Integrative Biophilosophie - Philosophie der Biotechnologien

Bücher

Reich, Fangerau, Fehse, Hampel, Hucho, Köchy et al.: Genomchirurgie beim Menschen

Reich, Fangerau, Fehse, Hampel, Hucho, Köchy, Korte, Müller-Röber, Taupitz, Walter, Zenke, Genomchirurgie beim Menschen. Zur verantwortlichen Bewertung einer neuen Technologie, Analyse der Interdisziplinären Arbeitsgruppe Gentechnologiebericht der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, 2015

Neue, präzise Verfahren der Gentechnik zur Veränderung von DNA in lebenden Zellen revolutionieren derzeit die biomedizinische Forschung. Sie werden unter dem Oberbegriff "Genomchirurgie" intensiv in Wissenschaft und Öffentlichkeit diskutiert. Die IAG befürwortet prinzipiell die Erforschung dieser vielversprechenden Methoden für den medizinischen Bereich, spricht sich zum gegenwärtigen Zeitpunkt aber eindeutig gegen Experimente an der menschlichen Keimbahn aus.

Die IAG plädiert dafür, über die Anwendung grundlegend neuer Methoden in der Humanmedizin bereits einen verantwortungsbewussten und transparenten ethischen Diskurs zu führen, bevor sie Anwendungsreife erlangt haben und eventuell politische Regulationen anstehen. Aus diesem Grund stellt sie die aus ihrer Sicht wichtigsten mit der gezielten Keimbahnmodifikation verbundenen gesellschaftlichen Fragen in dieser Analyse vor. Sie betont, dass die neuen genomchirurgischen Methoden nicht isoliert zu betrachten sind, ihre ethische Vertretbarkeit vielmehr davon abhängt, in welchem Kontext und mit welchem Ziel sie angewendet werden. Die Zeit des Moratoriums soll zur weiteren Erforschung von Chancen und Risiken des Verfahrens sowie zu einer gesellschaftlichen Debatte über die ethischen und rechtlichen Fragen der Keimbahntherapie genutzt werden.

Köchy, Hümpel: Synthetische Biologie. Entwicklung einer neuen Ingenieurbiologie?

(2012) Köchy, Kristian; Hümpel, Anja (Hg.), Synthetische Biologie. Entwicklung einer neuen Ingenieurbiologie?, Dornburg: Forum W - Wissenschaftlicher Verlag.

Die rasante Entwicklung der Gentechnologie im letzten Jahrzehnt brachte eine scheinbar gänzlich neue Disziplin hervor – die Synthetische Biologie. Die Biologie wird zur Ingenieurbiologie: Das Leben soll nicht mehr nur erforscht werden; es wird im Labor konstruiert, in seine Bestandteile zerlegt und nach forscherischem Gusto neu zusammengesetzt. Wird Leben für uns jetzt verfügbar? Entsteht hier ein neues bedrohliches Verständnis von biologischer Forschung? Der vorliegende Themenband liefert eine umfassende Analyse der aktuellen Forschung in Deutschland. Neben den wissenschaftlichen Möglichkeiten werden die Traditionen und Ideale einer solchen Ingenieurbiologie beleuchtet. Ethische Aspekte der Synthetischen Biologie werden ebenso diskutiert wie die öffentliche Wahrnehmung der Disziplin sowie deren mediale Präsenz. Diese interdisziplinäre Analyse wird durch umfangreiches Zahlenmaterial ergänzt. Mit Beiträgen von Johannes Achatz, Horst Bredekamp, Nediljko Budisa, Anja Diekämper, Heiner Fangerau, Hille Haker, Jürgen Hampel, Natscha Hotz, Anja Hümpel, Kristian Köchy, Peter Kunzmann, Martin O’Malley, Hans-Jörg Rheinberger, Wilfried Weber.

Köchy, Norwig, Hofmeister: Nanobiotechnologien. Philosophische, anthropologische und ethische Fragen

(2008) Köchy, Kristian; Norwig, Martin; Hofmeister, Georg (Hg.), Nanobiotechnologien. Philosophische, anthropologische und ethische Fragen, Freiburg im Breisgau: Alber.

