Bachelor-Studiengang Soziale Arbeit

Allgemeine Studienganginformationen

Studienabschluss

Bachelor of Arts

Regelstudienzeit

6 Semester

Sprache

Deutsch

integriertes Praktikum

24 Wochen Praktikum mit Begleitseminar

Zulassungsvoraussetzung

Allgemeine Hochschulreife oder Fachhochschulreife oder berufliche Qualifikation

Zulassungsbeschränkung

Ja

Studienbeginn

Wintersemester

Bewerbungsfrist

2. Juni bis 15. Juli (gilt für alle Bewerberinnen und Bewerber)

Was ist Soziale Arbeit?

Ob aus sozialen, wirtschaftlichen oder kulturellen Gründen: Täglich geraten einzelne Personen, Familien oder Gruppen in Notlagen. Die Mehrzahl der Betroffenen ist jedoch in der Lage, diese Situationen eigenständig zu bewältigen. Denjenigen, die diese Notlagen oder Lebenskrisen nicht aus eigener Kraft überwinden können, bietet Soziale Arbeit Unterstützung und Beratung an: Hilfe zur Selbsthilfe. Sozialarbeiter/innen unterstützen konkret und direkt vor Ort. Sie beraten Adressaten in ihrer Lebensführung, wenn sie ihren Alltag nicht zu strukturieren vermögen. Sozialarbeiter/innen hören zu, organisieren und vermitteln Kontakte, bahnen Wege zwischen Betroffenen und sozialen Diensten oder Einrichtungen, begleiten und greifen notfalls ein, wenn Gefahr droht. Sie motivieren zum Anpacken, wenn sich Menschen mit ihrer Situation abgefunden haben.

Professionelle Soziale Arbeit zielt nicht nur darauf ab, eine Lösung für akute Probleme zu finden. Sie wird auch präventiv tätig. Dabei regt sie an, gewohnte Verhaltensmuster zu verändern und Handlungsstrategien zu entwickeln, um Krisen vorzubeugen oder Probleme aus eigener Kraft und mit Unterstützung vorhandener sozialer Netzwerke angehen zu können. Um Barrieren abzubauen, Benachteiligungen und Desintegration zu beseitigen, zu mindern oder zu vermeiden, leistet Soziale Arbeit nicht nur Einzelfallhilfe, sondern mischt sich aktiv in Rahmenbedingungen vor Ort ein.

Ansatzpunkt für Soziale Arbeit sind insbesondere Kommunen, soziale Einrichtungen, wie z.B. Kindergärten, Schulen, Einrichtungen der Erwachsenenbildung und Altenhilfe, aber auch Strafvollzugsanstalten, Behörden, Wohlfahrtsverbände und Bürgerinitiativen. Diese Institutionen sind zugleich die wichtigsten Partner ihrer Arbeit.

Als Wissenschaft ist Soziale Arbeit interdisziplinär angelegt. Sie nutzt Erkenntnisse aus Soziologie, Psychologie, Pädagogik, Rechts- und Politikwissenschaften. Einen wesentlichen Anteil an der Entwicklung neuer Theorien und Unterstützungskonzepte nehmen die empirische Sozialforschung und daraus gewonnene Ergebnisse ein.

Inhalte und Spezialisierung

Wie entstehen Armut und Desintegration? Welche Auswirkungen haben sie auf individuelle Lebensverläufe? Wie funktionieren Gesellschaft, ihre Institutionen, Organisationen und soziale Beziehungen? Auf welchen sozialpolitischen und rechtlichen Grundlagen baut Soziale Arbeit auf?

Während des Bachelorstudiums Soziale Arbeit werden zunächst umfassende theoretische Kenntnisse aus der Erziehungswissenschaft, Soziologie, Psychologie, Ökonomie und Rechtswissenschaft vermittelt. Die Beschäftigung mit essentiellen Theorien und Modellen dieser Disziplinen liefert die Basis für das Entwickeln von Problemlösungen in der Berufspraxis. Beratungsformen, sozialdiagnostische Verfahren und Themen wie Recht, Organisationsstrukturen, Chancen und Grenzen Sozialer Arbeit runden die fundierte Ausbildung ab. Veranstaltungen zu Techniken wissenschaftlichen Arbeitens und den Methoden der empirischen Sozialforschung ergänzen die wissenschaftliche Lehre. Sie bilden die methodische Grundlage für Forschungsprojekte in der Sozialen Arbeit, deren Resultate in neue Ansätze für Beratung und Unterstützung einfließen.

