Befürworten Eltern den Einsatz von Wearables in der Familienforschung?
Methodenentwicklung hin zu innovativen Techniken der Zeitverwendungserhebung
Die valide Messung von Zeitverwendung in der empirischen Sozialforschung ist mit erheblichen methodischen Herausforderungen verbunden. Etablierte Erhebungsverfahren wie Zeitbudgettagebücher und retrospektive Befragungen weisen systematische Messfehler auf, die die Aussagekraft der erhobenen Daten begrenzen. Dazu zählen insbesondere Verzerrungen durch soziale Erwünschtheit, Erinnerungsfehler sowie Reaktivitäts- und Ermüdungseffekte im Verlauf des Erhebungsprozesses. Darüber hinaus ist die Abbildung simultan ausgeübter Tätigkeiten mit klassischen Instrumenten nur eingeschränkt möglich. Diese Problemlagen sind in sensiblen Forschungsfeldern, wie bei der Untersuchung familiärer Arbeitsteilung oder bei Studien unter Einbeziehung von Kindern, in besonderem Maße relevant.
Vor diesem Hintergrund adressiert das Projekt das methodische Innovationspotenzial von Wearables, insbesondere am Körper getragenen RFID- und GPS-Sensoren, für die Zeitverwendungsforschung. Der Einsatz solcher Technologien eröffnet die Möglichkeit einer kontinuierlichen Erfassung von Aktivitätsmustern aller Personen eines Haushalts und wird im Projekt als komplementärer Ansatz zu bestehenden Erhebungsmethoden untersucht.
Zentraler Gegenstand des Projekts ist die empirische Analyse der Akzeptanz des Einsatzes von Wearables aus der Perspektive von Eltern. Untersucht wird, unter welchen methodischen, ethischen und praktischen Bedingungen eine Teilnahme an entsprechenden Erhebungen als akzeptabel bewertet wird, insbesondere mit Blick auf die Einbindung von Kindern in den Erhebungsprozess.