Der Bezug zum Sport

Der Sport bzw. das Handeln im Sport ist oftmals mit Vertrautheit, Emotionalität, körperlicher Nähe sowie mit Berührung, Beobachtung und Kommentaren zum körperlichen Verhalten verbunden. Ursache dafür ist die soziale Nähe im Sport, die für ihn charakteristisch ist, ihn besonders macht und sogar teilweise gewünscht ist.
Daraus resultiert jedoch ein besonders sensibler Umgang. Die Grenzen dessen, was als missachtet, verletzend oder auch als gewalttätig angesehen wird, werden individuell definiert. Während eine Person ein spezifisches Verhalten im Sport als normal ansieht, kann es von einer anderen Person bereits als grenzüberschreitend empfunden werden. Dabei können selbst die Anrede oder bestimmte Rituale im Sport als grenzverletzend aufgefasst werden. Es bedarf demnach einer besonderen Aufmerksamkeit und eines respektvollen Umgangs miteinander.

Mittels der "Safe Sport"-Studie wurde im Jahr 2016 anhand einer Stichprobe von etwa 1.500 Leistungssportler*innen verdeutlicht, dass 48 % der befragten Sportlerinnen und 24 % der Sportler bereits mindestens einmal mit sexualisierter Gewalt im Kontext des Sports konfrontiert waren. Dabei wurden neben körperlicher sexualisierter Gewalt auch andere Formen wie verbale sexuelle Belästigung, Gewalterfahrungen über digitale Medien oder sexuelle Grenzüberschreitungen wie Exhibitionismus oder das Vorzeigen von pornografischem Material erfasst (Ohlert et al., 2018). Wenn der Fokus auf einer engeren Definition von sexualisierter Gewalt liegt und nur schwerwiegendere Formen davon berücksichtigt werden, zeigen die Daten der "Safe Sport"-Studie, dass etwa 15 % der Sportlerinnen und 7 % der Sportler bereits Erfahrungen mit körperlicher sexualisierter Gewalt oder wiederholter sexueller Belästigung im Sport gemacht haben (Ohlert et al., 2018).

Ohlert, J., Seidler, C., Rau, T., Rulofs, B., & Allroggen, M. (2018). Sexual violence in organized sport in Germany. German Journal of Exercise and Sport Research, 48(1), 59-68.
doi.org/10.1007/s12662-017-0485-9