Sommersemester 2026
Lehrveranstaltungen Sommersemester 2026
Das interdisziplinäre Seminar widmet sich der Architektur- und Stadtgeschichte Kassels in der unmittelbaren Nachkriegszeit. Im Zentrum steht die Auseinandersetzung mit den „provisorischen“ Lösungen, die nach 1945 infolge der massiven Zerstörungen notwendig wurden: Behelfsheime, Notunterkünfte, Trümmerverwertung, Kasernennutzung, temporäre Verwaltungsbauten und improvisierte Infrastrukturen. Kassel ist hierfür ein besonders aufschlussreiches Fallbeispiel: als stark zerstörte Stadt, als Ort für frühe Experimente des Wiederaufbaus und als Bühne für langfristige urbane Transformationen – nicht zuletzt im Rahmen der documenta und der damit verbundenen städtebaulichen Neuausrichtung. Das Seminar kombiniert geschichtswissenschaftliche Methoden mit Perspektiven aus Architektur und Stadtplanung.
Leitfragen:
- Wie reagierte Kassel auf die Zerstörung seiner Infrastruktur und Wohnquartiere?
- Welche Behelfsbauten und Umnutzungen prägten das Stadtbild – und welche sind heute noch sichtbar?
- Wie wurden provisorische Strukturen langfristig in die urbane Ordnung integriert – oder verdrängt?
Arbeitsformen und Inhalte:
- Quellenarbeit: Bauakten, Stadtpläne, Fotografien (Stadtarchiv Kassel, documenta-Archiv, Landesbibliothek)
- Ortsbegehungen: z. B. Frankfurter Straße, Areale um die Wilhelmshöher Allee (Kasernen, spätere Verwaltungsnutzung)
- Theoretische Zugänge: Texte zur Geschichte der Nachkriegszeit und des Wiederaufbaus, temporärer Architektur und Erinnerung im Stadtraum
- Projektarbeit in Kleingruppen: Dokumentation und Analyse eines Bauwerks oder Quartiers im Hinblick auf Nutzungskontinuitäten und -brüche
Ziel des Seminars:
Die Teilnehmer:innen sollen lernen, urbane Räume als Produkte sozialer, politischer und materieller Aushandlungsprozesse zu lesen. Das Seminar untersucht Kassel als Labor der Nachkriegsmoderne: Provisorische Bauten, dauerhafte Strukturen, Umnutzungen und erinnerungspolitische Aushandlungen. Ziel ist die Erarbeitung einer gemeinsamen Ausstellung, die auf Archivarbeit, stadträumlicher Analyse und historisch-theoretischer Reflexion basiert.
Literatur zur Vorbereitung:
Lüken-Isberner, Folckert. Große Pläne für Kassel 1919-1949 : Projekte zu Stadtentwicklung und Städtebau. Marburg: Schüren 2017.
Durth, Werner, und Niels Gutschow. Träume in Trümmern : Planungen zum Wiederaufbau zerstörter Städte im Westen Deutschlands 1940 – 1950. Braunschweig [u.a.]: Vieweg, 1988.
Dieses Seminar widmet sich einer umfassenden Kulturgeschichte des Britpop und beleuchtet dabei sowohl dessen musikalische als auch gesellschaftliche Dimensionen. Ausgangspunkt ist die Beobachtung, dass Britpop weit mehr war als nur ein Sound: Die Musikrichtungen und Künstler*innen, die seit den 1970er-Jahren den Boden bereiteten und in den 1990er-Jahren zum Inbegriff von „Cool Britannia“ wurden, stehen stets in engem Zusammenhang mit sozialen, politischen und wirtschaftlichen Entwicklungen Großbritanniens. Indem wir die Entstehungsbedingungen, den Höhepunkt und die Nachwirkungen des Britpop-Phänomens bis in die 2010er-Jahre untersuchen, eröffnen wir einen spannenden Zugang zu Fragen der Identitätsbildung, Populärkultur und Nationalstolz im modernen Großbritannien.