Das Wahlpflichtangebot bietet Studierenden die Möglichkeit, einen Schwerpunkt im Studium zu setzen und damit ein individuelles Kompetenzprofil zu erarbeiten. Aus drei Modulen kann je nach Interesse ein Thema gewählt werden. Im Mittelpunkt des Moduls "Bildung und Erziehung im Lebenslauf" steht die Arbeit mit unterschiedlichen Altersgruppen. Berücksichtigung finden dabei auch Aspekte wie Migrationshintergründe und Behinderungen. Das Modul "Infrastruktur und gesellschaftliche Dynamiken" widmet sich den rechtlichen, sozialpolitischen und soziologischen Verflechtungen Sozialer Arbeit sowie der Entstehung und dem Wandel sozialer Probleme. Klinische Psychologie, Grundlagen sozialer Therapie, lebens- u. arbeitsweltliche Beratung, psychosoziale Intervention sind Gegenstand des Moduls "Soziale Therapie und Psychologie".

Schlüsselkompetenzen, die es Absolventinnen und Absolventen erleichtern, Wissen im Berufsleben effizient anzuwenden und adäquat auf neue Situationen zu reagieren, sind ein weiteres Element des Studiums. So werden essenzielle berufsbezogene Kompetenzen gefördert, wie z.B. Fremdsprachen, professionelle Selbstreflexion und die Fähigkeit sowohl mit Fachleuten als auch Laien zu kommunizieren, aber auch Präsentations- und Moderationstechniken vermittelt. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, Lehrveranstaltungen anderer Fachbereiche zu besuchen.

Am Ende des Bachelorstudiums sind Studierende in der Lage, individuelle Problemlagen zu analysieren, persönliche Fähigkeiten und Ressourcen der Klienten einzustufen und darauf abgestimmte Beratungs- und Unterstützungskonzepte zu entwickeln. Dabei berücksichtigen sie nicht nur persönliche Bedürfnisse von Adressaten sondern auch deren soziokulturellen Kontext und rechtliche Grenzen sozialer Dienstleistungen.

Mit Abschluss des Bachelorstudiums Soziale Arbeit erhalten Absolventinnen und Absolventen den akademischen Titel "Bachelor of Arts", die Berufsbezeichnung lautet "Sozialarbeiter/in B. A." Damit können sie direkt in den Beruf starten oder ein Masterstudium aufnehmen. Es bietet sich auch die Möglichkeit nach einer weiteren Praxisphase mit abschließender Prüfung die staatliche Anerkennung erwerben. Die Berufsbezeichnung lautet dann "Staatlich anerkannte (r) Sozialarbeiterin/er, Staatlich anerkannte(r) Sozialpädagogin/ Sozialpädagoge".

Praktikum

Für die berufliche Tätigkeit als Sozialarbeiter/in sind praktische Erfahrungen ebenso bedeutend wie umfangreiches Fachwissen. Daher ist in die Ausbildung das sechsmonatige Praxismodul "Berufspraktische Studien" integriert. Es gestattet Studierenden erworbene Kenntnisse in realen Situationen konkret anzuwenden.In anerkannten Praxisstellen analysieren sie Problemlagen und persönliche Ressourcen der Adressaten und entwickeln darauf basierend angemessene Beratungs- und Unterstützungsangebote.

Fester Bestandteil des Praxismoduls sind ein Praktikumsbericht und die Teilnahme an einer Begleitveranstaltung. Optional kann das Praktikum zur Hälfte forschungsorientiert in einer wissenschaftlichen Einrichtung oder auch vollständig im Ausland absolviert werden. Detaillierte Informationen zu den Rahmenbedingungen des Moduls befinden sich in der Fachprüfungsordnung.

Staatliche Anerkennung

Absolventinnen und Absolventen, die in einem Berufsfeld tätig werden möchten, das primär zum Leistungsspektrum öffentlicher Träger zählt, benötigen eine Staatliche Anerkennung. Diese berechtigt auch zum Führen der Berufsbezeichnung "Staatlich anerkannte/r Sozialarbeiter/in", "Staatlich anerkannte anerkannte(r) Sozialpädagoge/ Sozialpädagogin". Um die Staatliche Anerkennung zu erlangen, muss nach dem Studienabschluss ein weiteres Berufspraktikum im Umfang von sechs Monaten nachgewiesen werden. Das Institut für Sozialwesen organisiert und begleitet diesen Prozess.

