DFG-Netz­werk Be­din­gungs­lo­se Ju­gend­hil­fe

Netzwerk aus Rechts- und Erziehungswissenschaft: "Bedingungslose Jugendhilfe. Von der zweiteiligen zur inklusiven sozialen Infrastruktur", gefördert durch die DFG [02/2022 – 02/2025]

An­trag­stel­ler, Spre­cher

  • Dr. Vinzenz Thalheim, Universität Kassel

Netz­werk­mit­glie­der

    • Prof. Dr. Timo Ackermann, Alice Salomon Hochschule
    • Prof. Dr. Pascal Bastian, Universität Koblenz-Landau
    • Ass. Prof'in Dr. Sara-Friederike Blumenthal, Alpen-Adria Universtität Klagenfurt
    • Prof.‘in Dr. Zoe Clark, Universität Siegen
    • Prof. Dr. Florian Eßer, Universität Osnabrück
    • Katharina Freres, Universität Koblenz-Landau
    • Katharina Gundrum, Universität Wuppertal
    • Prof. Dr. Benedikt Hopmann, Universität Siegen
    • Prof.'in Dr. Bettina Hünersdorf, Universität Halle-Wittenberg
    • Prof. Dr. Jan Kepert, Hochschule Kehl
    • Dr. Thomas Meysen, SOCLES, Heidelberg
    • Prof.'in Dr. Gertrud Oelerich, Universität Wuppertal
    • Prof. Dr. Rainer Patjens, DHBW Stuttgart
    • Jun. Prof. Dr. Martina Richter, Universität Duisburg-Essen
    • Prof.'in Dr. Caroline Schmitt, Alpen-Adria Universtität Klagenfurt
    • Prof. Dr. Mark Schrödter, Universität Kassel
    • Prof.'in Dr. Britta Tammen, Hochschule Neubrandenburg
    • Dr. Vinzenz Thalheim, Universität Kassel
    • Prof.'in Dr. Nina Thieme
    • Prof.'in Dr. Friederike Wapler Universität Mainz
    • Prof. Dr. Holger Ziegler, Universität Bielefeld

    Das Pro­jekt

    Mit dem interdisziplinären DFG-Netzwerk soll ein Beitrag zur inklusiveren Ausgestaltung der Kinder- und Jungendhilfe (KJH) geleistet werden. Hierfür werden rechts- und erziehungswissenschaftliche Perspektiven auf die gegenwärtigen Leistungsstruktur der KJH zusammengeführt, um einen grundlagentheoretischen Diskurs zu eröffnen und zukünftige Forschungsbedarfe zu identifizieren. Der interdisziplinäre Ansatz ist von hoher wissenschaftlicher Relevanz für die Inklusionsbestrebungen in der KJH, da insbesondere die Zweiteilung der Leistungsangebote in Regelleistungen (§11-26 SGB VIII) und Bedarfsleistungen (§27-35 SGB VIII), die Adressatinnen in Personenkategorien einteilt, die inklusiven Ansätzen tendenziell gegenläufig sind. So können Bedarfsleistungen nur beansprucht werden, wenn ein „erzieherischer Bedarf“ vorliegt. Somit ist die Gewährung an ein Defizit geknüpft, das vom Jugendamt diagnostiziert werden muss. Damit sind die Bedarfsleistungen für ihre Nutzerinnen tendenziell stigmatisierend, was auf gravierende Barrieren der Inanspruchnahme verweist. Dieses Strukturproblem bleibt auch im jüngst verabschiedeten Kinder- und Jugendstärkungsgesetz (KJSG) erhalten. Somit stellt sich die Frage, inwiefern das Jugendhilfesystem mit seiner gegenwärtigen Zweiteilung tatsächlich dazu beiträgt, soziale Ungleichheitsverhältnisse zu mildern, statt sie zu reproduzieren. Den Ausgangspunkt im Netzwerk bildet die Idee einer „Bedingungslosen Jugendhilfe“. Im Verlauf von sechs Netzwerktreffen diskutieren die Netzwerkmitglieder mit ausgewählten Gästen, ob und inwiefern ein inklusiveres Jugendhilfesystem gestaltet werden kann, wenn seine (exkludierende) Zweiteilung in eine weitgehend bedingungslose Leistungsstruktur transformiert werden würde und was diesem „Bedingungslosigkeit“ im Einzelnen konkret bedeuten könnte.

