KLIMZUG-Nordhessen

Teilprojekt: Anpassungsstrategien im städtischen Wirtschaftsverkehr 

Prof. Dr.-Ing. Carsten Sommer
Dipl.-Ing. Oliver Eikenberg
Dipl.-Ing. Peter Krichel
Dipl.-Ing. Sonngard Schulz
Dipl.-Ing. Claudia Witte

 

Im Rahmen des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Forschungsvorhabens „Klimawandel in Regionen zukunftsfähig gestalten“ (KLIMZUG) werden in einem Teilprojekt Anpassungsstrategien im städtischen Wirtschaftsverkehr untersucht. Es ist unbestritten, dass sich das Klima verändert. Auswirkungen der Klimaänderungen in Nordhessen werden z. B. ausgeprägtere Überwärmungen und austauschärmere Wetterlagen sein.

Die gesetzlichen Immissionsgrenzwerte zum Schutz der menschlichen Gesundheit für Feinstaub (PM10) wurden in Kassel in den letzten Jahren nur äußerst knapp eingehalten, die ab 2010 geltenden Grenzwerte für die Immissionen von Stickstoffdioxid (NO2) werden derzeit in Kassel deutlich überschritten. Verminderte Luftaustauschprozesse infolge der Klimaänderungen führen bei gleichbleibenden Emissionen zu einer Zunahme der Luftschadstoffimmissionen, so dass auch in Nordhessen mit Verkehrsbeschränkungen für bestimmte Fahrzeuge, die gewissen Emissionsgrenzwerten nicht genügen, (z. B. durch die Ausweisung einer Umweltzone) gerechnet werden muss.

Die Versorgung der Bevölkerung mit Waren und Dienstleistungen muss auch innerhalb einer Umweltzone sichergestellt sein. Zwar ist in der Kennzeichnungsverordnung, die Grundlage für die Einrichtung einer Umweltzone ist, die Möglichkeit von individuellen Ausnahmegenehmigungen für das Befahren einer Umweltzone gegeben, jedoch werden die positiven Wirkungen dadurch reduziert. Um derartige Ausnahmegenehmigungen auf ein Mindestmaß beschränken zu können, sollen drei wesentliche Maßnahmen im Projekt „KLIMZUG Nordhessen“ wissenschaftlich untersucht und in einem Pilotprojekt in Kassel umgesetzt werden:

  • City-Logistik: Überwiegend in den 1990er Jahren wurden in Deutschland mehrere City-Logistik-Projekte eingerichtet, die aber zumeist inzwischen wieder eingestellt worden sind. Inzwischen hat sich die Ausgangslage jedoch verändert. Durch die Einrichtung von Umweltzonen ist eine gewisse Drucksituation entstanden, so dass sich neue Potenziale für City-Logistik erschließen. Der Warenumschlagplatz sollte außerhalb der Umweltzone verkehrsgünstig (Straßen-, Schienen- und evtl. Wasserstraßenanschluss) gelegen sein. Die City-Logistik-Fahrzeuge, die die Waren in die Innenstädte bringen, sollten möglichst schadstoffarm oder sogar lokal schadstofffrei sein.
  • Fahrzeugpool: Insbesondere für kleine Betriebe stellen die Umweltzonen u. U. ein erhebliches wirtschaftliches Risiko dar, da einige Kunden mit dem bestehenden Fuhrpark, der auch aus nur einem Fahrzeug bestehen kann, nicht mehr erreicht werden können. Für diese Betriebe werden in Zusammenarbeit mit einem Fahrzeughersteller schadstoffarme Fahrzeuge der neuesten Generation unterschiedlicher Größe zu Verfügung gestellt. Diese Fahrzeuge können kurz-, mittel- oder auch langfristig gemietet oder geleast werden.
  • Fahrradkuriere: Ein Großteil der Warenlieferungen erfolgt auf relativ kurzen Wegen innerstädtisch. Leichte und nicht besonders sperrige Gegenstände können mittels Fahrradkurieren, die es in nahezu allen größeren deutschen Städten bereits gibt, transportiert werden. Eine Befragung von Fahrradkurierdiensten in Deutschland hat ergeben, dass sich mehrere Kurierdienste durch die Einrichtung von Umweltzonen ein erhebliches neues Kundenpotenzial versprechen. Durch die Ausstattung der Fahrräder mit Anhänger oder einem Elektromotor kann die Transportmenge (Volumen und Gewicht) gesteigert werden.

Die Wirkungen dieser Maßnahmen werden im Projekt „KLIMZUG Nordhessen“ in verschiedenen Szenarien (Bezugsjahre bis 2025) untersucht, wobei Faktoren wie die Zusammensetzung der Kfz-Flotte (Dieselanteile, alternative Kraftstoffe, Entwicklung der Kraftstoffpreise), die Entwicklung der Abgasnormen und der Immissionsgrenzwerte, aber auch die demografische Entwicklung in Nordhessen berücksichtigt werden.

 

Laufzeit dieses KLIMZUG-Teilprojektes:

2008 bis 2013

Zuwendungsgeber:

BMBF (Bundesministerium für Bildung und Forschung), D-10115 Berlin, http://www.bmbf.de/

Informationen zum Gesamtprojekt „KLIMZUG Nordhessen“: www.klimzug-nordhessen.de

Der Flyer zum Projekt