Kasseler Profil

Seit mehr als 40 Jahren bildet die Universität Kassel hochqualifizierte Sozialarbeiter/innen für den Arbeitsmarkt, aber auch wissenschaftlichen Nachwuchs für Forschung und Lehre aus. Sie zählt zu den wenigen nationalen Bildungseinrichtungen, an denen zu Sozialer Arbeit nicht nur studiert, sondern auch geforscht, promoviert und habilitiert werden kann. Studierende profitieren dabei von einem Lehrkonzept, das auf eine wissenschaftliche Berufsvorbereitung ausgerichtet ist. In die Ausbildung fließen neben breitgefächertem theoretischem Fachwissen, auch Ergebnisse aus aktueller Forschung ein. Erfahrungswissen und Anregungen für neue Forschungsprojekte resultieren aus dem steten Dialog des Instituts für Sozialwesen mit der Praxis.  

Die Forschungsschwerpunkte des Instituts umfassen ein vielseitiges Themenspektrum von Sozialpädagogik und Soziologie der Lebensalter
und -lagen, über Sozialpolitik bis zu Recht und Soziologie. Zahlreiche Kooperationen des Instituts für Sozialwesen mit europäischen Partneruniversitäten eröffnen Studierenden die Möglichkeit, sich dort für den internationalen Arbeitsmarkt zu qualifizieren.

Zulassungsvorausetzungen

Für das Studium an der Universität Kassel ist die Allgemeine Hochschulreife, Fachhochschulreife, fachgebundene Hochschulreife oder eine berufliche Qualifikation Voraussetzung. Der Bachelorstudiengang Soziale Arbeit ist zulassungsbeschränkt. Studieninteressierte können sich vom 1. Juni bis zum 15. Juli bewerben. Den Stand des aktuellen Auswahlverfahrens sowie eine Übersicht über die Ergebnisse vergangener Jahre finden Sie hier.

Studienanforderungen

Der Bachelorstudiengang Soziale Arbeit eignet sich besonders für Studieninteressierte, die gern mit Menschen unterschiedlichen Alters, Herkunft oder nationaler und religiöser Zugehörigkeit arbeiten möchten. Für eine effektive und angemessene Unterstützung und Beratung sind nicht nur psychologische und pädagogische Kenntnisse wichtig, sondern auch umfangreiches Wissen aus Ökonomie, Soziologie, Politik- und Rechtswissenschaften. Studieninteressierte sollten daher interdisziplinären Inhalten gegenüber aufgeschlossen und bereit sein, sich z. B. detailliert mit den rechtlichen und organisatorischen Grundlagen Sozialer Arbeit auseinanderzusetzen.

Für die berufliche Praxis sind persönliche Eigenschaften wie Einfühlungsvermögen, Unvoreingenommenheit gegenüber anderen Kulturen, Lebensentwürfen und -situationen, Entscheidungsstärke und Verantwortungsbewusstsein, Frustrationstoleranz und Belastbarkeit von Vorteil.

Studienverlauf

Das Studium kann zum Winterhalbjahr aufgenommen werden und ist auf sechs Semester angelegt. Zum Erreichen des akademischen Titels "Bachelor of Arts" sind insgesamt 180 Credits aus dem Pflicht- und Wahlpflichtangebot zu erbringen. Ein Credit ist das international anerkannte Maß für den studentischen Arbeitsaufwand und entspricht 30 Stunden.

In der Anfangsphase des Studiums werden zunächst essentielle Methodenkenntnisse vermittelt: Die Techniken wissenschaftlichen Arbeitens und Argumentierens und die Fähigkeit, Kenntnisse sowohl auf praktische als auch theoretische Sachlagen anzuwenden, bilden das Fundament für wissenschaftliche Forschung und die Beschäftigung mit den Studieninhalten. Darauf aufbauend werden in vier Modulen elementare Modelle und Theorien aus der Erziehungswissenschaft, Psychologie und Soziologie vermittelt. Bis zum Ende des dritten Semesters erhalten Studierende Einblick in Geschichte, Berufsbild und Organisation Sozialer Arbeit und werden intensiv den juristischen Grundlagen ausgebildet.

Ein erstes Anwendungsfeld für die erworbenen Kenntnisse bietet das Pflichtmodul "Empirische Zugänge zu Praxisfeldern der Sozialen Arbeit", das zwei Wahloptionen enthält. Während die Option "Forschung" im Rahmen eines Werkstattkonzepts Raum für ein eigenständiges Forschungsprojekt gibt, reflektiert die Wahloption "Anwendung & Kritik" Methoden in der Sozialen Arbeit und setzt sich mit diesen auseinander. Auch das Modul "Handlungskonzepte und professionelle Kompetenzen" ist mit diesen Wahloptionen ausgestattet. Studierende erhalten hier Einblick in Methoden, wie die Unterstützung konkret umgesetzt werden kann.

