Ziel des Forschungsprojektes ist, unter Nutzung biografischer, architekturwissenschaftlicher und institutionenanalytischer Ansätze die Rolle des Bauhausarchitekten Fritz Ertl (1908-82) im SS-Bauwesen während der Jahre 1940 bis 1945 zu untersuchen. Umfassend geklärt werden soll, mit welchen konkreten Tätigkeiten der SS-Architekt in Polen, Ungarn und Mitteldeutschland befasst war.
Im Zentrum steht dabei die Analyse seiner Rolle bei Entwurf, Planung und baulicher Realisierung von Auschwitz-Birkenau, für das er im Oktober 1941 den Entwurf fertigte. Darüber hinaus werden Ertls weitere Planungen für das Interessengebiet Auschwitz und deren bauliche Realisierung umfassend rekonstruiert. Und es wird zu untersuchen sein, in welchem Verhältnis diese Planungen zu sonstigen KZ-Planungen, zu Kriegsgefangenen- und Koloniallagern vor und im Ersten Weltkrieg sowie zu Konzepten des modernen Städtebaus standen – und welche Rolle Ertls Ausbildung am Bauhaus und das dort erlernte funktionale Gestaltungsdenken für die Tätigkeit im SS-Bauwesen spielte.