DemoReg
„Jugend im Fokus“ – Forschungsprojekt im Verbund „DemoReg – Herausforderungen der Demokratie in Zeiten ihrer Regression: Zeiten, Räume und Diskurse“ (Laufzeit 09/2025-12/2028)
Hessischer Forschungsverbund gefördert durch das Hessische Ministeriums für Wissenschaft und Forschung, Kunst und Kultur (HMWK) in der Förderlinie „Stärkung der Demokratieforschung in Hessen“
DemoReg analysiert an acht hessischen Hochschulstandorten unter der Leitung von Prof. Dr. Ursula Birsl (Universität Marburg) und Prof. Dr. Thomas Biebricher (Goethe Universität Frankfurt am Main) und in über 20 Fachgebieten trans- und interdisziplinär demokratische Regression. Beteiligt sind: Philipps-Universität Marburg (Verbundkoordination); Goethe-Universität Frankfurt am Main; Universität Kassel Technische Universität Darmstadt; Frankfurt University of Applied Sciences; Hochschule Darmstadt; Institut für Sozialforschung Frankfurt am Main; Sigmund-Freud-Institut Frankfurt am Main. Theoretisch wie empirisch wird in verschieden Teilprojekten zu folgenden Fragen geforscht: Was genau sagt die Diagnose der demokratischen Regression aus und wie lässt sie sich empirisch belegen? Welche Erklärungen lassen sich für einen solchen Befund anführen? Und welche Strategien können entwickelt werden, um antidemokratischen Tendenzen in Deutschland entgegenzuwirken?
Das Teilprojekt „Jugend im Fokus“ (JIF) am Fachgebiet Soziologie der Diversität der Universität Kassel unter der Leitung von Prof. Dr. Elisabeth Tuider und Projektmitarbeit von Tom Fixemer fragt nach dem zivilgesellschaftlichen Engagement junger Menschen gegen rechts und für Demokratie. Gemeinsam mit dem Arbeitsbereich Schule und Jugend der Goethe-Universität Frankfurt, vertreten durch Prof. Dr. Merle Hummrich und Dr. Iva Hradská, wird das Projekt in einem partizipativen und kooperativen Forschungsdesign realisiert. JIF ist Teilprojekt im Workpackage „Demokratische Regression und Zivilgesellschaft – empirische Manifestationen in Hessen“ und steht in enger Zusammenarbeit mit dem Teilprojekt „Lokale Demokratieinitiativen als Konfliktakteure“ von Prof. Dr. Charlotte Dany (Hochschule Darmstadt) und Prof. Dr. Greta Wagner (Goethe-Universität Frankfurt).
Projekt „Jugend im Fokus“
In „JIF“ sehen wir junge Menschen als Akteur*innen des zivilgesellschaftlichen Engagements in der postmigrantischen Gesellschaft. Dabei rücken wir das zivilgesellschaftliche Engagement ins Zentrum der Verhandlung von Demokratie und ihrer regressiven Dynamiken. Empirischer Ausgangspunkt sind die Befunde, dass die Diversität der postmigrantischen Gesellschaft vor dem Hintergrund multipler globaler Krisen wie Klima, Krieg und Wirtschaft als bedrohlich ausgegeben und politisiert wird, auch in den Social Media. Damit gehen für einige Verlustängste um den Erhalt von Wohlstand und gesellschaftlicher Stabilität einher. Andere setzen sich ein gegen antidemokratische Tendenzen. Junge Menschen sind im zivilgesellschaftlichem Engagement aktiv, um solchen Sorgen mit politischem und gesellschaftlichem Engagement sowie sozialer Teilhabe zu begegnen (vgl. Albert et al. 2024; Die Techniker 2025).
Partizipativ geforscht wird in „Jugend im Fokus“ über den Ansatz, hessenweit ländlich und städtisch an verschiedenen Orten des Engagements wie in Jugendgruppen, in Initiativen, auf Demonstrationen und anderen Treffpunkten mit jungen Menschen ins Gespräch zu kommen. Für welche Themen setzen sich junge Menschen ein, wie handeln sie gegen antidemokratische Entwicklungen und wie können sich junge Menschen und Forschende gegenseitig bei der Förderung von demokratischen Teilhabe gegen rechts unterstützen?