Im Zentrum steht die Analyse von Musik, Songtexten (und Medienberichten), wodurch die Rolle des Britpop als kulturelle Ausdrucksform deutlich wird, die gesellschaftliche Veränderungen kommentierte und zugleich selbst mitgestaltete. Durch die Einbettung in historische Kontexte – von den wirtschaftlichen Umbrüchen der Thatcher-Ära bis hin zur New Labour-Regierung Tony Blairs – lassen sich Wechselwirkungen zwischen Popkultur und gesellschaftspolitischen Strömungen herausarbeiten. Dabei wird auch der Begriff „Cool Britannia“ kritisch reflektiert, indem wir fragen, wie bestimmte Bilder, Werte und Emotionen über Medien und Mode inszeniert wurden. Inhaltliche Ziele des Seminars sind das Kennenlernen wesentlicher Phasen des Britpop, das Verständnis für dessen Einbettung in die moderne Geschichte Großbritanniens und die Befähigung, Popmusik als historische Quelle methodisch angemessen zu interpretieren. Die Studierenden sollen zudem die Fähigkeit erwerben, kulturelle Phänomene kontextualisiert zu hinterfragen: Didaktische Ziele sind die Vermittlung und das Training historischer Methodenkompetenz, etwa im Umgang mit Musikaufnahmen und Medienberichten als Quellen, sowie die Schulung im kritischen Lesen wissenschaftlicher Texte zu Popkultur und Gesellschaft.
Das Seminar ist für Studierende im Bachelor Geschichte und Lehramtsstudierende konzipiert. Es fordert und fördert eine aktive Teilnahme, bei der sowohl fachwissenschaftliche als auch didaktische Perspektiven zusammengeführt werden, um den Facettenreichtum des Themenkomplexes „Britpop“ zu erschließen und auch für den Einsatz in schulischen Lernkontexten nutzbar zu machen.
Die Veranstaltung wendet sich an Studierende, die im Arbeitsbereich der Sozial- und Kulturgeschichte, insbesondere auch der Tiergeschichte, eine Abschlussarbeit - BA, MA oder Staatsexamen - schreiben oder vorhaben dies zu tun. Sie bietet denjenigen, die bereits an ihrer Arbeit sitzen, die Möglichkeit Schwierigkeiten zu besprechen und Fragen zu klären und denjenigen, die noch auf der Suche nach einem Thema sind, Hilfe bei Themenfindung und dabei, das Thema richtig zuzuschneiden und eine Fragestellung zu entwickeln. Zudem soll die Veranstaltung alle Teilnehmer:innen dabei unterstützen, ihre Arbeiten in aktuelle Forschungskontexte einzubinden. Dazu haben Sie die Möglichkeit auch gemeinsam zentrale, themenrelevante Sekundärliteratur zu diskutieren.
Wir werden uns im Seminar also sowohl mit technisch-methodischen Fragen des wissenschaftlichen Schreibens als auch Perspektiven und Fragestellungen diskutieren, die für das Fach relevant sind.
Literatur:
- Jordan, Stefan, Theorien und Methoden der Geschichtswissenschaft, UTB, 2018.
