Forschung
Laufende Forschungsprojekte des Fachgebiets
Januar-Juni 2027
ZFF-Projekt „Territorialität feministischer Bewegungen“
Das Forschungsprojekt „Territorialität feministischer Bewegungen“ untersucht die Bedeutung von Raum und territorialen Strategien für feministische Bewegungen in Argentinien im Kontext zunehmender autoritärer Politik. Ausgangspunkt ist die Beobachtung, dass territoriale Politiken – verstanden als Praktiken der Aneignung, Verteidigung oder Kontrolle bestimmter Gebiete – im lateinamerikanischen Raum eine zentrale Rolle spielen. Nicht nur indigene, bäuerliche oder städtische Protestakteur:innen, die etwa um Zugang zu Land oder Wohnraum kämpfen, beziehen sich explizit auf Raum und Territorium. Auch feministische Bewegungen verfolgen territoriale politische Strategien, indem sie gezielt Räume schaffen, in denen Fürsorge, Solidarität und Autonomie praktiziert werden können. Da territoriale Politiken in der Forschung des Globalen Nordens bislang kaum berücksichtigt werden und eine bewegungssoziologische Systematisierung territorialer Strategien feministischer Bewegungen weitgehend aussteht, zielt das Projekt darauf ab, das Verständnis von Territorialität innerhalb feministischer Bewegungen in Argentinien wissenschaftlich zu vertiefen. Es soll der Frage nachgegangen werden, wie feministische Initiativen ihre Inhalte, Praktiken und Organisationsformen räumlich verankern und inwiefern territoriale Politiken die Strukturierung der Bewegung prägen. Darüber hinaus wird untersucht, wie territoriale Strategien feministischer Initiativen zur Bearbeitung gesellschaftlicher Problemlagen beitragen.
Projektleitung ist Sarah Uhlmann (Universität Kassel)
2026-2029
DFG Netzwerk: Soziale Reproduktion zwischen Krise und Transformation
Das Netzwerk hat zum Ziel, die Perspektive der sozialen Reproduktion als sozialwissenschaftlichen Ansatz für eine empirisch und theoretisch fundierte Gesellschaftsanalyse fruchtbar zu machen. Im Rahmen des Netzwerks analysieren wir aktuelle Krisenphänomene und gesellschaftliche Transformationsprozesse in den drei Themenfeldern Ungleichheit, Ökologie und Staat/Zivilgesellschaft.
Das Koordinationsteam besteht aus Sarah Uhlmann (Universität Kassel), Anna Steenblock (Universität Kassel/IfS Frankfurt), Leon Rosa Reichle (Universität Hamburg), Mike Laufenberg (Hochschule Fulda)
2025–2029
Verbundprojekt CALAS
In der aktuellen Phase: ‘‘Creating Horizons: Accelerations, Transformations, and Emergencies“
Das Maria Sibylla Merian Center for Advanced Latin American Studies (CALAS) ist ein vom BMFTR geförderter, inter- und transdisziplinärer Forschungsverbund zu gesellschaftlichen Transformationsprozessen in Lateinamerika. Die Universität Kassel ist über das Centro de Estudios Latinoamericanos (CELA) Teil des Netzwerks. Das Projekt verfolgt die folgenden Ziele:
- regional verankerte Forschung in internationalen Forscher:innengruppen fördern
- Wissenstransfer in Gesellschaft und Politik
- Dialog und Austausch mit international renommierten Wissenschaftler*innen fördern.
- Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft, Zivilgesellschaft und Politik stärken – einschließlich „anderer Formen des Wissens“
- forschungsorientierte und internationale Vernetzung in Lehre und Forschung fördern
Sprecherinnen an der Universität Kassel sind die CALAS-Direktorin Prof. Dr. Kristina Dietz, vertreten durch die CELA-Direktorin Prof. Dr. Liliana Gómez.
