Retropia und Akzeleration - rechtsautoritäre Ideologien in Architektur und Städtebau
Lehrende Person: Prof. Dr. Philipp Oswalt
3 Credits
Donnerstags 10:00 - 11:30 Uhr
Wir leben in einer paradoxen Gegenwart: Der digitaler Plattformkapitalismus entfaltet sich nahezu unreguliert und ungehemmt und revolutioniert unser Alltagsleben. Und dieser befördert die Ausbreitung reaktionärer, rechtspopulistischer Ideologien von Abstammung, Nation, Geschlecht und Familie, welche die Wiedergeburt idealisierte Vergangenheiten propagieren. Nirgendwo wird diese Schizophrenie so anschaulich wie in der Architektur. Zum einen deregulierte Immoblienentwicklungen mit paleolibertäre bzw. anarchokapitalistische Konzepten für Privatstädte, Seastading und Visionen der Marsbesiedlung, zum anderen fotorealistische Rekonstruktionen verlorener Bauten sowie pastichehafte neotraditionelle Neubauten, die eine vermeintlich homogene und konsistente Vergangenheit beschwören.
Unsere Zukunft ist nicht konsistent, sondern bevölkert von futuristischen wie nostalgischen Gespenstern. Und auch wenn Herkunft und Identität den ideologischen Kern der sich ausbreitenden antiliberalen Narrative bilden, so handelt es sich dabei um eine globale, die Kontinente übergreifende Strömung mit einem gemeinsamen Argumentationsmodell.
Diese Beobachtung nehmen wir zum Anlass für eine kritische Bestandsaufnahme, welche das vielerorts gleichzeitig Erscheinen nationalistischer Gespenster am Beispiel von Architektur in Augenschein nimmt. Fallbeispiele könnten z.B. sein: USA, Deutschland, Großbritannien, Ungarn, Serbien, Türkei, Russland, Israel, Indien und Thailand. Zu thematisieren sind zugleich die verbindenen, übergreifenden Strukturen, seien es Theorienbildungen (u.a. von Roger Scruton, Thierry Baudet etc.) bzw. von internationalen Netzwerke und Organisationen (Architectural Rebellion/ Architectural Uprising, Intbau, Aesthetic City, Institute of Classical Architecture & Art etc.). Zu den gemeinsamen Argumentationsstrukturen gehört neben der Verherrlichung von mythologisierter Traditionen die Verächtlichmachung einer Zombiemoderne als Schreckgespenst und ein Hass auf den Status quo.
In dem Seminar sollen diese Phänomen arbeitsteilig recherchiert und diskutiert werden. Die Seminarergebnisse dienen zur Vorbereitung einer Pop-Up-Ausstellung an der Akademie der Künste Berlin im Mai/ Juni 2027. Bei Interesse kann ein im Frühjahr 2027 ein Zusatzmodul zur Beteiligung an der Ausstellungsumsetzung gewählt werden.
Das Seminar wird am Mittwoch, den 14.10. um 14.30. im A 0106 (ASL Neubau) vorgestellt. Für eine Teilnahme ist eine Seminareinwahl bis zu 14.10. 16:30 verpflichtend. Info und Link dazu: http://www.uni-kassel.de/go/ath. Über die Zuteilung eine Seminarplatzes werden sie noch am selben Abend informiert.
Erster Seminartermin findet am Donnerstag, der 15.10., um 10:00 in der Georg-Forster-Straße. 4, Raum 2004. Statt.