- Neumann, Friederike, Schreiben im Geschichtsstudium. UTB GmbH, 2018
Das Seminar untersucht Mensch–Tier-Beziehungen als zentrale, bislang häufig marginalisierte Dimension von Nachhaltigkeit und sozial-ökologischer Transformation. Ausgehend von historischen, kultur- und sozialwissenschaftlichen Perspektiven verbindet das Seminar Ansätze der Umwelt- und Tiergeschichte, der Environmental Humanities sowie der Human-Animal Studies. Im Fokus steht die Frage, wie Tiere in unterschiedlichen historischen und gegenwärtigen Kontexten in gesellschaftliche Macht-, Herrschafts- und Ungleichheitsverhältnisse eingebunden sind und welche Rolle sie in Nachhaltigkeitsdiskursen spielen. Thematisiert werden unter anderem die Geschichte des Nachhaltigkeitsbegriffs, historische Mensch–Tier-Verhältnisse von der Domestikation bis zur Industrialisierung, das Anthropozän, NaturenKulturen, globale Ungleichheiten in Mensch-Tier-Beziehungen, tierethische Fragen von Gerechtigkeit und Solidarität sowie die Rolle von Tieren in Nachhaltigkeitspolitik, Naturschutz und Biodiversität. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Transformation von Ernährungssystemen und den damit verbundenen ethischen, sozialen und kulturellen Konflikten. Neben der gemeinsamen Diskussion wissenschaftlicher Texte integriert das Seminar auch kreative und reflexive Arbeitsformen, um alternative Perspektiven auf Mensch–Tier-Natur-Verhältnisse zu eröffnen. Ziel ist es, die Studierenden dazu zu befähigen, komplexe historische und gegenwartsbezogene Zusammenhänge kritisch zu analysieren, Macht- und Ungleichheitsverhältnisse in Mensch-, Tier- und Naturbeziehungen zu reflektieren und Tiere als relevante Akteure in Prozessen nachhaltiger Entwicklung mitzudenken. |
PastureScapes project aims to raise awareness at university and civil society level in the Kassel-Witzenhausen-Göttingen region about the current role, the opportunities and challenges of mobile livestock systems and pastoralist communities in sustainable land management, carbon sequestration, and biodiversity conservation. Through a series of public events held every month or every six weeks in 2026, the project will showcase pastoral systems from various regions around the world, highlighting their ecological, economic, and socio-cultural importance and the challenges they are facing, and promote a deeper understanding and appreciation for the animal-environmental knowledge of pastoralist communities and individuals. By engaging students, practitioners, scientists, activists, and the public, PastureScapes will raise regional awareness for the importance of the topics as specified for the IYRP2026 (https://iyrp.info/).
Possible areas of discussion:
1. Showcase various herding cultures: Highlight diverse rangeland ecosystems and pastoralist communities, illustrate their unique herding practices, lifestyles, and contributions to sustainable land use.
2. Ecological benefits: Present the environmental benefits of mobile livestock systems, such as carbon sequestration, improved soil health, and biodiversity conservation, using examples from contrasting regions, examining similarities and differences and the underlying reasons.
3. Threats and challenges: Address the threats faced by pastoralist communities, including land grabbing for food, feed and biomass cropping, renewable energy production (e.g., solar parks), policy pressures (e.g., sedentarisation policies, nature conservation projects, veterinary regulations for tracking in Europe), and insecurity (banditry, terrorism).
4. Social dimensions: Examine the social aspects of pastoral mobility, including social isolation, remoteness, limited access to education and health care, and the resulting decline in youth participation (among other reasons).
5. Historical perspectives and human-animal relations: Explore the long-term history of pastoralism as a form of human-animal cohabitation and cooperation. How have relationships between herders and their animals shaped cultures, economies, and landscapes from antiquity to the present? What continuities and transformations can be observed in practices of care, control, and co-existence with livestock?
Possible activities:
1. Guest lectures and panels: Invite experts, researchers, and practitioners to share their insights on rangelands and pastoralism. Online or in-person events, depending on where the experts are located.
2. Film evenings: Show films and documentaries that showcase the life and challenges of pastoralist communities.
3. Cultural exhibition in the Mensa building: Organize exhibitions featuring traditional artefacts, crafts, and stories from pastoralist cultures.
4. Interactive workshops: Conduct workshops with practitioners and students to discuss sustainable grazing practices and needed policy support.
5. Field trips: Arrange visits to sites in the region that are managed by mobile pastoralists to provide hands-on learning experiences.