Pro­mo­tio­nen

Interessenten für eine Promotion können sich mit einem ersten Themenvorschlag, Lebenslauf und Arbeitsproben an Prof Philipp Oswalt wenden. Geeignete Promotionskandidaten werden bei der Entwicklung von innovativen Fragestellungen und der Suche nach Finanzierungsmöglichkeiten unterstützt. Neben der Einzelbetreuung organisiert das Fachgebiet mindestens einmal jährlich ein Promotionskolloquium, bei dem alle Promovenden ihren jeweiligen Arbeitsstand vorstellen und dieser – auch mit eingeladenen Gästen – diskutiert wird. Promotionen können in deutscher und englischer Sprache abgelegt werden.

All­ge­mei­ne In­for­ma­tio­nen zu Pro­mo­tio­nen


Lau­fen­de Pro­mo­tio­nen

An­na-Ca­ri­na Mey­wirth: "An­ar­chi­text. An­dre­as Neu­meis­ters er­zähl­tes Bau­en"


Diese interdisziplinäre Dissertation analysiert die Texte des Autors Andreas Neumeister aus literaturwissenschaftlicher und architekturtheoretischer Perspektive. Im Fokus steht dabei sein Werk Könnte Köln sein von 2008.

Diese interdisziplinäre Dissertation analysiert die Texte des Autors Andreas Neumeister (*1959) aus literaturwissenschaftlicher und architekturtheoretischer Perspektive. Seine so genannten ‚Romane‘ unterlaufen bewusst die Gattungsspezifika und spielen mit eingefahrenen Methoden der Literaturwissenschaft. Dokumentarische Details zu Architekturen verschiedener Städte (u.a. München, Moskau, Los Angeles) werden dekonstruiert, collagenhaft verkettet und kreieren dadurch ungewöhnliche, kritische und experimentelle Blickwinkel auf vermeintlich bekannte oder verschwundene Fassaden.  

Neumeisters Texte besitzen keine Handlungsverläufe und einen lediglich schwach konturierten Erzähler, der inmitten der Textbruchstücke häufig in den Hintergrund tritt. Das dadurch streckenweisen kryptische Schreiben verlangt dem Leser viel Aufmerksamkeit und Recherchearbeit ab. Information an Information kreiert ein Netz aus Verweisen (Links), ähnlich einem Hypertext, der permanent aus dem eigentlichen Text heraus auf andere Texte verweist. Möglicherweise existieren aus diesem Grund nur wenige detailliertere Aufsätze zu Andreas Neumeisters Werken, eine Monographie ist bislang noch nicht erschienen. Die Dissertation wird diese Lücke füllen und im ersten Teil die poetischen/popliterarischen Verfahren des Autors untersuchen, kategorisieren und daraus eine ‚ideale Lesestrategie‘ entwickeln.

Der zweite Teil widmet sich der inhaltlichen Analyse des ‚Romans‘ Könnte Köln sein (2008), in welchem laut Untertitel „Städte“ und „Baustellen“ literarisch verarbeitet werden. Bekannte und weniger bekannte Bauplätze und (Macht-) Architekturen verschiedener Städte stellt der Text durch die Brille des Erzählers zur Disposition und offenbart teilweise skurrile politische Details und Hintergründe zur Entstehungsgeschichte der Bauwerke. Die thematisierten Gebäude oder geographischen Räume erfahren eine kreative Einbettung in den möglicherweise vergessenen, verdrängten oder verschwiegenen Kontext und werden als wichtige Produkte gesellschaftlichen Handelns aufgewertet. Nahezu alle Fakten sind nachprüfbar und spielen unter dem Deckmantel des Romans mit der Grenze von Realität und Fiktion. Die inhaltliche Mischung der verschiedenen Textgenres und die zahlreichen poetischen Verfahren lassen sämtliche literaturwissenschaftliche Analysemethoden und -werkzeuge scheitern, sodass die Textanalysen der Dissertation neue methodische Zugänge wie die Architekturtheorie ausprobieren. 

