Erfahrungsorientiertes Lernen außerhalb des Klassenraums

Wie gestaltet man jedoch "Exkursionen" mit DaFZ- Schülerinnen und Schülern so, dass die diese optimal auf die kommunikativen Herausforderungen vor Ort vorbereitet werden?

Diese Frage zu beantworten, ist nicht so einfach, denn der Gang aus dem Klassenraum ins Museum oder in die Gedenkstätte, zum Amtsgericht, auf das Rathaus oder in die Markthalle ist noch lange nicht gleichbedeutend mit dem Lernen an diesen Orten. Im Vergleich zum Unterricht im "Schonraum Schule" stellt der Gang aus dem Klassenraum Lehrerinnen und Lehrer vor einige Herausforderungen. Denn Deutschlernen in der Markthalle oder auch im Bergpark kann nur funktionieren, wenn der Unterricht vor Ort in Lernarrangements vor- und nachbereitet wird und die Schüler/innen Aufgaben erhalten, die ihnen eine selbstständige, handlungs- und kommunikationsorientierte Erkundung der jeweiligen Situation ermöglichen.

Das mit dem Lehrinnovationspreis 2013 ausgezeichnete Projektseminar "Erfahrungsorientiertes Lernen außerhalb des Klassenraums: Vom sprachlosen Staunen zum angeregten Gespräch" des Fachgebietes Deutsch als Fremd- und Zweitsprache (DaFZ) an der Universität Kassel hat das Ziel, angehende Deutschlehrer und Deutschlehrerinnen auf die Planung und Durchführung von Unterricht außerhalb des Klassenraums vorzubereiten.

Studierende aus dem In- und Ausland hatten im ersten Teil des Seminars die Gelegenheit, verschiedene außerschulische Lernorte mit der Seminarleiterin Tanja Fohr zu erkunden und beispielsweise in Expertengesprächen, wie mit dem dOCUMENTA13-Künstler Gunnar Richter, Näheres über die Gedenkstättenpädagogik und andere Ansätze zu erfahren. In Erprobungssequenzen vor Ort, beispielsweise im Museum "Neue Galerie" oder auf dem "Amtsgericht" wurden in Form von Unterrichtssimulationen verschiedene didaktisch-methodische Ansätze in Teams erprobt, diskutiert und weiterentwickelt. Im zweiten Teil des Projektseminars arbeiteten die Teilnehmer und Teilnehmerinnen selbstständig an der Erschließung außerschulischer Lernorte. Für die Auswahl waren die persönlichen Interessen, aber auch die eignen Erfahrungen als Deutschlerner/innen in Kassel ausschlaggebend. So äußerte sich beispielsweise eine Gruppe: "Als ich in Deutschland angekommen bin, hatte ich Angst mit der Straßenbahn zu fahren. Ich wusste nicht, was das Wort 'Richtung' bedeutet und konnte nicht nach dem Weg fragen."

Ein anderes Team interessierte sich für die Erschließung eines primären Lernortes, also einem Ort, der eigentlich schon für das Lernen eingerichtet ist. Kunstmuseen oder aber auch Gedenkstätten oder kulturhistorisch bedeutsame Orte wie das Marmorbad in Kassel sind für Deutschlernende trotz Führungen und Hinweisen schwer zu begreifen. Einige ausländische Studierende stellten nach einer Führung durch die "Neue Galerie" fest, dass sie kaum etwas verstanden hätten, da sie die fachsprachlichen Ausdrücke zur Erläuterung der Bildzusammenhänge nicht verstehen konnten. Ausgehend von diesem Problem erarbeitete diese Gruppe ein Konzept zum Deutschlernen im Marmorbad.

Im abschließenden Teil des Seminars präsentieren die Studierenden ihre Projektergebnisse vor Ort in Form von Unterrichtssimulationen. Das ganze Seminar und Gäste aus dem Fachgebiet DaFZ schlüpfen dazu in die Rolle von Deutschlernenden auf verschiedenen Niveaus und erproben zum Beispiel auf dem Weg durch das Rathaus, in der Straßenbahn, spazierend durch die Karlsaue sowie im Marmorbad handlungs- und kommunikationsorientierten Deutschunterricht.

Das Projektseminar "Vom sprachlosen Staunen zum angeregten Gespräch: Erfahrungsorientiertes Lernen außerhalb des Klassenraums" zeigt, wie man theoretische und praktische Aspekte bei der beruflichen Qualifizierung an der Universität so miteinander verbindet, dass die pädagogischen Schlagwörter des ganzheitlichen, handlungs- und produktionsorientierten Lernens mit Leben gefüllt werden. 

Pressemeldungen zur Veranstaltung: 
HNA 14.07.2013 und Aktuelles Universität Kassel 10.07.2013 Näheres zu dem Projekt und den verschiedenen Angeboten für Schulen und Bildungsträger erfahren Sie im Blog zur Veranstaltung.

 

 

Projektverantwortliche

Bild von StR.i.H. Tanja M.A. Fohr
StR.i.H. Tanja Fohr M.A.
Mitarbeiterin
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