Integrative Biophilosophie - Erweiterte Philosophie des Geistes

Personale Lebensform und objektiver Geist

DFG-Projekt:

Personale Lebensform und objektiver Geist.
Grundlagen einer anthropologischen Philosophie des Geistes
Wunsch, Matthias (Leitung und Durchführung)

Die gegenwärtige Philosophie des Geistes untersucht die mentale Dimension des menschlichen Lebens vor allem im Verhältnis zur physisch-körperlichen und zur sprachlichen Dimension. Das Forschungsprojekt geht von der Hypothese aus, dass dieser Horizont zu eng ist, und schlägt vor, ihn durch Einbeziehung der Dimensionen des Leibes und des objektiven Geistes auszuweiten. Es strebt damit die Grundlegung einer erweiterten Philosophie des Geistes an. Im Zentrum dieses Vorhabens steht der Personbegriff. Die fragwürdigen Konsequenzen von Personalitätskonzeptionen, die sich aus Debatten um Kriterien der Zugehörigkeit zur Klasse der Personen ergeben, sollen durch eine analytisch-anthropologische Konzeption vermieden werden, die Personalität als die menschliche Lebensform fasst. Diese Auffassung von Personalität wird dann auf verschiedenen Stationen zu einer neuen Konzeption des objektiven Geistes ausgestaltet. Vor dem Hintergrund der internen Beziehung zwischen „Lebensform“ und „Lebenssphäre“ kann die spezifisch menschliche Lebensform als eine von Weltoffenheit durchsetzte Lebensform begriffen werden. Die Idee einer solchen Lebensform lässt sich mit Hilfe eines Konzepts der zweiten Natur konkretisieren, sofern es der Bedeutung von Kultur, Tradition, aktiver Selbstüberprüfung und reflexiver Distanziertheit für diese Lebensform gerecht wird. Auf dieser Grundlage lässt sich dann eine Konzeption des objektiven Geistes gewinnen, in der dieser als die der menschlichen Lebensform korrelative Lebenssphäre bestimmt und dadurch in ein wechselseitiges Bedingungsverhältnis mit dem „personalen Geist“ gebracht wird. Das hat wichtige Konsequenzen in Hinblick auf eine Konzeption der Leiblichkeit: Auf der einen Seite ist Leiblichkeit eine Konstituente des personalen Geistes und daher auch aus der Konzeption des objektiven Geistes nicht wegzudenken; auf der anderen Seite ist sie selbst nicht nur physisch-körperlich bestimmt, sondern auch auf vielfältige Weise durch den objektiven Geist geprägt.

 

 

Bücher

Römer, Wunsch (Hgg.): Person: Anthropologische, phänomenologische und analytische Perspektiven.

(2013) Römer, Inga / Wunsch, Matthias (Hgg.): Person: Anthropologische, phänomenologische und analytische Perspektiven. Münster: Mentis.

Dieser Band behandelt den Begriff der Person in anthropologischer, phänomenologischer und analytischer Perspektive. Ausgewiesene Forscher der Philosophie der Person führen darin drei Denkrichtungen zusammen, die in der bisherigen Forschung zum Personbegriff weitestgehend unverbunden nebeneinander stehen. Diese Zusammenführung geschieht in Bezug auf die Themenbereiche „Selbst, Leben und Person“, „Die Person in Relation zu Leib und Organismus“ und „Die Person in praktischen Zusammenhängen“. Das Ziel des Bandes ist, Grundlagen für eine multiperspektivische, integrative Philosophie der Person zu gewinnen und so der zeitgenössischen Debatte zur Personalität einen neuen Impuls zu geben. Mit Beiträgen von Heike Baranzke, Christian Bermes, Dieter Birnbacher, Thiemo Breyer, Thomas Fuchs, Logi Gunnarsson, Gerald Hartung, Martina Herrmann, Christian Kanzian, Hans-Peter Krüger, Dieter Lohmar, Stefano Micali, Inga Römer, Volker Schürmann, Dieter Sturma, László Tengelyi, Matthias Wunsch und Dan Zahavi.

Aufsätze

  • (2015) Wunsch, Matthias: „Zur philosophischen Aktualität des ‚objektiven Geistes‘. Michael Landmann, Michael Tomasello und John Searle“, in: Jörn Bohr/ Matthias Wunsch (Hgg.), Kulturanthropologie als Philosophie des Schöpferischen. Michael Landmann im Kontext. Nordhausen 2015, 57-75.
  • (2014) Wunsch, Matthias: „Anthropologische Wenden. Das Person-Körper-Problem“, in: Anita Horn et al. (Hgg.), Die Anthropologische Wende – Le tournant anthropologique (= Studia philosophica 72/ 2013). Basel 2014, 327-342.
  • (2013) Wunsch, Matthias: „Stufenontologien der menschlichen Person“, in: Inga Römer/ Matthias Wunsch (Hgg.), Person: Anthropologische, phänomenologische und analytische Perspektiven. Münster 2013, 237-256.
  • (2008) Wunsch, Matthias: „John McDowells Konzeption der zweiten Natur. Ein Weg in die philosophische Anthropologie?“ In: Marcus Andreas Born (Hg.), Existenz und Wissenschaft. Festschrift für Claudius Strube. Würzburg 2008, 297-314.
  • (2008) Wunsch, Matthias: „Mensch und Natur in McDowells Mind and World“, in: Lebenswelt und Wissenschaft. XXI. Deutscher Kongress für Philosophie (Universität Duisburg-Essen, 15.-19.09.2008) – Sektionsbeiträge (ISBN 978-3-00-025531-1). Online im Internet: URL: http://www.dgphil2008.de/fileadmin/download/Sektionsbeitraege/03-2_Wunsch.pdf.