Theologische Interdisziplinarität und Interreligiöse Bildung in der Ausbildung von Religionslehrer:innen

Kurzbeschreibung

Die Schulung interreligiöser Kompetenz in der Lehramtsausbildung, sowie im Studienprofil auch für Interessierte aus Bereichen wie der Sozialen Arbeit, ist ein zentrales Anliegen des Forschungsprojektes. Studierende sollen interreligiöse Praxisprojekte selbst vorbereiten und durchführen und interreligiöse Dialogräume initiieren. Durch dieses Forschungsprojektes wird die Förderung innertheologischer Interdisziplinarität angestrebt.

Laufzeit des Teilprojekts:
10/2015 – 12/2023


Förderung: Bundesministerium für Bildung und Forschung im Rahmen der Qualitätsoffensive Lehrerbildung

Hochschuldidaktische Innovation

Das Studienprofil „Interreligiöse Kompetenz“: Dem Thema „Interreligiosität“ kommt nicht nur im Religionsunterricht eine immer größere Bedeutung zu. Auch die alltägliche Begegnung mit Angehörigen anderer Religionen erfordert zunehmend eine konstruktive Auseinandersetzung mit deren Überzeugungen und Praktiken. Der Lernort Schule stellt Religionslehrer:innen diesbezüglich vor große Herausforderungen. Um diesen professionell begegnen zu können, bietet das IKTh in Kooperation mit dem IEvTh seit dem SoSe 2020 das Studienprofil „Interreligiöse Kompetenz“ an. In drei verschiedenen Lehrveranstaltungen sowie einer Praxiseinheit haben Studierende die Möglichkeit, einschlägige Kompetenzen zu erwerben.

Ausgewählte Forschungsbefunde

Das Forschungsprojekt umfasst sechs Säulen, die auf unterschiedliche Art und Weise die theologische Interdisziplinarität und die interreligiöse Kompetenz in der Ausbildung von Religionslehrer:innen fördern.

Die Basisveranstaltung des Studienprofils „Interreligiöse Kompetenz“ wird beispielsweise als Kooperationsveranstaltung angeboten, die die Religionspädagogik und die Systematische Theologie sowie die beiden Institute des Katholischen und des Evangelischen Instituts gemeinsam anbieten. Außerdem erfolgen in der Basisveranstaltung Exkursionen in eine Synagoge und in eine Moschee. Gerade den persönlichen Austausch mit Vertreter:innen nicht-christlicher, im Studienprofil vorwiegend der abrahamitischen, Religionen, haben mehrere Studierende am Beginn ihres Studienprofils als wünschenswert bezeichnet und im Verlauf des Projektes wurde wiederholt deutlich, was für eine besondere Lernerfahrung interreligiöse Dialogräume darstellen.

Die dreiteilige Reihe Heilige Texte, Heilige Räume, Heilige Zeiten hat Verständigungen zwischen Theologie und Kulturwissenschaft als Ziel. Den Grundstock dreier Sammelbände (erschienen ist bereits der Sammelband „Heilige Texte“, Kohlhammer 2023; mehr zur Sammelband-Trilogie unter den weiterführenden Informationen am Ende der Website) bildet dabei jeweils eine Ringvorlesung und ein Studientag zum Thema. Im Forschungsprojekt zeigte sich: Das „Heilige“ ist nie als solches „gegeben“, sondern zeigt sich ausschließlich im Profanen. Darin liegt eine unüberwindliche Bindung des Heiligen an Kultur in ihren wechselnden, geschichtlichen Äußerungsformen. Die Verständigung über das Heilige ist damit immer auch eine Verständigung über das Kulturelle und verweist die Theologie auf die Perspektiven und Methoden der Kulturwissenschaften.

Weiterführende Informationen

https://www.uni-kassel.de/fb02/institute/katholische-theologie/wir/projekte/pronet2-projekt-p35-theologische-interdisziplinaritaet-und-interreligioese-bildung-in-der-ausbildung-von-religionslehrerinnen

Literatur:

  • Sammelband-Trilogie: Heilige Texte; Heilige Räume; Heilige Zeiten
    Die Verständigung über das Heilige ist damit immer auch eine Verständigung über das Kulturelle und verweist die Theologie auf die Perspektiven und Methoden der Kulturwissenschaften. Dies begründet das Ziel und die Herangehensweise der drei Sammelbände. Gesucht wird entlang verschiedener kultureller Medien – Text, Räume, Zeiten – nach dem, was die Qualität des „Heiligen“ begründet. Was macht heilige Texte/Räume/Zeiten zu heiligen Texten/Räumen/Zeiten? Unter dieser Leitfrage versammeln die drei Bände Beiträge aus verschiedenen theologischen Disziplinen, die im Hinblick darauf ausgewählt sind, dass sie die Verständigung mit den Kulturwissenschaften in ihren Perspektiven und Methoden ermöglichen. Der Schwerpunkt liegt dabei auf der christlichen Theologie, der bereichert wird durch muslimische wie jüdische Perspektiven. Zudem enthalten die Bände Beiträge aus kulturwissenschaftlichen Disziplinen, die entlang der Thematik des „Heiligen“ ihrerseits eine Offenheit gegenüber theologischen Fragestellungen aufweisen. Darin will die Trilogie einen Austausch zwischen theologischen Disziplinen verschiedener Religionen und den Kulturwissenschaften initiieren und so das methodische wie inhaltliche Gespräch weiter voranbringen. Die Trilogie ist in den Forschungs- und Lehrschwerpunkten der Herausgeberinnen am Institut für Katholische Theologie an der Universität Kassel verankert.
  • Kutzer, Mirja / Müllner, Ilse / Reese-Schnitker, Annegret: Heilige Texte. Verständigung zwischen Theologie und Kulturwissenschaft, Stuttgart 2023. [erster Band einer Sammelband-Trilogie]
  • Reese-Schnitker, Annegret / Bertram, Daniel: Curriculare Kohärenz als Qualitätsmerkmal der Lehrer*innenbildung, in: SEMINAR 2/2023 „Qualitätsoffensive Lehrerbildung – Zeit für eine Bilanz“.
  • Reese-Schnitker, Annegret: Religionslehrer:innenbildung. Schulartenspezifische Anforderungen und Modellierungen. Religionslehrer:innenbildung Sekundarstufe I, in: Martin Hailer / Andreas Kubik-Boltres / Matthias Otte / Mirjam Schambeck / Bernd Schröder / Helmut Schwier (Hg.), Religionslehrer:in im 21. Jahrhundert – Transformationsprozesse in Beruf und theologisch-religionspädagogischer Bildung in Studium, Referendariat und Fortbildung (im Erscheinen 2023/24).
  • Reese-Schnitker, Annegret / Espelage, Christian / Gaida, Katharina / Niehoff, Rebecca: Perspektivenwechsel – Empathie – Sprachsensibilität. Empathisches und sprachsensibles Sprechen als zentrale Kompetenz interreligiösen Lehrens und Lernens, in: Massud Abdel-Hafiez / Hild, Christian (Hg.), Religion und Kommunikation in Bildung und Gesellschaft (RKBG), 2022, 2. Jahrgang, S. 76–98.
  • Reese-Schnitker, Annegret: Begegnungslernen im Kontext von Flucht und Migration. Möglichkeiten und Grenzen religionsunterrichtlicher Arbeit, in: Christian Espelage/ Hamideh Mohagheghi/ Michael Schober (Hg.): Interreligiöse Öffnung durch Begegnung. Grundlagen – Erfahrungen – Perspektiven im Kontext des christlich-islamischen Dialogs (Hildesheimer Universitätsschriften Bd. 43), Hildesheim 2021, S. 155–174.
  • Reese-Schnitker, Annegret / Bertram, Daniel / Franzmann Marcel: Migration, Flucht und Vertreibung als Chance und Herausforderung für den Religions-unterricht, München 2018.
  • Reese-Schnitker, Annegret: Warum „Migration und Flucht“ als Thema im Religionsunterricht? Notwendige Kompetenzen für (angehende) Religionslehrer_innen, in: Annegret Reese-Schnitker/ Daniel Bertram/ Marcel Franzmann (Hg.): Migration, Flucht und Vertreibung als Chance und Herausforderung für den Religionsunterricht, München 2018, S.139–156.

Ansprechpersonen

Kontakt: studienprofil.irk@uni-kassel.de


Projektleitung:

Prof. Dr. Annegret Reese-Schnitker
annegret.reese-schnitker@uni-kassel.de

Prof. Dr. Ilse Müllner
ilse.muellner@uni-kassel.de

Prof. Dr. Mirja Kutzer
mirja.kutzer@uni-kassel.de


Wissenschaftliche Mitarbeiter:innen:

Katharina Gaida

Johannes Thüne


Praxisprojekt:

Helena Fernys-Adamietz