Auf den ersten Blick lässt sich bei Neumeisters Arbeitsweise kein Muster erkennen, jede Annäherung an eine Stadt oder ein Bauwerk erfolgt individuell. Ob sich am Ende aller Analysen eine Strategie herausfiltern lässt, soll im Ergebniskapitel dargestellt werden.

Mi­cha­el Flör­chin­ger: "do­cu­men­ta, Kas­sel und die „an­de­re Stadt“"


Wer in Kassel lebt, hat fast zwangsläufig auch eine Geschichte mit der documenta. Berührungspunkte mit der weltberühmten Ausstellungsreihe für zeitgenössische Kunst sind für die Menschen in Kassel nahezu unvermeidlich. Anhand qualitativer Interviews fragt das Forschungsvorhaben nach den individuellen Geschichten, die sich mit der documenta verbinden. In der Analyse zeigt sich, dass die documenta städtische Differenzerfahrungen im Sinne einer „anderen Stadt“ provoziert, die die documenta für Kassel nicht zuletzt auch zu einer städtischen Selbsterfahrung machen. Enthusiasten und Verächtern der documenta dient die Ausstellung insofern auch als Reflexionsgenerator über ihr städtisches Selbstverständnis.

Wer in Kassel lebt, hat fast zwangsläufig auch eine Geschichte mit der documenta. Berührungspunkte mit der weltberühmten Ausstellungsreihe für zeitgenössische Kunst sind für die Menschen in Kassel nahezu unvermeidlich. Anhand qualitativer Interviews fragt das Forschungsvorhaben nach den individuellen Geschichten, die sich mit der documenta verbinden. In der Analyse zeigt sich, dass die documenta städtische Differenzerfahrungen im Sinne einer „anderen Stadt“ provoziert, die die documenta für Kassel nicht zuletzt auch zu einer städtischen Selbsterfahrung machen. Enthusiasten und Verächtern der documenta dient die Ausstellung insofern auch als Reflexionsgenerator über ihr städtisches Selbstverständnis.  

Sa­mu­el Korn: "Stadt­räum­li­che Fi­gu­ra­tio­nen als Ar­chi­tek­tu­ren des Zei­gens. Zur Trans­for­ma­ti­on der Raum­pra­xis der do­cu­men­ta"


Die fortwährend veränderte räumliche Verfasstheit der Ausstellungsformate der documenta und die Verortung der Ausstellungssituationen an unterschiedlichen Punkten im Stadtraum Kassels ist ein auffälliges wie auch beständiges Gestaltungselement der Ausstellungsreihe. Ziel des Forschungsvorhabens ist es die Gestaltungsprozesse zu erhellen, die die unterschiedlichen Lokalisierungen und Materialisierungen der documenta in der Stadt hervorbringen und dabei das Ausstellungsformat und die Konfiguration urbaner Elemente regelmäßig neu formen. Das Ausstellen und das Medium Ausstellung soll hierbei als eine primär räumliche Praxis aus der Perspektive der Architekturtheorie betrachtet werden, um die Bedeutung der stadträumlichen und medialen Vorstellungen und Mittel, Instrumente und Formprozesse der Raumpraxis von Ausstellungsproduktion im urbanen Geflecht herauszuarbeiten.

Die fortwährend veränderte räumliche Verfasstheit der Ausstellungsformate der documenta und die Verortung der Ausstellungssituationen an unterschiedlichen Punkten im Stadtraum Kassels ist ein auffälliges wie auch beständiges Gestaltungselement der Ausstellungsreihe. Die Verortung eines Ausstellungsereignisses erfolgt dabei durchaus auch unabhängig von dezidiert in situ orientierten künstlerischen Praxen, vielmehr führen kuratorische Entscheidung zu einem spezifisch lokalisierten Ausstellungsereignis, wie die Beispiele der urbanen Parcours der documenta X oder die als gleichwertig konzipierten Ausstellungen der documenta 14 in Athen und Kassel eindrucksvoll zeigen. Die immer wieder neu erfolgende Rekonfiguration von bekannten und neuen Orten erscheint somit zunehmend als ein bedeutender Teil der kuratorischen Arbeit der künstlerischen LeiterInnen der documenta, die durch neue Situierungen von Kunst nicht zuletzt auch die Möglichkeiten des Ausstellungsformats neu verhandeln. 

