei genannten Forschungsziele werden Paneldaten von 1275 Haushalten entlang von zwei Stadt-Land-Transsekten in Bangalore erhoben. Basierend auf den in der ersten Welle im Rahmen von Phase I der FOR2432 gesammelten Daten, werden wir zu der Erhebung einer einer zweiten Welle weitere Daten beitragen. Mit den in der ersten Welle erhobenen Querschnittsdaten konnten wir mittels räumlicher ökonometrischen Methoden die räumliche Heterogenität und räumliche Muster im Land-Stadt-Gradienten untersuchen. Der Paneldatensatz, der als Ergebniss der zweiten Welle der Erhebung entsteht, wird es uns ermöglichen, robuste Inferenzen über Veränderungen im Zeitablauf zu ziehen. Ferner können mögliche Endogenitäten und wechselseitige Kausalitäten zwischen Variablen, die Haushalte und ihr Verhalten beschreiben, mit Paneldaten adäquater berücksichtigt werden.

Pro­jekt­lei­tung

Prof. Dr. S. Vollmer
Entwicklungsökonomik
Universität Göttingen

Prof. Dr. S. von Cramon-Taubadel
Agrarpolitik
Universität Göttingen

Ar­beits­grup­pe

Dr. Nitya Mittal
Wissenschaftliche Mitarbeiterin

Anjali Purushotham
Doktorandin

Indisches Partner-Projekt:
Food insecurity at different stages of urbanisation
K.B. Umesh & B.V.C. Reddy, University of Agricultural Sciences, Bangalore

Pha­se I

Muster und Bestimmungsgründe von Ernährung und Ernährungssicherheit im peri-urbanen Raum von Bangalore

Trotz des rapiden Wirtschaftswachstums in Indien nimmt die Unterernährung nur langsam ab. Diese rätselhafte Entwicklung wird nur unzureichend verstanden, auch aufgrund einer lückenhaften Datenlage. Um eine solide Basis für die Messung der Unterernährung und der Ernährungssicherheit zu bilden, sowie für die robuste Analyse deren Bestimmungsgründe und Implikationen, werden Haushaltsbefragungen benötigt, die sowohl Konsumdaten als auch anthropometrische Indikatoren in größerem Umfang erheben. Das Rätsel, warum die Unterernährung in Indien trotz des Wirtschaftswachstums nur schleppend zurückgeht, wurde bisher nicht explizit im Land-Stadt-Gradienten untersucht. Entlang dieses Gradienten sind besonders schnelle Veränderungen der Einkommen und Lebensgewohnheiten und somit der Konsumbedürfnisse und –möglichkeiten zu verzeichnen. Das vorgesehene Projekt wird die Unterernährung und Ernährungssicherheit entlang des Land-Stadt-Gradienten von Bangalore anhand einer detaillierten, räumlich expliziten Haushaltsbefragung untersuchen, in der Konsumdaten und anthropometrische Daten sowie weitere sozio-demographischen Indikatoren erhoben werden.

Das vorgesehene Projekt wird neues Licht auf das Aufkommen und die Bestimmungsgründe der Unterernährung im Land-Stadt-Gradienten von Bangalore werfen und dabei besonderes Augenmerk auf drei Aspekte richten. Erstens werden wir die Ernährung von Frauen und ihren Einfluss auf die Ernährung ihrer Familien untersuchen. Zweitens werden wir analysieren, wie sich größere Änderungen der Lebensgewohnheiten auf Ernährung und Ernährungssicherheit auswirken. Schließlich werden wir die Spezialisierung und Kommerzialisierung der Agrarproduktion in den Haushalten entlang des Land-Stadt-Gradienten untersuchen, und die Hypothese überprüfen, dass Spezialisierung und Kommerzialisierung zu Einkommenssteigerungen und somit zu Verbesserungen des Ernährungszustands führen.Im Rahmen des vorgesehenen Projekts werden wir mikroökonometrische Methoden der Analyse von Querschnitts- (und im weiteren Verlauf der Forschergruppe) Panel-Haushaltsdaten anwenden. Wir werden auch auf neuere Entwicklungen in der nicht-parametrischen Schätzung und der Schätzung von Modellen mit Schwelleneffekten zurückgreifen. Des Weiteren werden wir Methoden der räumlichen Ökonometrie anwenden, um Variationen der Ernährungssicherheit und deren Bestimmungsfaktoren im Raum zu analysieren.

Alum­ni

Dr. Linda Steinhübel

Dr. Debosree Bannerjee

Stefanie Dietz