19.03.2026 | Studium

04.02. bis 11.02.2026: Exkursion nach Portbou und Banyuls-sur-Mer auf den Spuren Walter Benjamins (Frankreich/Spanien)

Im Rahmen des Seminars „Gehen als Methode: Auf den Spuren Walter Benjamins“ in der Philosophie und Germanistik unter der Leitung von Luisa Standop vom Fachgebiet Kunst & Gesellschaft verbrachte das Seminar eine Woche an der Côte Vermeille bzw. Costa Brava, um sich intensiv mit der Methode des Gehens sowie der Philosophie und Biografie Walter Benjamins sowie der Exilgeschichten vor Ort zu beschäftigt. Es folgt ein studentischer Exkursionbericht.

Bild: Luisa Standop/Sarah Weinfurter

Nach zwei vorbereitenden Blockseminarterminen, mit Spaziergängen über den Campus und Literaturarbeit zu Benjamins Theorie, reisten wir für eine Woche an der Grenze zwischen Frankreich und Spanien ans Mittelmeer. 1942 floh Benjamin vor den Nationalsozialisten mit dem Ziel in die USA einzureisen. Über die Fluchtroute zwischen Banyuls-sur-Mer und Portbou gelangten insgesamt hunderte Menschen durch die Hilfe von Lisa Fittko von Frankreich nach Spanien. Walter Benjamin jedoch starb noch in der Nacht seiner Ankunft im spanischen Küstenort Portbou. Seit 1994 gibt es daher in Portbou den Gedenkort „Passagen – Gedenkort für Walter Benjamin und die Exilierten der Jahre 1933–1945“ des Künstlers Dani Karavan, den auch wir durchlaufen sind. 

Kakigi Nobuyuki (2017) beschreibt Benjamins geschichtsphilosophische Idee wie folgt: „In diesem polarisierten ‚Jetzt‘ treten die Gegenwart und die Vergangenheit ‚blitzhaft zu einer Konstellation‘ zusammen“ (S.80)[1]. Diesem Zustand sind wir auf unserer Exkursion ein Stückchen nähergekommen. Denn Benjamins damalige Fluchtroute wurde schon während des Spanischen Bürgerkrieges in die entgegengesetzte Richtung genutzt und ist heute sowohl ein touristischer Wanderweg als auch noch immer eine Möglichkeit für Personen, ungesehen die Grenze nach Frankreich zu überqueren. All diese geschichtlichen Ebenen überlagern sich auf dieser einen Route.

Jeden Tag gehen wir von A nach B, ohne dass wir uns dessen wirklich bewusst sind. Neben der Wanderung haben wir deshalb noch weitere Orte besucht und Gehmethoden ausprobiert: in Perpignan haben wir die Praxis des Umherschweifens der Situationistischen Internationalen erprobt, in Banyuls-sur-Mer haben wir getestet, wie das Musikhören im Gehen die Wahrnehmung verändern kann sowie eine Gehmeditation ausprobiert. Außerdem erkundeten wir das Denkmal für Lisa Fittko. Zusätzlich besuchten wir in Argelès-sur-Mer eine Ausstellung über ein dortiges französisches Internierungslager am Strand zur Zeit des spanischen Bürgerkrieges und das dazugehörige Mémorial du Camp d’Argelès-sur-Mer, ein Erinnerungs- und Dokumentationszentrum über die Lokalgeschichte der Retirada (1939), der Fluchtbewegung der spanischen Republikaner.

Nicht zuletzt haben wir gelernt, dass universitäres Lernen und Vorträge außerhalb von starren Seminarräumen stattfinden können. In studentischen Inputs haben wir uns intensiv mit der Biografie Walter Benjamins und Lisa Fittkos, der Psychologie des Gehens, dem Walkman-Effekt, Gehmeditationen, geschlechtlichen Perspektiven auf das Gehen und der Aura des Gehens beschäftigt.

Diese Exkursion hat uns am eigenen Leib gezeigt, welche Effekte das Gehen auf das Denken haben kann und wie besonders es ist, der Geschichte räumlich ein Stück näher zu kommen.

Wenn Uni immer so wäre, würden wir liebend gern noch weitere zehn Jahre studieren.

 


[1] Kakigi, Nobuyuki (2017). Geschichte aus dem Eingedenken: Walter Benjamins Geschichtsphilosophie. Tetsugaku,1 (73-90)