Mit der Analyse der Gestaltungsprozesse und der Untersuchung der Wechselwirkungen von Ausstellung und Stadt soll an der Schnittstelle zwischen Ausstellungsstudien und Architekturtheorie eine Untersuchung durchgeführt werden, die an kunstwissenschaftliche, städtebauliche, soziologische, kulturtheoretische und wissenschaftsgeschichtliche Fragestellungen anschließt. Das Medium Ausstellung soll hierbei als eine primär räumliche Praxis aus der Perspektive der Architekturtheorie betrachtet werden, um die Bedeutung der stadträumlichen und medialen Vorstellungen und Mittel, Instrumente und Formprozesse der Raumpraxis von Ausstellungsproduktion im urbanen Geflecht herauszuarbeiten. Hierbei soll eine methodologische Lücke in der Beforschung des Mediums Ausstellung geschlossen werden, die aufgrund des relationalen Charakters des beforschten ‚Objekts‘ existiert. Gleich einer archäologischen Vorgehensweise wird es dabei darum gehen einerseits anhand der Untersuchung von Artefakten und andererseits anhand der Analyse fotografisch dokumentierter wie diagrammatisch rekonstruierter Manifestationen der historisch entwickelten Ausstellungsreihe documenta den nonverbalen Diskurs des Ausstellens anhand der Gestaltungsprozesse der Ausstellung und ihrer Strukturgebung freizulegen. Die durch die documenta-Ausstellungen temporär hervorgebrachten relationalen Formen dienen dabei zugleich als Untersuchungsmaterial wie auch als Modell, um die Interdependenz von Kunst und kuratorischer Rahmung, Architektur und Stadt zu untersuchen; d.h. die Entwicklungsgeschichte der documenta soll in einer Untersuchung der Formfindungsprozesse dargelegt und für eine Methode zur Untersuchung von analog operierenden Ausstellungsformaten nutzbar gemacht werden. 

Ziel des Forschungsvorhabens ist es die Gestaltungsprozesse zu erhellen, die die unterschiedlichen Lokalisierungen und Materialisierungen der documenta in der Stadt hervorbringen und dabei das Ausstellungsformat und die Konfiguration urbaner Elemente regelmäßig neu formen. Das Projekt soll die Kenntnisse zu den Raumpraktiken der documenta als strategisches Instrument der Ausstellungskonzeption vertiefen. Mit der Untersuchung soll sichtbar gemacht werden wie die Ausstellungsreihe in Form von Einschreibungen in die Stadt weiterentwickelt wurde und wie die Verortung der documenta hierbei zu einem bedeutenden Vehikel der konzeptuell-inhaltlichen Entwicklung werden konnte. Zudem sollen die kuratorische Rahmung auf Kontinuitäten und Verschiebungen analysiert werden und so dargestellt werden inwieweit documenta an kuratorische Praktiken außerhalb Kassels anknüpft und inwiefern auch an anderen Orten analog zu den Raumpraktiken der documenta Elemente der Stadt als inszenatorisches Moment produktiv werden. Erwartet werden darüber hinaus wichtige neue Einsichten zu den Formfindungsprozessen der Ausstellung innerhalb der Realität des städtischen Bestands sowie Erkenntnisse zu der historisch herausgebildeten kuratorische Methode der Verhandlung von Geschichte und Gegenwart durch die Präsentation von Kunst in vorgefundenen Räumen, die dabei zu gestalteten Räumen werden.