2025-2028
Forschungsverbund „DemoReg“
DemoReg – Herausforderungen der Demokratie in Zeiten ihrer Regression: Zeiten, Räume und Diskurse
Der vom Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst (HMWK) geförderte Forschungsverbund „DemoReg" beschäftigt sich mit den zunehmenden Tendenzen demokratischer Regression. Im Zentrum der Forschung steht die Frage, wie sich demokratische Regression in raum-zeitlicher Perspektive und in diskursiven Kontexten manifestiert und welche normativen, institutionellen, kulturellen sowie historischen Dynamiken ihr zu Grunde liegen. Das Projekt verfolgt vier Ziele:
1) Die Identifizierung von strukturellen Defiziten in politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen der Demokratie sowie von Potenzialen für die Stärkung von Demokratie.
(2) Die Bestimmung konkreter Faktoren, die in Strukturen, historischen Pfadabhängigkeiten und begrifflich-kommunikativen Verhältnissen lokaler sozialer Räume verankert sind und demokratische Prozesse und Einstellungen beeinflussen. In diesem Zusammenhang interessieren uns auch systematische Unterschiede zwischen Raum- und Siedlungstypen.
(3) Die Verbindung von Untersuchungen demokratischer Räume mit Analysen über ihre Zeitlichkeit. Demokratie kommt ohne einen progressiven Zukunftsbezug nicht aus. Zugleich wird sie in regressiven Zeiten an das Ideal einer wiederherzustellenden Vergangenheit geknüpft, die ihren eigenen Grundsätzen widerspricht.
(4) Die Entwicklung von Handlungsperspektiven zur Stärkung der Demokratie im Rahmen von transdisplinärer, partizipativerForschung gemeinsam mit politischen und gesellschaftlichen Akteur*innen.
Das Fachgebiet von Prof. Kristina Dietz forscht im Rahmen von "DemoReg" gemeinsam im Prof. Bernd Belina (Goethe-Universtität Franfurt), Dr. Reiner Becker (Demokatiezentrum Hessen), Prof. Eva Wegner (Philipps-Universität Marburg) und Prof. Miguel Pellicer (Philipps-Universität Marburg) zu populistisch-diskursiven Konstruktionen von Stadt-Land-Gegensätzen. Ziel ist es, populistische Anrufungen des Landes im öffentlichen Diskurs zu rekonstruieren, um in hessischen Dörfern zu untersuchen, ob, wie und warum diese Anrufungen verfangen. Ausgehend von der Beobachtung weltweiter Tendenzen der Veränderungen von Stadt-Land-Beziehungen im Kontext demokratischer Regression Die Ergebnisse der Forschung diskutieren wir international vergleichend
Der Verbund ist Teil des vom Hessisches Ministerium für Wissenschaft und Forschung, Kunst und Kultur aufgelegten Programms „Stärkung der Demokratieforschung Hessen“, welches zum „Sofort-Programm 11+1“ der hessischen Landesregierung gehört und wird durch das Ministerium gefördert.
SprecherInnen sind Prof. Dr. Ursula Birsl (Philipps-Universität Marburg) und Prof. Dr. Thomas Biebricher (Goethe-Universität Frankfurt)
weitere Informationen: https://www.uni-marburg.de/de/aktuelles/news/2025/starke-demokratie-durch-starke-forschung-hessens-neuer-forschungsverbund
Abgeschossene Forschungsprojekte
- August 2014 bis Dezember 2019 (abgeschlossen): „GLOCON: Globaler Wandel - lokale Konflikte? Landkonflikte in Lateinamerika und Subsahara-Afrika im Kontext interdependenter Transformationsprozesse“ (Leitung mit Prof. Dr. Bettina Engels). Gefördert durch das BMBF im Rahmen der Fördermaßnahme „Nachwuchsgruppen Globaler Wandel, 4+1“. (s. www.land-conflicts.net)
- Juli 2009 bis Oktober 2013 (abgeschlossen): "Fair-Fuels? – Zwischen Sackgasse und Energiewende: Eine sozial-ökologische Mehrebenenanalyse transnationaler Biokraftstoffpolitik." (Ko-Leitung mit Prof. Bernd Hirschl, Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW, Berlin). Gefördert durch das BMBF im Rahmen der Sozial-Ökologischen Forschung (SÖF) https://www.fair-fuels.de/