Transökologien: Gegenwartskunst im Kontext der Klimakrise


Künstler:innen und künstlerische Kollektive der Gegenwart erforschen vor dem Hintergrund multipler Umweltkrisen zunehmend die komplexen Relationen und Wechselwirkungen zwischen ‚natürlichen‘ und gesellschaftlichen, biologischen und technisch-kulturellen Systemen. Ferner reflektieren sie im Hinblick auf ökologische Zerstörungen auch die darin angelegten geschlechtlich oder ethnisch bestimmten Machtverhältnisse sowie neokoloniale Strukturen, die sich beispielsweise in der Trennung zwischen den Ländern des sogenannten Globalen Südens und des Globalen Nordens widerspiegeln. Durch eine aktuelle Erweiterung des Ökologie-Begriffs sind derartige Verknüpfungen zwischen gesellschaftlichen und ökologischen Prozessen jüngst auch in wissenschaftlichen Disziplinen verstärkt in den Blick geraten. Gegenwartskunst, die im Kontext der Klimakrise produziert wird, befasst sich daher – so die zentrale Hypothese des Forschungsnetzwerkes – mit transökologischen Aspekten. Um die komplexen Zusammenhänge zwischen vielfältigen sozio-ökologischen Prozessen und ihren ästhetisch-künstlerischen Verhandlungen angemessen erforschen zu können, macht sich das Netzwerk zur Aufgabe, einen transökologischen Ansatz für die Kunstwissenschaft zu entwickeln. Anhand der kritischen Revision und Synthese von bereits existierenden Transökologie-Definitionen, die aus der Anthropologie, der politischen Philosophie und den Gender Studies stammen, soll von den Netzwerkmitgliedern ‚Transökologie‘ als ein innovatives theoretisches Konzept und eine neue Methode für die Kunstwissenschaft ausgearbeitet werden. Mit diesem Vorhaben reagiert das Netzwerk auf eine Forschungslücke. Denn trotz der evidenten Zentralität ökologischer Themenkomplexe in der zeitgenössischen Kunstproduktion sowie in der kulturwissenschaftlichen Theorie steht eine fundierte Auseinandersetzung mit diesen Phänomenen in der deutschsprachigen Kunstwissenschaft noch am Anfang.

Liliana Gómez ist seit 2025 Netzwerkmitglied und assoziierte Forschende. Das Wissenschaftliche Netzwerk „Transökologien: Gegenwartskunst im Kontext der Klimakrise“ wird von Dr. Lena Geuer (TU Dresden) und Dr. Hauke Ohls (Universität Bonn) geleitet und von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) finanziert.