Ali­re­za Ta­he­rifard: "Pho­to and Vi­deo Sharing So­ci­al Me­dia and Ur­ban Space in Te­he­ran"


This research intends to explore the area of the interactions between image-based social media and urban space. It attempts to investigate how the widespread use of photo and video sharing social media is influencing the urban experiences and activities in Tehran.

Social media plays an important role particularly in the societies with socio-political repressions and restrictions. Among the most popular social networks, the significance of Image-based platforms is due to the visuality that facilitates close connections with spatial experiences and activities. Using image-based social media has apparently brought new habits and patterns of behavior into the urban culture and influenced the use and experience of the urban space. The intent of this research is to investigate, by conducting in-depth interviews, field observations, and analysis of media contents, how the use of photo and video sharing media (in particular, Instagram) has been changing the urban experience and activities in the city of Tehran. This research attempts to answer the following questions; how does using these media help people compensate for the limitations and deficiencies faced in the urban space? What are the activities that people cannot do openly because of social restrictions, but they can bypass by the help of Instagram? What are the new habits that are brought into the urban culture by using these media? How does Instagramming help express and shape individual and social identities in the urban context? How has Instagramming affected people’s urban activities and experiences (e.g., social interactions, events and movements, social awareness, love, business, and acts of protest)? How is photo and video sharing changing the public and private concepts and spatial boundaries? How has the organization of urban knowledge changed by using these media?

Ali Saad: "Die ver­steck­te Stadt: Prin­zi­pi­en räum­li­cher Hy­bri­di­tät in der Tie­fe des Ber­li­ner Blocks"


Anhand einer Dokumentation ausgewählter Fallbeispiele, entwickelt die Dissertation eine Typologie des hybriden Berliner Blocks und eine Systematik an Entwurfsprinzipien räumlicher Hybridität. Ziel des Projekts ist es ein empirisch nachweisbares Bild des existierenden Berliner Blocks und seiner vielfältigen Qualitäten jenseits aktuell vorherrschender Dogmen der räumlichen Einheitlichkeit zu zeichnen und so ein Beitrag zu einer pluralistischeren, städtebaulichen Praxis zu leisten.

Die Dissertation handelt vom zeitgenössischen Berliner Block, der urbanen Grundeinheit Berlins. Entstanden während der Industrialisierung, voll entwickelt durch den Hobrecht-Plan, zerbombt während des Zweiten Weltkriegs, neu erfunden während der Nachkriegszeit und bis heute kontinuierlich überformt, war der Berliner Block flexibel genug, um Berlins komplexe Geschichte, seine harschen sozio-politischen Umbrüche und seine oft widersprüchlichen Planungsideologien zu absorbieren. Im Laufe der Zeit entwickelte sich der Berliner Block zu einer offenen und in vielerlei Hinsicht hybriden, urbanen Typologie, die Koexistenz und Pluralität unterschiedlicher Gebäudetypen und Ordnungsvorstellungen, von Programmen, Nutzern, Lebensentwürfen und Geschäftsmodellen in einer verdichteten urbanen Einheit begünstigt. Entscheidend für die räumliche Heterogenität des Berliner Blocks ist seine bemerkenswerte Größe. Sie läßt unterschiedliche Bautypen und Körnungen zu, die auch große Nutzungen wie Produktion und großmaßstäblichen Wohnungsbau aufnehmen können. Sie erzeugt aber auch eine Stadtstruktur, deren Hauptsubstanz sich in der Tiefe des Blocks befindet. Eine quasi versteckte Stadt, in deren Hinterhöfen sich zunächst Produktionsbetriebe und Schulen und später eine Mischung aus Klubs, Ateliers, Kleingewerbe und Werkstätten abseits der Öffentlichkeit ansiedelten. Dies erzeugte eine berlinspezifische Kultur, die mittlerweile zum Motor des aktuellen Wachstums geworden ist. Das Projekt fragt nach den unterschiedlichen, räumlichen Konfigurationsprinzipien des zeitgenössischen Berliner Blocks. Es dokumentiert zunächst den aktuellen Zustand und die Entwicklung tiefer und hybrider Blocktypen empirisch und entwickelt daraus eine Typologie des hybriden Berliner Blocks. In einem weiteren Schritt leitet es daraus eine Systematik charakteristischer Prinzipien räumlicher Hybridität ab und konzeptualisiert diese als Entwurfsprinzipien. Die Arbeit ziel darauf ab, das reiche und bislang unbemerkte Wissen an ungeplanten, jedoch bestehenden und somit bewährten Organisationsmustern räumlicher Hybridität der Theorie und Entwurfspraxis von Architektur und Städtebau zugänglich zu machen. Gleichzeitig soll ein empirisch nachweisbares Bild des existierenden Berliner Blocks und seiner vielfältigen Qualitäten jenseits aktuell vorherrschender Dogmen der räumlichen Einheitlichkeit gezeichnet und so ein Beitrag zu einer pluralistischeren, städtebaulichen Praxis geleistet werden. 