    1. Treffen [01. – 02.04.2022] Nutzer*innenforschungsperspektiven: Barrieren der Inanspruchnahme sozialer Dienstleistungen: Bedarfsorientierung, Stigmatisierung und Adressat*innen-Konstruktionen

    6. Treffen

    siehe auch hier.

    Ackermann, T., Robin, P. (2018): Die Perspektive von Kindern und Eltern in der Jugendhilfe. Zwischen Entmutigung und Wieder-Erstarken. Bericht zur Beteiligungswerkstatt für die Hamburger Enquete-Kommission »Kinderschutz und Kinderrechte weiter stärken«. URN: urn:nbn:de:0111-pedocs-174525

    Blumenthal, S.-F. (2018): Scham und Aggressionen in Interaktionen zwischen Kindern, Jugendlichen und pädagogischen Fachkräften in der Fremdunterbringung in Österreich. Sozialen Passagen, 10(1), 163–166.

    Clark, Zoë/Momo Hamburg 2019. Housing First for Youth – Straßensozialarbeit als Bindeglied zwischen Entkopplung und bedingungslosem Wohnen. In: Sozialmagazin, 90-96.

    Freres, Katharina/Bastian, Pascal 2022. Institutionelles Stigma Management. (i.B.)

    Freres, Katharina 2020. Verdachtsabklärung im Kinderschutz. Ambivalenzen des Fallverstehens. In: Kelle, Helga/Dahmen, Stephan (Hrsg.) Ambivalenzen des Kinderschutzes. Empirische und theoretische Perspektiven. Weinheim: Beltz Juventa. 42–61.

    Gundrum, Katharina/Oelerich, Gertrud 2021. Beteiligung und Schädigung im Rahmen der Inanspruchnahme Sozialer Arbeit. In: Österreichisches Jahrbuch für Soziale Arbeit, Bd. 3, 155–180.

    Herzog, Kerstin/Kunhenn, Jacqueline/May, Michael/Oelerich, Gertrud/Schaarschuch, Andreas/Streck, Rebekka 2018. BeSchränkungen des Nutzens Sozialer Arbeit. In: Stehr, Johannes/Anhorn, Roland/Rathgeb, Kerstin (Hrsg.) Konflikt als Verhältnis – Konflikt als Verhalten – Konflikt als Widerstand: Widersprüche der Gestaltung Sozialer Arbeit zwischen Alltag und Institution. Wiesbaden: Springer. 83-103.

    Hopmann, B., Rohrmann, A., Schröer, W., Urban-Stahl, U. (2020): SGB VIII-Reform: Quo vadis Hilfe- und Teilhabeplanung mit jungen Menschen und ihren Eltern? Das Jugendamt – Zeitschrift für Jugendhilfe und Familienrecht, 93(7/8), 338–346.

    Hopmann, Benedikt/Ziegler, Holger 2017. Der Capabilities-Ansatz als Inklusionsperspektive für die SGB VIII-Reform. In: Forum Erziehungshilfen, Bd. 23, Nr. 2.

    Hünersdorf, B. (2018): Im fachpolitischen „Niemandsland“: Eine Positionierung zur abgebrochenen und anstehenden SGB VIII-Reform. Soziale Passagen, 10(2), 177–196.

    Hünersdorf, B. (2017): Zur Ambivalenz von Kinderrechten im Kinder- und Jugendstärkungsgesetz. Soziale Passagen, 9(2), 317–328.

    Kepert, J. (2018): „Große“ oder „inklusive“ Lösung im SGB VIII – Vorschläge für die Ausgestaltung einer möglichen Anspruchsgrundlage aus rechtlicher Sicht. In: Archiv für Wissenschaft und Praxis der sozialen Arbeit, 1, 16.

    Kepert, J. (2018): Die SGB VIII-Reform – Anmerkungen aus Sicht der Rechtswissenschaft. In: Jugendhilfe 2020, 18-34.

    Meysen, Thomas 2021. Kinderrechte-basierter Ansatz in der Kinder- und Jugendhilfe: ein reflexives Plädoyer. In: Scheiwe, Kirsten/Schröer, Wolfgang/Wapler, Friederike/Wrase, Michael (Hrsg.) Der Rechtsstatus junger Menschen im Kinder- und Jugendhilferecht: Beiträge zum ersten Forum Kinder- und Jugendhilferecht (1. Aufl., 1. Aufl.). Baden-Baden: Nomos. 105-120.