Methodisch kommt in JIF eine multi-sited-ethnography zum Einsatz (vgl. Marcus 1995) (follow-the-youth; follow-the-civic-engagement; follow-the-conflict). Entsprechend einem partizipativen Forschungsvorgehen (vgl. von Unger 2014) wollen wir mit jungen Menschen Handlungsstrategien gegen rechts und für Demokratie analysieren und reflektieren.
Über Social Media Postings rechter Akteure untersuchen wir diskursanalytisch, wie junge Menschen in rechten, rechtsextremen und weiteren demokratiefeindlichen Diskursivierungen adressiert werden. In Gesprächen mit junge engagierten Menschen fragen wir auch, welche Auswirkungen diese Adressierung auf ihre politischen Positionierungen haben.
Wir fragen also subjektivierungsanalytisch (vgl. Butler 2001; Spies/Tuider 2022), wie sich Subjektivierungsprozesse junger Menschen zwischen zivilgesellschaftlichem Engagement und rechter Einflussnahme darstellen. Ziel von „Jugend im Fokus“ ist es daher, aktuelle Ansätze zur politischen Bildung durch die im Projekt erhaltenen Erkenntnisse aus den Gesprächen mit jungen Menschen und den empirischen Forschungsergebnissen zu ergänzen.
Save the Date: 2. Juni 2026 - "Aktionswoche Wissenschaft gegen Faschismus"
Für die Woche vom 01. bis zum 07. Juni 2026 haben die organisierten "Studis gegen Rechts" zur antifaschistischen Aktionswoche www.wissenschaft-gegen-faschismus.de aufgerufen.
Das Fachgebiet Soziologie der Diversität unter der Leitung von Prof. Dr. Elisabeth Tuider schließt sich diesem Aufruf an mit einem Workshop.
Am 02. Juni 2026 von 12 bis 14 Uhr laden wir Studierende der Uni Kassel ein zum Workshop “Rechte Narrative in Social Media Posts analysieren”.
Bitten möchten wir für die Vorbereitung bis zu 3 Postings auszuwählen und bei der Anmeldung über Moodle als Screenshot hochzuladen (inkl. Caption, Link zum Post, Veröffentlichungsdatum des Posts, ggf. auch zentrale Kommentare auswählen).
Der Workshop steht im Kontext des Forschungsprojektes "Jugend im Fokus" im hessenweiten Verbund "DemoReg: Herausforderungen der Demokratie in Zeiten ihrer Regression" (Laufzeit: 09/2025 - 12/2028). Weitere Infos zum Projekt sind hier zu finden: DemoReg
Wir freuen uns über zahlreiche Anmeldungen.
Prof. Dr. Elisabeth Tuider und Tom Fixemer
Save the Date: JIF-Workshop am 17.04.2026 in Kassel
Literatur
Albert, Mathias/Quenzel, Gudrun/Leven, Ingo/de Moll, Frederick/McDonnell, Sophia/Rysina, Anna/Schneekloth, Ulrich/Wolfert, Sabine (2024): Jugend 2024. Pragmatisch zwischen Verdrossenheit und gelebter Vielfalt. Shell Deutschland. Weinheim, Basel: Beltz Juventa.
Butler, Judith (2001): Psyche der Macht. Das Subjekt der Unterwerfung. Frankfurt a.M.: Suhrkamp.
Die Techniker (Hrsg.): Stressreport 2025. Hamburg.
Marcus, George E. (1995): Ethnography in/of the World System: The Emergence of Multi-Sited Ethnography. In: Annual Review of Anthropology, 24, S. 95–117.
Spies, Tina/Tuider, Elisabeth (2022): Subjektivierung und Othering in der postmigrantischen Gesellschaft. Entwurf einer intersektional-dekolonialen Subjektivierungsforschung. In: Siouti, Irini/Spies, Tina/Tuider, Elisabeth/von Unger, Hella/Yıldız, Erol (Hrsg.): Othering in der postmigrantischen Gesellschaft. Bielefeld: transcript, S. 57–83.
von Unger, Hella (2014): Partizipative Forschung. Einführung in die Forschungspraxis. Wiesbaden: Springer VS.