Ab dem vierten Semester bietet das Wahlpflichtangebot die Gelegenheit, sich zu spezialisieren. Aus drei Schwerpunktthemen kann je nach Interesse ein Gebiet vertieft und somit ein individuelles Kompetenzprofil erarbeitet werden. Während des fünften Semesters rückt der Praxisbezug in den Mittelpunkt der Ausbildung. Das Modul "Berufspraktische Studien" eröffnet die Möglichkeit, in anerkannten Praxisstellen Wissen konkret anzuwenden und praktische Erfahrungen zu sammeln -im In- und Ausland.

Studienbegleitend erwerben Studierende im Modul "Schlüsselkompetenzen" essenzielle Fähigkeiten, die das Bewerten komplexer, neuartiger Situationen, die adäquate Reaktion und das effektive Anwenden von Wissen im Arbeitsleben erleichtern. So werden u.a. Empathie und Teamfähigkeit gefördert oder Organisationskompetenzen wie Zeitmanagement und Verwaltungskenntnisse trainiert.

Mit der Bachelorarbeit schließt das Studium im sechsten Semester ab. Studierende arbeiten sich eigenständig in eine Fragestellung der Sozialen Arbeit ein, setzen sich wissenschaftlich damit auseinander und präsentieren das Ergebnis im Rahmen eines Kolloquiums. Mit erfolgreichem Abschluss des Bachelorstudiums können Absolventinnen und Absolventen direkt in die berufliche Praxis starten, ein weiterführendes Masterstudium aufnehmen oder Praxiszeiten zur staatlichen Anerkennung erwerben. (siehe "Praktikum")

Ein exemplarischer Studienplan, der die Verteilung der Module im Studium zeigt, befindet sich im Modulhandbuch. Es ist Bestandteil der Prüfungsordnung und beschreibt ausführlich Inhalte und Lernziele aller Module.

Hochschulwechsel und Quereinstieg

Sie sind oder waren Studierende/ Studierender einer anderen Hochschule und möchten Ihr Studium an der Universität Kassel fortsetzen oder hierhin in einen anderen Studiengang wechseln?

Sie sind bereits in der Universität Kassel immatrikuliert und streben den Wechsel Ihres Studiengangs an? Wichtige Informationen für einen möglichst reibungslosen Einstieg finden Sie hier.

Berufsfelder

Entsprechend der facettenreichen Arbeitsgebiete Sozialer Arbeit eröffnet sich Absolventinnen und Absolventen ein breites Tätigkeitsspektrum. Es umfasst alle sozialen Aufgaben, die Städte und Gemeinden erfüllen und gemeinsam mit sozialen Trägern organisieren. Dazu zählen die Kinder- und Jugendhilfe (z.B. Früherziehung, Schulsoziarbeit, Jugendgerichtshilfe), Erziehungs- und Familienhilfe (z.B. Pflegekinderwesen, Ehe- und Familienberatung), Soziale Altenarbeit, professionelle Unterstützung bei Behinderung, Mädchen- und Jungenarbeit, Gesundheitshilfe (z.B. Suchtberatung, Arbeit in therapeutischen und psychiatrischen Einrichtungen), Straffälligenhilfe, Hilfe in besonderen Lebenslagen (z.B. Schuldnerberatung, Obdachlosenhilfe, Schwangerschaftskonfliktberatung), Kulturarbeit und vieles mehr.

Die Mehrzahl der Stellen im Bereich Soziale Arbeit bieten primär Kommunen und freigemeinnützige Träger an (Diakonie, Caritas, DRK, AWO, gemeinnützige Initiativen und Vereine). Der Anteil privater Arbeitgeber nimmt jedoch zu. Da die Nachfrage nach Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeitern auf dem Arbeitsmarkt ist seit Jahren hoch ist, sind auch die Chancen für Bachelorabsolventinnen und -absolventen sehr gut, unmittelbar nach dem Studium eine Anstellung zu finden. Der Berufseinstieg erfolgt allerdings überwiegend über befristete und Teilzeitarbeitsverträge.

Mit dem erfolgreichen Abschluss des Bachelorstudiums sind Absolventinnen und Absolventen optimal vorbereitet auf ein anschließendes Masterstudium. Es bildet die Basis für eine wissenschaftliche Karriere an Bildungs- und Forschungseinrichtungen und ist in der Regel auch die Voraussetzung für eine leitende Position bei öffentlichen und freien Trägern, wie z.B. beim Jugendamt oder einem Wohlfahrtsverband.

Wie der Karriereweg nach Abschluss des Studiengangs Soziale Arbeit verlaufen kann, welche Tätigkeit Absolventen heute ausüben, zeigen die Almuniportraits.

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Fachbereich 01 - Humanwissenschaften
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