Lin­ked-Da­ta-ba­sier­te Kri­mi­nal­ana­ly­se (Li­Da­KrA)

Akteure der „klassischen“ organisierten Kriminalität nutzen zunehmend das Internet zur Planung und Durchführung von Straftaten. Ein zentrales Problem bei der Aufdeckung dieser Straftaten sind die personal-und zeitintensiven Recherchearbeiten. Meist müssen die Ergebnisse manuell abgeglichen werden, da Daten in unterschiedlichen Zusammenhängen und Formaten vorliegen. Bei einem begründeten Verdacht auf eine Straftat kann eine automatisierte Auswertung dieser Daten die Arbeit der ermittelnden Behörden erleichtern.

Ziele und Innovationen
In LiDaKrA soll ein Softwaresystem geschaffen werden, welches die Recherchearbeiten teilautomatisiert durchführt. Mit diesem System können in einem Verdachtsmoment verschiedene Datenquellen durchsucht und die Ergebnisse in ein einheitliches Datenformat überführt werden. Die Rechercheergebnisse werden sinnvoll vernetzt und mit Tatbeständen der organisierten Kriminalität in Zusammenhang gebracht. Weiterhin wird erforscht, ob kriminelle Handlungen im Internet durch spezielle Muster und Vorgehensweisen auffallen. Da bundesweit unterschiedliche Softwaresysteme im Einsatz sind, besteht die Innovation in einer zentralen Plattform, die als „Software as a Service“ von allen Sicherheitsbehörden zum Einsatz gebracht werden kann.

Aufgabe der Universität Kassel
Besonderes Augenmerk wird auf das Spannungsfeld zwischen der Wahrung der Persönlichkeitsrechte und der automatisierten Auswertung von Daten gelegt. In LiDaKrA sollen Daten nur anlassbezogen und zum Zwecke der Strafverfolgung erhoben werden.. So sollen Daten nicht kontinuierlich gesammelt, sondern nur bei einem Verdacht auf eine Straftat aus öffentlichen Quellen abgefragt und zusammengeführt. Eine dauerhafte Speicherung findet nicht statt. Die Aufgabe der Universität Kassel besteht darin, schon bei der Entwicklung dieses Analysewerkzeugs auf die Einhaltung rechtlicher Vorgaben, insbesondere aus dem Datenschutzrecht und Polizeirecht, zu achten. Darüber hinaus soll ethische und rechtliche Fragen, die die Entwicklung und der Einsatz diese Datenanalysewerkzeugs bei Polizei- und Sicherheitsbehörden aufwerfen, beantwortet werden. Die juristische Begleitung von Beginn der Entwicklung an, ermöglicht es das LiDaKrA-Softwaresystem möglichst rechts- und verfassungsverträglich zu gestalten. So kann der Schutz der Grundrechte Betroffener und die Selbstkontrolle der Polizei- und Sicherheitsbehörden gefördert werden.

Das Forschungsprogramm wird auf Basis des Programms „Forschung für die zivile Sicherheit“ der Bundesregierung im Rahmen der BMBF-Bekanntmachung „Zivile Sicherheit – Schutz vor organisierter Kriminalität“ gefördert.

Projektpartner

Bund deutscher Kriminalbeamter (BDK) (Verbundkoordinator):
Ronald Schulze

Brox IT Solutions GmbH:
Hans-Christian Brockmann

Fraunhofer-Institut für Intelligente Analyse und Informationssysteme (IAIS):
Dr. Christoph Lange-Bever

Bundeskriminalamt (BKA): 
Kriminalistisches Institut 23
Spezielle Informations- und Internettechnologie
Axel Wieczorek

Ontos GmbH (Ontos):
Dr. Martin Voigt

 

 

Pro­jek­t­in­fos

Förderung:
Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF)

Laufzeit:
August 2015 - Februar 2018

Projektverantwortlicher:
Prof. Dr. Alexander Roßnagel
Dr. Christian Gemin

Ansprechpartner:
Paul C. Johannes

Pro­jekt­ver­lauf