Die Dissertation wird seit Januar 2016 an der TU Berlin bearbeitet und wird von Prof. Finn Geipel (Erstgutachter) und Prof. Philipp Oswalt (Zweitgutachter) betreut.

An­ne Sten­gel: "Die Lau­ben­gang­häu­ser in Des­sau-Tör­ten"


als Projekt der Bauabteilung des Bauhaus Dessau unter Hannes Meyer. Eine Untersuchung zur Planungs- und Entwurfsgeschichte mit Analyse des heutigen Baubestandes. Finanziert im Rahmen des Forschungsprojektes aus Mitteln der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), Fertigstellung vorraussichtlich 2019

Aria­ne Wie­gner: "Die Pla­nung der Ob­so­le­s­zenz"


Die Arbeit analysiert die in die Archiektur im 20. Jahrundert eingeschrieben heterogene Zeitlichkeitsmodelle am Beispiel ausgewählter Bauten in Berlin.

Zeitlichkeitsmodelle im architektonischen Entwurf

Die Dissertationsarbeit untersucht die der Architekturproduktion innewohnenden Zeitlichkeitsmodelle in der klassischen Moderne und Nachkriegsmoderne und fragt nach der Rolle dieser Zeitlichkeitsmodelle im Entwurfsprozess.

Im theoretischen Teil sollen nach einer literatur- und interviewbasierten Diskursanalyse ausgewählte Bauten untersucht und dokumentiert werden. Die Gebäudeanalysen werden beispielhaft für Geschosswohnungsbauten in (West-) Berlin durchgeführt. 

Im experimentellen Teil sollen mit Hilfe des Zeitpuls-Konzeptes von Heinz Ronner und der Theorie des scenario-buffered buildings von Stewart Brand die Möglichkeiten, Grenzen und architektonischen Auswirkungen der Berücksichtigung unterschiedlicher Zeitlichkeitsmodelle im Entwurfsprozess erörtert werden. 

Ziel der Arbeit ist es, die verschiedenen einem Bauwerk eingeschriebenen Zeitlichkeitsmodelle unterschiedlicher an ihrem Entwurf und Bau beteiligter Akteure herauszuarbeiten und zu analysieren. Hierbei ist die These zu bestätigen, dass diese Modelle teilweise erheblich voneinander divergieren bzw. sogar in Konflikt zueinander stehen.

Schließlich können die Divergenzen Hinweise darauf geben, wie bereits während des Entwurfsprozesses durch Wichtung der Akteursparameter ein bestimmtes und nicht zufälliges Alterungsverhalten von Gebäuden und ein kontrollierter Zeitpunkt ihrer Obsoleszenz erreicht werden kann.

An­ke Küh­nel: "Ri­chard Kauf­mann - Ar­chi­tect of Zio­nism"


Die Dissertation widmet sich Richard Kauffmann – dem deutsch-jüdischen Architekten, der sein Leben halb in Deutschland und halb im britischen Mandats-Palästina, bzw. in Israel verbracht hat. Gefördert mit einem Stipendium des Ernst Ludwig Ehrlich Studienwerk (ELES).

