Hintergrund

Die Auseinandersetzung der Stadt Kassel und der Universität Kassel mit Klimaanpassung begann 2008 durch die erfolgreiche Einwerbung und Bearbeitung des Projektes KLIMZUG-Nordhessen. Das KLIMZUG-Nordhessen Projekt stellte aufgrund seiner ambitionierten Ziele und des transformativen Charakters ein äußerst intensives, umfassendes und vielseitiges Erfahrungsfeld dar. Dies gilt für die begonnene Auseinandersetzung mit Klimaanpassung ebenso wie für die transdisziplinäre und umsetzungsbezogene Zusammenarbeit der beteiligten Partner aus Wissenschaft, Verwaltung, Wirtschaft und Zivilgesellschaft. Die umfassenden wissenschaftlichen Ergebnisse und Erkenntnisse des gemeinsamen Arbeitsprozesses sind in der Verbundpublikation dargestellt. Nach Abschluss des Projektes wurde die Befassung mit dem Thema Klimaanpassung weitergeführt. Klimaanpassung ist für das CliMA eines der Schwerpunktthemen, das von den Mitarbeitern der Geschäftsstelle und von den CliMA-Mitgliedern in mehreren Projekten bearbeitet wird. Diese umfangreichen eigenen Erfahrungen und Kenntnisse der Arbeiten an anderen Stellen fließen in das Projekt ein. Dies bezieht sich einerseits (1) auf die Systematik und die Instrumente und Methoden, die zur Feststellung und Erhöhung der Anpassungskapazität der Stadt Kassel entwickelt und eingesetzt werden, andererseits (2) auf die Gestaltung der Integration der verschiedenen regionalen Wissensbestände in den Arbeitsprozess.

Zu 1: Klimaanpassung ist nicht nur in Kassel noch nicht als Standardbestandteil des Handelns berücksichtigt. Erfahrungen des Projektteams zeigen, dass im Wesentlichen folgende Aspekte die Etablierung kommunaler Klimaanpassung behindern:

  • Mangelndes Aufgreifen des Themas durch die Verwaltungsspitze und Politik, fehlende Formulierung der Aufgabe zur Befassung mit Klimaanpassung durch die relevanten Behörden und Abteilungen
  • Unzureichende zeitliche und finanzielle Kapazitäten sowie unklare Zuständigkeiten zur Bearbeitung des Querschnittthemas Klimaanpassung
  • Fehlende Methoden, die es ermöglichen, Betroffenheit, Anpassungskapazität und Vulnerabilität niederschwellig und dennoch belastbar zu ermitteln.
  • In oftmals kompetitiven Entscheidungssituationen, ob und wenn ja welche Maßnahme bei knappen finanziellen Mitteln durchgeführt werden soll, gerät Klimaanpassung aufgrund der Unsicherheit künftiger Veränderungen von Wetterereignissen und Witterung und der Zukunftsbezogenheit immer wieder ins Hintertreffen. Dabei spielt eine wesentliche Rolle, dass die Kosten-Nutzen-Bilanz von Klimaanpassungsmaßnahmen nicht ohne weiteres zu benennen ist.

Von daher ist kommunale Klimaanpassung ein thematisches, institutionelles und methodisches Lernfeld. Zwar liegen bereits vielfach Erfahrungen und Instrumente vor, vor allem bezogen auf die genannten Herausforderungen. Diese sind aber oftmals noch im Erprobungsstadium oder noch zu sehr akademisch geprägt, so dass sie für die Anwendung im Praxisfall nicht oder nur sehr eingeschränkt in Betracht kommen. KliWiPraKo verfolgt den Anspruch, am konkreten Fall der Stadt Kassel diese und weitere Herausforderungsbereiche systematisch und anwendungsorientiert zu adressieren und somit die Anpassungskapazität der Stadt zu erhöhen. Ausgehend von dem beispielhaften Prozess werden Impulse für andere Kommunen abgeleitet.

Zu 2: Die Erfahrungen im Kontext von KLIMZUG-Nordhessen haben gezeigt, dass vorhandene Anpassungskapazitäten und regionale wie kommunale Umsetzungsprobleme in transdisziplinärer Zusammenarbeit von Wissenschaft und Praxis erfasst, bewertet und erfolgreich lösungs- und umsetzungsorientiert bearbeitet werden können. So hat sich die Integration verschiedener Wissensformen als zentrales Kriterium für eine erfolgreiche Bearbeitung des Themenfelds Klimaanpassung gezeigt. Diese Erkenntnis ist einer der zentralen Ausgangspunkte des Projektes KliWiPraKo.

Die bisherigen Erfahrungen zeigen aber auch, dass es erforderlich ist, diese Kooperation zwischen den Wissensträgern aus Wissenschaft und Praxis zu entwickeln und zu vertiefen. Dies gilt vor allem bezogen auf das Kennenlernen und Anerkennen der Möglichkeiten und Grenzen der Beiträge seitens Wissenschaft und Praxis. Dafür hat es sich als hilfreich herausgestellt – als Erfahrung aus KLIMZUG-Nordhessen – Institutionen und Strukturen zu schaffen, die die Verbindung zwischen Wissenschaft und Praxis gewährleisten und die Arbeits- und Vertrauensgrundlage für erfolgreiche transdisziplinäre und transformative Prozesse legen. KLIMZUG-Nordhessen hatte als solche „Kooperationsschnittstellen“ zwischen Universität und Gebietskörperschaft die Institution „Klimaanpassungsbeauftragte“ etabliert. Für das Management der Wissenschafts-Praxis-Kooperation zur Erarbeitung von Umsetzungsperspektiven konkreter Maßnahmen hat sich das Instrument der Umsetzungsverbünde bewährt.

Vor diesem Hintergrund definiert sich das Ziel, mit dem (Anpassungs-)Wissensschaft-Praxis-Tandem eine Governanceinstitution als Schnittstelle zwischen Wissenschaft und (Verwaltungs-) Praxis weiter zu entwickeln und zu verstetigen. Auf diese Weise wird ein Motor und Katalysator geschaffen, um durch gelingende Integration der in der Region verfügbaren Wissensbestände auch über die Projektlaufzeit hinaus das Lernfeld Klimaanpassung zu erschließen und damit die Robustheit und Entwicklungsfähigkeit der städtischen Systeme zu erhöhen. Die Erfahrungen mit den Umsetzungsverbünden fließen als methodischer Ansatz in die Arbeit des Tandems ein.