Die Nanobiotechnologie ist eine relativ junge und bisher kaum konturierte Disziplin an der Schnittstelle von Biotechnologie und Nanotechnologie. Durch diese trans- oder interdisziplinäre Ausrichtung ist die Nanobiotechnologie maßgeblich von den Bedingungen eines Brückenschlages bestimmt, wobei es einerseits darum geht, Techniken, Methoden und Theorien von einem Wissenschaftsgebiet auf ein anderes zu übertragen. Andererseits werden durch die Erkenntnisfortschritte und neuartige Anwendungsmöglichkeiten der Nanobiotechnologie ganz unterschiedliche philosophische Problemfelder angesprochen, die nicht allein im Zuständigkeitsbereich von Wissenschafts- und Technikphilosophie verbleiben. Im vorliegenden Band erörtern Vertreter aus Philosophie, Technikforschung und Naturwissenschaft die vielfältigen philosophischen Implikationen der Nanobiotechnologie innerhalb der Themenfelder 1. Grundlagenreflexion und Risikobewertung, 2. Naturvorstellungen und Objektkonzepte, 3. Methoden und Visionen sowie 4. anthropologische und ethische Fragen. Die Beiträger des Bandes sind: Stefan L. Gammel, Thomas Göller, Hille Haker, Hans Werner Ingensiep, Kristian Köchy, Rolf Kreibich, Alfred Nordmann, Christoph Rehmann-Sutter, Gregor Schiemann, Jan C. Schmidt, Astrid Schwarz, Ludwig Siep, Andreas Woyke, Axel Zweck.

Aufsätze

  • (2014) Köchy, Kristian: Konstruierte Natur? Fallstudie zur Synthetischen Biologie, in: G. Hartung, T. Kirchhoff (Hg.), Welche Natur brauchen wir? Analyse einer anthropologischen Grundproblematik des 21. Jahrhunderts, Freiburg/München: Verlag Karl Alber, 299-316.
  • (2014) Köchy, Kristian: Lebensbegriffe in den Handlungskontexten der Synthetischen Biologie, in: Jahrbuch für Wissenschaft und Ethik 18, 2013, Themenschwerpunkt: Leben und leben lassen. Welcher Begriff des Lebens eignet sich für die Bio- und Naturethik?, 133-172. DOI: 10.1515/jwiet-2014-0107
  • (2014) Köchy, Kristian: Synthesen. Zu Konzept und Grenzen der Synthetischen Biologie, in: J.S. Ach, B. Lüttenberg, M. Quante (Hg.), wissen. leben. ethik. Themen und Positionen der Bioethik, Münster: Mentis, 315-331.
  • (2014) Köchy, Kristian mit S. Domasch, B. Fehse, Gentherapie, in: C. Lenk, G. Duttge, H. Fangerau (Hg.), Handbuch Ethik und Recht der Forschung am Menschen, Berlin: Springer. DOI: 427-431. 10.1007/978-3-642-35099-3_70
  • (2012) Köchy, Kristian: Zum Verhältnis von Natur und Technik in der Synthetischen Biologie, in: J. Boldt, O. Müller, G. Maio (Hg.), Leben schaffen? Philosophische und ethische Reflexionen zur Synthetischen Biologie, Paderborn: Mentis, 155-175.
  • (2012) Köchy, Kristian: Sind die Überlegungen von Hans Jonas zum Sonderstatus biologischer Technik angesichts der Entwicklung in der Synthetischen Biologie noch haltbar?, in: M. Gadebusch-Bondio, H. Siebenpfeiffer (Hg.), Konzepte des Humanen. Ethische und kulturelle Herausforderungen, Reihe Lebenswissenschaften im Dialog Bd.14, Freiburg/München: Verlag Karl Alber, 81-102.
  • (2012) Köchy, Kristian: Was ist Synthetische Biologie?, in: K. Köchy, A. Hümpel (Hg.), Synthetische Biologie, Dornburg: Forum W, 33-50.
  • (2012) Köchy, Kristian: Philosophische Implikationen der Synthetischen Biologie, in: K. Köchy, A. Hümpel (Hg.), Synthetische Biologie, Dornburg: Forum W, 137-161.
  • (2011) Köchy, Kristian: Konstruktion von Leben? Herstellungsideale und Machbarkeitsgrenzen in der Synthetischen Biologie, in: V. Gerhardt, K. Lucas, G. Stock (Hg.), Evolution – Theorie, Formen und Konsequenzen eines Paradigmas in Natur, Technik und Kultur, Berlin: Akademie Verlag, 233-242.

Mitgliedschaften

Kristian Köchy war Kooperationspartner des BMBF geförderten ELSA-Projektes Engineering Life – An interdisciplinary approach to the Ethics of Synthetic Biology (Universität Freiburg, Institut für Ethik und Geschichte der Medizin) 2010-2013 sowie Mitglied des Review Panel des EUROCORES Programms: EuroSYNBIO – Synthetic Biology. Engineering Complex Biological Systems der European Science Foundation (ESF), 2009-2010.

Kristian Köchy ist Mitglied des Gentechnologieberichts der Berlin Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften.

Kristian Köchy ist ab 2017 Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats der ELSA-Forschungsverbundprojekte „Humane artifizielle Gameten. Erzeugung und genetische Veränderung von aus humanen pluripotenten Stammzellen differenzierten Gameten und ihre ethische und rechtliche Bewertung“ sowie des Projektes „Revisited ethical and legal concepts for precise genome engineering approaches of herititary diseases“ (BMBF).