Architect of Zionism

Die Dissertation widmet sich Richard Kauffmann – dem deutsch-jüdischen Architekten, der sein Leben halb in Deutschland und halb im britischen Mandats-Palästina, bzw. in Israel verbracht hat. 

Kauffmann war 1920 nach Palästina ausgewandert, um eine Stelle bei der Palestine Land Development Company (PLDC) anzutreten. Seit seiner Umsiedlung nach Palästina erarbeitete rund zweihundert teils umgesetzte, teils im Entwurfsstadium verbliebene Projekte. Er hat maßgeblich die Architektur im britischen Mandatsgebiet in der Zeit vor der Unabhängigkeitserklärung des Staates Israel beeinflusst und geformt. Die deutsch-jüdische Kultur, der Kauffmann entstammt, prägte sein Schaffen in dieser Zeit. Seine Übersiedlung von Deutschland nach Palästina war nicht nur biographischer Transfer, sondern wirkte auch als Motor eines kulturellen Transfers und – in der Folge – einer bemerkenswerten kulturellen Verschmelzung. Richard Kauffmann wird in der Arbeit als im eigentlichen Sinne erster Architekt des Zionismus dargestellt. 

Als Person, als Architekt und als Kulturtransporter ist Kauffmann bis heute nicht ausreichend erforscht. Seine Bedeutung als Formgeber für eine ganze Ära in Mandats-Palästina und in Israel ist bisher nur fragmentarisch und oberflächlich analysiert und akademisch aufgearbeitet worden. Vor allem ist Kauffmanns professioneller und kultureller Hintergrund, sind seine spezifisch deutschen Wurzeln, besonders die Auswirkung seinen Studienjahren in München bei Theodor Fischer, kaum beleuchtet worden. Die Art und Weise in der Kauffmann seine europäisch-deutsch-jüdisch geprägten Vorstellungen im neuen Kontext des Mittleren Ostens umgesetzt hat, die daraus resultierende Vielfältigkeit seines Schaffens und die bleibende Wirkung seines herausragenden Werks für Architektur und Gesellschaft im jungen Staat Israel stehen im Zentrum der Dissertation. 

Die Arbeit basiert auf Quellen, die zum größten Teil noch nie zuvor gesichtet wurden und die in drei Archiven gefunden wurden: in zwei private Archive in Jerusalem und Potomac (Washington DC), und  dem offiziellen Central Zionist Archive (CZA) in Jerusalem. Die Dissertation, die voraussichtlich Ende 2018 vertiggestellt werden wird,  wird durch  den Ernst Ludwig Ehrlich Studienwerk (ELES) gefördert. 

Ab­ge­schlos­se­ne Pro­mo­tio­nen

Zur Tätigkeit des Architekten und ehemaligen Bauhausdirektors Hannes Meyer in der Sowjetunion 1930 – 1936. Promotion an der Universität Kassel, Erstprüfer Prof. Philipp Oswalt, Beginn 2014
Gefördert mit einem Stipendium des Ernst Ludwig Ehrlich Studienwerk (ELES)

In Deutschlnad sind Moscheebauten seit Ende der 1990er Jahre Gegenstand unterschiedlicher, zumeist lokaler Konflikte und gesellschaftlicher Debatten. Die Forschung zur Architektur der deutschen Moscheebauten gestaltet sich dagegen noch immer übersichtlich.

Das Forschungsprojekt ist die erste wissenschaftliche Arbeit zum westdeutschen Bungalow. Ausgangspunkt der Arbeit sind die internationalen Referenzen des westdeutschen Bungalows – begrifflich die globale Bungalowhistorie vom indischen Bungalow des 18. Jahrhunderts bis zum American Bungalow der Jahrhundertwende, und architektonisch die zeitgenössische Wohnhausmoderne, besonders die kalifornischen Case Study Houses und das Werk Richard Neutras. Zusätzlich wird einleitend die Entwicklung des Einfamilienhauses und die politische Signifikanz der Architekturmoderne in Deutschland bis 1945 sowie der historische Kontext nach 1945 beleuchtet.

