05.05.2026 | Portrait

Schülerin Fiona Rymon studiert schon vor dem Abi Sprachen an der Uni Kassel

Quellenangabe: Hessische Allgemeine (Kassel-Mitte) vom 14.04.2026, Seite 6, von Stefanie Rösner, 16.04.2026, 11:02 Uhr

Bild: Stefanie Rösner

Doppelt lernen: Fiona Rymon macht dieses Jahr an der Herderschule ihr Abitur und besucht bereits Vorlesungen und Seminare als Frühstudentin im Bereich Romanistik der Uni Kassel. 

Die 19-Jährige absolviert ein Frühstudium in Romanistik. Ihre Leidenschaft für Französisch führte sie schon während der Schulzeit an die Hochschule.

Kassel – Für viele ist Vokabeln lernen eine Last. Für Fiona Rymon ist es ein Hobby, ja sogar mehr. Es ist ihre Leidenschaft. Fremdsprachen haben es ihr angetan, seitdem sie das erste Mal Berührungspunkte damit hatte. Englisch, Französisch und Spanisch in der Schule reichten ihr schon bald nicht aus. „Ich wollte mehr lernen.“ Deshalb studiert die Schülerin jetzt auch.

„Ich brenne für meinen Fachbereich“, sagt die 19-jährige Kaufungerin. Während sie sich derzeit auf das Abitur an der Herderschule vorbereitet, besucht sie seit Oktober Vorlesungen und Seminare in Französisch und Spanisch am Institut für Romanistik der Universität Kassel. Der Studiengang Internationale Sprach- und Kulturvermittlung sei wie für sie gemacht, sagt Fiona Rymon. Ihr Herz schlägt besonders für die französische Sprache und Kultur.

Frühstudierende

Im Wintersemester gab es an der Uni Kassel nach Auskunft der Pressestelle neun Frühstudierende. Grundlage sei das Hessische Hochschulgesetz, das besonders begabten Schülerinnen und Schülern die Teilnahme an Lehrveranstaltungen und Prüfungen ermöglicht. Die Studienzeiten und Prüfungsleistungen würden auf Antrag anerkannt. „Aus unserer Sicht ist das Frühstudium eine Gelegenheit, begabten jungen Menschen eine Möglichkeit der Weiterentwicklung und der beruflichen Orientierung zu bieten und sie für ein Studium an der Universität zu interessieren“, sagt Uni-Pressesprecher Sebastian Mense.

Bei einem Roadtrip durch die Normandie habe sie das Savoir-vivre der Franzosen schätzen gelernt. Und während eines Schüleraustauschs in Dijon im Jahr 2023 durfte sie sich wie eine richtige Französin fühlen. „Das fand ich toll!“

Auch in ihrer Freizeit beschäftigt sie sich gern mit französischer Literatur und Filmen, erzählt sie. „Ich habe mir super viel selbst angeeignet.“ Daher habe sie sich im Schulunterricht oft gelangweilt. Das Sprachcafé an der Uni bot ihr die perfekte Gelegenheit, um viel frei zu sprechen. Die Muttersprachlerin Céline Wieders-Lohéac habe die Gruppe angeleitet und sie auf die Möglichkeit aufmerksam gemacht, während der Schulzeit mit dem Studieren beginnen zu können. Ein solches Frühstudium steht besonders begabten Schülerinnen und Schülern offen. Voraussetzung ist eine Empfehlung der Schule.

Drittes Studienjahr in Frankreich geplant

Fiona Rymon strebt einen binationalen Abschluss an, der in Deutschland und in Frankreich anerkannt ist. Dieser wird durch die deutsch-französische Hochschule (DFH) gefördert. Dafür muss Fiona das dritte Studienjahr an einer Partneruniversität in Angers im Westen Frankreichs verbringen.

Die Schülerstudentin möchte ihre Faszination für Sprache und Kultur an andere weitergeben. Daher hat sie ein klares Ziel vor Augen: Sie will Sprachen unterrichten und vor allem zurückhaltende Schülerinnen und Schüler ermutigen, mehr zu sprechen und mit Menschen aus anderen Ländern in Kontakt zu treten. „Sprache ist entscheidend für Empathie und das Verständnis für andere Kulturen“, sagt sie. Ihr Hochschulabschluss in internationaler Sprach- und Kulturvermittlung werde sie noch nicht für das Lehramt befähigen. Daher sei noch ein Master-Studium geplant – „wahrscheinlich im Ausland“.

Nebenbei lernt Fiona Griechisch, und sie will sich noch Italienisch und Portugiesisch aneignen. Wenn dann noch Zeit ist, tanzt sie Ballett, bäckt und engagiert sich als Rettungsschwimmerin. Die Ferien nutzt sie, um andere Länder zu bereisen, und arbeitet dort, wenn möglich, als Betreuerin von Kindern und Jugendlichen.

Fiona ist längst nicht die jüngste Frühstudentin in Kassel. Sie hat an der Uni andere kennengelernt, die zum Teil einige Jahre jünger sind und als Schüler studieren. Wer das machen will, sollte Spaß und Leichtigkeit beim Lernen haben, so wie Fiona. Aber ein Überflieger in allen Disziplinen müsse man nicht sein. So sind zum Beispiel Naturwissenschaften und Mathematik eher weniger Fionas Fall, wie sie sagt. Die absolute Begeisterung für eine Fachrichtung und überdurchschnittliche Leistungen machen den frühen Einstieg ins Studium möglich.