Protest und Reform in der Globalen Politischen Ökonomie: Team
Sabrina Keller
Gottschalkstr. 10-12, Raum 2106, 34127 Kassel, Deutschland
Sabrina Keller ist Doktorandin in der Nachwuchsforschungsgruppe „Protest und Reform in der Globalen Politischen Ökonomie aus Perspektive einer Postkolonialen Politikforschung“ der Universität Kassel und der Hans Böckler Stiftung. In ihrer Forschung untersucht sie Auswirkungen von Entschuldungsinitiativen auf Strukturen und Prozesse der globalen politischen Ökonomie. Sie hat einen Magister in Politikwissenschaft, Soziologie und Wirtschaftswissenschaften und mehrere Jahre Berufserfahrung in der nichtstaatlichen Entwicklungszusammenarbeit u.a. in Afghanistan, Jordanien und Niger. Ihr Forschungsinteresse zur globalen politischen Ökonomie richtet sich insbesondere auf Fragen nach Herrschaft und Kolonialität sowie subalterner Repräsentation. Sie organisiert Veranstaltungen der entwicklungspolitischen Bildungsarbeit und unterstützt Migrant*innen.
Schuldenerlass!? Eine Analyse internationaler Proteste und Reformen des Schuldenregimes aus postkolonial-global ökonomischer-governance Perspektive
1987 konstatierte Thomas Sankara beim Gipfeltreffen der OAS in Addis Abeba, dass die Schulden ihren Ursprung im Kolonialismus haben, ein Mittel der Rekolonisierung sind und nicht zurückgezahlt werden können.
Auch 30 Jahre später wird immer wieder deutlich, wie die Abhängigkeit zwischen Gläubiger und Schuldner dazu beiträgt, demokratische Strukturen zu unterlaufen und neoliberale Reformen zur Privatisierung, Deregulierung des Arbeitsmarktes etc. durchzusetzen. Dazu werden die Schuldner meist als abweichend von der eigenen Norm beschrieben und rhetorisch abgewertet, um das Diktieren von Konditionalitäten zu begründen.
Nach jahrelangen Protesten zahlreicher Gruppen und Bewegungen auf nationaler und internationaler Ebene wurde Anfang dieses Jahrtausends schließlich die sogenannte HIPC-Initiative zur Entschuldung armer und hoch verschuldeter Länder (highly indebted poor countries) beschlossen, die jedoch weit hinter den Erwartungen vieler Aktivist*innen zurückblieb.
Untersucht wurde bisher insbesondere deren Kopplung an Strukturanpassungs- und Armutsbekämpfungsprogramme. Daran anknüpfend soll in dieser Arbeit konkreter untersucht werden, inwiefern bestehende Strukturen und Prozesse internationaler Organisationen wie der Weltbank durch die Proteste beeinflusst wurden bzw. diese geprägt haben.
Das Vorhaben ist somit an der Schnittstelle von Global Economic Governanceforschung, postkolonialen Studien und Bewegungsforschung angesiedelt. Das Promotionsvorhaben zielt darauf ab, einen wissenschaftlichen Beitrag zu globalen politischen Praxen hinsichtlich der Konzeption und Umsetzung von Entschuldungsinitiativen zu leisten. In Form kritischer Politikfeldanalyse stellt das Promotionsvorhaben dabei Artikulations- und Repräsentationsformen in den Mittelpunkt der Analyse und zielt darauf ab einen Beitrag zur Dekolonisierung globaler Strukturen und Prozesse zu leisten.
Eric Otieno
Gottschalkstr. 10-12, Raum 2105, 34127 Kassel, Deutschland
Eric Otieno ist Doktorand in der Nachwuchsforschungsgruppe „Protest und Reform in der globalen politischen Ökonomie aus Perspektive einer postkolonialen Politikforschung" der Universität Kassel und der Hans-Böckler-Stiftung. In seiner Forschung untersucht er den Einfluss von südafrikanischem Protest und Widerstand auf Reformprozesse bei der WTO und prangert die aktuelle Fassung der Geistigen Eigentumsrechte als ein kapitalistisches Wissensverwaltungssystem an. Er überprüft die Aussicht einer Transformation dieser mit Blick auf globale Gesundheit, Geistiges Eigentum und der internationale Handel. Er hat ein Bachelor of Arts in Soziologie & Politikwissenschaften und ein Master in Global Political Economy. Im März & April 2018 absolvierte er einen Forschungsaufenthalt an der Universität Witwatersrand in Johannesburg, Südafrika. Im Januar 2016 koordinierte er die Konferenz : Beyond the Masters tools: Post- and Decolonial approaches to research Methodology and methods in the social sciences an der Universität Kassel mit. Er engagiert sich bei Kassel Postkolonial und der UN Dekade für Menschen Afrikanischer Herkunft und ist Senior Fellow bei Humanity in Action, sowie beim Africa Good Governance Network.
Anne Reiff ist Doktorandin in der Nachwuchsforschungsgruppe „Protest und Reform in der Globalen Politischen Ökonomie aus Perspektive einer Postkolonialen Politikforschung“ der Universität Kassel und der Hans Böckler Stiftung. In ihrer Forschung untersucht sie die das Verhältnis von Protest, Reform und Kooptation in der Weltbank am Beispiel der Studie „Voices of the Poor“ aus dem Jahr 2000. Sie hat einen Bachelor of Arts in Politikwissenschaften und einen Master of Arts in Internationalen Studien/Friedens-und Konfliktforschung. Ihre Forschungsinteressen sind globale Wissenspolitiken und Fragen nach globaler Herrschaft und subalterner Repräsentation. Sie setzt sich (basis-)gewerkschaftlich für bessere Arbeits-, Lebens- und Lernbedingungen, insbesondere im Hochschulbereich ein.
Dustin Schäfer ist Doktorand in der Nachwuchsforschungsgruppe „Protest und Reform in der globalen politischen Ökonomie aus Perspektive einer postkolonialen Politikforschung" der Universität Kassel und der Hans-Böckler-Stiftung. In seiner Forschung untersucht er die Möglichkeiten und Grenzen von institutionellen Rechenschaftsmechanismen (IRM), institutionelles Handeln auf Seiten der zugehörigen Finanzinstitution, hervorzurufen. Inwiefern es den IRMs dabei gelingt institutionelle Lernprozesse anzustoßen, die über die Projektumsetzung hinauswirken, wird im Hinblick auf die institutionellen Strukturen und Prozesse als auch hinsichtlich der Rolle von involvierten Nichtregierungsorganisationen untersucht. Er hat ein BA of Ed. und MA of Ed. in Berufspädagogik (Politikwissenschaft und Elektrotechnik). Im Rahmen des MA Thesis Research Grant Program des International Center for Development and Decent Work, untersuchte er von April bis September 2016 das Transport-Sector-Development-Project in Uganda. Im Rahmen eine Klage beim Inspection Panel (Fall 98) ist es einer lokalen NGO gelungen, den lokalen Protest von negativ betroffenen Menschen in institutionelles Handeln auf Seiten der Weltbank zu transformieren, welches sich in einem Finanzierungsstopp des Projekts manifestierte. Dustin Schäfer engagiert sich seit 2015 bei Kassel Postkolonial und Phoenix.ev und ist Mitglied des stipendiatischen Vertretungsgremiums der Promovierenden der Hans-Böckler-Stiftung.