    Oelerich, Gertrud/Schaarschuch, Andreas/Beer, Kristin/Hiegemann, Ines 2019. Barrieren der Inanspruchnahme sozialer Dienstleistungen. Düsseldorf: Forschungsinstitut für gesellschaftliche Weiterentwicklung.

    Scheiwe, Kirsten/Schröer, Wolfgang/Wapler, Friederike/Wrase, Michael 2021. Der Rechtsstatus junger Menschen im Kinder- und Jugendhilferecht. Eine Einführung. In: Scheiwe, Kirsten/Schröer, Wolfgang/Wapler, Friederike/Wrase, Michael (Hrsg.) Der Rechtsstatus junger Menschen im Kinder- und Jugendhilferecht. Beiträge zum ersten Forum Kinder- und Jugendhilferecht. Baden-Baden: Nomos. 7-28.

    Schmitt, C. (2019). A relational concept of inclusion. Critical perspectives. Papers of Social Pedagogy, 11(1), 60–76.

    Schrödter, Mark/Thalheim, Vinzenz/Freres, Katharina 2021. Bedingungslose Jugendhilfe – vom Stigma-Management zur De-Stigmatisierung von Eltern. In: Faltermeier, Josef/Knuth, Nicole/Stork, Remi (Hrsg.) Handbuch Eltern in den Hilfen zur Erziehung. Weinheim: Beltz. 88–103.

    Schrödter, Mark/Freres, Katharina 2019. Bedingungslose Jugendhilfe. In: neue praxis, Bd. 49, Nr. 3, 221–233.

    Schrödter, Mark/Thalheim, Vinzenz/Freres, Katharina 2020. Bedingungslose Jugendhilfe. Von der selektiven Abhilfe defizitärer Elternschaft zur universalen Unterstützung von Erziehung. Wiesbaden: VS Verlag.

    Tammen, B. 2016. Hilfe zur Erziehung zwischen Leistung und Eingriff*.* Dissertation, Friedrich-Schiller-Universität Jena. Jena.

    Thalheim, Vinzenz/Freres, Katharina/Bastian, Pascal/Schrödter, Mark 2022. Bedingungslose Jugendhilfe – Stationäre Hilfe ohne Stigma? In: Sozialmagazin, Nr. 1-2.

    Thalheim, Vinzenz 2021. Bedingungslosigkeit. Zur konkreten Utopie einer solidarischeren Jugendhilfe. In: Hill, Marc/Schmitt, Carolin (Hrsg.) Solidarität in Bewegung. Weinheim: Beltz Juventa.

    Thalheim, Vinzenz/Freres, Katharina/Schrödter, Mark 2020. Stigmatisierungseffekte erzieherischer Hilfen. Lavieren zwischen Familie und Fall-Familie. In: Cloos, Peter/Lochner, Barbara/Schoneville, Holger (Hrsg.) Soziale Arbeit als Projekt. Konturierungen von Disziplin und Profession. Wiesbaden: Springer. 337-348.

    Thieme, N. (2020). „Inklusion“ in der Kinder- und Jugendhilfe. Zu den möglichen Folgen für die adressierten Kinder und Jugendlichen. In: Franzheld, Tobias & Walther, Andreas (Ed.): Vermessung der Kinder- und Jugendhilfe. Beltz Juventa.

    Thieme, N. (2020). Zur Charakteristik der Gesellschaft, an der im Zuge von Inklusion Teilhabe ermöglicht werden soll. Vergewisserungen und Reflexionen zu möglichen Implikationen. In: van Ackeren, Isabell et al. (Ed.): Bewegungen. Beiträge zum 26. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Erziehungswissenschaft. Barbara Budrich.

    Wapler, F. 2017. Jugendhilfe für Eltern und Kinder oder für Eltern oder Kinder? In: Jugendamt, 4, 162–168.

    Ziegler, Holger 2016. Sozialpädagogik vs. SGB VIII Reform. In: neue praxis, Bd. 46, Nr. 5, 491–499.

    Ziegler, Holger 2020. Das Elend mit dem Kindeswohl: Kindeswohlbezogener Kinderschutz als konservative Pädagogik. In: Kelle, Helga/Dahmen, Stephan (Hrsg.) Ambivalenzen des Kinderschutzes. Empirische und theoretische Perspektiven. Opladen: Beltz. 172–188.