Im Zentrum der Arbeit steht die Analyse von Begrifflichkeit und Architektur des westdeutschen Bungalows sowie seiner Konnotationen. So erforscht die Arbeit erstmals die von Ungleichzeitigkeiten und wiederholten Bedeutungsverschiebungen geprägte Entwicklung des Begriffs Bungalow im Deutschen: vom Fachausdruck für koloniales Bauen über einen in der Fachwelt abgelehnten Modebegriff bis zum kanonisierten Terminus der Architekturmoderne. Ebenso werden die architektonischen Charakteristika des Bautyps analysiert und kategorisiert, der durch seine Modernität innerhalb der globalen Bungalowhistorie weitgehend allein steht. Die definierende Assoziation mit der Architekturmoderne sowie mit Merkmalen wie großen Verglasungen und einem prominent abgesetzten, flachen Dach ist ein (west-)deutsches Spezifikum, das – überlagert von der Internationalität von Begriff und Referenzen – in der Binnenwahrnehmung als solches nicht ersichtlich ist.

Empirische Grundlage der Arbeit sind 64 beispielhafte Bungalowprojekte mit über 250 Gebäuden – individuell entworfene Bungalows, Fertighäuser, Bungalowgruppen und -siedlungen –, vom Quelle-Fertighaus bis zum bekanntesten westdeutschen Bungalow, Sep Rufs ‚Kanzlerbungalow’ in Bonn. Alle Projekte wurden 1952 - 1969 in der Bundesrepublik fertiggestellt und publiziert. Zu ihnen gehören Bauten international renommierter Architekten (wie Neutras Haus Rang oder Wassili Luckhardts Wohnhaus) ebenso wie Häuser unbekannter Architekten. Das Gros der Beispiele stammt von Architekten, deren Werk die westdeutsche Nachkriegsarchitektur prägte; z. B. Kurt Ackermann, Max Bächer, Kammerer und Belz, Friedrich Wilhelm Kraemer, Bernhard M. Pfau, Sep Ruf, Joachim und Margot Schürmann oder Paul Schneider-Esleben. Die Beispiele werden im Katalogteil der Arbeit, einem ‚Werkverzeichnis des westdeutschen Bungalows’, vorgestellt und klassifiziert.

 

 

Die Forschungsergebnisse zum medialen Bild des westdeutschen Bungalows, seiner Typologie des Wohnens mit der Natur, seinem Status als Objekt der Architekturmoderne und der impliziten Suggestion einer Mittelschichtsgesellschaft werden im Hauptteil anhand der Diskussion und Interpretation von zwölf Projekten expliziert. Im Gegensatz zu seiner medial konstruierten Ikonografie als moderner Pavillontypus, die auch seine architekturhistorische Rezeption dominiert, zeigt sich der westdeutsche Bungalow als komplexes Wohnhaus von entspannter Modernität, welches das kalifornische Ideal vor dem Hintergrund einer an der Mittelschicht orientierten Nachkriegsgesellschaft für die Bundesrepublik adaptiert.

Siehe auch http://www.bungalowforschung.de/
Promotion an der Universität Kassel, Erstprüfer Prof. Philipp Oswalt, Zweitprüferin: Prof. Karin Wilhelm.

Die Dissertation ist erschienen im August 2016.

 

Promotion an der Technischen Universität Graz. Erstprüfer: Prof. Jean Marie Corneille Meuwissen, TU Graz;Zweitprüfer: Prof. Philipp Oswalt, Uni Kassel.

Hierzu erschien die Buchveröffentlichung: Hans-Hermann Albers: „Corporate Urban Responsibility: Die gesellschaftliche Verantwortung von Unternehmen in der Stadtentwicklung“ Campus Frankfurt Main/ New York, 2011.